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Levin Öztunali

Am Samstag gegen Ex-Verein Werder

Öztunalis Erinnerung: „Das Saisonfinale 2016 war ein irres, irres Erlebnis“

Mainz - Vor wenigen Wochen war noch diese Konstellation möglich gewesen: Mainz 05 muss im letzten Spiel gegen Werder Bremen um den Klassenerhalt kämpfen, gewinnt und schickt damit den Hamburger SV in die Zweite Liga – möglicherweise sogar wegen eines Tores von Levin Öztunali.

Dann wäre ausgerechnet der Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler zu einem Nagel im Hamburger Erstliga-Sarg geworden.

Aber diese Nägel schlagen am Samstag vermutlich Gladbach oder Wolfsburg ein. Öztunali (22) muss weder ein zweites „irres, irres“ Finale wie 2016 mit Werder Bremen noch späte Gewissensbisse fürchten. Er ist fein raus – wie der FSV Mainz auch. Der Club ist seit dem 2:1 in Dortmund am 33. Spieltag gerettet. 

Öztunali kann das Saisonfinale gegen den Ex-Verein von der Weser folglich ganz entspannt und erholt angehen. Denn die Mainzer Party-Sause auf Ibiza hat der Offensivspieler nicht mitgemacht.

Das Team hat den Klassenerhalt auf Ibiza gefeiert, Sie haben gefehlt. Was war los?

Ich bin nicht mitgeflogen, es waren nur Teile der Mannschaft da. Ich habe bei meiner Familie entspannt. Es war sehr schön, mal zwei Tage raus zu sein und den Kopf frei zu bekommen. Der Abstiegskampf zehrt nicht nur körperlich an einem, es fällt auch emotional eine immense Last ab, wenn man ihn hinter sich lassen kann. Unser Trainer hat uns erlaubt, mal zwei Tage auch räumlich davon Abstand zu bekommen. Das hat sehr gut getan.

Wie wichtig ist es, nach so einem nervenaufreibenden Abstiegskampf auch mal ein bisschen zu feiern?

Die Erleichterung war riesig nach dem Sieg gegen Dortmund. Wir haben hart an uns gearbeitet, in den vergangenen Wochen alles hintenangestellt und alles in die Waagschale geworfen für dieses eine Ziel. Klar feiert man dann – besonders, weil so viele Zweifler im Vorfeld spekuliert haben, dass wir es nicht packen werden. Wir haben es einen Tag krachen lassen, aber die richtige Party sparen wir uns für das kommende Wochenende auf.

Sie waren 2016 beim legendären 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt dabei, mit dem sich Werder am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert hat. Wie sehr ist das noch in Ihrer Erinnerung?

Wir haben am letzten Spieltag mit einem Tor in der 88. Minute die Relegation vermieden und den Klassenerhalt fix gemacht – sowas kann man sich nicht ausdenken. Das war ein irres, irres Erlebnis. Mit Abpfiff ist das komplette Stadion explodiert. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Wir haben den Sieg damals gefeiert wie eine Meisterschaft.

14. Mai 2016: Levin Öztunali im Zweikampf mit Frankfurts Bastian Oczipka.

Sie waren damals für eineinhalb Jahre von Leverkusen an Werder ausgeliehen. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Für mich war die Zeit in Bremen positiv, auch wenn ich in einer schwierigen Situation gekommen bin. Wir haben dann aber den Abstiegskampf gemeistert, sind im Pokal weit gekommen und haben uns fast noch für die Europa League qualifiziert. Für mich als junger Spieler war es wichtig, diese Erfahrungen machen und Spielpraxis sammeln zu können. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit.

Co-Trainer war damals der heutige Chefcoach Florian Kohfeldt - wie haben Sie ihn erlebt?

Ich persönlich hatte zu ihm ein gutes Verhältnis, er hat den jüngeren Spielern immer viele Tipps gegeben. Er ist ein sehr akribischer, genauer Typ und hatte immer einen guten Rat für uns auf Lager.

Auch Ihr Coach Sandro Schwarz ist noch nicht so lange im Bundesliga-Geschäft, was macht diese jungen Trainer aus?

Er führt viele persönliche Gespräche mit uns und ist jemand, der auf uns Spieler zugeht und für seinen Job absolut brennt. Wir hatten in dieser Saison leider auch Spiele, die wir richtig unnötig verloren haben. Aber er hat an uns geglaubt und wir konnten mit ihm die richtige Antwort geben.

Warum sind Sie damals eigentlich nicht in Bremen geblieben?

Die Leihe war auf 1,5 Jahre begrenzt, und die Zeit in Bremen hat mir gut gefallen. Ich habe viele positive Erlebnisse mitgenommen. Aber für Leverkusen war es klar, dass ich zurückkomme.

Gibt es noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen oder Mitarbeitern von Werder?

Die Mannschaft hat sich in vielen Teilen im Vergleich zu früher ziemlich verändert. Aber ich habe zu manchen Personen aus dem Verein noch Kontakt.

Bleibt der HSV drin?

Dieses Mal hat der Hamburger SV es nicht selbst in der Hand, deshalb ist das schwierig zu sagen. Allerdings war es beeindruckend zu sehen, wie der Club es noch mal spannend gemacht hat am Ende, obwohl viele ihn schon abgeschrieben hatten.

Zurück zu Mainz: Welche Lehren müssen aus dieser schwierigen Saison gezogen werden?

Wir haben Spiele zu oft unnötig aus der Hand gegeben, besonders auswärts Punkte liegen gelassen. Daran müssen wir arbeiten, dass wir es in der kommenden Saison nicht mehr so spannend und den Sack früher zu machen.

Müssen sich Clubs wie Mainz und Werder damit abfinden, nur um den Klassenerhalt kämpfen zu können?

Es sollte niemanden verwundern, wenn kleinere Vereine wie Mainz 05 sich wie diese Saison in den unteren Tabellenregionen aufhalten. Das ist nun einmal die Rolle, die finanzschwächeren Vereinen zufällt. Aber dass wir für Überraschungen sorgen und trotz allem auch mal oben anklopfen können, haben wir auch schon gezeigt, wie vor zwei Jahren mit der Europa-League-Qualifikation.

Die aktuelle Saison ist für Mainz und Werder gelaufen. Wie motiviert man sich da für ein letztes, eher bedeutungsloses Spiel?

Für uns ist es ein großes Glück, dass wir den Klassenerhalt schon klar gemacht haben. Aber wir sind Sportler, und als Sportler will man jedes Spiel gewinnen. Wir möchten unseren Fans und uns noch ein Geschenk machen und uns mit einem Heimsieg in die Sommerpause verabschieden.

Wie wichtig wäre es Ihnen, doch noch Ihr erstes Saisontor zu erzielen?

Mich freut es in erster Linie, wenn ich der Mannschaft auf dem Platz helfen kann. Wenn dabei ein Tor herausspringt, hätte ich nichts dagegen einzuwenden.

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