Werder Bremens Cheftrainer Ole Werner im Gespräch mit Weser-Strand-Talk-Moderatorin Bärbel Schäfer.
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Werder Bremens Cheftrainer Ole Werner im Gespräch mit Weser-Strand-Talk-Moderatorin Bärbel Schäfer.

Werder-Trainer Werner ganz entspannt

Nur beim Thema Blumen wird es knifflig: Werder-Coach Ole Werner spricht beim Weser-Strand-Talk über Fußball - und einiges mehr

Bremen – Es dauert gerade einmal etwas mehr als fünf Minuten, als Ole Werner den ersten leidenschaftlichen Applaus des Publikums erntet. In launiger Atmosphäre, mit einem Thomas-Schaaf-Stadionbecher voller Bier vor sich, soll der Trainer des SV Werder Bremen mal eben erklären, ob Bundestrainer Hansi Flick bei der WM in Katar nicht vielleicht doch viel früher in den jeweiligen Partien auf Werder-Stürmer Niclas Füllkrug hätte setzen sollen. Doch Werner gibt sich loyal, fällt Flick keineswegs in den Rücken und relativiert auch gekonnt die öffentliche Stimmung rund um das DFB-Aus: „Es gibt keinen Mangel an Meinung, es gibt manchmal einen Mangel an Ahnung im Fußball.“ Gleich der erste Schuss des 34-Jährigen sitzt. Und der verbale Volltreffer bildet den Auftakt eines launigen Abends, den Werders Cheftrainer am Freitagabend als Gast des Weser-Strand-Talks des Weser-Kurier im Café Sand verbringt.

Rund 200 Zuhörer sind live dabei, als Moderatorin Bärbel Schäfer den Coach des SV Werder Bremen ein wenig durch sein Leben reisen lässt. Natürlich geht es dabei viel und oft um Fußball, ein wenig um die Wurzeln in Kiel, häufig um die bisherige Erfolgsbilanz an der Weser. Unbequeme Minenfelder muss er dabei nicht überwinden – zumindest keine sportlichen. Etwas holpriger wird es, als es um Werners Australien-Aufenthalt vor dem Studium geht. Damals, als Ole Werner aufgrund eines Formfehlers die Bewerbung an der Universität in den Sand setzte und ein Jahr Wartezeit überbrücken musste. Also ging es auf die andere Seite der Erde, unter anderem verdiente sich Werner seinerzeit als Gärtner den Lebensunterhalt.

„Rasenmähen, Hecken schneiden, Hochdruckreinigung“, zählt der gebürtige Preetzer auf. Pflanzen seien dagegen nicht so sein Ding. Doch um genau die geht es in einem Spiel, per Foto-Ferndiagnose soll er die Leiden verschiedener Gewächse bestimmen und heilende Rettungsmaßnahmen verkünden. Wirklich gelingen tut das nicht, doch Werner zieht sich auch in diesem Moment achtbar aus der Affäre. Und heimst später umso mehr Kleingewinne in Form von Schoko-Nikoläusen ein, als es um das Erkennen von Tormusiken in deutschen Bundesligastadien geht. Natürlich ertönt dabei auch das Bremer Nebelhorn, passend dazu strahlt hinter Ole Werner im Fenster das nicht allzu weit entfernte Wohninvest Weserstadion – dank der gelben Rasenbeleuchtung, die das Gras auch in dunklen und kalten Zeiten vernünftig wachsen lassen soll. Somit hat sich dieser Kreis schon mal sehr bildhaft geschlossen.

Trainer Ole Werner über sein schönstes Fußball-Erlebnis mit Werder Bremen: „Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut“

Wohlig warm ist es auf und neben der grün-weiß dekorierten Bühne, für einen kurzen Moment fährt Werder Bremens Chefcoach aber doch ein kleiner Schauer durch den Körper. Aber einer der positiven Sorte. „Mein schönstes Fußballerlebnis von der Stimmung her ist wirklich das letzte Heimspiel gegen Regensburg in der vergangenen Saison gewesen“, gesteht Werner lächelnd. „Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut.“ Der erneute Beifall zeigt, dass er mit diesem Gefühl nicht allein ist, die Erinnerungen an den Aufstieg noch immer allgegenwärtig sind.

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Und dann biegt der Abend, der auch offenbart, dass Ole Werner als Mathe-Niete nur mit Mühe und Not die so wichtige Abiturprüfung gemeistert und dank gewisser Statistik-Kenntnisse einen Punkt ergaunert hat, allmählich auf die Zielgerade ein. „Im Endeffekt ist Fußball ein Stück weit Showgeschäft, es dient zur Unterhaltung der Leute“, sagt Werder Bremens Trainer einmal während des Talk-Abends, der auf dem Youtube-Kanal des Weser-Kurier angeschaut werden kann. Eigentlich geht es in diesem Augenblick um die mediale Beobachtung, ständige Geschichten über seine Person oder das öffentliche Bewerten seiner Arbeit. Doch irgendwie passt die Aussage auch zu seinem Auftritt im Café Sand. Denn unterhalten hat Ole Werner zweifelsfrei. Ohne zu überdrehen. Stattdessen mit kleinen eingestreuten Bemerkungen. Auch zu Niclas Füllkrug. So beantwortet der 34-Jährige die Frage, ob er seinem Stürmer eigentlich für die WM Ratschläge mitgegeben habe, ganz lässig: „Es gibt so viele Leute um einen Nationalspieler herum, die ihm Tipps geben. Das überlasse ich dann gerne ihnen. Und außerdem: Der wird schon früh genug wieder was von mir zu hören kriegen.“ (mbü)

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