Die FPÖ drohte nach einem Tweet des SV Werder Bremen auf Twitter mit einer Klage - doch jetzt folgt der Rückzug.
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Die FPÖ drohte nach einem Tweet des SV Werder Bremen auf Twitter mit einer Klage - doch jetzt folgt der Rückzug.

Rechtspopulistische Partei gibt Geld als Grund an

Twitter-Ärger: FPÖ verzichtet auf Klage gegen den SV Werder Bremen

Zell am Ziller – Ein Tweet des SV Werder Bremen hatte im Sommer im Trainingslager im österreichischen Zell am Ziller für jede Menge Aufregung gesorgt. Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) wollte den Bundesligisten unter anderem wegen Ehrenbeleidigung verklagen, fühlte sich durch Werders Aussage „Klare Kante gegen Nazis“ verunglimpft. Nun kündigte die rechtspopulistische Partei an, aus Kostengründen auf eine Klage zu verzichten.

Prozesse dieser Art würden meist bis zum Obersten Gerichtshof (OGH) gehen und viel Geld kosten. „Steuergeld“, sagte Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger der österreichischen Nachrichtenagentur APA: „Das wollen wir, gerade in diesen Zeiten, nicht riskieren.“ Es seien vier Rechtsanwälte konsultiert worden. Zwei hätten eine Klage der FPÖ gegen Werder Bremen befürwortet, zwei wegen zu geringer Erfolgsaussichten davon abgeraten.

Nach Rücksprache mit mehreren Anwälten: FPÖ verzichtet aus Kostengründen auf eine Klage gegen Werder Bremen

Werder Bremen hatte Anfang Juli auf eine FPÖ-Veranstaltung in unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände in Zell am Ziller mit folgendem Tweet reagiert: „Wir fühlen uns hier so sehr zuhause, dass wir auch im Zillertal dafür einstehen: KLARE KANTE GEGEN NAZIS“. Garniert mit dem Hashtag #nachbarnkannmansichnichtaussuchen und einem Bild von der Veranstaltung, auf dem deutlich ein Banner der FPÖ zu sehen ist. Von vielen Werder-Fans gab es dafür Lob, auch von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Die FPÖ reagierte harsch auf den Tweet. „Niemand braucht diese links versifften Piefke bei uns“, schrieb etwa Wiens FPÖ-Pressesprecher und Ex-Landtagsabgeordneter Leo Kohlbauer und empfahl dem Bundesligisten via Twitter: „Sollen‘s in Buntland den Regenbogen-Ramadan feiern.“

Die FPÖ forderte von Werder Bremen eine sofortige Löschung des Tweets, eine öffentliche Entschuldigung und eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro, die an einen Verein gespendet werden sollte. Werder wurde dafür ein Ultimatum bis zum 14. Juli gestellt, ansonsten würde geklagt. Der Bundesligist verzichtete auf jegliche Reaktion, um der rechtspopulistischen Partei keine weitere öffentliche Plattform zu bieten.

Werder Bremen reist seit über zehn Jahren ins Zillertal nach Österreich - und will das auch im kommenden Sommer tun

Seit über zehn Jahren fährt der SV Werder Bremen ins Zillertal, um sich auf die Saison vorzubereiten. Auch im kommenden Sommer werden die Grün-Weißen wieder im Zillertal sein, so ist es vertraglich vereinbart. Der Tweet hatte durchaus für Irritationen und zum Teil auch für Verärgerung bei den Gastgebern gesorgt. Schließlich wählen fast 20 Prozent der Tiroler die FPÖ. Deshalb führten die Werder-Verantwortlichen vor Ort zahlreiche Hintergrundgespräche, um die eigene Haltung zur erklären und die Wogen zu glätten. (kni)

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