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Nach Pizarros Einwechslung wurde Werder plötzlich wieder richtig gefährlich.

Der 39-jährige Stürmer empfiehlt sich für längere Einsätze

Phänomen Pizarro: So wird die Startelf ein Thema

Bremen - Er hatte beim 1:1 gegen Hannover zwar nicht getroffen, war aber doch der Mann des Tages beim SV Werder: Claudio Pizarro verzauberte einmal mehr Bremen.

Keine sechs Wochen vor seinem 40. Geburtstag brachte der Peruaner so viel Schwung ins Spiel, dass nicht nur die Fans beeindruckt waren. Die Kollegen schwärmten, Niklas Moisander brachte ihn sogar als Startelf-Kandidaten ins Spiel – nur Pizarro selbst schwieg.

„Es ist beeindruckend, wie Claudio das macht. Er ist einfach sehr fit“, sagte Moisander. Mit 32 Jahren befindet sich der Finne selbst schon im Herbst seiner Karriere, bei Pizarro dürfte es bereits Winter sein. Wobei sein Auftritt eher an den Frühling erinnerte. 

Fans wären wahrscheinlich total ausgeflippt

Der Angreifer wirkte frisch und spritzig, war nach seiner Einwechslung in der 67. Minute sofort drin im Spiel, forderte die Bälle, verteilte sie – und erarbeitete sich Chancen. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn er eine seiner drei guten Gelegenheiten genutzt hätte. Die Fans wären wahrscheinlich total ausgeflippt. Sie hatten ja schon getobt, als Pizarro vom Warmmachen zur Ersatzbank beordert worden war. Als er dann auf den Platz ging, war es im weiten Rund plötzlich so laut wie beim Torjubel. „Wir wissen natürlich, dass bei seiner Einwechslung etwas im Stadion passiert, auch beim Gegner“, berichtete Trainer Florian Kohfeldt. Aber das Sportliche, dabei vor allem das Taktische sei viel wichtiger gewesen: „Wir brauchten eine Veränderung in der Box.“ Also im Strafraum, wohin Werder gegen Hannover trotz einer gewissen spielerischen Überlegenheit zu selten gelangt war oder zu ungefährlich agiert hatte.

104 Treffer für Werder ist Vereinsrekord

Mit Pizarro gab es auch einen Systemwechsel, weg vom bevorzugten 4:3:3, hin zum 4:4:2 mit einer Raute. Eine Formation, die schon häufig im Training geübt wurde. Sie passt perfekt zu Pizarro. Der Peruaner war eigentlich nur als Joker geholt worden. Doch spätestens mit seinem fast 30-minütigen Auftritt gegen Hannover (inklusive Nachspielzeit) hat er sich durchaus für mehr empfohlen. „Ich denke schon, dass Claudio auch 60 Minuten, vielleicht sogar 90 Minuten spielen kann“, meinte Moisander.

Pizarro war nach seiner Einwechslung sofort drin im Spiel, forderte die Bälle, verteilte sie – und erarbeitete sich Chancen.

Dann hätte Pizarro auch mehr Zeit, sein ohnehin schon prall gefülltes Torekonto aufzubessern. In 447 Bundesliga-Spielen hat er 192 Mal getroffen, davon 104 Mal für Werder, das ist Vereinsrekord. „Der macht schon noch seine Tore, da bin ich mir ziemlich sicher“, prophezeite Kohfeldt und erklärte seinen Optimismus: „Claudio hat sich selbst in diese Abschlusssituationen gebracht.“ Das zeugt von Qualität, die Pizarro auch mit fast 40 Jahren noch hat. „Es ist weltklasse, ihn dabei zu haben“, schwärmte Milos Veljkovic nach dem Spiel beim Werder-Strom-Talk im Vip-Bereich.

Verpflichtung kein PR-Gag

Am Morgen danach, übrigens auf den Tag genau 19 Jahre nachdem er das erste Mal von Werder verpflichtet worden war, stand Pizarro schon wieder auf dem Trainingsplatz, übte mit den Reservisten. Der Stürmer durfte etwas eher in die Kabine. Doch ganz so schnell ging das dann auch nicht. Seine Autogramme sind jetzt noch begehrter. Denn spätestens seit dem Hannover-Spiel weiß wirklich jeder: Die Verpflichtung des 39-Jährigen war kein PR-Gag, sondern eine sportlich und finanziell clevere Entscheidung. 

Pizarro besitzt einen stark leistungsbezogenen Vertrag, kassiert nur wie ein Topstürmer, wenn er spielt. Macht er es wie am Samstag, dann hat er sich das auch verdient.

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