Ole Werner glaubt an die Stärke seiner Mannschaft und hat den SV Werder Bremen im Aufstiegsrennen der 2. Liga noch lange nicht aufgegeben.
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Ole Werner glaubt an die Stärke seiner Mannschaft und hat den SV Werder Bremen im Aufstiegsrennen der 2. Liga noch lange nicht aufgegeben.

Vor Werder gegen Aue

Mit vollem Vertrauen in der Rolle des Jägers: Trainer Ole Werner gibt sich und Werder im Aufstiegskampf noch nicht geschlagen

Bremen – Es gibt so Reisen, die kommen einfach zum denkbar falschen Zeitpunkt. Und genau deshalb hat Ole Werner sie womöglich recht kurz gehalten. Denn die zuletzt freien Tage hat der Trainer des SV Werder Bremen nicht etwa zur ausgiebigen und nachvollziehbaren Seelenmassage genutzt, sondern für eine Stippvisite in – genau – seiner alten Heimat Kiel. Ausgerechnet im Nachgang der ernüchternden Bremer Niederlage gegen die „Störche.“ Ich bin da hingefahren, habe meine Mutter kurz gesehen, einen Schlüssel abgegeben und eine Unterschrift geleistet. Das war eine Sache von zehn Minuten - und da wurde relativ wenig über Fußball gesprochen“, erzählte er am Dienstag. Als er diese Worte sprach, huschte ihm sogar ein Lächeln über die Lippen. Es wirkte wie ein Lichtblick in trüben Stunden.

Denn seit dem vergangenen Freitag ist in Bremen irgendwie nichts mehr so wie vorher. Wo der Aufstieg erst fast schon begossen und beklatscht wurde, schlagen sich nicht wenige Fans nun mit einer drückenden Tristesse als Begleiter durch den Alltag. Es ist nicht die Niederlage selbst, die erschüttert, sondern ihr Zustandekommen. Wo andere Topteams der Liga eine frühe 2:0-Führung sicher ins Ziel bringen, geht es bei Werder Bremen allem Anschein nach nicht ohne Drama. Kann am Ende trotzdem gut ausgehen, muss es aber eben nicht. Und das frustriert.

Auch Ole Werner. Doch sein Job bringt es nun einmal mit sich, dass er so früh wie möglich wieder den Optimisten geben muss. „Mir geht es gut“, betonte der Trainer des SV Werder Bremen deshalb am Dienstag, „auch wenn wir am Freitag natürlich gern gewonnen hätten und es anschließend eine kurze Nacht und danach eine intensive Aufarbeitung mit der Mannschaft war.“ Offen und ohne Umschweife wurde angesprochen, was alles falsch gelaufen ist. Durchaus etwas lauter, aber nicht zwingend als reinigendes Gewitter verpackt. „Der Sport lebt davon, dass es Rückschläge gibt und Tage, die nicht immer so laufen wie der auf Schalke“, verdeutlichte Werner. „Entscheidend ist immer, wie man damit umgeht und sich auf die nächste Aufgabe ausrichtet. Das ist etwas, was ich ganz gut kann.“ 

Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „Entscheidend ist, wie man mit Rückschlägen umgeht und sich auf die nächste Aufgabe ausrichtet“

Die bange Frage ist: Können das auch seine Spieler? „Es gab verschiedene Punkte in dieser Saison, an denen die Mannschaft einen gewissen Druck hatte und eigentlich immer die richtigen Antworten darauf gefunden hat“, erinnerte der Trainer von Werder Bremen. Er verwies auf das besagte Schalke-Spiel, als vorher fast nur über die schwierige Personallage gesprochen worden sei - und am Ende eine Topleistung herauskam. Auch nach dem Remis gegen Ingolstadt (1:1) hagelte es damals Kritik, ehe die Bremer ihre Fans mit einem 3:2-Erfolg im Nordderby versöhnten. „Das ist jetzt keine Garantie dafür, dass dir das Woche für Woche gelingt“, weiß auch Ole Werner, „aber ich vertraue meiner Mannschaft da komplett“. 

Und der 33-Jährige gab auch direkt den Weg vor, auf dem sich seine Akteure bewegen sollen. „Wir müssen Vertrauen in die eigene Stärke haben, weil wir in den vergangenen Monaten eine super Entwicklung genommen haben“, erklärte er. „Wir haben trotz der schwierigen Personallage nie gejammert, sondern immer weitergemacht. Das gilt auch jetzt.“ Die Tabellenführung mag Werder Bremen also eingebüßt haben, doch der ungewollte Perspektivwechsel soll dann doch lieber Antrieb denn Hemmnis sein. „Jetzt sind wir die Jäger“, stellte Ole Werner unmissverständlich klar. „Jetzt geht es darum, Druck aufzubauen auf die Mannschaften, die vor uns liegen und die sechs Punkte, die es noch zu holen gibt, auch zu holen.“ Und Werner unterstrich abermals: „Da gibt es keinen Grund, warum wir uns das nicht zutrauen sollten. Wir haben diese Qualität und wir haben sie mehrfach nachgewiesen.“

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Werder Bremen-Trainer Ole Werner gibt sich und seine Mannschaft im Aufstiegsrennen noch lange nicht geschlagen

Nur hat das Kiel-Spiel eben dafür gesorgt, dass in der Öffentlichkeit ein paar größere Zweifel daran bestehen, ob Werder Bremen noch einmal zurückkommt. „Im Fußball ist es normal, dass entweder alles top oder alles flop ist“, sagte Ole Werner, „aber die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte.“ So nüchtern kann es klingen, wenn für einen ganzen Verein, eine ganze Stadt doch so unheimlich viel auf dem Spiel steht. „Es wäre unser aller Wunsch gewesen, mit einem Sieg am Freitag dafür zu sorgen, dass die Dinge glatter durchlaufen – aber so ist es nun einmal nicht“, betonte der Übungsleiter. „Du kannst dich jetzt aber nicht mit Dingen aufhalten, die hinter dir liegen. Man kann in zwei, drei Wochen darüber reden, was gut und was schlecht war. Jetzt geht es darum, sich auf Aue vorzubereiten.“

Genau dieser Aufgabe widmet er sich mit seiner Mannschaft seit Dienstag auch wieder auf dem Trainingsgelände. „Ich würde lieber schon gleich heute spielen, das ist auch klar“, gestand Ole Werner. „Auch wenn man die Punkte nicht zurückbekommt, möchte man natürlich schon zeigen, dass man es besser kann.“ Schon gelesen? 4000 Dauerkartenbesitzer von Werder Bremen haben auf die Rückerstattung verzichtet - zum Dank soll es eine große Party im Weserstadion geben!

Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und Aue schlagen“

Stattdessen ist Geduld bis Sonntag gefragt, erst dann steht für Werder Bremen die Auswärtsaufgabe bei Erzgebirge Aue (13.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) an. Vorher wird in der Liga schon allerlei passieren, am Freitag könnte etwa Darmstadt mit einem Sieg gegen Düsseldorf für weiteren Bremer Stress sorgen. „Das ist nicht mein Thema, wir müssen jetzt unsere eigenen Hausaufgaben machen und Aue schlagen“, untermauerte Ole Werner. „Natürlich werde ich mir anschauen, was beim Darmstadt-Spiel für ein Ergebnis herauskommt. Aber passenderweise habe ich abends einen Termin, also werde ich vom Spiel wahrscheinlich gar nicht so viel sehen können.“ Manchmal ist es also doch ganz gut, unterwegs zu sein. Das Ziel muss ja nicht immer unbedingt Kiel heißen. (mbü) Schon gelesen? Gutes Omen? Werder Bremen hat in seiner Vergangenheit bislang alle Pflichtspiele gegen Erzgebirge Aue gewonnen!

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