Wird Werder sein Leistungszentrum (wie auf diesem Entwurf) am Osterdeich bauen oder müssen die Bremer nach Niedersachsen ziehen?
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Wird Werder sein Leistungszentrum (wie auf diesem Entwurf) am Osterdeich bauen oder müssen die Bremer nach Niedersachsen ziehen?

Der schwierige Weg zum neuen Leistungszentrum

Wandert Werder nach Weyhe aus?

Bremen - Hubertus Hess-Grunewald wollte es nicht als Drohung verstanden wissen, das betonte er ausdrücklich, doch der Werder-Geschäftsführer konnte sich den Hinweis nicht verkneifen: Wenn der Bundesligist sein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in der Pauliner Marsch am Weserstadion nicht grundlegend erneuern darf, dann sei eine Zukunft in Bremen nicht möglich und damit ein Umzug nach Niedersachsen wahrscheinlich – möglicherweise nach Weyhe. 

Die Sitzung des Beirats östliche Vorstadt in Bremen zeigte am Dienstagabend, dass es für Werder alles andere als einfach wird, die Pläne wirklich umzusetzen – und das liegt nicht nur an skeptischen Anwohnern. Robert Bücking, der ehemalige Ortsamtsleiter, stellte in den Weserterrassen eine Grundsatzfrage: „Ist es klug, solche Investitionen in einem Risikobereich zuzulassen?“ 

Hochwasserschutzgebiet Pauliner Marsch

Die Pauliner Marsch ist ein Hochwasserschutzgebiet. Sollte die Weser über die Ufer treten, ist es eine wichtige Ausgleichsfläche und schützt die Stadt vor einer Überflutung. Wie schnell das Wasser kommen kann, zeigte das Jahr 2013, als das Weserstadion beinahe abgesoffen wäre.

Deshalb wurden inzwischen Spundwände rund um die Arena gebaut und weitere Maßnahmen ergriffen. Die Kosten von acht Millionen Euro trug zum größten Teil Werder, die Stadt Bremen war aber auch direkt und indirekt über die gemeinsame Stadiongesellschaft mit Werder beteiligt. 

Die neue Talentschmiede soll zwischen "Platz 11" und Osterdeich gebaut werden.

Fakt ist: Das geplante Nachwuchsleistungszentrum mit einem kleinen Stadion für 5500 Zuschauer würde nicht direkt geschützt. Das Wasser muss sogar aufs Spielfeld gelangen können, um weiterhin eine Ausgleichsfläche zu sein. Die Baukörper sollen allerdings so gestaltet werden, dass bis zu einer bestimmten Höhe kein Wasser eindringen kann. Trotzdem würde ein Hochwasser, das mehrere Tage anhalten würde, zu großen Schäden führen. 

Talente sollen in unmittelbarer Nähe bleiben

Werder kennt natürlich das Risiko. Will es aber eingehen, um den Standort Pauliner Marsch zu erhalten. Die Talente sollen unbedingt weiterhin in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Profis ausgebildet werden. Das ist ein besonderes Merkmal im bundesweiten Wettbewerb. Dafür wird sogar auf eine größere Fläche mit mehr Luxus, wie er von anderen Clubs angeboten wird, verzichtet. Klein, aber fein soll das neue NLZ werden, das auf den bisherigen Trainingsplätzen der U23 gebaut werden soll – quasi gespiegelt zu Platz 11 Richtung Osterdeich.

Das alte Stadion mit der Laufbahn soll weiterhin genutzt werden, aber auch mehr dem Breitensport zur Verfügung gestellt werden. Zwischen den beiden Sportanlagen sollen zwei dreigeschossige Gebäude (zehn bis zwölf Meter Höhe) mit einer Fläche von 3200 Quadratmetern entstehen. Das überdachte Stadion soll nicht höher als 8,5 Meter werden und dadurch nicht wie ein wuchtiger Klotz Mitten in der Pauliner Marsch wirken. 

Doch genau das befürchten viele Anwohner. Außerdem leide das Naherholungsgebiet schon jetzt unter Werder – speziell an Spieltagen im Weserstadion, aber auch auf Platz 11. Werder hält dagegen, dass die Belastung durch das neue Stadion geringer werden könnte. Außerdem würden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das gesamte Gebiet attraktiver zu gestalten, wie es tatsächlich auch beim Hochwasserschutz für das Weserstadion geklappt hat. 

Viele Anwohner sind trotzdem skeptisch. Es gab zwar bei der Beiratssitzung nicht die zunächst erwarteten großen Proteste, aber durchaus deutliche Worte. „Wir haben die Nase voll“, sagte zum Beispiel Nikolaus Clemens. Der Anwohner kritisierte, dass Werder in der Vergangenheit dann doch immer etwas mehr gebaut habe, als ursprünglich geplant – und das sei dann so hinzunehmen gewesen. 

Er würde den Club als Fan und regelmäßiger Stadionbesucher zwar unterstützen, „aber ein neues Nachwuchsleistungszentrum in diesem Gebiet muss wirklich nicht sein. Das kann man auch in Gröpelingen bauen.“ Doch da widerspricht Hess-Grunewald. „Es gibt keine geeignete Fläche in Bremen, zumindest wurde uns bislang keine genannt“, behauptete der Werder-Geschäftsführer. 

Existenz des Bundesligastandorts steht auf dem Spiel

Benötigt werde eine Fläche von 50 Hektar, um dann wirklich alle Wünsche zu erfüllen. In der Pauliner Marsch gibt sich Werder mit wesentlich weniger zufrieden, „weil wir dort hingehören und unbedingt bleiben möchten“, betonte Hess-Grunewald. Es gehe dabei auch um die Existenz des Clubs. „Ohne ein neues Nachwuchsleistungszentrum sind wir auf Dauer nicht konkurrenzfähig, damit wäre der Bundesliga-Standort Bremen nicht mehr haltbar“, prophezeite der Geschäftsführer, der auch zugleich Präsident des Vereins ist. 

So soll der Innenraum der neuen Spielstätte aussehen.

Die meisten anderen Erstligisten, aber auch Zweit- und Drittligisten hätten Werder längst eingeholt, teilweise sogar überholt. Die Bauten an Platz 11, die aus den 1960er Jahren stammen, seien marode und kaum noch nutzbar. Es müsse schnell gehandelt werden.

Doch so einfach ist das nicht. Es müssen nicht nur die Anwohner zustimmen, von denen einige sogar ein besonderes Recht besitzen. Ihnen wurde Mitte des 18. Jahrhunderts per Grundbucheintrag ein freier Blick auf die Weser zugesichert. Seitdem ist ihr Veto bei fast jedem Bauvorhaben in der Pauliner Marsch bindend. Es gibt auch weitere Bürgerinitiativen, die bereits Gegenwehr angekündigt haben. 

Frank Baumann nahm auch an Beiratssitzung teil

Und dann müsste der ganze Bau auch noch von der Stadt und der Wasserbehörde genehmigt werden, was in diesem hochsensiblen Bereich alles andere als sicher ist. Werder geht das Thema sehr vorsichtig an, spricht deshalb nur von Ideen und nicht von Planungen. Die Bürger sollen mitgenommen werden, deswegen die Vorstellung in der Beiratssitzung, an der auch Sportchef Frank Baumann teilnahm. Das soll die Bedeutung des Projekts für den Bundesligisten unterstreichen. 

Und dazu passt dann eben auch Hess-Grunewalds Flirt mit Niedersachsen: „Herr Bovenschulte in Weyhe würde sich freuen, wenn wir dorthin gehen würden.“ Noch ist Andreas Bovenschulte Bürgermeister der Gemeinde Weyhe, er möchte im Mai in die Bremische Bürgerschaft einziehen. In der Vergangenheit hat es bereits Gespräche gegeben, wo Platz in Weyhe für ein NLZ wäre. Dabei ging es um ein Gelände neben dem Freibad in Kirchweyhe. 

Ob das wieder ein Thema wird, hängt davon ab, ob sich Werder mit seinen Ideen in der Pauliner Marsch durchsetzen kann. Nach der Beiratssitzung dürfte jedem klar sein, dass es nicht einfach wird. Aber Werder hat immerhin ein so rücksichtsvolles Konzept vorgelegt, das nicht totale Ablehnung hervorgerufen hat. Das ist zumindest ein Anfang. 

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