Oscar Schönfelder spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle als Ergänzungsspieler beim SV Werder Bremen.
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Oscar Schönfelder spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle als Ergänzungsspieler beim SV Werder Bremen.

Werder-Talent im DeichStube-Gespräch

„Ich nehme das als Challenge“: Talent Oscar Schönfelder über seine Rolle bei Werder, sein Ziel und ein verpasstes Jubelfoto

Bremen – 79 Minuten Spielzeit, verteilt auf sieben Einsätze – Oscar Schönfelder ist beim SV Werder Bremen in der laufenden Saison das, was man einen klassischen Ergänzungsspieler nennt. Wie der 20-Jährige mit seiner Rolle umgeht, hat er nun im Interview mit der DeichStube verraten. Außerdem sprach er über ein verpasstes Jubelfoto, seine Begeisterung für die NBA und seine Zeit beim jüdisch-geprägten Verein TuS Makkabi Frankfurt.

Nach dem fulminanten 4:3-Sieg in Paderborn tauchte ein Jubel-Mannschaftsfoto aus der Werder-Kabine auf – ohne Oscar Schönfelder. Wo waren Sie?

(lacht) Ich habe das gar nicht mitbekommen, ich stand schon unter der Dusche.

War Ihnen nach vier Spielen in Folge ohne Einsatz etwa nicht nach Party?

Nein, nein! Das war nicht der Grund. Ich wäre gerne auf dem Bild gewesen. Denn es zeigt, wie gut die Stimmung bei uns ist, dass die Chemie im Team stimmt.

Vielleicht gibt es am Ende der Saison noch ein ganz anderes, ein viel wichtigeres Mannschaftsfoto...

Ja, wer weiß... Da werde ich dann auf jeden Fall nicht fehlen (lacht).

Werder Bremen-Talent Oscar Schönfelder im Interview: „Man kriegt als junger Spieler nichts geschenkt“

Unter den Vorgängern von Trainer Ole Werner kamen Sie ab dem neunten Spieltag regelmäßig als Joker zum Einsatz, nun gar nicht mehr. Wie gehen Sie damit als junger Spieler um?

Ich kenne das doch schon vom Saisonstart. Ich nehme das als Challenge. Man kriegt als junger Spieler nichts geschenkt. Und es läuft im Moment auch ziemlich gut. Da gibt es für einen Trainer kaum einen Grund, etwas zu verändern. Da muss man durch und sich im Training voll reinhauen.

Wo müssen Sie sich verbessern?

Da gibt es immer Sachen. Ich versuche, mein Tempo noch besser in Eins-gegen-eins-Situationen reinzubringen und zum Tor zu ziehen. Auch taktisch ist noch Luft nach oben.

Wie schwer ist dieser Spagat zwischen geduldig sein und Spielpraxis sammeln wollen?

Das ist wirklich ein Thema, über das ich nachgedacht habe. Aber ich kann mich nicht beklagen. Ich hatte meine Einsätze – auch in den Testspielen. Als junger Spieler lernst du zudem im Training unfassbar viel. Wir haben da eine sehr hohe Qualität. In meinem ersten echten Profi-Jahr ist das vielleicht noch wichtiger, als immer zu spielen.

Bei wem schauen Sie sich etwas ab?

Bei Tony Jung, der bringt konstant seine Leistung auf der linken Seite, wo ich ja auch spiele, wobei ich es schon etwas offensiver mag. Da kann ich mir zum Beispiel von Leonardo Bittencourt oder Marvin Ducksch einiges abgucken. Aber es geht auch um die Herangehensweise, darum, wie man sich als Profi richtig verhält.

Oscar Schönfelder schaut bei Werder Bremen auf Anthony Jung: „Es geht darum, wie man sich als Profi richtig verhält“

Und wie macht man das?

Man muss vom Kopf her in jeder Einheit da sein, darf sich keine Auszeiten nehmen. Anschließend geht es auch nicht direkt nach Hause, sondern es wird weitergearbeitet. Man holt sich Feedback von erfahrenen Spielern. Wir haben da wirklich Top-Charaktere, die auf uns junge Spieler zugehen und uns helfen.

Sie haben Ihren Drang zu Eins-gegen-eins-Situationen angesprochen. Muss man dafür besonders mutig sein?

Man muss eher kreativ sein und Lösungen kennen.

Haben Sie nicht im Hinterkopf, dass nach einem Ballverlust das Umschaltspiel des Gegners zum Gegentor führen könnte?

Wo Sie es jetzt so ansprechen, kann man das wirklich so sehen. Aber auf dem Platz geht alles so schnell, da denkt man über so etwas nicht nach. Ich mache das total instinktiv.

Wer hilft Ihnen außerhalb des Fußballs, wenn es mal nicht so läuft?

Meine Familie kommt alle paar Wochen vorbei, gute Freunde von früher sind auch manchmal hier. Da habe ich schon meine Ansprechpartner. Und mit einigen Jungs aus unserer Mannschaft und der U23 mache ich auch ab und zu was.

Was in Corona-Zeiten gar nicht so einfach ist. Wie lenken Sie sich ab?

Mit Standardsachen. Essen gehen, mit Freunden treffen – soweit es die Corona-Situation zu lässt. Am Wochenende schaue ich von der Couch aus viel Fußball, wenn wir selbst nicht unterwegs sind. Ich bin zudem großer Basketball-Fan – auch an der Playstation. Natürlich NBA.

Werder Bremen-Talent Oscar Schönfelder ist Fan der Toronto Raptors und spielte in er Jugend bei Makkabi Frankfurt

Wie heißt Ihr Lieblingsclub?

Toronto Raptors. DeMar DeRozan ist Schuld, er war mein absoluter Lieblingsspieler. Vor drei Jahren musste er zu den San Antonio Spurs, jetzt spielt er für die Chicago Bulls. Ich bleibe aber Toronto treu.

Wären Sie gerne selbst NBA-Profi?

Ich weiß nicht. Diese vielen Spiele und vielen Reisen stelle ich mir schon sehr speziell vor. Ich glaube, dass ich es mit dem Fußball ganz gut getroffen habe.

Was wären Sie geworden, wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte? Gab es einen Plan B?

Nee, darüber habe ich nicht nachgedacht. Mein Weg war immer der Fußball. Aber ich habe immerhin mein Abitur gemacht, könnte also noch studieren. Doch nebenbei ist das als junger Profi nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Ich habe einige Freunde, die studieren, und weiß daher, wie zeitintensiv das ist.

Sie haben vier Jahre lang in der Jugend beim TuS Makkabi Frankfurt gespielt – ein besonderer Verein, der sehr auf die Vermittlung von Werten wie Integration und Inklusion sowie den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus achtet. Außerdem wird darum gebeten, jüdische Feiertage, Brauchtümer und Feste zu respektieren. Wie wichtig sind Ihnen diese Themen heute noch?

Es ist wirklich ein besonderer Verein – eine große Familie mit einem tollen Miteinander. Ich habe heute immer noch Kontakt zu einigen Trainern und Spielern von damals. Einer ist wie ich Profi geworden.
 
Wer?

Tim Lemperle vom 1. FC Köln. Wir waren damals eine tolle Truppe. In einem jüdischen Verein wirst du natürlich besonders sensibilisiert dafür, dass es immer mal zu Beleidigungen oder so etwas kommen kann. Ich habe das selbst nicht erlebt, dass die jüdischen Spieler in unserer Mannschaft anders behandelt wurden. Wir hatten zusammen alle sehr viel Spaß. Das waren sehr schöne Jahre.

Oscar Schönfelder fühlt sich bei Werder Bremen pudelwohl: „Ich komme jeden Tag sehr gerne zum Stadion“

Werder bezeichnet sich auch gerne als Familie, zu Recht?

Auf jeden Fall, aber auf einem anderen Niveau. Hier geht es um Profi-Fußball, Makkabi ist da noch mehr ein Verein. Die Atmosphäre bei Werder empfinde ich als sehr angenehm, ich komme jeden Tag sehr gerne zum Stadion.

Sie waren in der Vergangenheit durchaus aktiv in den sozialen Medien, in diesem Jahr gab es allerdings noch nichts Neues von Ihnen bei Instagram. Warum?

Dann wird es mal Zeit. Ich warte immer auf gute Bilder, die mir wirklich gefallen. Aber wenn man nicht so viel spielt, gibt es auch nicht so viele Bilder.

Sie nennen sich bei Instagram oscar.439. Was hat die Zahl zu bedeuten?

Wenn Sie einen Frankfurter fragen würden, wüsste der sofort Bescheid. Das sind die letzten drei Zahlen unserer Postleitzahl in Frankfurt, die für ein bestimmtes Gebiet stehen. Ich bin mit fünf Jahren nach Frankfurt gekommen, meine Familie lebt noch dort. Das ist meine Heimat. Wenn es passt, bin ich gerne da.

Was macht am meisten Spaß am Leben eines Fußballprofis?

Die Spiele! Ich durfte hier wegen Corona zwar erst zwei Spiele vor ausverkauftem Haus erleben, aber das war schon Gänsehaut. Vor allem das Flutlichtspiel gegen Schalke, als ich selbst auf dem Platz stand.

Werder Bremen Oscar Schönfelder über Markus-Anfang-Rücktritt und Last-Minute-Ausgleich: „Wer erlebt so etwas schon mal in seiner Karriere?“

Und das nach einem besonderen Tag mit dem Rücktritt von Trainer Markus Anfang, dazu kam später noch der Elfmeter in der Nachspielzeit.

Das war außergewöhnlich – nicht nur für mich als jungen Spieler. Wer erlebt so etwas schon mal in seiner Karriere? Aber das haben wir mit dem 1:1 ganz gut hinbekommen.

Die ganze Bremer Hinrunde war sehr aufregend – wie haben Sie es als Neuling in dem Geschäft erlebt?

Man dachte immer, jetzt kehrt bestimmt Ruhe ein – und dann gab es wieder irgendwelche Schlagzeilen. Das hat schon für ein bisschen Hektik gesorgt. Und jetzt sieht man, was möglich ist, wenn Ruhe drin ist. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Auf was würden Sie als Fußballprofi gerne verzichten?

Auf die Läufe (lacht). Gerade wenn man nicht spielt, muss man da schon etwas extra machen. Aber ich will wirklich nicht klagen, ich lebe meinen Traum. Ich bin sehr zufrieden.

Welche Pläne haben Sie?

Pläne nicht, eher Ziele. Ich möchte gerne in der Rückrunde zum ersten Mal von Anfang an spielen. Das wäre für mich der nächste Schritt. Es ist wichtig, sich solche Ziele zu setzen, die man auch in naher Zukunft erreichen kann. Weiter schaue ich nicht. (kni)

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