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Für Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, zählt der SV Werder Bremen trotz der aktuellen Krise noch immer zu den Anwärtern auf die Europapokal-Plätze. 

VfL Wolfsburg-Trainer im Interview mit der DeichStube

Oliver Glasners Europa-Rechnung: „Die ersten Zehn plus Werder Bremen“

Wolfsburg – Er ist Nummer 14! So viele österreichische Trainer hat die deutsche Fußball-Bundesliga bislang angelockt. Oliver Glasner (45) hat den Sprung im vergangenen Sommer gewagt und geschafft. Vom Linzer ASK zum VfL Wolfsburg – ein großer Schritt in der Karriere. Aktuell steht Oliver Glasner mit den Wölfen auf Platz sieben und empfängt am Sonntag (18.00 Uhr) Werder Bremen in der VW-Arena.

Im Interview mit der DeichStube spricht Oliver Glasner über das Duell seines VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen, über Österreicher in der Bundesliga, über schnelle Trainerentlassungen und über das, was Wolfsburg unter seiner Leitung ausmacht. Bemerkenswert dabei: Der Ex-Profi hat die Bremer im Rennen um die internationalen Plätze immer noch auf der Rechnung: „Die ersten Zehn plus Werder werden um die Europapokal-Plätze spielen.“

Hatten Sie in Ihrer Karriere schon mal Berührungspunkte mit Werder Bremen, Oliver Glasner?

Nein, persönlich nicht. Natürlich habe ich Werder verfolgt, vor allem zu der Zeit, als Andi Herzog dort gespielt hat.

In Salzburg haben Sie als Co-Trainer mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der eine kurze Bremer Vergangenheit hatte. Was hat Ihnen Roger Schmidt über Werder erzählt?

Er hat mir geschildert, dass er dort während seiner Ausbildung hospitiert hat und sehr nah an der Mannschaft dran war. Roger hat von den Qualitäten im Club geschwärmt, bezogen auf die Vereinsführung und auf die Spieler. Ich erinnere mich, wie er Mesut Özil gelobt hat als unglaublich guten Fußballer.

Unlängst wurde die Fußball-Kultur in Bremen verglichen mit Union Berlin und Freiburg. Werder als ein Exempel für einen aus dem Rahmen fallenden Verein, der für Sozial-Romantik im knallharten Bundesliga-Geschäft steht. Wie sehen Sie den kommenden Gegner?

Ich sehe Werder etwas anders. Als einen Club, der auch gemessen am eigenen Anspruch die Qualität hat, um die internationalen Plätze mitspielen zu können. Werder praktiziert einen gepflegten guten Offensivfußball, beweist dies immer wieder auch in den Offensivaktionen. Vor zwei Wochen, als sich die Zweiteilung im Tabellenbild der Liga abzeichnete, habe ich es so ausgedrückt: Die ersten Zehn plus Werder werden um die Europokal-Plätze spielen.

Stand heute sieht dies anders aus: Bremen im Abstiegskampf, Werder muss eher den Blick nach unten richten...

...richtig ist, dass sie punktemäßig hinten dran sind. Doch mit zwei, drei Siegen kann sich das schnell ändern.

Wie haben Sie sich auf das Spiel am Sonntag vorbereitet?

Für uns steht nun erst mal die Partie in der Europa League an (der VfL tritt am Donnerstag beim FK Oleksandria in der Ukraine an, d. Red.). Erst am Freitag werden wir uns intensiv mit Bremen befassen und in der Spielvorbereitung ins Detail gehen. Mein Trainerteam hat natürlich schon Vorarbeiten geleistet mit ausgiebigem Videostudium. Wir sind vorbereitet.

Fotostrecke: So startete Werder in die wichtige Wolfsburg-Woche

So lief das Werder-Training am Dienstag.
So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
So lief das Werder-Training am Dienstag.
So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
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So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
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So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
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So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
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So lief das Werder-Training am Dienstag. © gum zmedia
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So lief das Werder-Training am Dienstag.
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So lief das Werder-Training am Dienstag.
So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia
So lief das Werder-Training am Dienstag.
So lief das Werder-Training am Dienstag. © gumzmedia

Wie fällt Ihr Urteil nach fünf Monaten in der Bundesliga aus? Stellt sich die Spielklasse so dar, wie Sie es erwartet haben?

In vielen Bereichen ja. Positiv überrascht bin ich von der physischen Verfassung der Spieler. Die Laufbereitschaft und das Vermögen, dies über die gesamte Spieldauer zu zeigen, sind immens hoch. Auch die Intensität bei den Zweikämpfen imponiert mir.

Machen diese Aspekte den Unterschied zur Liga in Ihrer Heimat aus?

Sicherlich – und zudem natürlich die individuelle Klasse vieler Profis, ein Niveau, das höher ist als in Österreich.

Beim Amtsantritt haben Sie gesagt, Sie wollen und werden einige Steine umdrehen. Was war der größte Brocken, den Sie zur Seite räumen mussten?

Zunächst einmal: Wir sind immer noch dabei, die Steine umzudrehen. Und zwar, das ist mir wichtig zu betonen, geschieht dies gemeinsam. Das Trainerteam nimmt die Spieler bei diesem Prozess mit. Wir wollen die Spielanlage verändern, wollen den Gegner hoch attackieren. Das Ganze geht einher mit einer veränderten Grundordnung.

Anpassung und Umstellung an die Gegebenheiten in Wolfsburg und der Bundesliga, ohne die Grundtugenden zu vernachlässigen, so haben Sie es formuliert. Was bedeutet dies konkret?

Wir müssen berücksichtigen, welchen Kader wir zur Verfügung haben, was die Spieler von ihren Fähigkeiten her zu leisten imstande sind. Darauf müssen wir vom Trainerteam Rücksicht nehmen, so unsere Idee umsetzen, um erfolgreich zu sein. Ein Beispiel: Mit Wout Weghorst haben wir einen Stürmer, dessen Stärken im Strafraum liegen, der auf Flanken angewiesen ist. Da macht es wenig Sinn, mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte zu operieren und ihn in 50-Meter-Sprints zu jagen.

Sie haben in Salzburg gearbeitet. Ist Ihre Philosophie vom Fußball mehr als die bei RB praktizierte Pressingschule?

Der große Fehler ist, RB-Fußball nur auf Pressing zu reduzieren. Nach meiner Auffassung muss immer der Ball im Mittelpunkt stehen. Was mache ich, wenn der Gegner den Ball hat? Was mache ich, wenn ich den Ball habe, Egal, ob dies nach Ballgewinn oder im eigenen Ballbesitz ist. Und wo presse ich? Ganz vorn oder weniger hoch? Die Ansätze sind vorhanden. In Wolfsburg haben wir schon viele Tore auch nach eigenem Spielaufbau erzielt.

Talfahrt gestoppt: Mit einem 2:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt hat sich der VfL Wolfsburg nach zuvor sieben sieglosen Pflichtspielen  zurückgemeldet.

Ihre Umstellungen haben dazu geführt, dass die Defensive stabiler ist, indes hapert es noch in der Offensive. Stimmen Sie dieser Bestandsaufnahme zu?

Zweifellos, da genügt ein Blick auf unsere Tordifferenz. Im Angriffsspiel haben wir noch Verbesserungspotenzial. Wir müssen mehr Spieler in torgefährliche Bereiche bringen. Und wir müssen schneller nach vorn spielen, in die Tiefe, mehr Anspielstationen in der Spitze schaffen. Die Mannschaft war es gewohnt, das Angriffsspiel über die Breite vorzutragen. Sie befindet sich in dieser Hinsicht noch in einer Findungsphase. Der Schwerpunkt unserer Arbeit zu Beginn lag außerdem auf dem Abwehrverhalten. Ganz bewusst, weil die Mannschaft in der letzten Saison einfach zu viele Gegentore kassiert hat. Die Umstellung ist uns bisher gut gelungen – mit der Ausnahme des Ausrutschers im Pokalspiel gegen Leipzig (1:6 d. Red.).

Eine Änderung ist am System festzumachen. Sie haben die Viererkette aufgelöst und bevorzugen ein 3-4-3. Wie wichtig ist für Sie die Grundordnung?

In keiner Weise entscheidend, es geht immer um Verhaltensweisen. Diese können in jedem System ausgeübt werden.

Erst die Erfolgsserie, in 13 Pflichtspielen ungeschlagen, dann der Einbruch mit vier Niederlagen in Serie in allen drei Wettbewerben, nun das 2:0 in Frankfurt. Ganz ehrlich: Hatten Sie zwischenzeitlich Angst um Ihren Job?

Nein, überhaupt nicht.

Vier Kollegen wurden schon entlassen. Werden in der Bundesliga die Trainer zu schnell gefeuert?

Ich verweise da gern auf einen Vortrag, den ich bei der Trainer-Ausbildung in Nyon bei der Uefa gehört habe. Der Referent zitierte aus seiner Untersuchung und zählte die Fakten auf: Die durchschnittliche Verweildauer der Trainer im europäischen Raum beträgt nur 1,2 Jahre. Und über die Hälfte der entlassenen Trainer findet keine zweite Anstellung mehr. Zum Schluss fragte der Vortragende uns angehende Fußballlehrer: Wollen Sie sich das antun? Wir Trainer wissen, worauf wir uns einlassen. Ich hatte das Glück, vier Jahre in Linz arbeiten zu dürfen. Schließlich habe ich das Engagement selbst beendet, um die Herausforderung in Wolfsburg anzunehmen. Ich will nicht beurteilen, wie in der Bundesliga gehandelt wird. Zudem muss jeder Fall für sich betrachtet werden.

Ihr Kollege Achim Beierlorzer hat nur neun Tage nach seinem Aus in Köln eine neue Anstellung beim Rivalen Mainz 05 gefunden. In diesem Zusammenhang kam die Forderung nach einer Sperrfrist für beurlaubte Trainer auf. Was halten Sie davon?

Bei meinem Landsmann Peter Stöger war es ja so ähnlich, als er von Köln nach Dortmund wechselte. Ein solch schneller Vereinswechsel ist in der Tat ungewöhnlich. Doch warum nicht? Warum sollte es eine Einschränkung geben? Spieler, die Ende August noch für den Club X gespielt haben, dürfen doch auch Anfang September nach einem Transfer für den Club Y auflaufen.

Neuerdings sind Trainer aus den einst belächelten Fußball-Nationen wie Österreich und der Schweiz hierzulande begehrt. Haben Sie eine Erklärung für diesen Trend?

Mit der Thematik habe ich mich noch nicht beschäftigt. Tatsache ist, dass die gemeinsame Sprache sicherlich eine Rolle spielt und förderlich ist. Ich weiß, dass in der Bundesliga auf allen Ebenen sehr professionell gearbeitet wird. Gerade die Entscheider auf der Führungsebene informieren sich ausführlich über die Kandidaten und klopfen alle möglichen Punkte ab. Es steht mir auch nicht zu, die Kollegen aus Deutschland zu bewerten. Und ein Wort zum österreichischen Fußball: Ich möchte erwähnen, dass die letzten sieben Duelle zwischen Österreich und Deutschland, inklusive des Länderspiels, so ausgegangen sind: sechs Siege für Österreich, ein Remis.

Ihr Vorgänger Bruno Labbadia hatte ein problembeladenes Verhältnis zu VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Wie verstehen Sie sich mit dem Boss?

Sehr gut.

(Das Gespräch führte Hans-Günter Klemm.)

Oliver Glasner

Zur Person: Die Spielerkarriere endete unter dramatischen Umständen. Oliver Glasner war 36 Jahre alt, als er eine Gehirnblutung erlitt – offenbar Folge einer bei einem Kopfballduell erlittenen Verletzung. „Ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben. Ich habe danach meine Karriere als Spieler etwas abrupter beendet als geplant“, sagt er. Eine Not-OP rettete zwar sein Leben und verhinderte bleibende Schäden, nach 19 Jahren in der österreichischen Bundesliga mit Stationen beim SV Ried und LASK Linz rieten ihm die Ärzte aber davon ab, weiter dem Ball nachzujagen. 

Glasner war jedoch gut vorbereitet, schon als Profi hatte er an der Fern-Uni Hagen ein Studium abgeschlossen – als Diplom-Kaufmann. Weshalb er zunächst Assistent der Geschäftsleitung bei RB Salzburg wurde. Später wechselte er als Co-Trainer von Roger Schmidt auf die Bank der Salzburger. 2014 dann das erste Engagement als Chefcoach – zurück bei seinem Stammverein SV Ried. Nur ein Jahr später folgte der Sprung zu LASK Linz. Nach vier erfolgreichen Jahren verpflichtete ihn im vergangenen Sommer schließlich der VfL Wolfsburg. In Linz wurde Glasner von Ex-Werder-Star Valerien Ismael beerbt.

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Der SV Werder Bremen hofft in der Krise auf die Wende gegen den VfL Wolfsburg, Florian Kohfeldts Personalwechsel-Drohung verpufft aber. Sebastian Langkamp darf wohl bleiben – Nuri Sahin auch? Hier gibt‘s die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag.

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