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Neuzugang Niclas Füllkrug ist der bisherige Königstransfer von Werder Bremen in diesem Sommer.

Werder-Stürmer über seine Rückkehr und seine Knie

Füllkrug im Interview: „Flo hat mir brutal den Rücken gestärkt“

Zell – Die Tage im Zillertal sind mitunter zäh, die Einheiten anstrengend – das ist auch Niclas Füllkrug von Werder Bremen anzumerken, als er abends zum Interview-Termin mit der DeichStube erscheint.

Vor dem Gespräch macht es sich der 26-Jährige deshalb erstmal bequem, ehe er offen Auskunft gibt. Über den dritten Knorpelschaden, den er gerade hinter sich hat, über seine Ziele mit Werder, das Wiedersehen mit Claudio Pizarro und anstehende Vaterfreuden. Außerdem hat der für 6,5 Millionen Euro von Erstliga-Absteiger Hannover 96 verpflichtete Rückkehrer erklärt, warum er sich sowohl in Bremen als auch in Hannover häuslich niederlässt.

Herr Füllkrug, Sie legen Ihr rechtes Bein hoch. Wie ist es denn aktuell ums Knie bestellt?

(lacht) Ich lege auch gerne beide Beine hoch. Es ist alles gut und geht den richtigen Weg. Ich bin einfach nur kaputt, denn die Tage hier sind ziemlich lang. Natürlich dosieren wir im Training noch einige Dinge, was aber nicht heißt, dass ich weniger mache als andere. Manchmal sieht man es eben nicht, was ich noch zusätzlich trainiere. Ich mache viel Koordinationstraining für das Knie, damit es auch auf Dauer stabil bleibt.

Sind Sie voll belastbar?

Ja, bin ich. Ich muss nur zusätzlich trainieren, damit es auch in den nächsten vier Jahren, für die ich hier unterschrieben habe, so bleibt. Da reicht das normale Mannschaftstraining nicht aus.

Die 25 Minuten im Testspiel gegen die WSG Tirol waren für Sie am Sonntag der erste längere Einsatz seit September 2018...

Ja, und das tat richtig gut. Ich habe mich gut bewegt. Natürlich hatte ich am Ball noch die eine oder andere Unsicherheit, aber es waren auch ein paar gute Aktionen dabei. Ich habe mich stabil auf den Beinen gefühlt.

So stabil, dass Sie am ersten Spieltag sicher einsatzbereit sind?

Natürlich. Ich bin jetzt schon fit, trainiere voll mit und falle von der Leistung her nicht ab. Ich bekomme gerade sehr viel taktischen Input, den ich erstmal verarbeiten muss, aber wenn ich weiter regelmäßig trainiere, sollte ich beim ersten Punktspiel zu alter Stärke gefunden haben.

Ihr erster Knorpelschaden war im rechten Knie, der zweite im linken, der dritte dann wieder rechts. Das alles in einem Zeitraum von knapp sechs Jahren. Wie groß ist Ihre Angst davor, dass wieder etwas passiert?

Die Ärzte haben mir deutlich bestätigt, dass es keine genetische Ursache für die Verletzungen gibt. Es gab immer blöde Aktionen, durch die es passiert ist, also situative Gründe. Mein Körper ist da nicht vorgeschädigt, sodass es leichter wieder passieren kann. Ich gehe also nicht davon aus, dass ich so etwas nochmal haben werde.

Vom Kopf her also gar kein Problem für Sie?

Natürlich beschäftigt es einen, wenn man so eine Verletzung schon dreimal hatte. Ich bin aber immer wieder fit geworden und sehe auch jetzt, dass ich Bundesliga spielen kann.

Werders Sturm ist quantitativ mit acht Spielern sehr gut besetzt. Wo sehen Sie ihren Platz?

In meinen Augen ergänze ich den Kader als Spielertyp um eine Option, die es vorher so nicht gab. Ich bin groß, kopfballstark, kann den Ball halten und mich auch mal ins Mittelfeld fallen lassen. In einigen Punkten kann ich mich außerdem noch weiterentwickeln, sodass ich davon überzeugt bin, dass ich der Mannschaft helfen kann.

Sie haben körperlich jedenfalls ordentlich zugelegt in den Jahren, in denen Sie weg waren...

(lacht) Danke! Das ist alles rein muskulär. Für meine Körpergröße habe ich ein relativ geringes Gewicht. Andere Stürmer mit meiner Größe wiegen 88, 89 Kilo. Ich wiege 80,5. Dadurch habe ich einen dynamischen Vorteil, weil ich eben nicht nur der große und bullige Stürmertyp bin. Insgesamt denke ich, dass ich in den vergangenen Jahren einen ziemlich guten Weg eingeschlagen habe.

So gut, dass Sie jetzt in Bremen einen neuen Angriff auf Ihre Chance im Nationalteam planen?

Das ist mir zu weit gedacht. Damals, als das Thema aufkam, war es schön für mich, dass Leute versucht haben, mich ins Gespräch zu bringen. Wir haben einen super Bundestrainer, der weiß, was er sucht. Deswegen habe ich mich dazu auch nie großartig geäußert. Natürlich ist es der Traum eines jeden Fußballers, für sein Land zu spielen. Im Moment ist das in meinem Kopf aber nicht präsent. Erstmal geht es darum, mit Werder erfolgreich zu sein.

Wie sehen denn die Ziele mit der Mannschaft aus?

Wir wollen uns steigern und deshalb versuchen, den achten Platz aus dem Vorjahr noch zu toppen. Am Ende haben nur zwei Punkte für Europa gefehlt, das war schon extrem bitter.

Von Beginn an mittendrin: Niclas Füllkrug hat keine Probleme mehr mit seinem rechten Knie, muss aber im Training spezielle Extraschichten schieben.

Und Ihre persönlichen Ziele für die neue Saison?

Es ergibt keinen Sinn, jetzt schon darüber zu sprechen, weil ich dafür zu kurz zurück bin bei Werder. Klar ist, dass ich so viel spielen und so viele Tore schießen möchte wie möglich.

Trainer Florian Kohfeldt lässt gerade ein System mit echtem Mittelstürmer einstudieren – im Grunde ein Maßanzug für Sie, oder?

(lacht) Das hoffe ich! Es wäre cool, wenn es so läuft, aber ich werde mich da auf keinen Fall in eine Sonderposition heben. Wir haben viele gute Spieler, die Qualität ist in den meisten Teilen des Kaders sehr hoch.

Als Spielertyp haben Sie momentan aber schon ein Alleinstellungsmerkmal...

Das weiß ich nicht. Werder war im letzten Jahr flexibel in seiner Spielart. Das muss eine Mannschaft heutzutage in Bezug auf die Gegner auch sein. Natürlich wünsche ich mir, jedes Spiel zu machen, aber ich weiß nicht, wie es laufen wird. Vielleicht ist es manchmal auch cleverer, einen spielstarken, kleinen und schnellen Stürmer vorne reinzustellen oder ein anderes System zu spielen. Da wird der Trainer die richtigen Entscheidungen treffen.

Ein Trainer, der Sie bei Werder schon in der U14 und U15 trainiert hat. Wie ist es, sich nun in der Bundesliga wiederzusehen?

Das ist etwas Besonderes. Flo hat mir damals brutal den Rücken gestärkt, und das war nicht immer so leicht.

Wie meinen Sie das?

Naja, ich kam ja nicht aus Bremen, sondern aus der Ferne zu Werder (Füllkrug wechselte 2006 vom TuS Ricklingen nach Bremen, Anm. d. Red.). Damals bin ich nicht direkt aufs Internat gegangen, sondern bin das erste Jahr mit dem Zug nach Bremen gekommen. Das war ein brutaler Aufwand. Da ist es nicht immer so leicht, sich in eine neue Mannschaft einzufinden. Flo hat mich immer wieder stark geredet. Er ist ein sehr empathischer Mensch und war immer für mich da.

Ihnen dürfte in den ersten Tagen in Bremen auch sonst jede Menge Vergangenheit begegnet sein...

Ja, ich kenne von früher ja noch mega-viele Leute. Im Physioteam, in der Medienabteilung und auch in der Mannschaft. Dass ich nochmal mit Piza (Claudio Pizarro, Anm. d. Red.) zusammenspielen darf, ist einfach nur krass. Ich habe damals schon zu ihm aufgeschaut. Er hatte mit 35 immer noch Weltklasse-Niveau, und auch heute kann man diese Klasse noch sehen.

Nach dem Abgang von Max Kruse ordnet sich die Hierarchie im Team gerade neu. Wo sehen Sie sich da?

Ich bin keine 20 mehr, und weiß, dass ich eine gewisse Verantwortung auf dem Platz übernehmen werde. Ich bin aber kein Typ, der in der Kabine rumschreit und der sich hinstellt und sagt, dass er jetzt der große Führungsspieler ist.

Sehen Sie Kruses Abgang als Problem für Werder?

Max ist ein überragender Spieler. Ich kenne ihn auch privat, er ist einfach ein cooler Typ. Er wird sich etwas dabei gedacht haben, diesen Schritt zu gehen. Und wir haben ein, zwei Spieler, gerade im Mittelfeld, die jetzt richtig aufblühen können. Kevin Möhwald hat echt was drauf, und auch Maxi Eggestein kann sich nach seiner starken Saison weiter steigern. Den Verlust von Max werden wir kompensieren.

Wie weh hat es Ihnen eigentlich getan, Ihre Heimatstadt Hannover nach dem Abstieg zu verlassen?

Sehr! Einerseits ist Werder eine große Chance, andererseits war es eben eine ganz besondere Konstellation, in seiner Heimatstadt in der Bundesliga spielen zu können. Ich hatte meinen Vertrag ja erst vor einem Jahr verlängert. Ich muss aber natürlich auch meine sportliche Karriere im Blick behalten. Deswegen habe ich die neue Chance ergriffen.

Sie haben sich in Bremen gerade ein Haus gekauft, obwohl Sie in Hannover derzeit bauen...

Es wird so sein, dass ich eines Tages nach der Karriere nach Hannover zurückkehren werde. Die Stadt wird für mich immer der Lebensmittelpunkt sein. Jetzt habe ich aber bei Werder unterschrieben, was mich sehr freut. Die Überlegung war: Bevor wir in Bremen Miete zahlen, lohnt es sich, etwas zu kaufen. Wir haben ein schönes Haus gefunden, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Momentan sind wir dabei, andere Schwerpunkte zu setzen, weil wir ja bald unsere kleine Maus bekommen.

Ihre Frau ist hochschwanger - wie schwer fällt es Ihnen, in der Vorbereitung gleich mehrfach mehrere Tage nicht bei ihr sein zu können?

Sehr schwer. Ich vermisse sie total. Abends auf dem Sofa lege ich immer meine Hand auf ihren Bauch, und die Kleine da drin ist eine echte Rakete. Sie gibt richtig Gas, wenn sie meine Hand spürt. Im Moment lastet sehr viel auf meiner Frau. Sie ist im neunten Monat und schmeißt gerade alleine unseren Umzug. Da ist sie ein richtiger Workaholic.

Unterdessen hat Stefanos Kapino seinen Vertrag verlängert, bei Werder Bremen steht der Torwart-Plan für die Zukunft. Derweil versucht der Club einen anderen Deal unter Dach und Fach zu bringen, aber Sportchef Frank Baumann tritt beim möglichen Transfer von Michael Gregoritsch zu Werder Bremen auf die Euphorie-Bremse. Alles, was sonst im Trainingslager von Werder Bremen im Zillertal wichtig ist, findet ihr in unserem Ticker. Interessant war auch die Medienrunde Milot Rashica: Die Werder-Rakete im Reifeprozess denkt nicht an einen Wechsel.

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