Der SV Werder Bremen bietet eine digitale Trikot-Kollektion auf NFT-Basis an. Doch was genau hat es damit eigentlich auf sich? (deichstube.de-Montage)
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Der SV Werder Bremen bietet eine digitale Trikot-Kollektion auf NFT-Basis an. Doch was genau hat es damit eigentlich auf sich? (deichstube.de-Montage)

Fragen und Antworten zu Werders NFT-Drop

Der SV Werder Bremen bringt digitale NFT-Kollektion heraus: Was steckt dahinter?

Bremen – Werder Bremen will mit der Zeit gehen und bietet als erster Zweitligist eine digitale Trikotkollektion an. Dies geschieht auf NFT-Basis. Doch was heißt das genau?

Früher war es „MFG“, heute ist es „NFT“: Der Wandel der digitalen Zeit bringt immer wieder neue Abkürzungen mit sich. Daran müssen sich künftig auch Fans von Werder Bremen gewöhnen. Denn der Fußball-Zweitligist wagt als erster Verein in der Liga einen großen Schritt, der im Grunde auch einem Test gleichkommt. Erstmals erscheint eine komplette Trikotkollektion von Werder in digitaler Form. Doch ist NFT auch wirklich okay?

Werder Bremen setzt als erster Fußball-Zweitligist auf digitale Trikotkollektion auf NFT-Basis

Keine Schande, wer mit der Abkürzung NFT erstmal rein gar nichts anfangen kann. Fans von Werder Bremen, die Angebote ihres Herzensverein nur allzu gerne wahrnehmen, dürften „Non-Fungible Tokens“ künftig häufiger begegnen. Denn auf NFT-Basis bietet Werder ab Mittwoch, 13. April 2022, eine erste digitale Trikotkollektion an. In Kooperation mit dem Münchner Startup „The Football Company“ (TFC) „werden virtuelle Merchandising-Artikel erstellt, um sie auf dem Marketplace innerhalb der TFC-App anzubieten und zu nutzen“. So formuliert es Werder auf seiner Homepage selbst.

Die Partnerschaft zwischen Werder Bremen und TFC soll unter anderem aus der Erstellung aktueller Trikotkollektionen bis hin zu beliebten Retrotrikots aus den erfolgreichsten Jahrzehnten der mehr als 120 Jahre umfassenden Clubhistorie des Teams von der Weser bestehen. Zudem ist die Rede von der Erstellung weiterer NFT-Items, die offiziell lizenziert seien. Wem jetzt noch die grün-weißen Fragezeichen auf der Stirn geschrieben stehen, kann im Folgenden schrittweise den Gedanken hinter NFTs verstehen.

Werder Bremen versucht sich in NFTs – doch was sind eigentlich „Non Fungible Token“?

„Non Fungible Token“ (NFT), zu Deutsch in etwa „nicht ersetzbare Wertmarken“, sind im Grunde nichts anderes als digitale Unikate. Sie können also nicht durch ein passendes Gegenstück, wie es bei Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch untereinander zutrifft, abgebildet oder ersetzt werden.

Anders gesagt: NFTs, auf die nun auch Aufstiegsaspirant Werder Bremen setzt, können quasi als eine Art digitaler Eigentums- oder Echtheitsnachweis betrachtet werden. Im Gegensatz zu Kryptowährungen, allen voran Bitcoins, lassen sich diese NFTS aber nicht untereinander tauschen. Sie sind vielmehr individuell, einzigartig und deswegen hinsichtlich des Preises stark vom Seltenheitsgrad und vor allem von der jeweiligen Nachfrage abhängig. Heißt: Ohne passende Interessenten gestaltet sich der NFT-Verkauf mehr als schwierig.

NFTs gibt es in den verschiedensten Formen – und Werder spezialisiert sich auf digitale Trikots

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, wenn die Nachfrage sehr hoch ist, könnte der Kurs von NFTs binnen kürzester Zeit rasant steigen. Darauf hoffen viele Anleger, nicht zuletzt auch Werder Bremen, das sich mit der digitalen Trikotkollektion einen komplett neuen Markt erschließen könnte. Eine Gewissheit gibt es dafür natürlich nicht.

Grundsätzlich kann und muss zwischen einer Vielzahl an „Non Fungible Tokens“ unterschieden werden. Meist stellen sich NFTs als Bilder oder Videos dar. Generell können sie aber nahezu alles abbilden und sind letztlich nicht nur auf den einen Bereich beschränkt. So können NFTs auch Musik, Domainnamen oder sogar virtuelle Grundstücke sein. Oder eben verschiedene digitale Trikots, wie sie Werder Bremen nun auf dem Markt anbietet.

Werder Bremen will sich jüngeren Fans mit Trikots auf NFT-Basis annähern

Von Vereinsseite aus wird kommuniziert, dass man der „digitale[n] Transformation in einer globalisierten Welt“ Rechnung tragen möchte. Schließlich hätten sich „Kommunikations- und Konsumverhalten“ vor allem bei der jüngeren Zielgruppe enorm verändert. So formuliert es Nico Hruby, Chief Digital Officer (CDO) bei Werder Bremen.

Unser Anspruch ist es, dass wir den Mut haben, neue Wege zu beschreiten. Die Entwicklung von NFTs verfolgen wir seit geraumer Zeit. Wir wollen sie früh mitgestalten, dabei lernen und unsere Angebote durch Feedback für Fans und Partner permanent zu verbessern.

Nico Hruby, Chief Digital Officer (CDO) bei Werder Bremen, auf der vereinseigenen Homepage

Hervorgehoben wird dort aber auch die kritische Betrachtung des CO₂-Fußabdrucks, der dem Doublesieger von 2004 bei seinem NFT-Engagement auch sehr wichtig sei. Partner TFC habe seine technologische Basis in dieser Hinsicht „mit Bedacht und Weitsicht ausgewählt“. Tatsächlich würde man energieeffizienter als andere Lösungen arbeiten und beim Erstellen eines NFTs weniger Energie aufwenden als bei einer Google-Suchanfrage.

Werder Bremen bietet digitale Trikots innerhalb spezieller App an

Wie aber soll sich das NFT-Trikotgeschäft von Werder Bremen in der Praxis gestalten? Die TFC-App kann kostenlos heruntergeladen und auch ohne den Kauf von NFTs vollständig genutzt werden. Personen, die kein Geld investieren wollen, werden also nicht ausgeschlossen. Wer sich aber dafür entscheidet, virtuelles Merchandise in Form von digitalen Werder-Bremen-Trikots zu kaufen, kann seine Verbundenheit zu den Grün-Weißen auch in dieser Form zum Ausdruck bringen.

Für die digitale Trikotkollektion auf NFT-Basis wirbt Werder Bremen bereits im großen Stil und gibt zugleich einen Einblick in das Konzept dahinter. So sollen die mit Spielernamen versehenen Trikots je nach Seltenheitsgrad des Shirts unterschiedliche Mehrwerte haben. Diese reichen dann von Punkte-Boni innerhalb der TFC-App bis hin zu exklusiven Meet-and-Greet-Events –im realen Leben. Ab 20.30 Uhr am 13. April können die virtuellen Trikots dann in „duffle bags“ erworben werden. Dabei handelt es sich um zufällig zusammengestellte Packungen à drei Trikots.

Fans von Werder Bremen reagieren harsch auf NFT-Trikots – „nicht bei jedem Bullshit mitmachen“

Die große Frage: Werden die virtuellen Trikots von Werder Bremen überhaupt auf positive Resonanz bei der treuen Fangemeinde stoßen? Auf den entsprechenden Ankündigungs-Tweet samt kurzem Vorstellungsvideo der NFT-Kollektion reagieren die Twitter-Follower von Werder sehr gespalten. Mal herrscht Ratlosigkeit, was mit „NFT“ überhaupt gemeint ist, mal wird mit purem Unverständnis und Fassungslosigkeit auf die Ankündigung reagiert.

„Gott wäre das schön, wenn der eigene Verein nicht bei jedem Bullshit mitmachen würde. Vor allem wenn‘s eben Bullshit ist“, lautet nur eine der gehässigen Reaktionen bei Twitter auf die digitale Trikotkollektion von Werder. Man müsse nicht jeden Trend mitgehen, auch die Nachhaltigkeit dieser Aktion auf NFT-Basis wird immer wieder hinterfragt.

Umweltfreundlichkeit von NFT-Produkten ist stark zu hinterfragen

Auch, wenn Werder Bremen in seiner Pressemitteilung positiv auf den CO₂-Fußabdruck von Partner TFC hinweist: Generelle Kritik am Einfluss von NFTs auf die Umwelt ist nicht von der Hand zu weisen. Bemängelt wird der hohe CO₂-Ausstoß bei der Produktion, auch wenn dieser bei anderen Technologien ebenso stattfindet.

Das „Handelsblatt“ hinterfragt bereits die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit von NFTs. Der „Reiz des Neuen“ würde sich „schnell erschöpfen“, vieles würde mit der weltweiten Investorengemeinde stehen und fallen. Heißt: Wenn deren Interesse an NFTs, in welcher Form auch immer, sinkt, droht ein Markt zu schwinden.

Produktion von NFTs stellt oft kein nachhaltiges Konzept dar – nur ein „Klimakiller“?

Vor allem der Einfluss der NFT-Produktion auf die Umwelt wird immer wieder negativ besprochen. Dem sollte sich auch Werder Bremen bewusst sein. Das Magazin „Esquire“ bezeichnet NFTs gar als „Klimakiller“ und gibt einen kleinen technischen Exkurs.

NFTs basieren auf der Blockchain Ethereum, die einen Mechanismus namens „Proof of Work“ einsetzt. Auf technischer Ebene löst der Computer komplexe Puzzle, um der Blockchain neue Blöcke hinzuzufügen. Damit nicht zu schnell zu viel „Geld“ erzeugt wird, wird die Schwierigkeit dieser Aufgaben künstlich erhöht.

Damit kommt es zu einem Wettrüsten. Natürlich lösen schnellere PCs die Puzzles in kürzerer Zeit. Und neue Puzzles wiederum verlangsamen die Computer. Dementsprechend muss mehr Leistung her, die aber von schwierigeren Aufgaben zunehmend ausgebremst wird. Ein nachhaltiges Konzept stellt das natürlich nicht dar.

Werder Bremen betont Nachhaltigkeit der NFT-Produktion digitaler Trikots – weniger Energieaufwand als bei einem Netflix-User im Jahr

Doch genau hier setzt Werder Bremen mit der Produktion der digitalen Trikots auf NFT-Basis an. Aus Gründen der Nachhaltigkeit setze man auf TFC, das sich wiederum der Nutzung der Flow-Blockchain (FLOW) verschrieben habe. Von Vereinsseite heißt es, dass FLOW im Gegensatz zu Ethereum auf das „Proof-of-Stake“-Konsenmodell setzt, „das deutlich energieeffizienter arbeitet als das von Ethereum oder Bitcoin genutzte ´Proof-of-Work´-Modell“.

Der Grund hierfür: es kommt „ohne das zeit- und energieintensive Mining“ aus. Explizit betont Werder Bremen, dass die NFTs der ersten Kollektion „ingesamt weniger Energie als ein durchschnittlicher Netflix-User pro Jahr“ brauchen.

Neben Werder Bremen setzen auch Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg auf NFT-Produkte

Ob über diese Technik auch andere Fußballvereine Bescheid wissen? Denn neben Werder Bremen sind mit Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg zwei aktuelle Erstligisten in die Welt der NFTs eingestiegen.

Während die Wölfe über das Unternehmen „Fanzone“ digitale Sammelkarten von Spielern und Spielerinnen anbieten, setzen die Frankfurter auf eine Palette an Fan-Produkten. Wie bei Werder Bremen zählen dazu auch digitale Trikots. Wie sich hier wohl der Trikottausch gestaltet?

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