Ole Werner spricht im DeichStube-Interview über Werder Bremen, Weihnachten und die Darts-WM.
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Ole Werner spricht im DeichStube-Interview über Werder Bremen, Weihnachten und die Darts-WM.

Ole Werner im DeichStube-Interview

„Ich habe total Bock auf die Spieler“: Werder Bremens Trainer Ole Werner über Weihnachten, Transfers und die Darts-WM

Bremen – Die vielleicht längste Winterpause in der Bundesliga-Geschichte nervt ihn ein bisschen, aber ansonsten ist Ole Werner ziemlich zufrieden. Kein Wunder nach der starken Hinrunde seines SV Werder Bremen. Der Coach freut sich aber auch auf Weihnachten. Im Jahresabschluss-Interview mit der DeichStube verrät der 34-Jährige zudem, an was er mit der Mannschaft im neuen Jahr arbeiten will, warum ihn Transfergerüchte kaltlassen und was ihn an der Darts-WM so fasziniert.

Fußball statt Weihnachten – in England geht es bereits am Montag in der Premier League mit dem legendären Boxing Day weiter. Wäre das auch was für Sie, Ole Werner?

Ich empfinde die jetzige Pause schon als sehr lang und hätte durchaus Lust auf eine kürzere gehabt. Aber über Weihnachten eine Auszeit zu haben, finde ich dennoch ganz gut. Ich bin sonst viel zu selten bei der Familie. Über das Jahr gesehen verpasst man aufgrund der Arbeit ohnehin so viele Termine und Feste. Gefühlt sage ich 80 Prozent der Einladungen ab.

Auch in Spanien, Italien und Frankreich wird der Spielbetrieb nach der WM-Pause viel früher fortgesetzt als in Deutschland, wo es für Werder erst am 21. Januar weitergeht. Was halten Sie von der zweimonatigen Winterpause?

Bei den jetzigen Umständen mit der WM hat es Vor- und Nachteile. Grundsätzlich war die Zeit bis Weihnachten schwer zu überbrücken, wobei ich sagen muss, dass die Jungs das von der Intensität sehr gut gemacht haben. Trotzdem ist es von der Spannung, der Herangehensweise her ungewohnt und fühlt sich komisch an. Andererseits gibt es bei unserem restlichen Spielplan lediglich eine Englische Woche, was heißt, dass es absolut machbar ist. In anderen Ländern wie England ist der Spielplan schon deutlich enger, so dass die Spieler direkt von der WM kommen und jetzt gleich wieder gefordert sind.

Ihre Mannschaft macht jetzt noch mal zehn Tage Pause. Was erwarten Sie in dieser Zeit von den Spielern?

Im Endeffekt erwarte ich nur, dass sie ihre individuellen Programme und Laufpläne durchziehen und weiter an der Intensität arbeiten, die wir schon in den vergangenen drei Wochen hatten. Dann können wir uns ab Januar in Ruhe unseren anderen Themen widmen. Aber das haben die Jungs auch schon während des vorherigen Urlaubs gemacht.

Werder Bremens Trainer Ole Werner über die Winterpause: „Ich habe auch meinen Laufplan“

Wie genau sieht denn solch ein Programm aus?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt beispielsweise Grundlagenläufe, bei denen man 45 bis 60 Minuten läuft und gewisse Pulsvorgaben einhalten muss. Dann muss man wiederum auch mal kürzer, aber mit einer hören Herzfrequenz laufen. Das wird von uns gemessen und von den Athletiktrainern entsprechend aufbereitet. Dann schauen wir mitunter auch noch, welche Baustellen ein Spieler im körperlichen Bereich hat und geben muskuläre Übungen mit.

Könnte man nicht auch den eigenen Hund für sich laufen lassen?

Ich kenne mich da biologisch nicht aus, glaube aber, dass Hunde andere Herzfrequenzen haben, und weiß auch nicht, ob sie die geforderten Werte konstant einhalten würden (lacht). Dieser Hund wäre auf jeden Fall sehr begehrt im Fußball. Am Ende des Tages machen alle ihr Training aber ja nicht für uns, sondern um in einem Zustand zurückzukommen, in dem sie um ihren Platz auf dem Platz kämpfen können. Und das wissen die Jungs auch.

Wozu werden Sie die Pause nutzen?

Ich habe auch meinen Laufplan (lacht).

Ist das wirklich so?

Ich muss ein bisschen Sport machen, das habe ich gemerkt. Aber im Grunde werde ich die Weihnachtsfeiertage jetzt mit der Familie begehen und danach sind es ja nur noch fünf Tage, bis es ins Trainingslager geht. Das werde ich vorbereiten.

Werder Bremen-Coach Ole Werner freut sich auf Weihnachten mit der Familie

Welches Thema bewegt Sie rund um die Mannschaft am meisten?

Themen sind die Kompaktheit beim Anlaufen und das Anschlussverhalten verbunden mit der Frage, wie wir uns in der letzten Kette gegenseitig sichern. Andererseits beschäftigen wir uns weiter mit dem Spielaufbau unter Druck. Da machen wir viele Dinge schon ordentlich, aber gerade gegen Mannschaften, die uns im Eins-gegen-eins angelaufen sind, können wir in der Positionierung noch einiges besser machen.

Sie haben mit Ihrer Mannschaft sehr konsequent und erfolgreich in einem 3-5-2-System gespielt. Wird es dabei bleiben oder versuchen Sie, die Mannschaft noch flexibler zu machen und auch mal eine Viererkette mit einzupflegen?

Wir haben das aktuell nicht geplant, weil wir glauben, dass wir aus unserer gewohnten Grundordnung heraus in der Positionierung Dinge verändern können. Vor dem Spiel steht dann auf dem Papier vielleicht wieder ein 3-5-2, aber die Raumaufteilung ist eine ganz andere. Die Spieler fühlen sich sehr wohl mit dieser Grundordnung. Ich will es aber trotzdem nicht ausschließen, dass wir irgendwann noch mal in einer anderen Ausrichtung spielen.

Bei Computersimulationen hat man früher immer ganz nach Belieben das System angepasst und im besten Fall damit Erfolg gehabt. Waren Sie auch so ein Fußball-Manager-Zocker?

Nein, sehr wenig. Einerseits hat mich das nie so richtig lang gefesselt, weil ich Fußball immer lieber selbst erlebt habe als am PC oder an der Konsole. Andererseits wurden wir zu Hause auch immer animiert, eher nach draußen vor die Tür zu gehen. Das haben wir auch immer gemacht und man war auch nie alleine, weil immer Kinder auf dem Bolzplatz, der Straße oder im Garten waren. Ich kenne solche Simulationen zwar, habe das auch alles mal gesehen und ausprobiert, aber war nicht so, dass ich nächtelang durchgespielt oder direkt nach der Schule erst einmal drei, vier Stunden vor dem PC gehockt habe.

Aber es gab einen PC in Ihrem Haushalt?

Irgendwann gab es den mal, aber wir waren der Entwicklung immer deutlich hinterher. Deswegen hatten wir auch nie die geilsten Spiele. Als die Kumpels schon immer das neueste Gerät hatten, da hatten wir immer noch einen 486er. Wir haben da teilweise mit den ganz großen Disketten angefangen (lacht). Ich weiß noch, dass man bei MS-DOS immer Befehle eingeben musste. Das war mir immer zu kompliziert. Mein Vater und mein älterer Bruder haben da dann so ein paar Sachen gemacht. Aber wenn technische Geräte so kompliziert sind, dann schreckt mich das immer ein bisschen ab. Das hat sich so durchgezogen.

Werder Bremens Trainer Ole Werner im Interview: „Ich sitze 70 Prozent meines Tages am Schreibtisch“

Schreckt es Sie auch ab, dass Ihr Job mittlerweile so technisiert ist? Oder sind Sie einfach dankbar, dass Sie dafür Leute im Trainerstab haben?

Ich kriege das alles sehr gut selbst hin. Wenn mir jemand die spezielleren Programme erklärt und ich einen Nutzen davon habe, dann klappt das. Aber ich könnte mir da jetzt nichts selbst beibringen. Diese Technik macht aber ja auch Spaß und den Job aus. Ich sitze im Prinzip 70 Prozent meines Tages am Schreibtisch und dokumentiere auf dem Computer ein Training oder überlege mir neue Übungen. Ich kommuniziere viel über den PC, schaue mir dort Videos vom Gegner an, beschneide sie oder füge sie neu zusammen.

Sie haben kürzlich die Transferphase im Januar als „Gefahr“ für Werder bezeichnet, weil sich andere Clubs im Gegensatz zu Ihrem Verein verstärken könnten. Warum sind sie nach einem so mutigen und erfolgreichen Jahr plötzlich so ängstlich?

Die Frage, die mir damals gestellt wurde, lautete: Was kann in der Rückrunde eigentlich noch schiefgehen? Und ich habe gesagt: ,Das können viele Dinge sein. Verletzungen, Sperren, aber auch Veränderungen bei der Konkurrenz.’ Letzteres wurde dann für die Schlagzeile benutzt. Natürlich kann es eine Gefahr sein, wenn sich Mannschaften hinter uns verstärken und uns dann vielleicht überholen. Aber das liegt nicht bei uns. Mir war einfach wichtig, dass man bei aller Euphorie und Zufriedenheit weiß: Wir müssen immer an die absolute Grenze gehen und alle Möglichkeiten ausschöpfen.

Würden Sie Ihre Mannschaft auch gerne verstärken?

Jeder Verein will die bestmögliche Mannschaft auf dem Platz haben, aber jeder Verein ist in seinem finanziellen Rahmen auch begrenzt. In diesem Rahmen haben wir im Sommer einen sehr stimmigen Kader zusammengestellt, der sehr gut als Gruppe funktioniert. Es war doch vom ersten Tag an klar, dass wir hier nach dem Aufstieg nicht drei, vier Spieler holen können, die uns die Klasse alleine halten können. Ich bin mit der Gruppe sehr zufrieden, ich habe total Bock auf die Spieler und glaube auch, dass wir das Saisonziel erreichen können, wenn wir an der absoluten Grenze spielen.

Es heißt, dass jede Mannschaft in einer Saison mindestens ein Tief durchschreitet. Hatte Werder das schon?

Wir hatten in dieser Saison schon kritische Situationen – zum Beispiel eine Englische Woche, in der alles schief gelaufen ist, auf und neben dem Platz.

Werder Bremens Ole Werner über die Darts-WM: „Ich gucke erst die letzten Spiele, so ab Viertelfinale“

Sie meinen die Bundesliga-Pleiten gegen Mainz und Freiburg mit dem Pokalaus in Paderborn dazwischen, bei dem Marvin Ducksch suspendiert fehlte.

Ja. Aber wir haben auf diese Phase gut reagiert, es folgten die Siege gegen die Hertha und Schalke. Gerade bei Aufsteigern können solche Phasen aber auch mal drei, vier Wochen dauern, weil dir wichtige Spieler fehlen oder du es einfach nicht schaffst, über deine Arbeit Spiele zu gewinnen.

Verein und Spieler haben betont, dass bei einem unmoralischen Angebot für Niclas Füllkrug gesprochen wird. Wie gehen Sie damit um, dass Sie Ihren vielleicht wichtigsten Spieler bis Ende Januar noch verlieren könnten?

Das geht doch mal abgesehen von dem Kollegen beim FC Bayern München allen Trainern in Deutschland so. Das ist das normale Geschäft in Transferphasen, deswegen muss ich damit nicht besonders umgehen.

Ist das kein Thema in der Mannschaft?

Für Spieler ist das doch auch normal. Wenn einer gute Leistungen im Verein bringt und dazu noch in der Nationalmannschaft, dann gibt es fast zwangsläufig Interesse. Vielleicht ist es ein Thema in der Kabine, aber es beeinflusst unsere Arbeit nicht. So lange das Transferfenster geöffnet ist, kann an jedem Tag etwas passieren. Deswegen spielt das für uns nicht eine so große Rolle.

Was werden Sie in den nächsten Tagen eher gucken: Darts-WM oder Vierschanzentournee?

Bei der Darts-WM gucke ich erst die letzten Spiele – so ab Viertelfinale, wenn ich beide Spieler kenne (grinst). Mein erstes Dartspiel habe ich 2007 geguckt – das WM-Finale zwischen Phil Taylor und Raymond van Barneveld, der gerade den Verband gewechselt hatte. Das war ein irres Spiel.

So verbringt Werder Bremens Cheftrainer Ole Werner Heiligabend

Was können Fußballer von Dartspielern mitnehmen?

Mentale Dinge sicherlich. Der Druck ist schon groß, der Pfeil muss da ja rein. Das sind permanente Elfmeter-Situationen – und das in einer sehr besonderen Atmosphäre.

Hängen im Kabinentrakt Dartscheiben?

Natürlich – im Trainerbüro, im Spielerbereich. Bei uns Trainern hat es etwas nachgelassen. Zu Beginn meiner Zeit in Bremen haben wir da echt oft gestanden und gemerkt, dass man mit der Zeit wirklich besser wird.

Und was ist mit der Vierschanzentournee?

Seitdem die Adler nicht mehr so richtig weit fliegen . . . Das gucke ich jetzt eher so nebenher.

Verraten Sie uns zum Abschluss noch, wie so ein Heiligabend im Hause Werner abläuft?

Wir sind mit der ganzen Familie zusammen bei meinem Bruder in Kiel. Dann wird erst gegessen, danach gibt es die Bescherung – und mit ein, zwei Getränken und vielen Gesprächen geht der Abend irgendwann zu Ende, während mein Neffe und meine Nichte mit ihren Geschenken spielen. (mbü/kni)

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