Ömer Toprak im Gespräch mit Trainer Thomas Schaaf: Gemeinsam wollen sie mit Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen.
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Ömer Toprak im Gespräch mit Trainer Thomas Schaaf: Gemeinsam wollen sie mit Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen.

Ömer Toprak über den Trainerwechsel beim SV Werder

„Herr Schaaf“ statt „Flo“ – Profis des SV Werder Bremen sind schwer beeindruckt

Barsinghausen - Als Ömer Toprak über den Trainer spricht, da sagt er stets „Herr Schaaf“ – und nicht mehr „Flo“, so wie früher. Beim SV Werder Bremen gilt jetzt das Sie und nicht mehr das Du. Es ist gewiss nur eine Veränderung von vielen nach dem Trainerwechsel vom jüngeren Florian Kohfeldt (38) zum älteren Thomas Schaaf (60), aber eine durchaus interessante. Die Werder-Profis, so deutet Topraks Auftritt am Mittwoch bei einer Video-Pressekonferenz an, gehen mit mehr Ehrfurcht in die Mission Klassenerhalt, ihnen ist die Bedeutung für den Verein noch deutlicher geworden. Warum sonst sollte sich einer wie Schaaf, der mit dem Club alles gewonnen hat, für so eine Harakiri-Aktion vor dem letzten Spieltag zur Verfügung stellen?

„Herr Schaaf ist doch eine Trainer-Legende“, betont Ömer Toprak: „Er hat so viel erreicht, der ist bekannt im deutschen Fußball. Er ist auch eine andere Generation, deswegen ist das anders.“ Das Sie war also vom ersten Moment an selbstverständlich. Thomas Schaaf wird ohnehin nachgesagt, einer dieser Typen mit dem gewissen Etwas zu sein. Die einen Raum betreten – und sofort ist jedem klar, wer der Chef ist. Auf dem Platz fühlt es sich genauso an. Im Quarantäne-Trainingslager des SV Werder Bremen in Barsinghausen gibt Schaaf – bewaffnet mit Trillerpfeife und Stoppuhr – nicht nur das Kommando, sondern versammelt die Spieler auch immer wieder zu Taktikbesprechungen um sich. Er redet, und alle hören zu und schauen auf die Tafel neben ihrem neuen Fußball-Lehrer.

„Herr Schaaf hat einen klaren Plan, eine klare Idee. Die will er uns vermitteln – in Video-Sitzungen und auf dem Platz. Er ist dabei sehr klar in seinen Formulierungen“, berichtet Ömer Toprak. Den 31-Jährigen hat Werder Bremen als Sprachrohr für die Mannschaft auserkoren. Überraschend nicht Kapitän Niklas Moisander und auch nicht dessen Stellvertreter Theodor Gebre Selassie. Vielleicht liegt es daran, weil beide Spieler den Club im Sommer nach vielen Jahren verlassen werden und für solche Sentimentalitäten gerade kein Platz ist. Es geht einzig und allein um den Klassenerhalt. Dahinter muss alles zurückstehen.

Werder Bremen: Ömer Toprak Mitleid für entlassenen Trainer Florian Kohfeldt? „Nicht der richtige Zeitpunkt...“

Dazu gehört auch das Mitleid für den ehemaligen Chef Florian Kohfeldt. Immerhin dreieinhalb Jahre hat er mit der Mannschaft zusammengearbeitet, einige Spieler kennt er sogar noch länger, weil er zuvor schon mal Co-Trainer unter Viktor Skripnik war. Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft galt stets als sehr eng und sehr gut. Auch ein Ömer Toprak war in der Vergangenheit immer voll des Lobes für Kohfeldt.

Jetzt blickt er überraschend unpersönlich auf den Trainerwechsel am vergangenen Sonntag zurück. „In dem Moment weißt du als Spieler, dass du Fehler gemacht hast. Wir haben nicht die nötige Leistung gezeigt und waren enttäuscht, dass wir den Matchball in Augsburg nicht genutzt haben“, antwortet Toprak auf die Frage, ob die Mannschaft nun ein schlechtes Gewissen gegenüber Kohfeldt habe: „Wir sollten den Fokus nicht auf solche Sachen richten. Der Samstag ist einfach zu wichtig. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, nach hinten zu schauen.“

Werder Bremen: Ömer Toprak - „Abschied von Florian Kohfeldt ist jetzt nicht das Thema“

In der Nacht von Samstag und Sonntag hatte Kohfeldt direkt nach seiner Entlassung das Sporthotel Fuchsbachtal verlassen. Ohne direkten Abschied von der Mannschaft. Dass es danach noch Kontakt zum Team oder einzelnen Spieler gab, deutet Ömer Toprak zwar an, aber hakt das auch umgehend ab: „Das ist jetzt nicht das Thema, das weiß ,Flo‘ auch, weil er sehr an diesem Verein hängt.“ Es zähle jetzt nur der Samstag mit dem Abstiegskrimi gegen Borussia Mönchengladbach.

Aktuell belegt Werder Bremen den Relegationsplatz – einen Punkt hinter dem rettenden Ufer (Bielefeld) und einen vor dem Abgrund (Köln). Eine Nicht-Abstiegs-Rechnung mag Toprak nicht aufstellen. Das bringe nichts: „Wir müssen uns auf unsere Leistung konzentrieren.“ Ob dabei während des Spiels im Weserstadion wie üblich die Zwischenstände auf der Anzeigetafel eingeblendet werden, ist ihm egal: „Da schaue ich eh nicht hin.“

Werder Bremen: Unter Thomas Schaaf sollen „Selbstvertrauen, Überzeugung und Spaß zurückkehren“

Der Blick wird dagegen häufiger Richtung Bank gehen, wo nun „Herr Schaaf“ und nicht mehr der „Flo“ steht. Und der Neue dürfte einen anderen Plan verfolgen als sein Vorgänger, wahrscheinlich mehr Offensive als Defensive. „Das Selbstvertrauen soll nach der Negativserie zurückkehren, auch die Überzeugung und der Spaß“, nennt Toprak einige Ansätze von Thomas Schaaf. In die Tiefe mag er nicht gehen. Nicht, weil es sie nicht geben würde. Es mache einfach keinen Sinn, Details zu verraten. Der Gegner liest womöglich mit. Und Werder Bremen braucht nun jeden kleinen Vorteil, um zu punkten. Gladbach soll nicht wissen, wie die Bremer am Samstag auftreten werden.

Deswegen haben sich die Grün-Weißen auch zurückgezogen, trainieren seit Mittwoch nicht mehr für jeden einsehbar vor dem August-Wenzel-Stadion, sondern abgeschottet in der kleinen Arena von Barsinghausen. Dort wird nicht nur der Matchplan erarbeitet, sondern auch die richtige Mischung aus Anspannung und Lockerheit gesucht. „Wir wissen, dass es um sehr viel für den Verein geht“, sagt Ömer Toprak: „Wir wollen den Bock umstoßen.“ Andererseits dürfe das alles auch nicht zu sehr belasten. Und dabei vertrauen Toprak und Co. nun auf die große Erfahrung von „Herrn Schaaf“. (kni) Auch interessant: Erst der Klassenerhalt, dann Ole Werner: Werder Bremen buhlt um Holstein Kiels Trainer!

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