Werder Bremens Neuzugang Patrick Erras lauscht in einer Medienrunde der Frage eines Journalisten.
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Patrick Erras, Neuzugang des SV Werder Bremen, hofft zum Saisonstart in der Startelf der Grün-Weißen zu stehen.

Werder-Neuzugang schon ein Stammplatz-Kandidat

Erras in seiner neuen Werder-Welt zwischen Lob und Lernprozess

Bremen – Einmal in Lobeslaune war Florian Kohfeldt kaum noch zu bremsen. Beinahe alles, was der Trainer des SV Werder Bremen nach Abschluss der Vorbereitung über Neuzugang Patrick Erras sagte, klang so, als hätten die Bremer mit dem defensiven Mittelfeldspieler einen Volltreffer gelandet.

Die Fähigkeit das Spiel zu lesen? „Sehr gut“, urteilte Kohfeldt. Die Eingewöhnung ins neue Team? „Sehr weit“ fortgeschritten. Die Qualität des Passspiels? Von einer „hohen Intelligenz“ geprägt. Da dürfte der so Gepriesene, mit 1,96 Meter ohnehin schon ein Riese, vor Stolz gleich noch mal ein paar Zentimeter gewachsen sein, oder? Nein, ist nicht so. Denn: An Patrick Erras ist das Lob vorbeigehuscht, er hat davon angeblich nichts mitbekommen. Aber klar, wenn Florian Kohfeldt etwas Gutes über ihn gesagt hat, „dann freut mich das natürlich“. Und widersprechen will der Neuzugang des SV Werder Bremen sowieso nicht – obwohl er genau weiß, wo es bei ihm noch hakt.

„Ich habe mich wirklich gut eingefunden in der Mannschaft“, sagt Erras, der sich nach seinem Wechsel aus der zweiten Liga zurück in die erste (wo er in der Saison 18/19 für den 1. FC Nürnberg schon 19 Spiele bestritten hatte) anpassen musste an „neue taktische Herausforderungen, an das neue System. Aber durch die vielen Trainingseinheiten ist das gut gelungen“, sagt der 25-Jährige, dessen Selbsteinschätzung nicht weit abweicht von der des Trainers. Aber es geht nicht so weit, dass sich Patrick Erras am Samstag (20.45 Uhr) im DFB-Pokal-Spiel bei Regionalligist FC Carl-Zeiss Jena automatisch in der Startelf sieht. „Ich hoffe natürlich, dass es so kommt. Aber das entscheidet immer noch der Trainer.“

Werder Bremen: Patrick Erras hat die Hybrid-Position von Kevin Vogt schon häufiger gespielt

Kohfeldt hatte Erras in den Testspielen stets als Pendler zwischen defensivem Mittelfeld und dem Zentrum einer Fünferkette agieren lassen – also in der Rolle, die in der vergangenen Saison Kevin Vogt übernommen hatte. Erras sagt, ihm sei diese Hybrid-Position vertraut, er habe sie auch in Nürnberg schon häufiger gespielt, „die Rolle ist mir nicht unbekannt“. Und er weiß: Im Kopf und in den Beinen „muss es schnell gehen“ auf dem Platz, zuletzt im Test des SV Werder Bremen gegen Hannover 96 (2:0) habe auch das „gut geklappt“.

Wie gesagt: Vieles scheint so, als könne sich Patrick Erras zum Saisonstart direkt in die Stammelf des SV Werder Bremen spielen. Doch sicher ist das nicht. Denn wenn Werder mit Viererkette und nur einem defensiven Mittelfeldmann spielt, wird wohl Maximilian Eggestein erste Wahl auf der „Sechs“ sein. Nicht Erras, allen Lobliedern zum Trotz. Und immer noch besteht für ihn die Gefahr, dass ein weiterer defensiver Mittelfeldmann verpflichtet wird. „Dass noch jemand kommen kann, habe ich immer gewusst. Damit müsste ich dann leben“, gibt sich Erras unerschrocken.

Werder Bremen-Trainer über Patrick Erras: „Immer ein, zwei Bälle drin, bei denen du in der Bundesliga einen kassieren kannst“

Bis dahin wird er versuchen, sich anzubieten und auch die erkennbaren perönlichen Defizite zu beheben. Eine Schwäche hatte Kohfeldt trotz Lobeslaune klar benannt. „Er hatte bisher immer ein, zwei Bälle drin, bei denen du in der Bundesliga auch mal einen kassieren kannst“, hatte der Coach über Erras gesagt und damit doch ein bisschen am Hochglanz-Urteil gekratzt. Dem Profi selbst ist bewusst, was gemeint war. Ein Fehlpass gegen Austria Lustenau, ein Stockfehler gegen Hannover 96 – „das waren Unkonzentriertheiten. Ich muss noch viel arbeiten und mich verbessern. Ich befinde mich in einem Lernprozess“, meint Patrick Erras und setzt darauf, dass es noch besser wird, „wenn ich richtig im Rhythmus bin“.

Dann klappt’s vielleicht auch mit den offensiven Kopfbällen. Bei der Abwehr gegnerischer Standards hat sich der hünenhafte Erras bei Werder Bremen schon hervorgetan, vor des Gegners Tor dagegen noch nicht. „Auch daran arbeiten wir noch. Bisher war das eine Stärke von mir, und ich hoffe, da kommen noch ein paar Tore von mir. Aber wir brauchen noch ein bisschen Zeit, bis wir bei ruhenden Bällen gemeinsam das richtige Timing gefunden haben.“ (csa)

Neuzugang Patrick Erras spricht im Video über den Gehaltsverzicht bei Werder Bremen:

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