Der FC Schalke 04-Boss Peter Knäbel spricht vor dem Topspiel gegen Werder Bremen über das Duell und den Aufschwung bei S04.
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Der FC Schalke 04-Boss Peter Knäbel spricht vor dem Topspiel gegen Werder Bremen über das Duell und den Aufschwung bei S04.

Vor dem Duell gegen Werder

„Schalke ist ein Club, der ständig vibriert“ - Sportvorstand Peter Knäbel über Aufschwung seines Vereins und Topspiel gegen Werder

Gelsenkirchen - Er ist einer der Macher des neuen FC Schalke 04. Zunächst als Technischer Direktor verpflichtet und inzwischen zum Sportvorstand aufgerückt, hat Peter Knäbel den Traditionsverein und kommenden Gegner des SV Werder Bremen im Eiltempo umgekrempelt.

Vor dem Zweitliga-Hit gegen den SV Werder Bremen (Samstag, 13.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) hat der 55-Jährige im Interview mit der DeichStube über die Schalker und Bremer Entwicklung nach dem Abstieg aus der Bundesliga gesprochen. Außerdem erklärt Peter Knäbel, warum die Königsblauen auf dem Transfermarkt eine andere Strategie gewählt haben als die Bremer – und verrät, dass es früher mal eine lose Anfrage von Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode an den heutigen Boss des FC Schalke 04 gab. 

Herr Knäbel, was bewundern Sie am Schalker Konkurrenten Werder Bremen? Was würden Sie sich für Ihren Verein wünschen, was an der Weser bereits vorhanden ist?

Das kann ich so nicht beantworten. Was Werder auszeichnet, ist sicherlich die Ruhe, diese hanseatische Gelassenheit und Kontinuität. So freut es mich für Frank Baumann, meinen Zimmergenossen zu unserer gemeinsamen Zeit beim 1. FC Nürnberg, dass die Bremer an ihm festgehalten haben. Er musste mit Werder eine Klasse runter, doch er hat nun die Möglichkeit, wieder nach oben zu kommen.

Schalke 04-Boss Peter Knäbel: „Was Werder Bremen auszeichnet, ist sicherlich die Ruhe, diese hanseatische Gelassenheit und Kontinuität“

Ist diese Ruhe mittlerweile auch in einem speziellen Verein wie Schalke 04 eingekehrt?

Ich weiß nicht, ob Ruhe im Zusammenhang mit Schalke der richtige Begriff ist. Es ist ein Club, der ständig vibriert, der viele Menschen bewegt. Ein Club, der von der Größe und Gewichtung her nur mit wenigen anderen Vereinen zu vergleichen ist. Ich sage es mal so: Auf Schalke darf es schon mal unruhig sein, das gehört einfach dazu – solange es in einem gewissen Rahmen bleibt. Als ich Vorstand wurde, herrschte eine angespannte Situation vor, in der viele Kräfte gewirkt haben. Wir haben dann einen Modus gefunden. Dabei haben wir uns nicht die Ruhe als Selbstzweck zum Ziel gesetzt. Unser Bestreben war, Glaubwürdigkeit zu verkörpern und uns für ein glaubwürdiges Miteinander einzusetzen.

Haben Sie während Ihrer Zeit beim Hamburger SV ähnliche Erfahrungen wie bei Ihrer Ankunft in Gelsenkirchen gemacht?

Schalke ist schon einmalig, von der Wucht und Dimension her. Ich weiß noch, wie ich damals mit meiner Frau im berühmten Blauen Salon mit Christian Heidel gesprochen habe. Schalke spielte international, alles hat mich fasziniert. Für mich ist es kein Zufall, wo der Club in der Gunst der Fans steht. Dieser Ruf, das ganze Ambiente, es war entscheidend für mich, damals die Aufgabe als Technischer Direktor zu übernehmen.

Der Verein hat sich kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine von Gazprom, dem langjährigen Sponsor, getrennt. Eine alternativlose Entscheidung?

Ja, wir haben schnell für Klarheit gesorgt. Es war keine Frage, ob diese Maßnahme richtig oder falsch ist. Es blieb keine Wahl, wir mussten handeln und das möglichst rasch. Das war unsere Überzeugung. Uns hat geholfen, dass wir vorbereitet waren. So konnten wir sofort reagieren und gleichzeitig dokumentieren, dass wir weiter handlungsfähig sind.

„Wir müssen uns nicht mehr schämen.“ Stimmt dieses Ihnen zugeschriebene Zitat?

Der Satz bezieht sich auf meine erste Rede als Vorstand, als ich auf die Abstiegssaison zurückgeblickt habe und versprochen habe, dass wir alles dafür tun werden, damit sich unsere Fans nicht mehr für ihren Verein schämen müssen. Das ist wahrlich gelungen. Und dann bleibt so ein Satz offenbar hängen. Es war tatsächlich mein damaliges Gefühl, das ich versucht habe, in passende Worte zu kleiden. Es hat den Nerv getroffen – bei den Anhängern, auch bei den Journalisten, bei allen, die mit Schalke verbunden sind. Zudem habe ich diesen Satz angefügt: „Wir können endlich wieder über Fußball reden.“ Vorher wurden Skandale und andere Dinge thematisiert, danach zum Glück wieder fußballspezifische Sachen wie die taktische Ausrichtung oder die Frage, ob wir mit einem oder zwei Stürmern auflaufen.

Schalke-Boss Peter Knäbel vor Topspiel gegen Werder Bremen: Vor der Saison den Aufstieg als Ziel auszurufen, wäre nicht seriös gewesen

Sie haben als Sportvorstand einen Dreijahresplan entworfen, der schon im ersten Jahr erfüllt werden könnte. Das neue Schalke reüssiert in rasendem Tempo, steht als Tabellenführer vor dem direkten Wiederaufstieg.

Ich denke, wir als Vorstand haben uns bemüht, den richtigen Ton zu treffen. Ich wollte eine glaubhafte Zielsetzung ausgeben. Ich bin zwar grauer und älter geworden, doch immer noch derselbe wie früher. Ich mache keine Versprechen, die nicht einzuhalten sind. Bei über 50 Personalentscheidungen im Sommer kann niemand seriös die Zielsetzung Aufstieg ausrufen. Natürlich kann ich nicht sagen, Schalke spiele jetzt um die Goldene Ananas, das wäre falsch gewesen. Wir waren maximal ambitioniert. Schön, dass es so gut läuft. Wir genießen diese Momentaufnahme.

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Werder musste nach dem Abstieg erst Spieler abgeben und Einnahmen generieren, um dann einkaufen zu können. Schalke ist anders vorgegangen, ist ins Risiko gegangen. Sie haben viele Neuzugänge präsentiert, bevor Sie versucht haben, Spieler zu verkaufen. Wie lassen sich diese gewaltigen Unterschiede in der Transferpolitik erklären?

Es stimmt, das waren zwei grundlegend verschiedene Wege. Doch beide haben zu einer bislang erfolgreichen Saison geführt, wie die Tabelle zeigt. Für mich stellt sich die Frage von richtig oder falsch nicht. Werder war sportlich abgestiegen, doch Schalke hatte eine wahre Bruchlandung hingelegt. Einen sportlichen Niedergang, der begleitet worden ist von der Trennung von bestimmten Verantwortlichen und vielen Unklarheiten. Hier herrschte zeitweise eine Untergangsstimmung, Szenarien wie das Schicksal des 1. FC Kaiserslautern entstanden. Wir mussten Hoffnung säen, mussten den Leuten beweisen, dass es weiter geht. Die Verpflichtung von Simon Terodde war unbeschreiblich wertvoll – sportlich und für das Umfeld. Sie war keine Garantie, aber ein Hoffnungszeichen. Wir hatten uns vorgenommen, von der Marktkenntnis des Sportdirektors Rouven Schröder zu profitieren und bei der Versammlung mindestens elf neue Spieler zu präsentieren. Die Mitglieder sollten ein Bild des neuen Schalke vor Augen haben.

S04-Boss Peter Knäbel vor Topspiel gegen Werder Bremen: „Schalke wird nicht erpressbar sein“

Die Folge davon: Einige gutverdienende Profis konnten nicht für das erhoffte große Geld transferiert, sondern mussten verliehen werden. Neun Leihspieler kommen demnächst zurück. Ein Problem?

Dass das nächste Transferfenster erneut eine Herausforderung darstellt, war und ist uns bewusst. Es gibt in der Tat Personalien, mit denen wir uns erneut befassen werden. Dieser Umstand hat natürlich Einfluss auf die Zahlen und unsere Planungen. Doch wir haben eine finanzielle Handlungsfähigkeit geschaffen, von der wir profitieren.

Wie bewerten Sie das Agieren Ihres Bremer Kollegen Frank Baumann?

Als ich beim HSV gearbeitet habe, ergab sich eine ähnliche Lage: erst verkaufen, dann kaufen. Das ist keine leichte Aufgabe, doch noch schlimmer ist, wenn du als Akteur auf dem Transfermarkt erpressbar bist. Schalke wird nicht erpressbar sein.

Der DFB hat jüngst allen Anwärtern die Lizenz für die 1. Bundesliga erteilt. Hat Schalke bei der hohen Schuldenlast von rund 180 Millionen Euro Auflagen bekommen?

Anders als in der Vorsaison haben wir keine Liquiditätsauflage erhalten. Das bedeutet, dass die kommende Saison durchfinanziert ist. Es gibt lediglich Auflagen bezüglich des negativen Eigenkapitals, was keine Überraschung ist.

Schalke-Boss Peter Knäbel vor Topspiel gegen Werder Bremen: „Es ist ein Spiel, das das Potenzial hat, zum Fußballfest der Saison in der 2. Liga zu werden“

Ist der Zweitliga-Hit am Samstag ein Endspiel um den Aufstieg?

Es ist ein Spiel um Big Points, doch in dieser Partie wird noch nichts entschieden – für beide Seiten nicht. Es ist ein Spiel, das das Potenzial hat, zum Fußballfest der Saison in der 2. Liga zu werden.

Hatten Sie die aktuelle Ergebniskrise der Bremer erwartet?

Allerhöchstens würde ich von einer kleinen Delle in der Formkurve von Werder sprechen. Es war nicht zu erwarten, dass sich die imposante Serie unaufhörlich fortsetzt. Werder ist weiterhin stark, die Mannschaft hat zuletzt nicht gewonnen, aber auch nicht verloren.

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Was macht den derzeitigen Aufschwung der Schalker aus? Ist es allein ein Verdienst der Vereinslegende Mike Büskens, die wieder in der ersten Reihe arbeitet?

Es ist Büskens und seinem Team geschuldet. Die Art, wie „Buyo“ Schalke lebt, zahlt sich aus. Insgesamt stimmt die Teamarbeit, mit der vor der Saison neu aufgestellten Athletikabteilung, den Assistenten Matthias Kreutzer und Simon Henzler sowie dem von außen geholten Co-Trainer Peter Hermann. Ich habe ihn einst beim HSV als zweiten erfahrenen Co-Trainer geholt und ihm die Rolle als Mediator anvertraut.

Sie sind herumgekommen, waren als Spieler im In- und Ausland aktiv und als Sportdirektor sogar beim Schweizer Verband engagiert. Gab es nie eine Anfrage von Werder?

Jein, muss ich korrekterweise antworten. Zu meiner aktiven Zeit war ich mit Bremer Kollegen wie Wynton Rufer, Rune Bratseth und Marco Bode freundschaftlich verbunden. Es gab später mal einen lockeren Kontakt zum Aufsichtsrat Marco Bode, eine Fühlungnahme, ob ich mir einen Wechsel aus der Schweiz vorstellen könne. Die Gespräche wurden aber in keiner Phase konkret. (hgk)

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