Niklas Stark ist nicht nur modisch beim SV Werder Bremen angekommen, sondern inzwischen vor allem auch sportlich: Der Neuzugang von Hertha BSC spricht im Interview über seinen schwierigen Start und seine Rolle.
+
Niklas Stark ist nicht nur modisch beim SV Werder Bremen angekommen, sondern inzwischen vor allem auch sportlich: Der Neuzugang von Hertha BSC spricht im Interview über seinen schwierigen Start und seine Rolle.

DeichStube-Interview

„Ich bin bis heute ein Dorfkind“: Werder-Profi Niklas Stark über Ruhe in der Heimat, Immobilien und ein Interview mit Angela Merkel

Bremen – Er galt bei seiner Verpflichtung als der neue Abwehrchef des SV Werder Bremen, zunächst musste sich Niklas Stark aber mit der Rolle als Reservist begnügen. Wie er damit umgegangen ist, hat der 27-Jährige nun im Interview mit der DeichStube erklärt – und natürlich auch, was ihm dabei geholfen hat, seinen Platz im Team zu finden. Außerdem sprach Stark über seine Leidenschaft für Immobilien und ein ganz besonderes Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Herr Stark, Sie haben in Ihrem Sportlerleben schon zahlreiche Interviews gegeben – und eines sogar selbst geführt...

(lacht) Oh ja! Und das war mit großem Abstand das schwierigste von allen.

2016 durften Sie als U21-Nationalspieler Bundeskanzlerin Angela Merkel zur bevorstehenden Europameisterschaft befragen. Wie haben Sie sich damals darauf vorbereitet?

Ich habe mir einfach überlegt, was mich selbst an ihrer Verbindung zum Fußball interessiert und dachte mir: „Okay, das wird die Leute dann auch interessieren.“ Die Fragen musste ich vorher einschicken. Sie wurden geprüft, genehmigt, und während des Gesprächs konnte ich sie dann vom Zettel ablesen.

Da erste journalistische Erfahrungen also durchaus vorhanden sind: Welche Frage würden Sie dem Werder-Profi Niklas Stark im Oktober 2022 stellen?

(überlegt lange) Ob Niclas Füllkrug mit zur WM soll? Nein, das ist ja fast schon ein Klassiker (lacht). Ich würde wohl eher in Richtung Mannschaft fragen. Vielleicht: „Warum tritt Werder gerade so geschlossen auf?“

Auch interessant: Verfolgt das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen FSV Mainz 05 im Liveticker der DeichStube!

Niklas Stark über seine anfängliche Reservisten-Rolle bei Werder Bremen: „Innerlich mal ‚Scheiße‘ gesagt“

Gute Frage. Und wie lautet die Antwort?

Wir legen großen Wert auf den Teamgedanken. Klar sticht dabei der eine oder andere immer mal wieder heraus, aber vor allem deshalb, weil auch er viel für die Mannschaft investiert und entsprechend dafür belohnt wird. So muss es sein. Deswegen ist es im Moment eine Freude, Teil dieser Mannschaft zu sein.

Bei Werder war die Freude auch groß, als Ihre Verpflichtung im Sommer perfekt war. Als zweifachem Nationalspieler mit der Erfahrung von 200 Bundesligaspielen dürften Ihnen auch andere Angebote vorgelegen haben. Warum der Wechsel zum Aufsteiger nach Bremen?

Warum denn nicht? Klar war Werder ein Jahr lang in der 2. Liga, aber ich habe den Verein nie als Zweitligisten gesehen, weil er dort einfach nicht hingehört. Werder ist ein sehr, sehr großer Verein. Schon seit meiner Kindheit habe ich ihn im Kopf als einen der größten in Deutschland abgespeichert. Im Sommer hat dann alles gestimmt, mein Bauchgefühl, die Gespräche, sodass ich entschieden habe, den Schritt zu gehen.

Cheftrainer Ole Werner soll Sie extra in Berlin besucht haben, um Sie von Werder zu überzeugen...

Es war nicht nur der Trainer. Auch Frank Baumann (Werders Sportchef, d. Red.) und Clemens Fritz (Werders Leiter Profifußball, d. Red.) waren dabei. Das hat mich beeindruckt, weil es große Wertschätzung ausgedrückt hat. Wir haben uns in einem Hotel getroffen, und sie haben mir aufgezeigt, wie es in Bremen laufen könnte. Irgendwann hat der Trainer auch den Laptop rausgeholt, hat mir ein paar Spielszenen vorgeführt und erklärt, wie er mich in seinem System sieht. Das hat alles zum guten Bauchgefühl beigetragen.

Ihr Start bei Werder verlief dennoch unerwartet schleppend. Bis zum achten Spieltag mussten Sie sich mit der Reservisten-Rolle begnügen. Hat Sie das selbst überrascht?

Natürlich hatte ich es mir anders gewünscht, das ist ja klar. Das Spiel in Bremen ist aber nun mal anders als in Berlin. Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich alles so adaptiert hatte, dass es auch meinen Anforderungen an mich selbst genügt. Ich habe verstanden, warum der Trainer zunächst auf andere Spieler gesetzt hat. Klar gehört es auch dazu, innerlich mal „Scheiße“ zu sagen, aber man darf ja auch nicht vergessen, dass die Mannschaft gut performt hat. Da bin ich wirklich der Letzte, der dem keinen Respekt zollt. Ich habe einfach weiter Gas gegeben, im Training, auf der Bank und wenn ich reinkam.

Eingewöhnungsphase von Niklas Stark bei Werder Bremen abgeschlossen: „Abläufe und Timing stimmen“

Zuletzt hat sich das ausgezahlt. Bei den Siegen gegen Gladbach und Hoffenheim standen Sie jeweils in der Startelf und haben mit guten Leistungen überzeugt. Ist die Eingewöhnungsphase damit endgültig beendet?

Ja. Luft nach oben ist zwar immer, aber mit der Mannschaft fühlt es sich für mich im Moment sehr gut an. Die Abläufe und das Timing stimmen. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass es so bleibt. Die Englischen Wochen, die vor uns liegen, werden ein echter Gradmesser.

Sie arbeiten seit einigen Jahren regelmäßig mit einer Mentaltrainerin zusammen. Wobei hilft sie Ihnen?

In letzter Zeit war es etwas weniger, aber ich mache in diesem Bereich auch viel für mich selbst. Der Austausch mit ihr hilft mir dabei, die Perspektive etwas zu verändern und gewisse Dinge besser zu verstehen. Oft geht es darum, den Blickwinkel so zu verändern, dass man das Positive in den Vordergrund rückt.

Haben Sie ein Beispiel?

Wenn mal ein Mitspieler, der nicht so oft zum Einsatz kommt, im Training nicht so viel Gas gibt, bin ich erstmal sauer. Wenn du aber verstehst, dass er Motivation braucht, um seine Lage zu verbessern, geht man gleich anders damit um.

Suchen Sie manchmal bewusst Abstand vom Fußballgeschäft?

Ja, schon. Meistens fahre ich dann nach Hause zu meiner Familie (Stark kommt aus dem fränkischen Ipsheim, d. Red.). Dort genieße ich die Ruhe. Ich bin bis heute ein Dorfkind. Deshalb lebe ich auch in Bremen in einem Haus, das außerhalb liegt.

Auch interessant: So sehen Fans das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen Mainz 05 live im TV und im Livestream!

Niklas Stark von Werder Bremen über Europapokal-Gesänge: „Würde ich als Fan im Moment auch machen“

Sie interessieren sich grundsätzlich sehr für Immobilien, führen sogar ein Unternehmen in der Branche. Haben Sie in Bremen schon ein Objekt in Ihr Portfolio aufgenommen?

Nein. Dafür muss ich den Markt hier erst noch besser kennenlernen. Ich habe das Haus erstmal gemietet.

Woher kommt das Interesse für Immobilien?

Das ist schon lange Zeit da. Irgendwann bin ich da nach und nach reingerutscht. Einer meiner besten Freunde aus München hat sich sehr intensiv mit dem Thema befasst und es an mich herangetragen. Ich sehe es einfach als zweites Standbein neben dem Fußball. Im Idealfall machen wir aus Häusern, die unbewohnbar sind, neue Wohnungen.

Als Hausbesitzer und Vermieter – wie sehr sorgen Sie sich wegen der explodierenden Energiekosten?

Energiekosten sind auch Baukosten – und die sind gestiegen. Natürlich ist es da ein Thema für mich. Ich musste zwar keine Projekte stoppen, aber man merkt es den Rechnungen schon an.

Eingangs des Interviews haben Sie an sich selbst die Frage formuliert, warum Werder gerade so geschlossen auftritt. Zum Abschluss deshalb die Frage: „Was ist für Werder in dieser Saison noch alles möglich?“ Die Fans singen jedenfalls schon euphorisch von Europa...

(lacht) Das würde ich als Fan im Moment auch machen. Als Mannschaft bleiben wir aber bei uns und denken nicht viel über Punkte und die Tabelle nach. Im Moment sieht es ganz gut aus, aber trotzdem sind es erst 15 Punkte. Damit kommst du über die Saison gesehen nicht weit. Deswegen müssen wir weitermachen und alles mitnehmen, was wir kriegen können. Das große Ziel bleibt der Klassenerhalt. (dco)

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare