Nicolai Rapp spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle beim SV Werder Bremen und verrät, warum ein Wechsel für ihn im Sommer kein Thema war.
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Nicolai Rapp spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle beim SV Werder Bremen und verrät, warum ein Wechsel für ihn im Sommer kein Thema war.

Werder-Spieler im DeichStube-Interview

„Ein Wechsel stand nie im Raum“: Nicolai Rapp will sich bei Werder durchsetzen und träumt von einem Stammplatz

Bremen – Im Moment ist für Nicolai Rapp kein Platz in der Startelf des SV Werder Bremen, Trainer Ole Werner setzt auf andere Spieler. Der 25-Jährige Allrounder wittert dennoch seine Chance und erzählt im Interview mit der DeichStube, wie er seine zweite Werder-Saison zu einer guten machen will, was ihm sein Bundesliga-Debüt bedeutet und warum er eigentlich nicht nach Kaiserslautern gegangen ist.

In vier Spielen standen Sie in dieser Saison auf dem Platz, keines davon hat Werder verloren - das muss Ihnen doch ein gutes Gefühl geben, oder?

(lacht) Ich kam jetzt zuletzt auch gegen Leverkusen rein, als wir hinten lagen und am Ende haben wir Unentschieden gespielt. Das ist natürlich für das Gefühl sehr gut. Ich hatte vier Einsätze und denke, dass ich Woche für Woche, Training für Training, Spiel für Spiel näher dran bin an der Mannschaft. Ich haue weiterhin alles rein.

Inwiefern sind Sie näher dran?

Wenn wir unter der Woche trainieren, tauschen wir auch immer ein bisschen die A-Elf durch. Ich merke, dass ich da näher dran bin. Ich gebe jedes Training auch dementsprechend alles.

Die Kehrseite der Medaille: Sie sind eben jedes Mal nur eingewechselt worden und haben somit gerade einmal 33 Einsatzminuten auf dem Konto. Das dürfte einem Profi wie Ihnen viel zu wenig sein, richtig?

Natürlich wünsche ich mir mehr Spielzeit, und mein Ziel ist es auch, hier Stammspieler zu sein. Selbstverständlich bin ich daher noch nicht ganz zufrieden. 

Werder Bremens Nicolai Rapp im Interview: „Ole Werner vermittelt mir ein gutes Gefühl“

Fühlen Sie sich gebraucht?

Ja, das tue ich.

Woran machen Sie das fest?

Auch noch an der letzten Saison. Ich hatte 28 Einsätze, wurde immer gebraucht und bin in jedem Spiel dabei gewesen, wenn ich fit oder nicht gelbgesperrt war. In dieser Saison waren es zwar drei Spiele, in denen ich nicht eingewechselt wurde, aber das konnte ich jeweils nachvollziehen. Wenn man etwa in Dortmund 0:2 zurückliegt, dann verstehe ich, dass der Trainer aus taktischen Gründen nicht mich bringt. Aber trotzdem werde ich gebraucht. 

Wie vermittelt Ihnen Trainer Ole Werner, dass Sie weiterhin wichtig sind?

Wir reden natürlich miteinander, er vermittelt mir ein gutes Gefühl und er weiß, was ich kann. Aber natürlich sagt er mir auch, dass ich Gas geben, Druck machen soll und gut trainiere. 

Ist es einfach, diese Worte Woche für Woche zu glauben? Irgendwann dürften Sie doch auch einfach mal nur gefrustet sein, wenn es nicht so läuft, wie Sie sich das wünschen.

Natürlich gibt es Tage, an denen es etwas schwieriger ist. Aber ich habe schon viele Trainer kennengelernt, und Ole ist einer, der sehr ehrlich mit seinen Spielern umgeht. Wenn ihm etwas nicht gefällt, die Leistung zu schlecht ist, dann sagt er das auch. Deshalb kann man ihm da vertrauen.

Ex-Werder-Verteidiger Sebastian Langkamp hat kürzlich ein viel beachtetes Interview gegeben, in dem er unter anderem erklärte, dass Profis selten über ihre Sorgen sprechen. So meinte er: „Die häufigste Angst ist die Versagensangst, verbunden mit der Austauschbarkeit. Wenn man ehrlich ist, spielt man jede Woche um seinen Vertrag.“ Können Sie diese Einschätzung nachempfinden?

Man muss schon Leistung bringen. Tut man das nicht, dann ist man schnell weg vom Fenster. Auch wenn der Vertrag ausläuft, kann es mitunter nicht so einfach sein. Aber in meiner jetzigen Situation habe ich keine Ängste. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag, bin bei einem Bundesligaverein, sammle dort Einsätze. Es läuft alles gut, ich bin zufrieden – nicht mit der Spielzeit, aber allgemein.

Werder Bremens Nicolai Rapp verrät im DeichStube-Interview seine Lieblingsposition: „Die Sechs“

So kurios das klingen mag: Ist Ihre Vielseitigkeit Ihr großer Nachteil, weil Sie so eigentlich der „perfekte Einwechselspieler“ für einen Coach sind?

Ich sehe es ganz klar als eine meiner Stärken. Jetzt habe ich im Testspiel gegen Hannover mal wieder 60 Minuten auf der Sechs gespielt, was lange nicht der Fall war. Egal, ob mich der Trainer nun auf der Sechs, der Acht oder in der Abwehrkette braucht – ich kann jede Position spielen.

Gibt es trotzdem weiterhin eine Lieblingsposition?

Die Sechs.

Aber dort ist der Weg durch Christian Groß und Ilia Gruev versperrt. Lohnt da überhaupt ein Angriff?

Ich greife an, ich möchte spielen. Ich glaube, dass ich es auch gegen Hannover oder zuvor gegen Leverkusen gut auf der Sechs gemacht habe. Wenn die Chance kommt, dann versuche ich, sie zu nutzen.

Ist es schwieriger, wenn man nach einer Einwechslung sofort funktionieren muss als sich mit einer Startelf erst einmal ein Gefühl für das Spielgeschehen zu erarbeiten?

Das ist ab und an auch Thema bei uns Spielern. Es ist nicht einfach, in ein Spiel reinzukommen. Man muss sich erst an das Tempo gewöhnen, trotzdem müssen die ersten Aktionen direkt klappen. Man muss direkt da sein und der Mannschaft Impulse geben. Aber in dieser Saison haben wir Einwechselspieler es bislang sehr gut gemacht.

Ist Geduld eigentlich eine Stärke von Ihnen?

Es kommt darauf an. (lacht) Es gibt Tage, an denen ich schon ein bisschen sauer bin. Aber ich nehme die Herausforderung an.

Wechsel? Werder Bremens Nicolai Rapp: „Ich habe nie mit dem 1. FC Kaiserslautern gesprochen“

Zum Ende der Transferphase wurde Ihr Name dennoch in Verbindung mit dem 1.FC Kaiserslautern gebracht. Wie konkret haben Sie sich über einen Wechsel in die Pfalz Gedanken gemacht?

Ich habe mit dem 1. FC Kaiserslautern nie gesprochen. Es gab Vereine, die sich gemeldet haben, aber für mich war von Anfang an klar, dass ich in Bremen bleibe. Ich hatte bei Werder 28 Zweitliga-Einsätze, spiele jetzt Bundesliga – von daher stand ein Wechsel für mich nie im Raum.

Es wäre der womöglich einfachere Weg zu mehr Spielpraxis gewesen.

Einfacher ja, aber ich habe jetzt schon 133 Zweitliga-Spiele. Von daher gilt: Auch mal eine Herausforderung annehmen und den schweren Weg gehen. 

Was bei all dem Trubel um Werders ordentlichen Saisonstart fast ein wenig untergegangen ist: Sie haben - wenn auch wie gesagt nur kurz - Ihr Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse gegeben. Müssen Sie sich manchmal kneifen, dass Sie diesen Schritt tatsächlich geschafft haben?

Ja. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, als das damals in Wolfsburg so kam. Leider haben wir es nicht geschafft, den Sieg über die Ziellinie zu bekommen, was ein bisschen traurig war.

Fühlen Sie sich bereits als echter Bundesligaspieler? Oder fehlen dafür dann doch ein paar Partien in der Startelf des SV Werder Bremen?

Da fehlt schon noch ein bisschen was. Ich würde gern von Anfang an spielen – und das über mehrere Spiele. Am Ende des Tages stehen aber schon vier Einsätze in der Vita.

Sie sind schon 2006 in die Jugendabteilung der TSG Hoffenheim gewechselt. Was würde der Nicolai Rapp von heute seinem damaligen neunjährigen Ich mit auf den Weg geben?

Ich mache mir da häufiger Gedanken drüber, gerade an Tagen, an denen ich vielleicht sauer bin. Dann sage ich mir, dass alles sehr gut für mich gelaufen ist. Ich habe es bis in die Bundeliga zu Werder Bremen geschafft. Würde das mein neunjähriges Ich wissen, dann wäre alles sehr entspannt.

Werder Bremens Nicolai Rapp zog mit 14 zu Hause aus: „Ich glaube, dass es für die Eltern schlimmer ist“

Stimmt es eigentlich, dass Ihr Vater Sie in der Jugend in privaten Einzeltrainings hat schuften lassen?

(lacht) Wir waren ab und zu auf dem Sportplatz. Da musste ich immer mit dem linken Fuß schießen und passen. Da war ich früher immer sauer, aber mittlerweile habe ich mich schon zehn Mal bedankt bei ihm. 

Welche Bedeutung hat Familie generell für Sie?

Eine sehr große. Ich bin mit 14 Jahren zu Hause ausgezogen. Es gab seither nicht einen Tag, an dem ich mit meinem Vater nicht mindestens zwei Mal telefoniert habe. Da gibt es eine sehr enge Verbindung. Wir sehen uns jetzt leider nicht mehr so oft, aber wir hören uns regelmäßig über Facetime.

Wenn man im Alter von 14 Jahren auszieht, kann das ein heftiger Schritt sein. Wie war das bei Ihnen?

Ich glaube, dass es für die Eltern schlimmer ist. Wenn man sein Kind in diesem Alter an eine Gastfamilie abgibt und es nun jede Nacht weg ist, dann ist das bestimmt schwierig.

Ist es angenehmer, in einer Gastfamilie unterzukommen als in einem Internat, wo man häufig gemeinsam mit einem Mitspieler auf dem Zimmer hockt?

Ich war mit einem Kumpel zusammen in der Gastfamilie. Beim Internat bist du Tag und Nacht am Gelände und kannst nicht mal eben zum Döner-Laden gehen. Um 22 Uhr ist Bettruhe. Das war mir damals ein bisschen zu steif. Deswegen habe ich mich für die Gastfamilie entschieden.

Gab es dort dann ein klassisches Familienleben oder wurde ebenfalls darauf geachtet, dass Sie rechtzeitig im Bett sind?

Ich hatte zum Glück eine sehr nette Gastmutter. Sie hat mir viele Freiheiten gelassen, aber ich bin auch jemand, dem man diese Freiheiten geben kann und gehe nicht falsch damit um.

Nicolai Rapp lobt Mitspieler beim SV Werder Bremen: „Wir sind das beste Team, in dem ich je gespielt habe“

Gab es diesen einen Punkt, an dem Sie gemerkt haben, dass es für Sie im Fußball tatsächlich weit nach oben gehen kann?

Der Absprung nach Fürth (Rapp wechselte 2016 von Hoffenheim auf Leihbasis nach Franken, Anm. d. Red.) war für mich sehr wichtig. Ich war nie jemand, der auf die Stimmen gehört hat, die gesagt haben, dass man sowieso Profi wird. Es gibt so viele Jugendspieler, denen man das sagt, aber am Ende kommt nicht so viel dabei rum. Als junger Spieler sollte man deshalb am besten gar nicht so viel nachdenken, sondern immer Gas geben und an sich arbeiten. Der Rest kommt von allein. 

Jetzt spielen Sie mit Werder in Liga eins. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart des Teams?

Wir haben jetzt schon mal ein paar Punkte gesammelt und besondere Erfolgserlebnisse wie gegen Dortmund mitgenommen. Was fehlt, sind die drei Punkte zu Hause. Es werden in dieser Saison auch noch schwierige Zeiten kommen, deshalb sind diese Zähler so wichtig. 

Wenn über Werder gesprochen wird, dann wird immer der große Zusammenhalt in der Mannschaft betont. Wie erleben Sie diese Atmosphäre?

Ich muss sagen, dass es das beste Team ist, in dem ich je gespielt habe. Es ist lustig, wir haben alle Spaß miteinander und verstehen uns. Es ist kein Stinker dabei. Das war auch ein Grund, weshalb wir letzte Saison aufgestiegen sind. 

Zu Beginn der Zweitliga-Saison waren Sie noch Stammspieler, später dann nicht. Wie verarbeiten Sie sowas?

Ich glaube, dass es letztes Jahr irgendwann den Punkt gab, an dem es den Spielern gar nicht mehr so wichtig war, ob man gespielt hat oder nicht. Man hat einfach nur noch versucht, da zu sein, wenn man gebraucht wurde – und ich wurde jedes Spiel gebraucht. Es ging dann letztlich nur noch darum, Spiele zu gewinnen, um aufzusteigen. Das Persönliche war irgendwann egal.

Kann solch ein Denken diese Saison noch einmal entstehen, wenn es vielleicht nur noch darum geht, diese ominösen 40 Punkte zu holen?

Ich hoffe, dass das nicht passiert und wir die 40 Punkte schon so schnell wie möglich zusammenhaben. Dann hätten wir eine etwas ruhigere Saison, das wäre das Beste. (mbü)

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