Trainer Ole Werner muss die Profis des SV Werder Bremen statt in der Sonne Spaniens im nasskalten Bremen auf die Restrunde der 2. Liga vorbereiten.
+
Trainer Ole Werner muss die Profis des SV Werder Bremen statt in der Sonne Spaniens im nasskalten Bremen auf die Restrunde der 2. Liga vorbereiten.

Werder-Coach über Corona

Bloß kein Kiel 2.0 – Ole Werners schlechte Erfahrungen sollen Werder Bremen helfen

Bremen - Von Malte Bürger. Immerhin ein wenig hatte die Sonne über Werder Bremens Trainingsgelände gestrahlt. Für spanische Verhältnisse genügte das natürlich trotzdem nicht. Aber es muss ja irgendwie weitergehen. Und das tat es. Geändert hat es dennoch nichts daran, dass es am Osterdeich auch an Tag 1 nach der Absage des Winter-Trainingslagers nur ein vorherrschendes Thema gab: das Coronavirus.

Ole Werner tat trotz der jüngsten Turbulenzen das, was ihn bereits in den ersten Wochen in Bremen ausgezeichnet hat. Er strahlte erst einmal Ruhe und Gelassenheit aus. „Die Inhalte, die wir für das Trainingslager geplant haben, können wir auch hier umsetzen“, versicherte der Coach- des SV Werder Bremen in einer digitalen Medienrunde. „Schwerwiegender, als dass wir nicht in Spanien sind, ist die Tatsache, dass uns mehrere Spieler auf dem Platz fehlen, mit denen wir gern gearbeitet hätten.“

In Marco Friedl, Milos Veljkovic, Manuel Mbom und Niclas Füllkrug befindet sich nach positiven Tests gleich ein Quartett in Quarantäne, zuvor war schon Mitchell Weiser infiziert aus dem Verkehr gezogen worden. Sie alle bringen Qualitäten mit, die erst einmal ersetzt werden müssen. „Es ist aber eine Situation, die mehr oder weniger bei jeder Mannschaft eine Rolle spielt und bei der es darum geht, damit möglichst gut umzugehen“, sagte Ole Werner. „Wir müssen jetzt die richtigen Antworten darauf finden – und das haben wir, indem wir die Trainingsgruppe mit U23-Spielern aufgefüllt haben.“

Werder Bremen-Trainer Ole Werner über den Umgang mit Corona: „Es gibt drei Dinge, die man beachten muss...“

Wer den Worten lauscht, hört einen Mann, der aus leidvoller Erfahrung spricht. Vor einem Jahr, als Werner noch Trainer bei Holstein Kiel war, hatte es sein Team richtig heftig erwischt. Kein anderer Proficlub in Deutschland litt so wie die „Störche“. Gleich zweimal musste die gesamte Mannschaft für 14 Tage in Quarantäne, die Folge war ein Mammutprogramm an Pflichtspielen binnen kürzester Zeit, das die Körper der Spieler weiter beanspruchte. Der Traum vom Aufstieg lebte dennoch lang, ehe in der Relegation die Puste ausging.

So bitter diese Zeit für die Kieler war, so hilfreich könnte sie nun für Werder Bremen sein. Ole Werner mag vielleicht keinen Masterplan zur Hand haben, aber ganz konkrete Vorstellungen, wie er mit seinem Team durch die schwierige Zeit kommen will. „Es sind drei Dinge, die man beachten muss“, sagte der 33-Jährige. „Erst einmal ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem und nicht nur eines, das der Fußball hat. Es gibt gewisse Regeln, an die man sich zu halten hat. Darüber haben wir direkt am Sonntag auch noch einmal mit den Spielern gesprochen, denn – und das ist der zweite Punkt – sie müssen eine erhöhte Sensibilität für dieses Thema innerhalb der Gruppe haben.“ Soll heißen: Wer unachtsam handelt, schadet damit womöglich nicht nur sich selbst, sondern der gesamten Mannschaft.

Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „Menschen infizieren sich in allen Lebenslagen“

„Jeder Mensch hat inzwischen seine Erfahrungen mit Corona gemacht, meine Person genauso während meiner Zeit in Kiel. Daher weiß ich, dass es ein Erfolgsfaktor ist, wie viele Spieler zur Verfügung stehen oder ob jemand in Quarantäne muss oder nicht“, sagte Werner, der sich eine zusätzliche Belastung wie seinerzeit in Kiel gern ersparen möchte. „Und trotzdem ist der dritte Punkt ebenfalls wichtig: Man soll auch keine Panik verbreiten. Man kann sich so gut es geht schützen – und genau das tun wir und werden es auch weiterhin tun. Dennoch gibt es gewisse Dinge, die man einfach nicht ausschließen kann“, betonte er. „Wenn ich mich als soziales Wesen bewege, kann ich nicht jede Infektion ausschließen. Das einzige was helfen würde, wäre sich zu isolieren, komplett wegzuschließen und nur noch zum Training auf die Anlage zu kommen. Das ist aber schwer möglich.“

Abgeschottet hatten sich seine Spieler ja nun auch keineswegs. Im Nachgang der positiven Testergebnisse hatte es vielmehr Kritik daran gegeben, dass einige die freie Zeit für einen zum Teil außereuropäischen Urlaub genutzt hatten. Fehlte es den Spielern des SV Werder Bremen also schlichtweg an strengeren Regeln vor dem Weihnachtsfest? „Ich bin kein Corona-Experte und kann nicht seriös beantworten, wo die Ansteckung wie groß ist“, sagte Ole Werner. „Ich kann nicht beurteilen, inwiefern das Weihnachtsessen mit der Familie eine größere Gefahr beinhaltet als ein Urlaub mit der Freundin an einem anderen Ort. Ich weiß aus meinem persönlichen Umfeld nur, dass sich Menschen in allen Lebenslagen infizieren. Im familiären Umfeld, im Urlaub oder im Bus. Die entscheidende Frage ist, wie man sich an den jeweiligen Orten verhält.“

Werder Bremen: Ole Werner kann die für Spanien geplanten Inhalte auch gut in Norddeutschland umsetzen

Wer mochte, konnte den letzten Satz als leichte Kritik verstehen. Oder einfach nur als Appell an das zukünftige Verhalten. „Man kann jedenfalls nicht alles über einen Kamm scheren und sagen, dass die Infektionen nicht passiert wären, wenn alle in Deutschland oder Bremen gewesen wären“, sagte Werner. „Das halte ich nicht für seriös.“

Und so wird jetzt auch nicht über Mögliches philosophiert, sondern unter veränderten Rahmenbedingungen gearbeitet. „Wir werden die Inhalte genauso durchziehen, wie wir es geplant haben“, sagte Ole Werner. Zu tun gibt es jedenfalls genug. „Umschaltphasen, Gegenpressing – insbesondere nach eigenem Ballverlust, das dritte Drittel wird ein Thema sein, wie wir uns mehr Chancen erarbeiten können, konsequenteres Verteidigen um den Strafraum herum“, zählte der Trainer des SV Werder Bremen auf. Und dann kam er doch noch einmal auf die Sonne der iberischen Halbinsel zu sprechen. „Standardsituationen hätten wir sicher in Spanien in einer lockeren Nachmittagseinheit gemacht, jetzt machen wir das eher morgens vor den Testspielen.“ (mbü)

Auch interessant

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare