Ömer Toprak (von links), Lars Lukas Mai, Roger Assalé und Luca Plogmann haben Werder Bremen im Sommer verlassen - wie es für die Ex-Bremer in den neuen Vereinen läuft.
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Ömer Toprak (von links), Lars Lukas Mai, Roger Assalé und Luca Plogmann haben Werder Bremen im Sommer verlassen - wie es für die Ex-Bremer in den neuen Vereinen läuft.

So läuft es für Werders Sommer-Abgänge

Toprak, Mai, Assalé und Plogmann: Wie sich die Ex-Profis des SV Werder bei ihren neuen Clubs schlagen

Bremen – In der vergangenen Saison zählten sie alle zur Aufstiegsmannschaft des SV Werder Bremen. Während in Ömer Toprak (heute Antalyaspor) jedoch nur der ehemalige Kapitän eine tragende Säule im Team von Trainer Ole Werner war, spielten Lars Lukas Mai (FC Lugano), Roger Assalé (FCO Dijon) und Luca Plogmann (Go Ahead Eagles) sportlich allenfalls eine untergeordnete Rolle. Im Sommer verließ das Quartett die Grün-Weißen dann aus unterschiedlichen Gründen. Ein halbes Jahr später hat die DeichStube nun genauer hingeschaut, wie sich die Werder-Abgänge bislang bei ihren neuen Vereinen geschlagen haben.

Ömer Toprak (Antalyaspor): Der 13. November endete mit einem großen Schock: Knapp anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff des Süper-Lig-Spiels zwischen Besiktas Istanbul und Antalyaspor explodierte inmitten der berühmten Einkaufsstraße „Istiklal Caddesi“ im Herzen Istanbuls eine Bombe. Die Explosion riss sechs Menschen in den Tod und verletzte 81 weitere Personen. Ein furchtbares Ereignis – auch für Ömer Toprak und Nuri Sahin, die ehemaligen Spieler des SV Werder Bremen, die sich mit ihrer Mannschaft zum Zeitpunkt der Detonation in der türkischen Metropole auf die letzte Partie vor der WM-Pause vorbereitet hatten.

Knapp fünf Wochen später schien Antalyaspor den Schock nach dem Anschlag von Istanbul ganz gut weggesteckt zu haben: Am Dienstag der vergangenen Woche gewann das Team von Coach Nuri Sahin im Sechzehntelfinale des „Türkiye Kupasi“, dem türkischen Pokal, gegen Manisa FK knapp mit 1:0. Während Ömer Toprak, der auch in der Türkei wie einst bei Werder Bremen häufiger verletzt ausgefallen war, im Pokal nicht zur Verfügung stand, kehrte der Ex-Bremer im Ligaspiel bei Istanbul BB am vergangenen Sonntag in die Startelf von Antalyaspor zurück. Die 0:2-Niederlage konnte er aber nicht verhindern.

Ex-Werder-Bremen-Kapitän Ömer Toprak zählt bei Antalyaspor zu den Leistungsträgern - hat aber mit Verletzungen zu kämpfen

Dabei war es sowohl für Toprak als auch für Antalyaspor nach einem schwachem Saisonstart in den vergangenen Wochen sportlich endlich wieder bergauf gegangen. Nach drei Liga-Siegen in Serie ist das Team von Trainer Nuri Sahin, der die „Skorpione“ in der Vorsaison als Coach übernommen und sensationell bis auf Rang sieben geführt hatte, von Rang 16 bis auf Platz zehn geklettert. Das hing auch damit zusammen, dass Routinier Ömer Toprak seine neuerlichen Verletzungssorgen zumindest kurzzeitig überstanden hatte. Denn wie schon zu seiner Zeit beim SV Werder Bremen hatte der von Sahin als Führungsspieler geholte Neuzugang auch in der Türkei immer wieder mit verschiedenen Problemen zu kämpfen gehabt. So war Toprak insgesamt zwei Monate lang wegen einer Rückenblessur und anschließend aufgrund hartnäckiger Leistenprobleme ausgefallen und fehlte seinen Teamkollegen in der Folge an allen Ecken und Enden. Ohne den 33-Jährigen hagelte es vier Pleiten aus fünf Spielen. Antalyaspor kassierte dabei 13 Gegentore und holte nur einen 5:2-Sieg gegen Trabzonspor.

Anfang Oktober feierte Ömer Toprak gegen Konyaspor schließlich sein Comeback und hielt beim 1:1 mit einem starken Auftritt den Laden zusammen. Es folgten zwei weitere Einsätze über 90 Minuten gegen Alanyaspor (2:3) und Istanbulspor (2:1), ehe der 263-fache Bundesliga-Spieler Ende Oktober gegen Sivasspor (2:0) erneut ausfiel. Toprak bringt es somit nach 13 Spieltagen auf sechs Liga-Einsätze für Antalyaspor. Die Fans des SV Werder Bremen kennen dieses Auf und Ab. In seinen drei Jahren an der Weser galt Toprak aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit stets als Wackelkandidat, verpasste viele Spiele. Doch fast immer, wenn er auflief, gehörte er auch zu den Besten auf dem Platz. Doch eben diese Unsicherheit wurde den Verantwortlichen der Grün-Weißen nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga zu groß, weswegen sie Toprak nur noch einen sehr stark leistungsbezogenen Vertrag anboten, den dieser dann ablehnte. Es kam zur Trennung und Toprak unterschrieb einen Zweijahresvertrag beim Club von der Mittelmeerküste. Den vermutlich letzten seiner von Verletzungssorgen geprägten Laufbahn.

Ex-Werder-Bremen-Profi Lars Lukas Mai ist Stammspieler beim Schweizer Erstligisten FC Lugano

Lars Lukas Mai (FC Lugano): „Ich freue mich sehr, dass ich ab sofort für den FC Lugano spielen werde und bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine erfolgreiche Saison haben werden. Das ist der richtige Schritt für mich und ich bin sehr motiviert alles auf dem Spielfeld zu geben.“ Diese Sätze hatte Lars Lukas Mai Mitte Juni, nach seinem Wechsel in die Schweiz, auf seinem Instagram-Profil veröffentlicht – und man muss es so deutlich sagen: Er hat seinen Worten Taten folgen lassen.

Denn ein halbes Jahr später hat der 22-Jährige seiner Karriere nach dem für ihn persönlich erfolglosen Leih-Intermezzo beim SV Werder Bremen und der anschließenden Trennung vom FC Bayern München beim FC Lugano in der Schweiz definitiv neuen Schwung verliehen. Lars Lukas Mai zählt beim derzeitigen Tabellenvierten der Super League zum absoluten Stammpersonal und bestritt 15 von 16 möglichen Partien. Lediglich am 5. Spieltag gegen den FC Basel blieb der robuste Innenverteidiger ohne Einsatz. Ansonsten kam er 14 Mal über die vollen 90 Minuten zum Zug.

Ex-Werder-Bremen-Profi Lars Lukas Mai steht mit dem FC Lugano auf dem vierten Platz in der ersten Schweizer Liga

Auch für die Mannschaft des Ex-Profis von Werder Bremen läuft es sportlich durchaus ordentlich. Nach bislang 16 von insgesamt 36 zu absolvierenden Partien - in der ersten Schweizer Liga spielen nur zehn Mannschaften, die sich pro Saison jeweils viermal mit jedem Gegner duellieren – stehen Mai und Co. mit 23 Punkten auf Rang vier, der zur Qualifikationsrunde für die Conference League Qualifikation reichen würde. Zudem trennt das Team aus dem Kanton Tessin nur zwei Punkte vom Zweitplatzierten Servette FC (25 Zähler), aber auch nur drei Punkte vom FC Sion auf Rang acht. Auch im Pokal ist der FC Lugano um den gebürtigen Dresdner Lars Lukas Mai erfolgreich unterwegs: Dort hat das Team von Trainer Mattia Croci-Torti, bei dem auch der Ex-Wolfsburger Renato Steffen unter Vertrag steht, das Viertelfinale erreicht.

Mais Schritt in die Schweiz darf bislang also durchaus als goldrichtig bezeichnet werden. In der vergangenen Saison hatte das noch ganz anders ausgesehen. Im Sommer 2021 gehörte der U21-Europameister als Leihspieler zwar zu den ersten Neuzugängen des SV Werder Bremen. Beim damaligen Zweitligisten sollte es für ihn aber nie wirklich rund laufen. Mai wusste nur selten zu überzeugen, war stattdessen oft fehleranfällig und bekam schließlich kaum noch Einsatzzeiten (16 Spiele). Das neue Kapitel in der Schweiz scheint ihm dagegen richtig gut zu tun: In der malerisch schönen Region im Süden des Landes ist Lars Lukas Mai ein wichtiger Eckpfeiler des Teams, er besitzt einen Vertrag bis Sommer 2024. Und wer weiß: Vielleicht geht ja noch mehr als Platz vier für Mai und den FC Lugano.

Ex-Werder-Bremen-Profi Roger Assalé hat auch beim FCO Dijon einen schweren Stand

Roger Assalé (Dijon FCO): Roger Assalé ist nach seiner erfolglosen Leihe zum SV Werder Bremen wieder zurück an alter Wirkungsstätte: beim Dijon FCO. Doch auch beim französischen Zweitligisten läuft es für den 29-jährigen Rückkehrer ziemlich unbefriedigend. Die magere Bilanz des ehemaligen Nationalspielers der Elfenbeinküste: In zehn von 16 Saisonspielen kam er zwar zum Einsatz, doch nur ein Mal durfte er sich über die vollen 90 Minuten beweisen. Immerhin gelang Assalé in jenem Spiel gegen den Tabellenvorletzten FC Chamois Niortais sein erstes und bislang einziges Ligator. Dijon verlor trotzdem mit 1:2. Und es kam noch schlimmer, denn der Tabellen-17. kriselt nicht nur in der Liga gewaltig. Eine Woche später gab es ein peinliches Pokal-Aus gegen den Viertligisten FC Saint-Pryve Saint-Hilaire. Dass Roger Assalé dabei im Elfmeterschießen (2:3) traf, war angesichts des Ausscheidens nur ein schwacher Trost. Zumal das Team zwischenzeitlich seit wettbewerbsübergreifend elf Pflichtspielen auf einen Sieg wartete.

Der Ivorer steckt also – wie schon beim SV Werder Bremen – erneut in einer schwierigen Phase seiner Karriere. Wie er selbst darüber denkt, ist weitgehend unklar. Assalé gibt wie bereits zu seiner Zeit in Bremen keine Interviews. Nur so viel ist klar: Nach einem einwöchigen Trainingslager im portugiesischen Faro hat für Roger Assalé bereits die Restrunde mit dem abstiegsbedrohten Club begonnen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gelang Dijon FCO ein satter 5:0-Sieg im Heimspiel gegen Stade Laval. Assalé wurde dabei eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt. Der 29-Jährige, der für Werder überhaupt nur sechs Mal in der 2. Liga gespielt hat und im letzten halben Jahr überhaupt nicht zum Zug kam, besitzt beim Club aus der Hauptstadt der ostfranzösischen Region Burgund noch einen Vertrag bis zum Sommer 2024.

Ex-Werder-Bremen-Keeper Luca Plogmann zurzeit die Nummer zwei beim niederländischen Erstligisten Go Ahead Eagles

Luca Plogmann (Go Ahead Eagles): Monatelang hatte Luca Plogmann auf die Gelegenheit gewartet, sich endlich wieder zeigen zu können. Der einst als das große Talent gehandelte Schlussmann des SV Werder Bremen hielt seit Sommer Ausschau nach einem neuen Club, wurde aber einfach nicht fündig. Bis Mitte Oktober der niederländische Erstligist Go Ahead Eagles aus Deventer beim inzwischen 22-Jährigen anklopfte, bei dem Plogmann in der Folge einen Vertrag bis zum Saisonende unterzeichnete. Beim Verein „mit einem der besten Clubnamen der Welt“, wie Plogmann auf der Internetseite seines neuen Arbeitgebers zitiert wurde, will Plogmann vor allem eins: endlich wieder Fußball spielen. Vor dem neuen Kapitel in den Niederlanden hatte sich der Ex-Keeper von Werder Bremen (ein Bundesliga-Spiel) nämlich nur noch mit individuellen Trainingseinheiten fitgehalten.

Seit rund zwei Monaten ist der gebürtige Bremer also endlich wieder Teil eines richtigen Teams. Allerdings ist er bei den „Eagles“ nur die Nummer zwei hinter Jeffrey de Lange und saß in allen fünf Pflichtspielen auf der Bank. Zu einem Einsatz reichte es für den Olympiafahrer von 2021 bislang nicht. Dabei würde Plogmann liebend gerne wieder zwischen die Pfosten rücken, um zu zeigen, dass er auch abseits des Trainings wichtig für die Go Ahead Eagles sein kann. „Ich bin hochmotiviert, mich von meiner besten Seite zu zeigen“, hatte Luca Plogmann im Anschluss an seinen Wechsel erklärt. Dieser war überhaupt erst möglich geworden, weil das Ex-Talent des SV Werder Bremen vom Pech eines künftigen Konkurrenten profitierte. Ersatzkeeper Erwin Mulder, der selbst erst im Sommer aus Heerenveen gekommen war, hatte sich an der Hand verletzt und fehlt dem Team seitdem. Der Verein reagierte darauf mit der Verpflichtung Plogmanns und hat seitdem kein Spiel mehr verloren. Mit derzeit 15 Punkten liegen die „Eagles“ als Tabellen-11. der Eredivisie im Soll. Und Plogmann? Der lauert jetzt erneut auf seine Chance. Dieses Mal allerdings nicht auf einen Vereinswechsel, sondern auf eine Rückkehr auf den Rasen. Sein letzter Pflichtspiel-Einsatz ist nämlich lange her: Am 11. Dezember 2021 hütete er in der Regionalliga Nord das Bremer Tor – bei der 0:1-Niederlage von Werders U23 gegen Atlas Delmenhorst. (mwi)

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