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Im Sommer wechselt Niclas Füllkrug von Hannover 96 zu Werder Bremen.

Schlimmer 96-Abschied für Werder-Rückkehrer

Pfiffe für Füllkrug und ein böser Verdacht

Hannover – Er hatte hart gearbeitet, um Hannover 96 nach seinem monatelangen Ausfall wegen eines Knorpelschadens irgendwie noch im Abstiegskampf zu helfen.

Doch dann erlebte Niclas Füllkrug vor seinem Wechsel im Sommer zum SV Werder einen ganz bitteren letzten Nachmittag in der HDI-Arena: Obwohl das Spiel gegen den SC Freiburg beim Stand von 3:0 schon gewonnen und der Abstieg durch die gleichzeitige Stuttgarter 3:0-Führung gegen Wolfsburg bereits besiegelt war, wurde Füllkrug in der 86. Minute noch eingewechselt – und dann von den eigenen Fans übelst ausgepfiffen. So ging es bei jedem Ballkontakt weiter. Füllkrug wirkte geschockt. 

Eine Überraschung war die Reaktion der Fans aufgrund des bevorstehenden Wechsels und der Begleitumstände bei der Bekanntgabe freilich nicht. Bei Werder, so war nach dem dem 1:0-Sieg gegen Hoffenheim zu hören, besteht daher schon der Verdacht, dass der 26-Jährige vorgeführt werden sollte.

Vom möglichen Helfer zum Sündenbock

„Fülle hat sich bereiterklärt, hier noch mal dabei zu sein. Er wollte sich von seinem Publikum verabschieden. Er ist nicht durch die Hintertür rausgegangen und wusste, dass er nicht Standings Ovations bekommt", erklärte derweil 96-Trainer Thomas Doll und lobte: „Ist es nicht großartig, wenn sich so ein junger Kerl noch mal zeigt, weil er den Verein lieben gelernt hat?" Das Problem dabei: Doll brachte Füllkrug erst, als es um nichts mehr ging. Aus dem möglichen Helfer wurde so ein Sündenbock. Vergessen war die Zeit, als der gebürtige Hannoveraner noch als Publikumsliebling durch die Arena stürmte.

„Ich finde es total schade. Was er für den Verein getan hat, dazu ist er Hannoveraner. Er war mit Sicherheit ein bisschen enttäuscht", sagte Kapitän Marvin Bakalorz. Es gab aber auch Stimmen im Team, die Verständnis für das Verhalten der Fans beinhalteten. Schließlich war bei der Bekanntgabe des Füllkrug-Transfers nicht alles glücklich verlaufen. Der SV Werder feierte die Verpflichtung vor ein paar Wochen auf seiner Internetseite mit dem spaßigen Video-Format „Butter bei die Fische“. Füllkrug musste dabei lustige Fragen beantworten, die so gar nicht zur ernsten Lage bei seinem Noch-Arbeitgeber Hannover 96 passten. Werder entschuldigte sich später für diese Respektlosigkeit. Die Fans nahmen es Füllkrug trotzdem noch übel. 

Dazu kommt der Frust, über die nicht gerade üppige Ablösesume. 6,3 Millionen Euro sind nicht viel für einen 26-jährigen Stürmer, der vor einem Jahr auf dem Sprung in die Nationalmannschaft gewesen ist. Dann kam der Knorpelschaden, der dritte in seiner Karriere. Das drückte den Preis. Genauso wie die Tatsache, dass Hannover unbedingt Geld benötigte, um die Zukunft zu sichern. Werder schnappte eiskalt zu.

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Füllkrugs Zukunft heißt bald Bremen. Es ist eine Rückkehr zu dem Club, bei dem er vom Jugendspieler zum Bundesliga-Profi wurde. Dort gibt es hier und da zwar durchaus Skepsis, ob er Werder helfen kann, aber ausgepfiffen wird Füllkrug ganz sicher nicht, sondern sehr freundlich empfangen.

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