Seit Ende November trägt Ole Werner die Verantwortung als Chefcoach des SV Werder Bremen. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Zeit an der Weser.
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Seit Ende November trägt Ole Werner die Verantwortung als Chefcoach des SV Werder Bremen. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Zeit an der Weser.

Ein DeichStube-Gespräch

„Da komme ich auf Temperatur“ - Werder-Trainer Ole Werner im DeichStube-Interview über Spaß, künstliche Hüften und Gänsehaut

Bremen – Das Gespräch wird kürzer als geplant – und doch ist alles gesagt. Denn Ole Werner antwortet meistens sehr präzise, braucht keine Phrasen, um Zeit für eine besser durchdachte Antwort zu gewinnen. Der 33-Jährige wirkt in seinem ersten Interview mit der DeichStube als neuer Coach des SV Werder Bremen sehr aufgeräumt, manchmal norddeutsch-nüchtern, aber dann auch sehr unterhaltsam. Werner mag zum Beispiel die Comedy-Serie „Die Discounter“. Er schwärmt von seiner künstlichen Hüfte, verrät, von welchen Trainern er sich was abguckt und will den Bremern unbedingt noch beweisen, dass er auch feiern kann.

Herr Werner, was ist eigentlich Schlabbersaft?

Ich weiß es nicht, auch wenn ich mir vorstellen kann, worauf Sie anspielen.

Es gibt da bei Youtube ein herrliches Video von Ihnen, in dem Sie im Sommer 2009 als Liga-Beauftragter des TSV Kropp bei einem Sponsor Ihr neues Auto abholen – mit Senf, Schlabbersaft und Blasmusik, wie Sie selbst verkünden und dabei auch noch eine ganze Kapelle imitieren. Wann machen Sie den ersten Werbespot für Werder?

Da müssen Sie die Marketing-Abteilung fragen. Ich warte mal ab, was da auf mich zukommt. In Kropp war das damals eine sehr schöne Zeit, vor allem menschlich.

Wenn man Sie in dem Video so sieht, könnte man denken: Ist der Ole Werner gar nicht so norddeutsch-nüchtern?

Ich bin sicher jemand, der rationaler an die Dinge rangeht. Aber auch ich lache mal, kann Spaß haben und freue mich über einen guten Witz.

Worüber können Sie lachen?

Witzige Situationen in der Kabine, lustige Kommentare auf dem Platz. Ich bin nicht so der Fan von Stand-up-Comedy. Ich mag eher Serien wie „Jerks“, „Stromberg“ oder aktuell „Die Discounter“. Das sind Dinge, da komme ich schon auf Temperatur.

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Wie wichtig ist Ihnen Ihre Außendarstellung?

Es ist Teil meines Jobs, dass ich von außen bewertet werde – und das nahezu täglich. Ich achte nicht besonders auf mein Image und versuche, das auch nicht groß zu beeinflussen. Ich bin, wie ich bin – authentisch. Ich glaube, dass ich mit dieser Art und Weise einen guten Job machen kann. Das ist für mich das Wichtigste.

Sie sind mit 33 Jahren noch sehr jung als Trainer und auch kein Ex-Profi. Wie verschaffen Sie sich Respekt in der Kabine?

Über gute Arbeit. Ich will für eine erfolgsorientierte Atmosphäre sorgen. Ich arbeite mit den Spielern und gebe ihnen gewisse Dinge an die Hand, mit denen wir als Mannschaft erfolgreich sein können. Das führt am Ende zu Autorität.

(Verfolgt am Samstag das Testspiel Werder Bremen gegen Hannover 96 im Live-Ticker der DeichStube!)

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Was können Sie mit dem Begriff Laptop-Trainer anfangen?

Gar nichts. Jeder Trainer hat doch inzwischen einen Laptop. Aber ich weiß ja, was damit verbunden wird – also Trainer, die sich ausschließlich über taktische Dinge definieren und die Spieler mit Videoanalysen überfrachten, aber das Menschliche und das Zusammenspiel manchmal außer Acht lassen. Beides ist aber wichtig. Die Spieler verlangen heutzutage von einem Trainer klare Handlungsanweisungen. Trotzdem kann man sie nicht auf alles vorbereiten, deswegen müssen sie auch eigenständig entscheiden und kreativ sein.

Wann und wie endet ein Arbeitstag von Ole Werner?

Zuletzt waren es sehr lange Tage. Ich bin selten vor 19.30 Uhr von der Anlage gefahren. Vorher räume ich immer noch meinen Schreibtisch auf. Dann geht es aktuell ins Hotel, aber hoffentlich bald in eine Wohnung. Manchmal gibt es dort noch etwas zu tun. Ansonsten telefoniere ich mit meiner Freundin oder der Familie.

Was machen Sie als Ausgleich zum Job?

Ich gehe in den Kraftraum, setze mich aufs Spinning-Bike oder laufe draußen mit den Co-Trainern. Abends gucke ich mal eine Serie oder einen Film – manchmal greife ich auch zum Buch.

Welches lesen Sie aktuell?

„Der Spieler“ von Dostojewski.

Können Sie es empfehlen?

Ich bin noch nicht so weit, dass ich mir eine Bewertung zutraue. Ich muss mich noch ein bisschen reinfuchsen.

Sie benutzen das Wort Dinge fast so oft wie ein berühmter Vorgänger von Ihnen bei Werder und werden von Ihrer Art her schon mal mit Thomas Schaaf verglichen. Ist das mehr Ehre oder mehr Verpflichtung?

(lacht) Wenn es ausreicht, dass einem eine Ehre zuteil wird, weil man das Wort Dinge sagt, sollte man das nicht zu hoch hängen. Ich versuche, so zu sein, wie ich bin und mit Werder meinen eigenen Weg zu gehen. Dass Parallelen gesucht werden, wenn man eine ähnliche Art hat, ist im Fußball normal. Da habe ich auch nichts gegen. Aber am Ende werde ich unabhängig von den Dingen, die vor mir waren, bewertet. Diese Bewertung soll möglichst positiv ausfallen, das wünsche ich mir.

Werder Bremen: Ole Werner im Interview über Erfolge, Feiern und sein künstliches Hüftgelenk

Sie haben mal erzählt, dass Sie sich von Trainern wie Diego Simeone und Jose Mourinho inspirieren lassen. Bei wem schauen Sie noch ab und vor allem was?

Diese Nummer mit Simeone und Mourinho klingt nach mehr, als es tatsächlich war. Wir hatten in meiner ersten Saison in Kiel Probleme, im Strafraum zu verteidigen. Mit dem Thema habe ich mich in der Sommerpause dann stark beschäftigt und mir Mannschaften angeschaut, die den Ruf haben, gut zu verteidigen. Da landet man fast zwangsläufig bei diesen beiden Trainern. Wenn man sich anschauen will, wie man gegen tief stehende Gegner zu Chancen kommen kann, guckt man eher mal zum FC Bayern. Ich mache mir gerne einen Eindruck und überlege dann: Kann das auch mit meiner Mannschaft funktionieren?

Was möchten Sie als Trainer erreichen – die Bundesliga, die Champions League oder Trophäen?

Erfolg ist mir schon wichtig. Es gibt nichts Schöneres, als über einen ganz langen Zeitraum hart mit vielen Menschen zu arbeiten und dann diesen einen Moment zu erleben, wo das alles aufgeht und Sinn macht. Das kann ein einzelnes Spiel sein, ein Aufstieg oder auch eine Trophäe. Ich arbeite in einem Bereich, der total von Emotionen lebt und in dem man die Möglichkeit hat, ganz außergewöhnliche Momente zu erleben. Wenn ich irgendwann als grauer Opa im Sessel sitze, möchte ich gerne immer noch eine Gänsehaut bekommen, wenn ich an diese Momente denke.

Sind sie ein stiller Genießer oder ein Feierbiest?

Das ist unterschiedlich. Wenn es wirklich etwas zu feiern gibt, dann kann ich gut feiern. Ich hoffe, dass ich das irgendwann mal hier unter Beweis stellen kann. Was gut ist: Ich merke noch, wenn solche Momente da sind, sie gehen nicht an mir vorbei.

Sie mussten schon mit 21 Jahren Ihre Karriere als Fußballer beenden, warum?

Ich hatte eine kaputte Hüfte. Jetzt habe ich seit drei, vier Jahren ein künstliches Hüftgelenk, was großartig ist. Mit 17, 18 Jahren begann es, dass ich nur noch mit Schmerzen spielen konnte. Da war es eine logische Konsequenz aufzuhören. Durch die Schmerzen gab es nicht mehr die Perspektive, das Bestmögliche zu erreichen.

Was können Sie heute sportlich noch machen?

Diese künstliche Hüfte ist eine super Erfindung. Seitdem habe ich überhaupt keine Probleme mehr. Fußball und Tennis, Sachen, die ich gerne mache, sind wegen der seitlichen Schritte zwar nicht so zu empfehlen, ich kann aber trotzdem mal im Kreis mitspielen oder die Bälle per Dropkick durch die Gegend schießen. Ich gehe laufen, spazieren – und das alles ohne Schmerzen. Das war früher unvorstellbar. Ich bin kurz vor der Operation mit meiner Freundin zu einem Konzert gegangen, nur 500 Meter von zu Hause weg, und musste mich unterwegs drei Mal hinsetzen, so schlimm war die Arthrose schon fortgeschritten.

Sie haben eine Lehre zum Bankkaufmann gemacht und wollten Berufsschullehrer werden. Könnten Sie sich vorstellen, jetzt in diese Berufe einzusteigen?

Bankkaufmann kann ich ausschließen. Inhaltlich hat mich das schon sehr interessiert, aber der Alltag war mir zu langweilig. Bei mir war es auch eine reine Verkaufstätigkeit, das entspricht nicht so meinen Talenten. Berufsschullehrer ist zwar auch nicht so abwechslungsreich wie Trainer, aber kommt dem schon etwas näher. Ich müsste allerdings erst noch zu Ende studieren, da bleibe ich lieber Trainer.

Werder Bremen: Ole Werner reizt Südamerika - und im Fußball der Mut zum Risiko

Sie waren auch mal für ein Jahr in Australien, würden Sie das wiederholen?

Mich in einem anderen Land für eine längere Zeit neu zu beweisen, das kann ich mir schon irgendwann vorstellen. Neue Dinge zu sehen, neue Perspektiven zu bekommen, das reizt mich.

Diesmal müssten Sie wahrscheinlich auch nicht wie in Australien als Gärtner arbeiten, um sich so ein Jahr zu finanzieren?

Also mich ein Jahr lang auf die faule Haut zu legen, kann ich mir nicht vorstellen. Erst das Arbeiten, der Alltag und das Leben mit den Menschen vor Ort machen doch so einen Aufenthalt aus. Eine Weltreise für ein Jahr mit möglichst vielen Stationen, um überall Fotos zu machen, das ist nichts für mich. Dafür gibt es Urlaub, den mache ich auch mal gerne. Aber so ein ganzes Jahr stelle ich mir anders vor.

Gibt es ein Traumziel?

Südamerika. Da war ich noch nie, da will ich unbedingt mal hin.

Auch wegen des Fußballs?

Ich würde mir bestimmt mal ein Spiel angucken. In den Stadien soll es gar nicht so ungefährlich sein, aber ich würde mich gerne mal in diese Atmosphäre reinwagen.

Der südamerikanische Fußball steht gerne für Offensive, ist das auch Ihre Wunschvorstellung?

Für mich ist es schon wichtig, dass man offensiv denkt und mutig ist, eher die Chance sieht als das Risiko. Das lebe ich vor. Man muss sich auch nicht kleiner machen, als man ist.

Was machen Sie, wenn Werder aufsteigt?

Erst mal müssen wir eine ganze Menge tun, damit es unter Umständen so weit kommt. Da gibt es noch einige Hürden zu überspringen. Wenn wir Erfolg haben, dann werde ich mich sehr für den Verein und für die Gruppe, für die ich die Verantwortung trage, freuen. (kni)

Kommt ein Neuzugang? Lest hier, was Werder Bremen-Trainer Ole Werner über Transfers sagt!

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