Ole Werner ist seit einem Jahr Trainer von Werder Bremen: Im DeichStube-Interview zieht er eine erste Bilanz und spricht auch über Momente des Zweifelns.
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Ole Werner ist seit einem Jahr Trainer von Werder Bremen: Im DeichStube-Interview zieht er eine erste Bilanz und spricht auch über Momente des Zweifelns.

Werder-Coach im DeichStube-Interview - Teil 1

„Hier ticken sehr viele ähnlich wie ich“: Werder-Trainer Ole Werner im Interview über sein erstes Jahr in Bremen und Aufgaben für die Zukunft

Bremen – Fast auf den Tag genau seit einem Jahr ist Ole Werner nun Cheftrainer des SV Werder Bremen – und hat in diesem Zeitraum eine wahrlich beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Im ersten Teil des zweiteiligen Interviews mit der DeichStube blickt der 34-Jährige auf die vergangenen zwölf Monate zurück, spricht über Momente des Zweifelns und erklärt, warum der Verein Werder Bremen und der Trainer Ole Werner so gut zusammenpassen.

Ole Werner, waren Sie eigentlich ein guter Schüler?

(lacht) Das ist sehr in Phasen abgelaufen. Überwiegend würde ich sagen: eher nicht.

Also gab es durchaus eine gewisse Angst vor Zeugnissen?

Ja, absolut. Obwohl, Angst würde ich es dann doch nicht nennen, weil ich zu Hause nichts zu befürchten hatte. Es war jetzt aber auch nicht so, dass ich damit hätte prahlen können. Meine Kumpels sahen da bei den Zeugnissen meist einen Tick besser aus als ich.

Werder Bremens Trainer Ole Werner: „Ich bin mit dem Fußball, den wir spielen wollen, überwiegend zufrieden“

Sie wollten später selbst einmal Berufsschullehrer werden, sind letztlich aber doch Fußball-Lehrer geworden. Welche Note würden Sie dem Coach Ole Werner nach dem Abschluss des ersten Jahres bei Werder Bremen geben?

Man kann sich nicht selbst bewerten. Ich bin mit dem Fußball, den wir spielen wollen, überwiegend zufrieden, es war für Werder Bremen insgesamt ein gutes Jahr. Bei der Arbeit des Vereins, der Mannschaft, des Funktionsteams und des Trainerstabs würde ich daher am Ende wohl bei einer Zwei landen.

Wo sehen Sie denn Luft nach oben?

Da gibt es sicher noch eine ganze Menge. Die gute Erkenntnis aus den letzten Monaten in der Bundesliga ist, dass wir mit Ausnahme eines einzigen Spiels in München mit jedem Gegner mithalten konnten. Fakt ist aber auch, dass nur dieses Mithalten am Ende nicht reicht. Wir haben uns in vielen Bereichen in diesem Jahr entwickelt, aber – und das ist der große Unterschied zur 2. Bundesliga – jeder Fehler im Spielaufbau, jeder einfache Ballverlust ist fast sofort eine Torchance für den Gegner. Da müssen wir noch klarer sein, eine noch geringere Fehlerquote haben. Und auch gegen Teams, die vermehrt auf ein schnelles Umschaltspiel und zweite Bälle setzen, haben wir es nicht immer geschafft, die Räume eng zu halten, sondern sind unruhig geworden.

Werders Entwicklung der vergangenen zwölf Monate wird logischerweise sehr eng mit Ihrer Person verknüpft. Man darf nicht vergessen: Sie sind noch immer erst 34 Jahre alt. Macht es Sie nicht unheimlich stolz, was Sie in diesem Verein schon geleistet haben?

Ich freue mich total über das letzte Jahr, weil es sehr stark von positiven Erlebnissen geprägt war und ich ein Teil davon sein durfte. Diesen Job nehme ich generell noch immer als Privileg wahr. Das Vertrauen, das mir vom Verein, den Mitarbeitern und der Mannschaft entgegengebracht wird, ist überhaupt nicht selbstverständlich. Es ist trotzdem aber nichts, was mich mit großem Stolz erfüllt, sondern vielmehr mit Freude über die Wertschätzung.

Werder Bremens Trainer Ole Werner: „Ich fühle mich als Teil dieses Vereins und stark mit ihm verbunden“

Wo immer man sich umhört, wird ganz schnell gesagt: Werder Bremen und Ole Werner – das passt wie die Faust aufs Auge. Empfinden Sie das genauso?

Ich denke, dass sich beide Seiten sehr wohl miteinander fühlen. Im Verein arbeiten sehr viele Leute, die ähnlich ticken wie ich und eine vergleichbare Vorstellung davon haben, wie man zusammenarbeiten möchte. Dass man nämlich vertrauensvoll, offen und ehrlich miteinander spricht sowie Dinge intern versucht zu klären. Auch wenn man kontrovers diskutiert hat, spricht man am Ende des Tages eine gemeinsame Sprache. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren.

Fühlen Sie sich denn schon als Teil dieser viel zitierten Werder-Familie?

Ich fühle mich als Teil dieses Vereins und stark mit ihm verbunden. Trotzdem glaube ich, dass es noch einmal etwas ganz anderes ist, wenn man über die Werder-Familie spricht. Da geht es um Menschen, die 20, 25 Jahre oder mehr hier sind und Situationen erlebt haben, die wir in der Mannschaft noch nicht ansatzweise erlebt haben.

Es ist dennoch unheimlich viel passiert seit Ihrem Amtsantritt: Es gab diese beeindruckende Siegesserie, dann den Aufstieg und nun der gute Start in die Bundesliga. Hand aufs Herz: Das hätten Sie vor einem Jahr doch selbst nicht für möglich gehalten…

Zumindest habe ich nicht so weit gedacht. (lacht) Dafür sind die kurzfristigen Aufgaben einfach immer zu groß und zu wichtig, um in Gedanken zu schwelgen. An die Möglichkeit des Aufstiegs haben wir aber vom ersten Tag an geglaubt. Dass es dann am Ende tatsächlich so gekommen ist, daran haben sehr viele Menschen ihren Anteil. Einen guten Start in die Bundesliga-Saison hat man sich dann zwar erhofft, konnte ihn so aber auch nicht erwarten. Die Zwischenbilanz fällt daher sicherlich sehr positiv aus, aber wir dürfen uns unserer Sache nicht zu sicher sein. In der Analyse des Jahres haben wir ganz deutlich erkannt, dass uns die Dinge nicht zugefallen sind, sondern alles mit einer sehr großen Konzentration auf die eigene Arbeit geschafft wurde. Damit müssen wir jetzt weitermachen.

Werder Bremens Trainer Ole Werner: „Ich hatte selbst nach dem Kiel-Spiel nicht das Gefühl, dass wir nicht aufsteigen“

Gab es nie Zweifel?

Kürzlich beim Training habe ich noch einmal mit Patrick Kohlmann (Co-Trainer, Anm. d. Red.) genau darüber gesprochen. Eigentlich ging es ums Wetter, weil man das Saisonende manchmal buchstäblich riechen kann, denn der Frühling hat immer seinen ganz eigenen Geruch. Bis vor zwei Wochen hatten wir hier ja noch frühlingshafte Temperaturen, weshalb es fast schon wie ein Saisonendspurt roch. So kamen wir auch drauf, dass ich selbst nach dem Kiel-Spiel (2:3-Heimniederlage am 32. Spieltag Ende April, Anm. d. Red.) nicht das Gefühl hatte, dass wir nicht aufsteigen. Es gab keinen Moment, der länger angehalten hat als ein kurzer Schnips, wo ich gezweifelt habe. Dafür war die Mannschaft zu intakt, unsere Zusammenarbeit zu gefestigt.

Aber?

Wenn eine neue Aufgabe auf dich zukommt, fragst du dich immer, was du anpassen musst. Und die Bundesliga war für mich nun einmal noch Neuland. Da werden die bewährten Dinge auch immer auf den Prüfstand gestellt – und das haben wir vor dieser Saison getan. Da sind wir zu dem Schluss gekommen, dass man immer an Details arbeiten und sie verändern muss, aber auch auf Bewährtes setzen sollte.

Werder Bremens Trainer Ole Werner: „Es fällt mir schwer, komplett aus Haut zu fahren“

Gab es dennoch Situationen, in denen Sie mal so richtig aus der Haut gefahren sind?

Eigentlich nicht. (schmunzelt) Vielleicht liegt das auch daran, dass ich sehr tolerant bin und versuche, mich in andere Leute hineinzuversetzen. Jeden Fehler, jedes Missgeschick, das aufploppt, hat man auch selbst schon einmal erlebt. Deshalb fällt es mir schwer, komplett aus der Haut zu fahren.

Öffentlich haben Sie das bislang ohnehin nicht getan. Nach dem Spiel gegen RB Leipzig waren sie für Ihre Verhältnisse dennoch ziemlich ungnädig. Sie haben wortstark eine vermeintliche Benachteiligung bei Strafstoß-Entscheidungen beklagt: „Als Aufsteiger kriegst du solche Elfmeter in diesem Jahr offenbar nicht. Das ist das, was ich aus den letzten Wochen mitnehme“. Warum fühlen Sie sich so ungerecht behandelt?

Das war direkt nach dem Spiel und hätte man sicherlich anders formulieren können. Es gibt natürlich nicht nur Momente, in denen man benachteiligt wird, sondern auch Entscheidungen, die für einen gefällt werden. Aber wenn man sich die Wochen zuvor anschaut, gab es eben ein paar kuriose Entscheidungen. Das fängt beim Pokalspiel in Paderborn mit dem nicht gegebenen Tor an, geht über zur „artfremden Notbremse“ in Freiburg, was übersetzt wohl eigentlich Fehlentscheidung heißt und setzt sich in München mit einem nicht gegebenen Elfmeter fort. Dann steht es dort vielleicht 2:4 und nicht wenige Sekunden später 1:5. Gegen Leipzig muss es dann am Ende den Strafstoß nach dem Zweikampf von Niclas Füllkrug nicht unbedingt geben, aber man würde sich trotzdem wünschen, dass nachdem viele Kleinigkeiten gegen einen entschieden wurden, man solch einen Elfmeter auch mal bekommt. Aber es war keine klare Fehlentscheidung, deshalb hätte ich mich hinterher vielleicht auch gar nicht so klar äußern müssen. Das mag sich auch wieder drehen, und über eine Saison verteilt gleicht sich das auch wieder aus. (mbü)

Im zweiten des DeichStube-Interviews spricht Ole Werner über das Leben in der Öffentlichkeit und die Schwierigkeit, als Trainer auch unbequeme Entscheidungen treffen zu müssen.

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