Niklas Schmidts Suche nach Stabilität

Nach „krassen“ Corona-Folgen: Niklas Schmidt meldet sich bei Werder Bremen zurück – und will jetzt mehr

Bremen – Die Nachricht, kurz und knapp gehalten, kam an einem Montagmittag Ende November und somit zu einem Zeitpunkt, an dem sie längst nicht mehr in die Kategorie „große Schlagzeile“ fiel. Auf seiner Internetseite gab der SV Werder Bremen bekannt, dass sich die Profis Niklas Schmidt und Fabio Chiarodia mit dem Coronavirus infiziert und sich deshalb in häusliche Quarantäne begeben haben.

Da es zahlreiche ihrer Mitspieler in den Wochen und Monaten zuvor ebenfalls erwischt hatte und Corona-Infektionen innerhalb der Gesellschaft längst allgegenwärtig waren, schrumpfte die Nachricht auf den Charakter eines Personalupdates zusammen, wie es Vereine auch herausgeben, wenn Profi xy der Oberschenkel zwickt. Für Niklas Schmidt begann mit ihr aber eine äußerst schwierige Zeit, wie der 24-Jährige am Freitag verriet. Noch lange nach seiner Infektion hatte der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen mit den Folgen von Covid-19 zu kämpfen.

Werder Bremen: Niklas Schmidt immer wieder mit Hochs und Tiefs - und zieht daraus seine Lehren

„Die ersten Monate waren krass“, sagte Niklas Schmidt, „mir ist teilweise die Luft weggeblieben. Das war schon extrem.“ Bis heute seien nicht alle Spätfolgen weg, mithilfe der Athletiktrainer habe er es aber Schritt für Schritt geschafft, „dass ich jetzt fast wieder bei 100 Prozent bin“. Während des 1:0-Heimerfolg gegen Darmstadt 98 konnten sich Fans und Beobachter zuletzt davon überzeugen. Schmidt ersetzte den corona-infizierten Leonardo Bittencourt, lieferte im Mittelfeld ein auffälliges, ein gutes Spiel ab – und hat sich damit in seiner Zeit bei Werder Bremen ein weiteres Mal zurückgemeldet.

Genau dieses Muster – plötzlich ganz nah dran an der ersten Elf, dann aus unterschiedlichen Gründen wieder weit weg, um dann doch wieder aufzufallen – es zieht sich wie ein roter Faden durch Schmidts komplette Profizeit beim SV Werder Bremen. „Ich bin schon so lange dabei und hatte schon so viele Phasen, in denen es auf und ab ging. In jeder Saison gab es Hochs und Tiefs“, blickte Schmidt zurück. Inzwischen hat er für sich einen Weg gefunden, mit dieser konstanten Inkonstanz bestmöglich umzugehen: Er bleibt entspannt, was womöglich eine Lehre aus seinem alles andere als gradlinigen Karriereweg ist.

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Werder Bremen: Wegen Corona muss sich Niklas Schmidt bei Trainer Ole Werner hinten anstellen

Nachdem Niklas Schmidt schon während seiner Zeit als Jugendspieler bei Werder Bremen als großes Talent gegolten und vor allem mit starker Pass- und Schusstechnik von sich reden gemacht hatte, verlief der Sprung in den Profibereich für ihn alles andere als rund. Was auch mit seinen damaligen Ernährungsgewohnheiten zu tun hatte, die nicht unbedingt zum Leben als Berufsfußballer passten. Zeiten, die lange vorbei sind. Schmidt ernährt sich inzwischen vegan, hat enorm viel an seiner Fitness gearbeitet und sich während seiner Leihstationen beim SV Wehen Wiesbaden (2018 bis 2019) und VfL Osnabrück (2019 bis 2021) auch fußballerisch weiterentwickelt. Vor der laufenden Serie dann allerdings wieder so ein Tief – Werder teilte öffentlich mit, Schmidt nicht mehr einzuplanen –, auf das nur kurze Zeit später ein überraschendes Hoch folgen sollte: Schmidt blieb doch, nutzte unter Trainer Markus Anfang seine Chance und war an den ersten Spieltagen der Saison einer der besten Bremer.

Als er dann im Oktober seinen Vertrag bei Werder Bremen verlängert hatte, ging es mit den Leistungen prompt bergab. Sieben Spiele ohne Einsatz, auch wegen besagter Corona-Infektion. Somit war Niklas Schmidt nicht da, als Ole Werner auf Anfang folgte und musste fortan mit der Rolle als Ergänzungsspieler leben – womit wir wieder bei Schmidts entspanntem Umgang mit alldem wären. „In den Spielen, in denen wir erfolgreich waren, haben es die Jungs einfach richtig gut gemacht. Wir haben alle das große Ziel, aufzusteigen. Da muss man sich manchmal eben hinten anstellen und auf die Zunge beißen, auch wenn es wehtut“, betonte Schmidt. Und weiter: „Für mich war das aber gar nicht so schwer.“ Wozu wiederum Ole Werner einen großen Teil beigetragen hat.

Werder Bremen: Niklas Schmidt findet Trainer-Erklärungen „cool“ und wünscht sich endlich Konstanz

In zahlreichen Gesprächen gab der Coach seinem Spieler das Gefühl, trotz wenig Einsatzzeit gebraucht zu werden. Das hat bei Niklas Schmidt Eindruck hinterlassen. „Der Trainer kam nach den Spielen zu mir und hat mir erklärt, warum ich eingewechselt wurde oder auch nicht. Wir waren da immer sehr klar miteinander. Ich habe wirklich immer Erklärungen bekommen, auch wenn er es gar nicht hätte machen müssen. Das finde ich cool.“ Und es hat dazu beigetragen, dass Schmidt geduldig auf seine Chance bei Werder Bremen gewartet hat, einmal mehr.

Dass er nach der bevorstehenden Rückkehr von Bittencourt in der Startelf bleibt, erscheint zwar eher unwahrscheinlich. Gegen Darmstadt hat Niklas Schmidt aber gezeigt, dass er wieder da ist, wenn er gebraucht wird. Irgendwann, so das Ziel des 24-Jährigen, soll das dann bitteschön Woche für Woche so sein. „Ich möchte mal auf einer Linie bleiben und konstant sein in meinen Leistungen“, sagte Schmidt, „denn ich möchte irgendwann in der Bundesliga spielen – im besten Fall mit Werder.“ (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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