Niclas Füllkrug sprach in einer Medienrunde über seine Vertragsverlängerung bei Werder Bremen, seine Gehaltsverzicht, seine Geldstrafe und mehr.
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Niclas Füllkrug sprach in einer Medienrunde über seine Vertragsverlängerung bei Werder Bremen, seine Gehaltsverzicht, seine Geldstrafe und mehr.

Füllkrug-Klartext der Medienrunde

„Den Tod musste ich sterben“: Niclas Füllkrug über seinen neuen Werder-Vertrag, die Pyro-Geldstrafe und Sturmpartner Ducksch

Bremen – Passiert ist es bei der Frage nach einem möglichen Karriereende in Bremen, und Niclas Füllkrug war der kleine Fauxpas augenblicklich bewusst. In einer Medienrunde hatte der Angreifer des SV Werder Bremen am Dienstagmittag – entgegen der Politik des Vereins – aus Versehen die Laufzeit seines Vertrages ausgeplaudert, den er gerade erst verlängert hatte. „Ans Karriereende denke ich jetzt noch nicht“, sagte Füllkrug, „erstmal habe ich hier ja noch drei Jahre vor mir.“ Kurze Pause, breites Grinsen – und dann ein vergeblicher Rettungsversuch: „Oder wie lange der Vertrag auch immer läuft.“ Noch breiteres Grinsen.

Insgesamt 30 Minuten lang stand Füllkrug den Journalisten Rede und Antwort. Erfrischend offen sprach der 29-Jährige dabei über seine Ziele mit Werder Bremen, seinen Gehaltsverzicht, eine saftige Geldstrafe wegen einer bengalischen Fackel, sein allererstes Bundesligator sowie über seinen Sturmpartner Marvin Ducksch. Niclas Füllkrug über...

. . . den Werder-Verbleib:

Okay, bis 2025 läuft Füllkrugs neues Arbeitspapier also, wie der Stürmer unfreiwillig mitgeteilt hat. Dass es bei Werder für ihn über den Sommer hinaus weitergehen sollte, sei ihm schon sehr früh klar gewesen. „Es gibt zwei Clubs, die für mich auf Profi-Niveau etwas ganz Besonderes sind, und zwar Hannover 96 und Werder Bremen“, sagte Niclas Füllkrug, der gebürtig aus Hannover stammt und im Alter von 13 Jahren von seinem Heimatverein TuS Ricklingen ins Werder-Internat wechselte. „Ich habe meine ganze Jugendzeit in Bremen verbracht, bin hier zur Schule gegangen. Daher kommt es, dass ich eine ganz besondere Verbindung zur Stadt und zum Verein habe“, erklärte Füllkrug – und betonte: „Deshalb fiel es mir auch leicht, meinen Vertrag zu verlängern.“

Nach einem starken Zweitligajahr bei Werder Bremen mit 19 Toren und acht Vorlagen sei es normal gewesen, dass andere Interessenten aufschlagen. „Gesprochen habe ich aber ausschließlich mit Werder“, versicherte Füllkrug, der dem Verein in Sachen Gehalt ein ordentliches Stück entgegengekommen ist.

Niclas Füllkrug nach Vertragsverlängerung: Spieler verzichten auf Geld, „weil sie Bock auf Werder Bremen haben“

. . . den Gehaltsverzicht:

Füllkrugs neuer Vertrag bei Werder Bremen ist längst nicht mehr so gut dotiert wie der vorherige, den der Angreifer 2019 bei seiner Rückkehr aus Hannover unterschrieben hatte. Laut „Bild“ soll der Stürmer künftig rund 30 Prozent weniger verdienen als zuvor, das Jahresgehalt soll von 2,5 auf unter zwei Millionen Euro geschrumpft sein. „Ich habe Werder von Anfang an signalisiert, dass ich weiß, dass eine Vertragsverlängerung nicht zu denselben Bezügen laufen kann wie vorher“, erklärte Niclas Füllkrug, ohne dabei Zahlen zu nennen oder zu bestätigen.

Der Profi sprach lieber Grundsätzliches an: „Wir verdienen als Fußballer bei Werder Bremen alle genug Geld, um unsere Familien zu ernähren und ein tolles Leben führen zu können. Deshalb bin ich dankbar und demütig.“ Auch andere Spieler im Kader hätten Abstriche in Kauf genommen: „Es war nicht nur bei mir der Fall.“

Niclas Füllkrug wertet das als gutes Zeichen für den Verein. „Es zeigt, dass die Spieler gerne für Werder spielen. Gefühlt gab es in den letzten Jahren auch andere Zeiten, in denen der finanzielle Aspekt sehr wichtig war. Und jetzt hast du hier Spieler, die woanders mehr Geld verdienen könnten, aber trotzdem bleiben, weil sie einfach Bock auf Werder haben.“ Für ihn persönlich sei es okay, „dass ich mich jetzt in anderen Bereichen bewege“, sagte Füllkrug und fügte mit einem Augenzwinkern an: „Den Tod musste ich sterben, weil ich hierbleiben wollte.“

Werder Bremen: Niclas Füllkrug über „unangenehmen Moment“ nach Platzsturm und „nicht so clevere“ Pyro-Aktion

. . . seine Geldstrafe:

Es war ein Bild, das für Aufsehen sorgte: Niclas Füllkrug mit nacktem Oberkörper auf dem Zaun vor der feiernden Ostkurve, eine brennende bengalische Fackel in der linken Hand. „Das war vielleicht nicht so clever“, sagte der Profi des SV Werder Bremen über die Aktion, zu der es im direkten Anschluss an das große Aufstiegsfinale gegen den SSV Jahn Regensburg gekommen war – und die für ihn ein teures Nachspiel haben sollte.

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro wurde Niclas Füllkrug vom DFB-Sportgereicht verurteilt. „Die Strafe war sehr hoch, aber ich kann sie schon verstehen“, sagte der Stürmer, ehe er erklärte, wie es überhaupt zur Szene auf dem Zaun hatte kommen können.

Wegen des Platzsturms der Fans nach dem Schlusspfiff habe er etwa eine halbe Minute lang kaum Luft bekommen. „Es war ein unangenehmer Moment, weil mir gefühlt acht Leute gleichzeitig an die Kehle und an den Bauch gegriffen haben. Der eine oder andere hatte wahrscheinlich auch schon ein paar Bier intus.“ Als er dann an den Zaun vor der Ostkurve gebracht worden war, „hatte ich auch schon diesen Bengalo in der Hand. Das waren alles Sekunden, es ging Schlag auf Schlag.“ Für die umstehenden Fans des SV Werder Bremen war es sicherlich ein schöner Moment, mit einem ihrer Helden gemeinsam den Aufstieg feiern zu können. Niclas Füllkrug: „Es hat viele Fans stolz gemacht, nur hätte es nicht unbedingt mit einer Fackel in der Hand sein müssen.“

Werder Bremen: Niclas Füllkrug froh über Mitchell Weiser-Transfer - „Sehr wichtig für uns“

. . . den neuen Kader:

Seit der Verpflichtung von Mitchell Weiser ist Werder Bremens Kader für die kommende Saison in der Bundesliga komplett. „Der Transfer von Mitch war sehr wichtig für uns, auch für die Gemeinschaft“, hielt Füllkrug fest, der insgesamt sehr zufrieden ist mit dem neuen Bremer Aufgebot – gleichzeitig aber auch um Geduld bittet.

„Es ist gut, dass wir eine stabile Mannschaft aus dem letzten Jahr haben und gute Qualität dazugekommen ist. Die Neuen sind neben dem Platz schon gut integriert. Auf dem Platz müssen wir das eine oder andere in der Abstimmung aber noch verbessern.“ Für Niclas Füllkrug besonders wichtig: Werder Bremen müsse wie in der 2. Liga wieder als Einheit auf dem Platz stehen, damit es mit dem Saisonziel Klassenerhalt auch etwas werden kann.

Werder Bremen: Niclas Füllkrug über sein Sturm-Duo mit Marvin Ducksch - „Müssen uns umstellen“

. . . Marvin Ducksch:

Als „hässliche Vögel“ haben sie die 2. Liga unsicher gemacht und großen Anteil am Aufstieg des SV Werder Bremen getragen. Kein Wunder also, dass die Hoffnung im Verein groß ist, dass Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch auch in der Bundesliga verlässlich abliefern. Während Füllkrug seine Qualitäten im Oberhaus in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt hat, muss Ducksch noch zeigen, dass er auch Bundesliga kann. Sein Sturmpartner geht ganz fest davon aus.

„Duckschi hat eine besondere Qualität vor dem Tor. Die wird uns auch in der Bundesliga helfen, da bin ich mir sicher. Er schießt teilweise Tore aus dem Nichts, was jeder Mannschaft guttut.“ Dass es für das Angriffsduo des SV Werder Bremen aber nicht einfach so weitergehen wird wie zuletzt, ist Niclas Füllkrug ebenso klar: „Natürlich müssen wir uns umstellen, denn es wird wahrscheinlich nicht so viele Spiele geben wie im letzten Jahr, in denen die Gegner uns sehr tief empfangen.“

Werder Bremen: Niclas Füllkrug lobt Art von Trainer Ole Werner und erinnert sich an „Ansage“ von Klaus Allofs

. . . Trainer Ole Werner:

Bei Füllkrugs Entscheidung für einen Verbleib bei Werder Bremen haben der Chefcoach und dessen Trainerteam eine große Rolle gespielt. „Wenn ich von ihnen nicht total überzeugt wäre, hätte ich nicht verlängert“, sagte der Angreifer – und lobte: „Ole packt mich psychisch so, dass ich am Wochenende selbstbewusst genug bin, um meine Tore zu schießen und mich wichtig zu fühlen.“ Insgesamt stimme gerade alles im Verhältnis zum Trainerteam: „Wir arbeiten leistungsorientiert und professionell. Du hast nie das Gefühl, dass es persönlich wird. Deswegen bin ich sehr zufrieden.“

. . . seine Torpremiere:

Der Moment liegt inzwischen schon über zehn Jahre zurück, doch vergessen hat ihn Niclas Füllkrug nicht – und er wird es vermutlich auch nie. Am 24. März 2012 schoss der Angreifer in Werder Bremens Heimspiel gegen Augsburg (1:1) sein erstes Bundesligator. „Das war eine krasse Zeit damals“, blickte Füllkrug zurück. Gegen Augsburg habe er nach eigenem Befinden „eine solide erste Halbzeit“ gespielt, „in der Pause habe ich aber trotzdem eine Ansage von Klaus Allofs bekommen“. Scheint geholfen zu haben: In der 61. Minute traf Füllkrug zum 1:0. Bis heute sind für ihn 27 weitere Bundesligatreffer hinzugekommen. Ein Wert, den der Angreifer in der neuen Saison möglichst weit nach oben schrauben möchte. (dco)

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