Früher war Olaf Rebbe (Mitte) in verschiedenen Funktionen beim SV Werder Bremen tätig, heute leitet er als Sportdirektor die Geschicke beim 1. FC Nürnberg.
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Früher war Olaf Rebbe (Mitte) in verschiedenen Funktionen beim SV Werder Bremen tätig, heute leitet er als Sportdirektor die Geschicke beim 1. FC Nürnberg.

Früher Werderaner, jetzt Konkurrent

SV Werder als Eintrittskarte: Olaf Rebbes besondere Reise durch den Fußball hat einst in Bremen begonnen

Nürnberg/Bremen – Zum Telefon hat Olaf Rebbe schon gegriffen und bei seinem guten Freund Clemens Fritz angerufen. „Aber mein Bauerntrick hat nicht funktioniert“, sagt der Sportdirektor des 1. FC Nürnberg mit Blick auf die Partie am Ostersonntag beim SV Werder Bremen und lacht: „Ich habe ihn gefragt, wie hoch Werder gegen uns gewinnt. Aber Clemens hat sich von mir nicht einlullen lassen und gesagt, dass er sehr wohl die Rückrundentabelle kenne.“

Die führt Werder Bremen zwar mit 27 Punkten an, aber auf Platz drei steht mit 22 Zählern schon der 1. FC Nürnberg, der wie Werder vom Aufstieg träumen darf und das auch gerne tut. Olaf Rebbe fühlt sich bei den Franken pudelwohl und profitiert dabei auch von seinen Erfahrungen, die er in Bremen gesammelt hat. Aber nicht nur dort. Der 43-Jährige war auch schon in der Premier League bei Huddersfield Town und in Griechenland bei PAOK Saloniki tätig. Eine besondere Karriere, die auch ganz besonders begann, wie Rebbe der DeichStube erzählt hat.

„Als ich mit 19 Jahren wegen einer schweren Knieverletzung nicht mehr Fußball spielen durfte, habe ich mir gesagt: Jetzt musst du mit dem Kopf in den Fußball kommen“, erinnert sich Olaf Rebbe. Also kümmert er sich fortan bei seinem TSV Auetal um das Organisatorische, lädt Bundesligisten zu Freundschaftsspielen ein. Sieben Jahre später wird Werder Bremen dann seine „Eintrittskarte in den Profi-Fußball“, die er selbst mit einer Initiativbewerbung löst. Klaus-Dieter Fischer, der damalige Werder-Präsident und Geschäftsführer, habe ihm gesagt: Dann beweis’ dich mal! „Ich habe hart gearbeitet, war mir für nix zu schade und habe gehofft, dass ich bleiben darf. Nach zwei Monaten habe ich einen Vertrag bekommen.“ Werder ist 2004 gerade Meister und Pokalsieger geworden, spielt in der Champions League – es gibt also jede Menge zu tun.

Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Olaf Rebbe bei Werder Bremen „eine Allzweckwaffe“ und beim VfL Wolfsburg Nachfolger von Förderer Klaus Allofs

Olaf Rebbe hat neben dem Studium (Marketing und Kommunikation) in einer Sport-Agentur in Hamburg gearbeitet und Leistungssportler betreut. Werder Bremen setzt ihn vornehmlich im Marketing ein. Aber Rebbe reist auch mit den Bossen Klaus Allofs und Jürgen Born zur Auslosung der Champions League und bespricht mit den zugelosten Gegnern den Ablauf bei den Spielen. „Ich war schon ein bisschen eine Allzweckwaffe bei Werder, durfte mich in verschiedenen Bereichen austoben, eine wunderbare Zeit“, schwärmt Rebbe – auch davon, dass er damals von seiner Wohnung am Osterdeich zu Fuß ins Weserstadion gehen konnte. Profis wie Clemens Fritz oder auch Per Mertesacker werden zu Freunden. Als einen prägenden Werder-Moment bezeichnet er vor allem das verlorene Uefa-Cup-Finale 2009 in Istanbul gegen Schachtjor Donezk. „Das tat allen sehr weh! Die Niederlage ist kurios zustande gekommen. Aber eine Woche später wurde dann in Berlin der DFB-Pokal gewonnen.“

Sportchef Klaus Allofs nimmt Rebbe im Laufe der Zeit immer mehr an seine Seite und als seinen Assistenten schließlich 2012 mit zum VfL Wolfsburg. Dort wird Rebbe noch mehr als bei Werder Bremen in die Transferaktivitäten eingebunden. Für sein Mitwirken an der Verpflichtung von Mario Gomez bekommt er von den lokalen Medien viel Lob. Olaf Rebbe darf sich auch wieder um Auftritte in der Champions League kümmern und 2015 den Pokalsieg bejubeln. Als Allofs Ende 2016 gehen muss, wird Rebbe sein Nachfolger. Doch die Zeiten beim VfL und dessen Besitzer Volkswagen sind unruhig. Im April 2018, als sich der VfL in Abstiegsgefahr befindet, kommt es zur Trennung. „Das hat nach so vielen Jahren dort schon geschmerzt“, sagt Rebbe.

Werder Bremen-Ex-Mitarbeiter Olaf Rebbe als Manager bei Huddersfield Town und PAOK Saloniki

In der Branche hat sein Ruf darunter nicht gelitten, ein Headhunter meldet sich – und zwar im Auftrag von Huddersfield Town, einem kleinen Club in einer großen Liga, keiner geringeren als der Premier League. „Es gab elf, zwölf Kandidaten. Nach mehreren Interviews haben sie mich genommen.“ Doch die Freude darüber hält nicht lange an. Rebbes Vater stirbt. „Viel zu früh“, merkt der gebürtige Waiblinger an. „Das war insgesamt eine sehr unruhige Zeit.“ Denn beim in der Premier League überforderten Club gibt es einen Besitzerwechsel. Der deutsche Trainer David Wagner muss gehen, dann im Januar 2019 auch Olaf Rebbe. „Ich brauchte erst mal eine Auszeit, bin für einen Monat nach Südafrika.“ Auch Fischerhude nahe Bremen, wo ein Teil der Familie lebt, wird da noch wichtiger. „Ich liebe diesen Ort, dort kann ich Kraft tanken.“

Doch dann wartet schon das nächste Abenteuer auf Rebbe: Griechenland. Der Besitzer von PAOK Saloniki hat zu viel Geld in den Verein gepumpt, es gibt Probleme mit dem Financial Fairplay der Uefa. „Mein Auftrag war es, einen Transferüberschuss von 20 Millionen Euro zu erwirtschaften und dabei gleichzeitig den sportlichen Erfolg nicht zu gefährden“, erzählt Olaf Rebbe: „Ich denke, das hat ganz gut geklappt.“ POAK verpasst in der Champions-League-Quali nur knapp die Gruppenphase, wird in der Liga zwar nur Vierter, holt aber den Pokal.

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Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg: Olaf Rebbe vor Wiedersehen mit dem Ex-Club

Genau in dieser Zeit meldet sich der 1. FC Nürnberg bei Rebbe – in Person von Dieter Hecking, der nun als Vorstand beim „Club“ arbeitet. Als Trainer hatte er gemeinsam mit Rebbe beim VfL Wolfsburg 2015 den Pokalsieg gefeiert. „Dieter hat mich von der Idee überzeugt, mit diesem großen Club und dessen Tradition etwas bewegen zu können“, sagt Rebbe. Die Griechen waren von der Idee weniger begeistert, „aber ich hatte das Gefühl, dass meine Mission dort erfüllt war“.

Beim 1. FC Nürnberg arbeitet Olaf Rebbe nun als Sportdirektor, ist vor allem für den Bereich Transfers und Scouting verantwortlich. Doch er betont sofort „unser gutes Teamwork“ und bezieht das auf Hecking sowie Trainer Robert Klauß. „Wir entscheiden die wichtigen Dinge gemeinsam mit 3:0“, sagt Rebbe. Dieser Teamgedanke sei ihm ohnehin sehr wichtig. „Für mich ist der Elf-Freunde-Gedanke ein absoluter Erfolgsfaktor. Das habe ich in den vergangenen Jahren gelernt. Eine Mannschaft definiert sich nicht nur durch das Budget“, betont der Sportdirektor: „Der Kader muss auch menschlich zusammenpassen.“ Der FCN habe einige Millionen Euro weniger zur Verfügung als die Spitzenclubs der 2. Liga wie zum Beispiel Werder Bremen. Deshalb seien auch Spieler aus der 3. und sogar 4. Liga verpflichtet worden, die inzwischen ihren Weg gegangen sind – wie ein Kilian Fischer von Türkgücü München.

1. FC Nürnberg-Sportdirektor Olaf Rebbe: „Werder Bremen ist die stärkste Mannschaft der Liga. Wir sind nur der Underdog“

Das Fernziel lautet ganz klar Aufstieg. „Dieser Club in dieser tollen Stadt mit dieser tollen Fan-Base gehört einfach in die 1. Liga. Die Erwartungshaltung ist vollkommen okay“, findet Olaf Rebbe und betont: „Wir wissen in der Führung alle, wie die Bundesliga schmeckt und was man dafür braucht. Jetzt müssen wir die Saat aber noch so gießen, dass sie auch aufgeht Das kann auch eine Zeit dauern.“ Rebbe nimmt also schon ein wenig den Druck raus. Es sei nach Platz elf im Vorjahr und den nicht einfachen finanziellen Bedingungen auch in Folge der Corona-Krise nicht zu erwarten gewesen, „dass wir jetzt noch im Aufstiegsrennen sind. Wenn es klappt, wäre es super. Wenn nicht, bleibt es trotzdem eine gute Saison.“

So dürfte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg aussehen!

Bei Werder Bremen sieht Rebbe das anders. Wie schon bei Clemens Fritz redet er am Ende des Gesprächs mit der DeichStube noch mal den Gegner stark, damit der sich am Ostersonntag in Sicherheit wiegt. „Werder ist die stärkste Mannschaft in der Liga und deshalb auch der klare Favorit gegen uns. Wir sind nur der Underdog...“ (kni)

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