Schmidt über Bundesliga-Traum bei Werder

Werder-Profi Niklas Schmidt schwärmt von Man-City-Superstar: „Bei Kevin De Bruyne kriege ich Gänsehaut“

Bremen – Vor allem einer kann den Bundesliga-Start beim SV Werder Bremen kaum erwarten: Niklas Schmidt. Dabei hat er schon in Deutschlands höchster Fußball-Liga gespielt. „Wie sich hinterher herausgestellt hat, ist es aber nur bei diesem einen Moment geblieben“, erinnert sich der inzwischen 24-Jährige an den 24. September 2016, als er in der 76. Minute eingewechselt wurde und mit einem Assist maßgeblich am 2:1-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg beteiligt war. „Ich musste danach viele Umwege gehen, um wieder hier zu landen“, erzählt Schmidt und gesteht, dass ihn der Gedanke an die Bundesliga in den ersten Wochen dieser Vorbereitung sogar gehemmt habe.

Doch jetzt herrsche bei Niklas Schmidt nur noch große Vorfreude: „Ich bin unglaublich glücklich, dass ich zum Bundesliga-Kader des SV Werder Bremen gehöre. Alles andere mehr nehme ich einfach mit und werde es genießen.“

Nun sollte niemand glauben, dass Schmidt jetzt nachlässt. „Natürlich will ich spielen“, sagt er, „aber Fußball ist ein Mannschaftssport.“ Deshalb gehöre es für ihn auch dazu, die Kollegen von der Ersatzbank aus „zu pushen, das ist kein Problem für mich“. Gleiches gelte für den Konkurrenzkampf im Mittelfeld. „Auf unserer Position ist viel los“, sagt Schmidt und fügt noch grinsend an: „Das ist nicht einfach für den Trainer.“ Vier Spieler streiten um die zwei Achter-Posten: Leonardo Bittencourt, Jens Stage, Romano Schmid und Schmidt. „Wir haben eben einen richtig guten Kader“, betont Niklas Schmidt, der einfach so viele Einsatzzeiten wie möglich bekommen will.

Werder Bremen-Profi Niklas Schmidt feierte sein Bundesliga-Debüt mit 18 Jahren: „Schaue nicht gerne zurück“

Genauso wie im Vorjahr. Da sollte er nach seiner Ausleihe an den VfL Osnabrück eigentlich verkauft, das Kapitel Werder Bremen für ihn nach neun Jahren an der Weser geschlossen werden. Keine ganz leichte Zeit für einen, der mit 14 Jahren von RW Erfurt nach Bremen gewechselt war – natürlich mit dem Traum, es hier bis ins Weserstadion zu schaffen. Und es ging auch alles ziemlich schnell bei ihm, denn er war ein Riesentalent. Mit 18 Jahren feierte er unter Trainer Alexander Nouri tatsächlich sein Bundesliga-Debüt, spielte trotz seiner Tor-Vorlage aber nie wieder in einem Pflichtspiel für die Profis.

Auch, weil Niklas Schmidt nicht immer so professionell lebte, Probleme mit dem Gewicht und mit der Einstellung bekam. „Ich schaue nicht mehr so gerne zurück“, sagt er heute. Die Ausleihen zum SV Wehen Wiesbaden und VfL Osnabrück (2. Liga) ließen ihn entscheidend reifen. Und vor einem Jahr in der Vorbereitung präsentierte sich dann ein ganz anderer Schmidt, ein topfitter und ziemlich fokussierter. So erkämpfte er sich eine neue Chance bei Werder Bremen und dabei gleich eine vorzeitige Vertragsverlängerung.

Niklas Schmidt freut sich auf die Bundesliga mit Werder Bremen: „Davon habe ich als kleines Kind geträumt“

Der Aufstieg mit seinem SV Werder Bremen war schon etwas ganz Besonderes für den gebürtigen Kasseler. Aber jetzt kommt noch mehr. „Ich spiele in der Bundesliga. Davon habe ich als kleines Kind geträumt. Wir sind eine fußballverrückte Familie und haben jeden Samstag die Sportschau geguckt. Dann kamen Premiere und Sky. Wir haben einfach alles verfolgt. Jetzt ein Teil einer so großen Liga zu sein, das ist unglaublich schön“, sprudelt es aus Niklas Schmidt nur so heraus und seine Augen funkeln.

Damit ihn diese Emotionen nicht hemmen wie zu Beginn der Vorbereitung, hat sich Schmidt eine neue Taktik überlegt. „Wenn ich auf den Platz gehe, schalte ich meinen Kopf aus und spiele mein Spiel.“ Das ist ihm im letzten Test gegen Twente Enschede bestens gelungen. Er traf nicht nur beim 3:3 gegen den niederländischen Erstligisten, er gehörte auch so zu den besten Bremern. Dafür gab es sogar ein Sonderlob von Trainer Ole Werner. Der hatte gerade in der Rückrunde viel auf die erfahrenen Spieler gesetzt und anders als sein Vorgänger Markus Anfang die jüngeren wie Schmidt weniger berücksichtigt. „Klar, der Switch war da“, erinnert sich Schmidt: „Aber es lief ja auch gut.“ Als gegen Darmstadt dann viele erfahrene Spieler ausgefallen seien, „haben wir gezeigt, wie wichtig auch wir sind“, betont Niklas Schmidt und unterstreicht noch etwas, was ihm besonders am Herzen liegt: der Fußball als Mannschaftssport.

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Niklas Schmidt erwartet harte Bundesliga-Saison mit Werder Bremen: „Müssen auch in schwierigen Phasen klar bleiben“

Das sei gerade auch für einen Aufsteiger wichtig, der nun sehr wahrscheinlich weniger Spiele gewinnen werde als vorher. Dabei bezieht er gleich das ganze Umfeld mit ein. „Das wird die größte Herausforderung für uns sein – für die Fans und für uns als Mannschaft: Wir müssen auch in schwierigen Phasen klar bleiben, uns die Meinung sagen und uns danach noch angucken können, um fokussiert weiterzuarbeiten.“ Die nötige Ruhe für solche Momente auf und neben dem Platz habe er sich in der vergangenen Saison bei seinem Kapitän Ömer Toprak abgeschaut.

Und noch ein Spieler hat es ihm angetan – ein ehemaliger Werder-Profi, den er als Jugendlicher 2012 in Bremen erlebt hat und bis heute bei Manchester City verfolgt: „Wenn ich Kevin de Bruyne spielen sehe, dann bekomme ich Gänsehaut. Das ist ein phantastischer Spieler. Da möchte man schon einige Dinge so machen wie er. Das klappt nicht immer, aber dann trainiert man das eben.“ Ein zweiter de Bruyne will er aber nicht werden. Das maßt er sich nicht an – und außerdem gilt für ihn in der Bundesliga: „Da muss ich schon mein eigenes Ding machen.“ Und das soll diesmal länger dauern als die 14 Minuten im September 2016. (kni)

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