Niklas Moisander, Kapitän des SV Werder Bremen, sieht sich in der Coronakrise besonders gefordert.
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Niklas Moisander, Kapitän des SV Werder Bremen, sieht sich in der Coronakrise besonders gefordert.

In der Coronakrise besonders gefordert

Werder-Kapitän Niklas Moisander wird zum Koch und Lehrer

Bremen - Sonst gibt er als Kapitän bei Werder Bremen auf dem Fußballplatz klare Anweisungen, jetzt muss er einen etwas feinfühligeren Ton anschlagen. Niklas Moisander übt sich als Lehrer.

Er will seiner fünfjährigen Tochter das Lesen und Schreiben näher bringen. „Ich versuche, dass sie etwas lernt, dass sie aktiv bleibt in der Zeit, in der sie nicht zum Kindergarten geht“, erklärt Moisander in einer Video-Pressekonferenz des SV Werder Bremen.

Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Kindergärten zurzeit geschlossen, und auch Werders Innenverteidiger muss weitgehend zu Hause bleiben – für ihn wie für die gesamte Mannschaft heißt es „Home-Office“. Für den 34-Jährigen bedeutet das einen Spagat: nicht nur zwischen Konditions- und Krafttraining, sondern auch zwischen Kochen und Kinderbetreuung. „Ich muss sagen, nach einer Woche ist das schon ein bisschen anstrengend“, gibt der Finne zu, „aber in dieser schwierigen Situation ist es schön, dass du mit deiner Familie zusammen sein kannst.“

Werder Bremen: Niklas Moisander sorgt sich wegen Corona um seine Eltern

Gerade in Krisen-Zeiten steht die Familie für Moisander an erster Stelle. Er sorgt sich auch um seine Eltern in Finnland, wo die Corona-Pandemie ebenfalls ernst ist. „Sie sind ein bisschen älter und gehören zur Risikogruppe. Natürlich mache ich mir manchmal ein bisschen Sorgen“, erzählt Moisander. Er wäre gerne dort, um zu helfen. „Aber im Moment ist es wichtig, dass ich in Deutschland bin.“

Hier kümmert er sich jetzt verstärkt um Frau und Kinder. Aber auch den Fußball kann er trotz Krise nicht aus den Augen lassen, das verlangt seine Einstellung als Profi. „Man muss diszipliniert sein, das bin ich, das sind wir alle“, beteuert Moisander.

Werder Bremen: Niklas Moisander bekommt Trainings-Programm 

Nach dem Frühstück gehe er laufen, danach stehen Kraftübungen auf dem Programm, das Moisander wie die anderen Spieler von Werders Trainerstab mitbekommen hat. „Das ist ein bisschen langweilig, jeder möchte lieber mit der Mannschaft trainieren.“ Aber schummeln gilt nicht. Weil Werder die Fitnesswerte der Spieler täglich kontrolliert, aber auch weil das Sportliche nach wie vor viel zu wichtig ist. „Wir sind bereit, wenn wir das nächste Spiel haben“, verspricht Moisander.

Die Zeiten sind andere, das Training auch, aber an den Zielen ändert sich nichts: Werder Bremen will den Klassenerhalt sichern, und an einen coronabedingten Saisonabbruch und einen möglichen Nicht-Abstieg am Grünen Tisch verschwendet Moisander keinen Gedanken. „Wir wollen weiterspielen, wir wollen selber den Klassenerhalt schaffen, das ist für uns sehr wichtig“, erklärt der Ex-Nationalspieler.

Ob die Bundesliga nach der aktuellen Pause allerdings überhaupt noch zu Ende gespielt werden kann, ist fraglich. In den nächsten Wochen und Monaten müsse man auf die Experten hören, meint Moisander. Falls in Zukunft Geisterspiele ohne Publikum auf Werder und die Bundesliga zukommen, „müssen wir die Situation akzeptieren“, findet Moisander. „Das wäre natürlich nicht schön für uns Spieler und die Zuschauer. Wir müssen es seriös nehmen und unseren Job machen.“

Oder aktuell eben die zwei Jobs: das Berufliche und das Private. „Mit zwei Kindern – meine ältere Tochter ist fünf Jahre alt, meine jüngere fast fünf Monate – habe ich fast immer etwas zu tun zu Hause“, sagt Moisander über die Zeit mit der Familie. Die Kollegen vermisst er trotzdem. „Das Mannschaftstraining macht einfach Spaß. Es ist auch schön, mit mit den anderen in der Kabine zu lachen.“

Werder Bremen: Niklas Moisander sieht sich in der Coronakrise als Kapitän gefordert

Und nicht alle Spieler sind in der komfortablen Situation, zurzeit bei ihren Familien sein zu können. Das weiß Moisander, und da sieht er sich als Kapitän gefordert. „Ich versuche, mit den Spielern in Kontakt zu bleiben“, sagt er. „Wenn jemand Hilfe braucht, bin ich da.“ Dabei macht das Handy Vieles einfacher. Die Mannschaft tauscht sich regelmäßig über WhatsApp aus. „Ich versuche, alles zu tun, dass die Stimmung gut ist, und dass die Spieler in der Mannschaft zufrieden sind.“ Auch wenn man sich eben nicht treffen und gemeinsam essen gehen könne.

Apropos Essen: Normalerweise werden die Profis bei Werder Bremen bekocht, beim Bundesligisten wird großer Wert auf gesunde Ernährung gelegt. Neben den Trainingsplänen haben die Spieler daher nun auch Kochtipps für zu Hause bekommen. „Ich habe noch nicht so viele Rezepte ausprobiert, aber jetzt habe ich Zeit, vielleicht mache ich das heute Abend“, sagt Moisander. Dann wird der Werder-Kapitän zu Hause nicht nur zum Lehrer, sondern auch noch zum Koch. (han)

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