Wie geht es weiter mit Ömer Toprak und Werder Bremen?
+
Wie geht es weiter mit Ömer Toprak und Werder Bremen?

Wird Ömer Toprak verkauft?

Der verhinderte Verkaufskandidat: Werder hofft, dass Ömer Toprak fit bleibt – auch, weil es dann vielleicht Wechsel-Angebote gibt

Bremen – Die Geste allein war schon unmissverständlich, Ömer Toprak schob am Dienstagmorgen während des Trainings von Werder Bremen aber trotzdem noch ein paar Worte an die Adresse von Maximilian Eggestein hinterher.

Nach einem Zweikampf war der Mitspieler in Topraks Augen viel zu leicht zu Boden gegangen, weshalb er die Hände einer Schwalbe gleich durch die Luft segeln ließ – und dem Kollegen mit einem breiten Lächeln im Gesicht seine Bewertung des Duells mitteilte: Da war nichts! Anschließend Gelächter, dann ging es auch schon weiter – und Ömer Toprak wirkte voll motiviert. Nach einer Woche Trainingspause stand der 31-Jährige erstmals wieder mit dem Team auf dem Platz, was nicht nur seine Laune deutlich hob. Auch Werder Bremen hofft dringend auf einen dauerhaft fitten Toprak – entweder als Leistungsträger in der 2. Liga, oder aber, um ihn doch noch für einen guten Preis verkaufen zu können.

Angesichts seiner Erfahrung, gesammelt unter anderem in 263 Bundesliga- und 39 Champions-League-Spielen, dürfte der 31-Jährige nach dem Abstieg des SV Werder Bremen für viele Vereine eine durchaus interessante Personalie sein – zumal er immer noch für große Qualität steht. Ruhe am Ball, Tempo, dazu Übersicht und gutes Kopfballspiel – all das hat auch Werders Abwehr in den vergangenen zwei Jahren gutgetan. Allerdings viel zu selten.

Wechsel? Ömer Toprak fehlte Werder Bremen immer wieder verletzungsbedingt

Seit Ömer Toprak im Sommer 2019 (zunächst als Leihspieler) von Borussia Dortmund gekommen ist, hätte er theoretisch 68 Ligaspiele für die Bremer bestreiten können. Zu Buche stehen aber nur 36. Zwei Muskelfaserrisse, eine Sehnenentzündung und ein Syndesmosebandanriss haben den Innenverteidiger immer wieder zum Zuschauen gezwungen – und dafür gesorgt, dass er seinem Ruf als verletzungsanfälliger Profi bei Werder Bremen unfreiwillig gerecht wurde. Das ist natürlich auch anderen Vereinen nicht entgangen, die im Sommer 2021 mit dem Thema Toprak deshalb sehr vorsichtig umgehen dürften. Ernsthafte Anfragen für den Spieler liegen Werder bisher jedenfalls nicht vor, was auch damit zutun haben könnte, dass Toprak zu Beginn der laufenden Vorbereitung schon wieder gesundheitliche Probleme hatte. Wegen Rückenschmerzen hatte der ehemalige türkische Nationalspieler (27 Einsätze) jüngst pausieren müssen, was bei Werder direkt die Alarmglocken schrillen lässt.

„Wir müssen vorsichtig sein. Vom Rücken strahlt es schnell mal in die Muskulatur aus. Dann machst du vielleicht einen blöden Schritt, hast einen Muskelfaserriss und bist wieder vier Wochen raus“, hatte Trainer Markus Anfang in der vergangenen Woche gesagt, um zu erklären, warum Ömer Toprak für das Testspiel gegen Blau-Weiß Lohne (7:0) und sehr wahrscheinlich auch für die Partie am Mittwochabend beim VfB Oldenburg (18.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) noch kein Kandidat ist. „Wir müssen jetzt erstmal abwarten, wie er die Steigerung der Belastung verkraftet“, sagte Clemens Fritz, Werders „Leiter Profifußball“, nach Topraks Trainingsrückkehr am Dienstag. Klar ist: Einen Rückschlag will Werder Bremen bei seinem Abwehrspieler unbedingt verhindern – schließlich soll er das am Donnerstag beginnende Trainingslager im Zillertal auf keinen Fall verpassen.

Verbleib oder Transfer? Ömer Toprak wäre für Werder Bremen ein extrem teurer Abwehspieler

Während der ersten Einheiten unter Trainer Anfang – also noch vor Topraks Rückenproblemen –, hatte der Abwehrchef oft an der Seite von Neuzugang Anthony Jung verteidigt, was Anfang teilweise zu einer Art Anschauungsunterricht für den 29-Jährigen machte. Hatte Toprak beispielsweise eine Drucksituation vermeintlich einfach aufgelöst, sich locker daraus befreit, schnappte sich Anfang Jung und sagte: „Siehst du, Tony? Siehst du, wie Ömer das gemacht hat?“ Der Coach dürfte rein sportlich betrachtet also überhaupt nichts dagegen haben, sollte Toprak ihm während der kommenden Saison in der 2. Liga zur Verfügung stehen. Fritz sieht es ähnlich. „Für mich ist Ömer ein absoluter Top-Fußballer, aber auch als Mensch, als Typ ist er in der Kabine unheimlich wertvoll für uns“, sagte der Ex-Profi – und betonte: „Wenn er nicht immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden wäre, hätten wir vielleicht nie die Chance gehabt, ihn zu verpflichten. Dann würde er heute ganz woanders spielen.“ Im Unterhaus, so viel steht fest, wäre ein fitter Toprak auf Anhieb einer der Top-Abwehrspieler der Liga, die er übrigens aus 30 Spielen mit dem SC Freiburg (Saison 2008/09) bereits kennt. Ömer Toprak wäre für Werder Bremen allerdings auch ein extrem teurer Zweitliga-Verteidiger.

Der Vertrag von Ömer Toprak bei Werder Bremen läuft bis 2023

Zwar hat sich das Erstliga-Gehalt des Routiniers nach dem Abstieg (wie bei allen anderen Werder-Profis auch) um 40 bis 60 Prozent reduziert – da Ömer Toprak zuvor jedoch knapp 3,5 Millionen Euro verdient haben soll, zählt er mit einem geschätzten Zweitliga-Gehalt von rund 1,7 Millionen Euro immer noch zu den Top-Verdienern der Spielklasse.

Ein Verkauf dürfte Werder Bremen vor diesem Hintergrund nicht ungelegen kommen. Es ist aber fraglich, ob sich ein Club findet, der bereit ist, bei Ömer Toprak, dessen Marktwert das Branchenportal „transfermarkt.de“ auf 2,5 Millionen Euro schätzt, ein ähnliches Risiko einzugehen, wie es Werder vor zwei Jahren getan hatte. Nach einer einjährigen Leihe griff im Sommer 2020 die mit dem BVB fest vereinbarte Kaufpflicht. Insgesamt fünf Millionen Euro hat Werder Bremen das Paket gekostet – ohne Gehalt. Topraks Vertrag läuft bis 2023. Aktuell spricht vieles dafür, als sollte er ihn zumindest ein weiteres Jahr lang erfüllen. Hoffentlich fit, als Leistungsträger in der 2. Liga, der sorgenfrei aufspielen und im Training unbeschwert mit den Kollegen scherzen kann, wenn diese in seinen Augen zu schnell abheben. (dco) Auch interessant: Nächster Neuzugang? Werder arbeitet an der Verpflichtung von Lukas Mai!

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare