+
Werder Bremens Neuzugang Michael Lang (re.) im Gespräch mit DeichStube-Reporter Carsten Sander.

Werder-Neuzugang im DeichStube-Interview

Werder-Profi Lang gegen die schwarz-gelbe Schweiz-Connection: „Siegtor gegen Bürki? Das wäre überragend“

Bremen – Noch nie hat er gegen Borussia Dortmund gespielt. Dennoch verfügt Michael Lang, der Neuzugang des SV Werder Bremen, über eine recht große BVB-Expertise. Der Grund dafür liegt in der Schweiz.

Wer wissen will, wieso das so ist und weshalb der Bremer Rechtsverteidiger auch als Ernährungsexperte sein Geld verdienen könnte, ist herzlich eingeladen, sich im DeichStube-Interview von dem 28-Jährigen informieren zu lassen. Michael Lang spricht vor dem Gastspiel des SV Werder Bremen bei Vize-Meister Dortmund (heute, 18.30 Uhr) zudem über seine Stammplatzambitionen und ein Tor, das ihm wichtiger ist als zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege.

Ein Monat Werder, drei Spiele im neuen Trikot – läuft die Eingewöhnungsphase noch, oder ist sie schon abgeschlossen?

Ich denke, ich bin angekommen. Privat, weil ich mittlerweile in der eigenen Wohnung lebe mit meiner Freundin. Und sportlich neigt sich die Eingewöhnungsphase auch dem Ende entgegen. Jetzt geht es langsam darum, ein fester Bestandteil der Mannschaft und des Vereins zu werden.

Sie sind zunächst nur für eine Saison von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, haben aber von Anfang an betont, dass Sie länger bleiben möchten in Bremen. Dafür müssen Sie sportlich überzeugen. Der Start war verheißungsvoll – oder wie ordnen Sie es ein?

Ich denke, ich habe ein paar Dinge dazu beigetragen, dass es in den letzten Wochen ganz gut gelaufen ist – wenn wir das schlechte Resultat gegen RB Leipzig am vergangenen Wochenende (0:3, d. Red.) mal ausklammern.

Werder Bremen-Neuzugang Michael Lang: Keine Angst vor Konkurrenzkampf mit Theo Gebre Selassie

Wegen der Serie an Verletzungen haben Sie sofort drei Spiele über die volle Distanz gemacht. Nun kehren in Sebastian Langkamp und Milos Veljkovic zwei Innenverteidiger zurück. Was bedeutet: Theo Gebre Selassie könnte wieder auf die Position als Rechtsverteidiger, also auf Ihre Position, zurückkehren. Schlussfolgerung: Nach der Eingewöhnungsphase beginnt für Sie nun die Konkurrenz- und Durchsetzungsphase.

In der Abwehr verschärft sich nun der Kampf um die Positionen, das ist richtig. Aber das ist auch gut so. Jeder wird versuchen, sich durchzusetzen – ich auch. Dann entscheidet sich Woche für Woche nach Leistung, Spielsystem und Gegner, wer zur Startelf gehört. Umso schöner, wenn dabei viele Spieler mit Qualität zur Verfügung stehen.

Haben Sie keine Sorge, dass Sie am Ende der sind, den es erwischt? Schließlich gehört Theo Gebre Selassie seit Jahren zum absoluten Stammpersonal.

Ich erwarte keinen Freifahrtschein, denn so etwas gibt es bei keinem Club in der Bundesliga. Aber ich gehe davon aus, dass nicht danach entschieden wird, ob jemand 19 oder 32 Jahre alt ist oder ob jemand vier Jahre im Verein ist oder vier Wochen.

Bei Ihnen sind es vier Wochen – welchen Eindruck haben Sie in dieser Zeit von Ihrer neuen Mannschaft gewonnen?

Die Mentalität ist einmalig – und nicht nur die der Mannschaft, sondern auch die des Trainerstabes. Hier herrscht immer – egal, welcher Spieler ausfällt – diese Jetzt-erst-recht-Stimmung. Es gibt nie Ausreden, denn es gilt immer: Die Spieler, die auf dem Platz stehen, haben genügend Qualität, um auch gegen große Teams zu bestehen.

Gilt das auch für Werders Partie bei Borussia Dortmund?

Wir fahren dorthin, weil wir Punkte wollen. Aber wir alle wissen, wie schwer es ist, in Dortmund zu bestehen. Wir benötigen schon einen Tag, an dem alles passt für uns.

Kann man als Spieler spüren, ob ein solcher Tag möglich ist?

Ich könnte jetzt antworten: So ein Gefühl hat man immer. Aber das wäre nur dahergesagt. Richtig ist, dass man sich so ein Gefühl in der Woche vor dem Spiel erarbeiten muss. Jeder einzelne muss dieses Gefühl für sich entwickeln, damit wirklich nur Spieler auf dem Platz stehen, die an den Sieg glauben.

Obwohl Sie in Ihrer Karriere noch nie gegen den BVB gespielt haben, gibt es da doch eine besondere Verbindung zwischen Ihnen und den Schwarz-Gelben...

Sie meinen wegen der drei Schweizer plus Trainer Lucien Favre? Ja, das ist schon eine spezielle Geschichte.

Werder Bremen gegen den BVB: Michael Lang würde Kumpel Roman Bürki gernen einen einschenken

Sowohl mit den Torhütern Roman Bürki und Marwin Hitz als auch mit Verteidiger Manuel Akanji haben Sie schon in einem Verein sowie in der Nationalelf gespielt. Konkret: Mit Bürki von 2011 bis 2014 bei den Grasshoppers Zürich, außerdem in der U20-Auswahl. Mit Akanji von 2015 bis 2018 beim FC Basel und mit Hitz einst in der U21 des FC St. Gallen. Das gibt ein ziemlich großes Wiedersehen.

Ich freue mich natürlich drauf. Ich denke, wir werden nach dem Spiel mal ein bisschen miteinander quatschen.

Mit wem aus diesem BVB-Trio stehen Sie am häufigsten in Kontakt?

Akanji treffe ich bei der Nationalmannschaft, Roman Bürki leider nicht mehr. Er will sich nur noch auf den BVB konzentrieren. Das ist schade, denn wir haben uns bei Länderspielen jahrelang ein Zimmer geteilt, auch bei der WM in Brasilien. Er ist ein super-lustiger Typ und ein guter Freund von mir. Wir waren in Zürich viel miteinander unterwegs.

Erzählen Sie doch mal!

Da gibt‘s auf jeden Fall ein paar Geschichten, aber die sind wirklich nichts für die Öffentlichkeit. (lacht)

Sie haben während Ihrer Gladbach-Saison in Düsseldorf gewohnt, Bürki in Dortmund – die Entfernung ist nicht gerade groß, da hätten sie Beiden die alten Zeiten doch aufleben lassen können.

Wir haben uns auch getroffen, aber nicht so oft. So komisch es klingen mag: Aber eine Autostunde hin und eine Autostunde zurück sind in einer Trainingswoche schon zu viel. Deshalb ist es nur bei gelegentlichen Abendessen geblieben. Aber klar: Wir haben gemeinsam mit den Grasshoppers 2013 den Pokal gewonnen, für beide war es der erste Titel der Karriere. So etwas schweißt zusammen. Und immer wenn wir uns sehen, kommen die alten Geschichten auf den Tisch.

Mit Akanji und dem FC Basel sind Sie sogar zweimal Schweizer Meister geworden und haben einmal den Pokal gewonnen.

Manuel hat einen unglaublichen Aufstieg hingelegt – unfassbar. Er kam damals aus der zweiten Schweizer Liga nach Basel, das war ein großer Schritt für ihn. Jetzt ist er ein Führungsspieler bei einem Weltclub wie Dortmund – Chapeau, was er in der kurzen Zeit erreicht hat.

Was verbindet sie heute noch?

Dass wir uns in Basel super verstanden haben. Ich weiß nicht, ob er das vielleicht abstreitet, aber in Basel konnte unter anderem ich ihm ein paar Dinge mit auf den Weg geben, was Arbeitsmoral und Mentalität betraf.

Hatte er das damals nötig?

Ja, aber nur weil er ein noch sehr junger Spieler war. Und bei jedem jungen Spieler kann man noch an Stellschrauben drehen. Manuel hatte schon mit 19, 20 ein gutes Selbstvertrauen und hat sich bestimmt nicht alles sagen lassen. Aber er ist ein schlauer Typ, hat sich die Dinge dann angehört und irgendwann realisiert, dass der mit der größeren Erfahrung vielleicht doch recht hat. Ich denke, das hat ihm auch geholfen auf seinem Weg. Unsere gemeinsame Zeit war super erfolgreich – auch in der Champions League. Das werden wir ein Leben lang teilen. Wer weiß: Vielleicht treffen wir uns in 30, 40 Jahren wieder und werden über Titel und Champions-League-Spiele reden.

Dann ganz sicher auch über jenes 1:0 gegen Manchester United am 22. November 2017, bei dem Sie das Tor erzielt hatten. Ist dieses Spiel Ihr persönliches Karriere-Highlight oder doch eher einer der Meistertitel?

Ein Titel ist super, dafür gibt es eine Medaille oder einen Pokal. Die hat man dann zu Hause, die kann man anfassen. Das ist schon wunderschön. Aber so ein Tor in der Champions League zum Sieg einer kleinen Mannschaft gegen eine große zu erzielen, ist von der Emotionalität her etwas ganz anderes. Weil es als Moment viel seltener, viel intensiver, viel schöner ist. Wenn ich vor die Wahl gestellt würde, das eine behalten zu können, während es das andere nie gegeben hat, dann würde ich mich wahrscheinlich für das Tor entscheiden. Meister sind schon viele geworden in der Schweiz, aber so ein wichtiges Tor in der Champions League haben nur ganz, ganz wenige Schweizer erzielt.

Was helfen denn die Freundschaften zu den Dortmund-Schweizern am Samstagabend?

(lacht) Leider gar nichts. Ich glaube kaum, dass der Bürki einen reinlässt, bloß weil ich sein superguter Kumpel bin.

Nur mal angenommen: Ihnen gelingt gegen Bürki und Akanji das Siegtor für Werder in Dortmund – das würde das Tor gegen ManUnited doch um Längen schlagen.

Ich muss jetzt wohl Ja sagen, oder? Die Schlagzeile fände ich auf jeden Fall überragend.

Michael Lang: Wie ist der Neuzugang von Werder Bremen privat?

Wo liegen nach Feierabend Ihre Interessen?

Beim Essen. Beim gesunden Lebensstil. Bei gemeinsamen Unternehmungen mit meiner Freundin. Bei möglichst viel Zeit mit meiner Familie. Generell bin ich ein Typ, der nicht nur zu Hause rumsitzen möchte. Der Beruf verlangt allerdings Erholungsphasen, deshalb kann man nicht immer irgendwo unterwegs sein. Aber mit meiner Freundin versuche ich, die Lebensqualität hochzuhalten – gerade gesundes Essen betreffend.

Was heißt das?

Wir kaufen frisch ein, kochen selbst. Darauf liegt der Fokus.

Was steht auf Ihrer Tabuliste?

Fertigprodukte und Wurstwaren, aber nicht Fleisch allgemein. Ich bin kein Veganer oder Vegetarier, habe meinen Fleischkonsum aber eingeschränkt. Bei mir gilt: Wenn Fleisch, dann mit Qualität. Ich schaue auch, woher das Fleisch kommt. Glücklicherweise kann ich mir das als Profi-Fußballer leisten, bin aber auch der Meinung, dass ich mit einer gesunden Ernährung in meinen Körper investiere. Und das kommt mir im Beruf wieder zugute. Das ist für mich ein logischer Kreislauf.

Sind Sie der Ernährungsberater im Team?

Nein, das will ich auch nicht sein. Ich würde niemandem sagen: ,Hey, lass‘ das und das weg.‘ Ich habe versucht, meinen Eltern und meinem Bruder die ungesunden Sachen auszureden, aber damit habe ich längst aufgehört. Es bringt nichts. Jeder soll sich so ernähren, wie es für ihn passt. Aber wer einen Tipp braucht, kann gerne einen von mir bekommen.

Was ist mit Alkohol?

Ich trinke vielleicht ein, zwei Gläschen Wein pro Woche. Ich bin da auch durchaus ein Genussmensch. Und wenn wir nach dem Spiel mal feiern gehen, gehört im Club auch mal ein Gin Tonic dazu. Da bin ich dann auch nicht der, der sich am Wasser festhält. Bei mir gilt: Alles nicht extrem – weder in die eine noch in die andere Richtung.

Mal ein Griff in die Klischee-Kiste: Die Schweizer gelten als beherrscht und wenig temperamentvoll. Wie ist es bei Ihnen?

Schon auch eher schweizerisch. Der Fußballplatz ist aber eine andere Welt, da kann ich durchaus aus der Haut fahren. Ich bin auch überhaupt kein ruhiger und geduldiger Autofahrer, hinter dem Steuer erlebt man mich nicht als typischen Schweizer.

Sie waren schon 27 Jahre alt, als Sie die Schweiz im Sommer 2018 verlassen haben und zu Borussia Mönchengladbach gewechselt sind. Mit Verlaub: Die meisten Schweizer Nationalspieler gehen viel früher. Wieso Sie nicht? War es Absicht oder hat sich nichts ergeben?

Schon eher Absicht. Ich hatte die Jahre zuvor immer mal wieder die Möglichkeit, ins Ausland zu wechseln, auch in die Bundesliga. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass der richtige Verein und der richtige Zeitpunkt dabei waren. Beim FC Basel habe ich mich zudem sehr wohl gefühlt. Ich hatte einen Status, den ich auch nicht so leicht aufgeben wollte. Aber nach der WM in Russland habe ich dann doch den Wechsel gesucht und forciert. Es war mit 27 Jahren schon ein bisschen die letzte Chance für einen Wechsel in die Bundesliga.

Wie wichtig ist es Ihnen, sich – nachdem es in Gladbach nicht geklappt hat – nun in Bremen als feste Kraft zu etablieren?

Es ist mir natürlich sehr wichtig, weil ich es vorher gar nicht anders gekannt hatte. Aber auf der anderen Seite: Erst Gladbach, jetzt Bremen – das sind super Clubs, für die ich gespielt habe oder jetzt spiele. Das sagen zu können, ist schon etwas sehr, sehr Schönes für mich.

Werder Bremen: Michael Lang - der kontrollierte Kopfmensch

Wie sicherheitsliebend sind Sie bei Ihren Entscheidungen?

Ich denke schon sehr viel über meine Schritte nach. Ich bin nicht der Typ, der aus dem Bauch heraus mal eben so eine Entscheidung trifft. Da ist der Kopf schon immer sehr viel dabei.

Beim Wechsel zu Werder blieb aber nicht viel Zeit zum Überlegen.

Stimmt, es musste schnell gehen. Die Zeit, mir Gedanken zu machen, was wohl alles auf mich zukommt und was die Leute denken könnten, wenn ich nach einem Jahr schon wieder den Club wechsle, war nicht da.

Beeinflusst es Sie tatsächlich, was „die Leute“ denken?

Nicht mehr so wie früher. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir alles um mich herum egal ist.

Auf wen hören Sie, wessen Feedback ist Ihnen definitiv wichtig?

Auf jeden Fall meine Eltern, meine Freundin, mein Bruder. Das ist der ganz, ganz enge Kreis bei mir.

Was ist bei Ihnen schlimmer: Fernweh oder Heimweh?

Ich bin sehr heimatverbunden, bin gerne zu Hause, am Bodensee, in der Nähe von St. Gallen. Ich bin dort aufgewachsen, meine Eltern leben noch dort, mein Bruder auch.

Geht es nach der Karriere dahin zurück?

Ich denke ja. Das ist zwar schwer zu planen, aber Stand jetzt sehe ich mich später am Bodensee.

Als was?

Sicher wird es irgendwas mit Sport, mit Fußball zu tun haben. Es wäre ja dumm, das Netzwerk, das ich mir in der Karriere aufgebaut habe, nicht zu nutzen. Vorstellbar ist es, mit meinem Bruder eine eigene Agentur zu gründen. Oder aber Sportchef beim FC St. Gallen – auch das wäre eine Idee.

Mehr News zu Werder Bremen

Kein neuer Verletzter bei Werder Bremen? Von wegen, Sebastian Langkamp fiel mit einer neuen Blessur für das Spiel gegen den BVB aus. „Haben nicht wie Männer gespielt“ - die Stimmen zur Partie von Werder Bremen gegen den BVB.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare