Schon seit Jahren möchte Werder Bremen sein marodes und längst nicht mehr zeitgemäßes Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in der Pauliner Marsch neugestalten.
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Schon seit Jahren möchte Werder Bremen sein marodes und längst nicht mehr zeitgemäßes Leistungszentrum (LZ) in der Pauliner Marsch neugestalten.

Viel Konflikt-Potential mit Anwohnern

Neues Leistungszentrum des SV Werder Bremen: Heiße Debatte um Standort Pauliner Marsch

Bremen – Wie kompliziert und konfliktträchtig das ganze Thema ist, über das am Samstag im VIP-Bereich des Weserstadions diskutiert wurde, zeigt im Grunde schon diese eine Bitte, die Hubertus Hess-Grunewald während der rund fünfstündigen Veranstaltung wiederholt an seine Zuhörer gerichtet hatte. „Nehmen Sie doch bitte mit, dass wir das alles nicht machen, um Sie zu ärgern, sondern dass es für uns eine Frage von übergeordneter, wenn nicht existenzieller Bedeutung ist“, hatte der Präsident und Geschäftsführer des SV Werder Bremen gesagt und damit bei Bürgern und Anwohnern eindringlich um so etwas wie ein Grundverständnis für die Problematik geworben. Und damit herzlich Willkommen in der heißen Debatte rund um die geplante Modernisierung des Werder-Leistungszentrums (LZ).

Zur Erinnerung: Schon seit Jahren möchte (und muss) der Verein sein marodes und längst nicht mehr zeitgemäßes Leistungszentrum in der Pauliner Marsch neugestalten und bauliche Veränderungen vornehmen, was in einem von Hochwasser gefährdeten Bereich aber an strikte Auflagen gebunden ist. Hinzu kommt, dass rund 400 Anwohner am Osterdeich ein im Grundbuch festgeschriebenes, historisches „Verbietungsrecht“ haben, sprich: Werder Bremens Pläne per Veto jederzeit stoppen können. „Wir wissen, wie fragil die ganze Sache ist“, sagte Hubertus Hess-Grunewald, dessen Verein hofft, durch ein im Sommer gestartetes Moderationsverfahren mit Anwohnern und Politik zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung zu kommen. Deshalb auch der Termin am Samstag, der den Auftakt einer sechsteiligen Workshop-Reihe darstellte, nach deren Ende entschieden werden soll, ob es Sinn ergibt, das Moderationsverfahren fortzuführen – oder nicht. Hess-Grunewald: „Es geht um die Frage, ob wir am Ende die Chance sehen, einen Kompromiss hinzubekommen.“

Neues Leistungszentrum? „Jede Bezirkssportanlage in Bremen ist besser als das, was Werder bieten kann“

Die erste schlechte Nachricht gab es für die Veranstalter, da hatte der Workshop am Samstag noch gar nicht begonnen. Gerade einmal 50 Personen waren zu dem Termin gekommen, was Markus Birzer, der Moderator des Verfahrens, „eigenartig“ nannte, ehe er darauf verwies, dass im Vorfeld Flyer an rund 3000 Haushalte verteilt worden seien. Während des ersten Workshops ging es dann um Grundsätzliches. Hubertus Hess-Grunewald legte nachvollziehbar dar, wie schlecht der Zustand des in den 1960er Jahren gebauten Leistungszentrum ist („Jede Bezirkssportanlage in Bremen ist besser als das, was Werder bieten kann“) und hob die breite Nutzung der Anlage hervor, auf der neben Werder Bremen mehrere andere Vereine und Schulen aktiv sind, was auch in Zukunft so bleiben soll. Nachdem Andreas Nagel, der Direktor Sport und Nachwuchs der Deutschen Fußball Liga (DFL), auf Einladung Werders die grundsätzliche Notwendigkeit der Leistungszentren im deutschen Profifußball verdeutlicht hatte – seit der Saison 2001/2002 muss sie jeder Bundesligist vorhalten –, ging es um mögliche Standortalternativen zur Pauliner Marsch.

Baut Werder Bremen ein neues Leistungszentrum in der Pauliner Marsch? Große Skepsis bei den Anwohnern

Das Bremer Planungsbüro BPW Stadtplanung hatte sich anhand verschiedener Kriterien neben der Pauliner Marsch drei weitere Areale im Stadtgebiet angesehen – und kam zu dem Ergebnis, dass keines davon für ein LZ, wie es Werder Bremen vorschwebt, geeignet ist. Sowohl bei der Galopprennbahn (andere städtische Planungsabsichten), im vorderen Woltmershausen (Sportnutzung nicht vorgesehen, andere städtische Planungsabsichten) als auch in der Osterholzer Feldmark (zum Teil bereits als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen) fanden die Stadtplaner Argumente gegen ein Leistungszentrum. Für die Pauliner Marsch hingegen gaben sie grünes Licht für einen hochwasser-angepassten Bau. „Es ist ein gewachsener Standort, bei dem eine verhältnismäßig geringe Neuversiegelung nötig wäre“, erklärte Stadtplanerin Nicole Braun. Ein möglicher Umzug des LZ ins niedersächsische Umland, etwa ins benachbarte Weyhe, wurde von ihr nicht thematisiert.

Gegen Ende des Workshops herrschte unter den Teilnehmern durchaus Einigkeit, dass das Leistungszentrum nicht so bleiben kann, wie es derzeit ist, was Werder Bremen als Teilerfolg verbuchen kann. Die große Skepsis gegenüber eines Baus in der Pauliner Marsch war aber weiterhin förmlich mit Händen zu greifen. „Uns ist natürlich bewusst, dass wir am Ende auch kompromissbereit sein müssen“, sagte Hubertus Hess-Grunewald, dessen Verein noch fünf Workshops bleiben, um bei den Anwohnern für das Großprojekt zu werben. Ausgang offen. (dco)

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