Niclas Füllkrug hat beim SV Werder Bremen einen Lauf: Der Stürmer trifft aktuell nach Belieben.
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Niclas Füllkrug hat beim SV Werder Bremen einen Lauf: Der Stürmer trifft aktuell nach Belieben.

So platzte der Tor-Knoten

Der lange Anlauf des Leaders: Niclas Füllkrug ist bei Werder Bremen endlich auch auf dem Platz unverzichtbar geworden

Bremen – Exakt nachprüfen lässt es sich nicht, ganz einfach, weil keine Statistik existiert, die in diesem Fall Auskunft geben könnte. Weshalb der folgende Satz als These gelesen werden muss: Nie wurde in der Geschichte des SV Werder Bremen ein Tor zu einem 5:1 von der Trainerbank derart enthusiastisch bejubelt wie am 13. Juni 2020. Was weniger mit dem nackten Ergebnis, sondern vielmehr mit dem Torschützen zu tun hatte.

„Es war ein toller Tag, sehr emotional für mich“, erinnert sich Niclas Füllkrug, der damals, im Bundesliga-Auswärtsspiel beim SC Paderborn, neun Monate nach seinem Kreuzbandriss sein Comeback gefeiert und kurz nach der Einwechslung zum Endstand getroffen hatte. Aus dem grün-weißen Jubelknäuel hätte er danach beinahe nicht mehr herausgefunden. Am Samstag, 588 Tage nach dieser Traum-Rückkehr, geht es für den Angreifer und seinen SV Werder Bremen nun erstmals wieder nach Paderborn, inzwischen eine Spielklasse tiefer. Und es gibt da noch einen wichtigen Unterschied. Zweieinhalb Jahre nach seinem Wechsel aus Hannover hat Füllkrug in Bremen endlich die Rolle inne, die er sich vom ersten Tag an vorgenommen hatte: Der 28-Jährige ist auch auf dem Platz zu einem der Leader dieser Mannschaft geworden.

„Ich sehe mich in der Hierarchie im Team schon eher weiter oben“, sagt Niclas Füllkrug, der bei Werder Bremen von Anfang an für eine derartige Führungsposition eingeplant war, sie aus verschiedenen Gründen in den vergangenen zweieinhalb Jahren sportlich aber nicht hatte bekleiden können. Zunächst der erwähnte Kreuzbandriss, erlitten im September 2019. Dann eine weitere, von verschiedenen Verletzungen geprägte Saison, die letztlich im Abstieg mündete. Und zu Beginn der laufenden Spielzeit, noch gar nicht lange her, eine Erfahrung, die Füllkrug ebenfalls als „schwer und schlimm für mich“ beschreibt: Er traf plötzlich das Tor nicht mehr.

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Werder Bremen-Angreifer Niclas Füllkrug In Top-Form: „Ich wusste, dass irgendwann der Knoten platzt“

Neun Einsätze ohne Treffer, „das war schon extrem“, sagt Füllkrug, der dabei rückblickend milde lächeln kann. Ist ja vorbei, die dunkle Zeit. Seinen Stammplatz, den er unter Ex-Trainer Markus Anfang zwischenzeitlich verloren hatte, hat er sich dank eines beachtlichen Leistungsaufschwungs nicht nur zurückgeholt – er hat ihn förmlich einzementiert. „Ich wusste, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem der Knoten platzt“, sagt der Mann, der an den vergangenen neun Spieltagen sieben Tore erzielt hat – zwei davon beim jüngsten 3:0-Heimsieg gegen Düsseldorf – und sich entsprechend selbstbewusst vor dem Spiel gegen den SC Paderborn präsentiert. „Es wird eine Herausforderung, auf die ich mich freue. Wir können als Mannschaft zeigen, wo wir stehen und wo wir hinwollen.“ Nämlich so schnell es geht zurück in die Bundesliga, was Niclas Füllkrug zwar nicht aussprach, aber gemeint haben dürfte. Mit seinen derzeitigen Auftritten trägt er jedenfalls einen großen Teil dazu bei, dass der Traum vom Aufstieg bei Werder Bremen wieder quicklebendig ist.

Auch eine Corona-Infektion hatte den Stürmer dabei nicht aus dem Tritt bringen können. Am 2. Januar, kurz vor der geplanten Abreise ins Trainingslager nach Spanien, war Füllkrug als einer von vier Profis zu seiner eigenen Überraschung positiv auf das Virus getestet worden. „Ich habe echt gestaunt, denn ich war mir ziemlich sicher, dass ich nicht infiziert bin“, sagt er – und berichtet: „Ich war am Morgen vor dem Test sogar noch laufen, weil ich mich gut gefühlt habe.“ Auch während der Zeit in Quarantäne habe er „eigentlich gar nichts“ gespürt. Spätestens während des Düsseldorf-Spiels wurde dann deutlich, dass die Infektion für den Werder-Profi in der Tat nicht zum nächsten Rückschlag auf einer langen Liste von Rückschlägen geworden war. Niclas Füllkrug machte einfach da weiter, wo er vor der Winterpause aufgehört hatte. Heißt: Er glänzte an der Seite seines kongenialen Sturmpartners Marvin Ducksch.

(So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn aussehen!)

Werder Bremen-Stürmer Niclas Füllkrug ist Marvin Ducksch „sehr dankbar, dass er es so gut mit mir angegangen ist“

„Wir haben uns sehr gut aufeinander abgestimmt. Wir nehmen beide nicht nur, sondern wir geben auch gerne“, sagt Niclas Füllkrug, der in der laufenden Saison insgesamt schon sechs Treffer vorbereitet und damit eine ganz neue Qualität entdeckt hat. Drei Mal hieß der Adressat dabei Ducksch, der seinerseits ebenfalls drei Mal für den Kollegen auflegte. Kein Wunder also, dass Füllkrug betont: „Ich bin ihm sehr dankbar, dass er es vorne so gut mit mir gemeinsam angegangen ist.“ In Bremen dürfte niemand etwas dagegen haben, wenn die beiden Stürmer genauso weitermachen würden.

Am besten direkt schon am Samstag (13.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) beim SC Paderborn, wenn Werder der fünfte Sieg in Serie und damit der Sprung auf Tabellenplatz drei winkt. Beim Anstoß in der Benteler Arena, so viel dürfte sicher sein, wird Niclas Füllkrug anders als am 13. Juni 2020 nicht auf der Bank des SV Werder Bremen sitzen, sondern auf dem Platz stehen. Und alles daran setzen, dass Paderborn für ihn auch dieses Mal zu einem besonderen Erlebnis wird. (dco)

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