Der SV Werder Bremen hat Philipp Bargfrede keinen neuen Vertrag gegeben. Wechselt der Mittelfeldspieler jetzt nach Australien?
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Der SV Werder Bremen hat Philipp Bargfrede keinen neuen Vertrag gegeben. Wechselt der Mittelfeldspieler jetzt nach Australien?

Bargfrede bei Werder aussortiert - und nun?

Nach Aus beim SV Werder Bremen: Wechselt Philipp Bargfrede jetzt nach Australien?

Bremen – Nach 16 Jahren beim SV Werder Bremen bekam Philipp Bargfrede im Juli keinen neuen Vertrag, nun könnte seine Karriere mit einem großen Abenteuer weitergehen.

Philipp Bargfrede liegt nach Informationen der DeichStube ein Angebot aus der australischen A-League vor. Doch noch hat sich der 31-jährige Mittelfeldspieler nicht entschieden, wie es nach dem Aus bei Werder Bremen weitergehen soll. Interesse gibt es auch bei Clubs aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Aktuell hält sich Bargfrede mit individuellem Training in Bremen fit, wo er mit seiner Familie lebt.

Philipp Bargfrede: Von Werder Bremen nach Australien?

In Australien würde Philipp Bargfrede durchaus einige Bekannte aus der Bundesliga-Zeit mit Werder Bremen treffen. Der Ex-Schaker Alexander Baumjohann spielt zum Beispiel beim FC Sydney, der Ex-Hamburger Nicolai Müller bei den Western Sydney Wanderers. (kni)

Letzte Meldung vom 4. August 2020:

Philipp Bargfrede über sein Aus bei Werder Bremen: „Ich war ziemlich überrascht“

Als am Freitagabend bei Philipp Bargfrede das Telefon klingelte und die Nummer von Sportchef Frank Baumann aufleuchtete, da war der 31-Jährige eigentlich guter Dinge, was seine Zukunft beim SV Werder Bremen betrifft. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich weiter bei Werder spiele und mein Vertrag verlängert wird“, berichtet Bargfrede am Dienstag im Gespräch mit der DeichStube.

Doch es kam anders. Werder Bremen hat Philipp Bargfrede nach 16 Jahren als Spieler bei den Grün-Weißen aussortiert. Und der geht damit um, wie er es bei Rückschlagen immer gemacht hat: „Ich denke schon wieder positiv, freue mich auf eine neue Herausforderung. Ich will auf jeden Fall noch ein paar Jahre spielen.“ Erste Interessenten haben sich auch schon gemeldet.

Aber noch mal zurück zu Werder, zu seinem SV Werder Bremen muss es eigentlich heißen. Denn Philipp Bargfrede ist mit 15 Jahren vom TuS Heeslingen (60 Kilometer von Bremen entfernt) an die Weser gewechselt. Dort feierte er 2009 sein Profi-Debüt, spielte für den Club sogar in der Champions League, stand 205 Mal in der Bundesliga auf dem Platz. Da muss die Enttäuschung doch riesig sein, wenn der Sportchef das Aus mitteilt – und dann auch noch am Telefon. „Frank wollte mich eigentlich treffen, aber ich war nicht in Bremen. Und als ich dann gemerkt habe, in welche Richtung das Gespräch geht, habe ich ihm gesagt: Dann sag‘ es mir jetzt!‘“, erzählt Bargfrede: „Ich war dann ziemlich überrascht, das kam unerwartet für mich, weil es in den Gesprächen nach der Saison eigentlich andere Signale gegeben hatte.“ 

Philipp Bargfrede nach Aus bei Werder Bremen: „Ich bin nicht sauer auf Baumi“

Gerade auch von Trainer Florian Kohfeldt. Offenbar wurde noch einmal umgedacht – und Baumann übernahm dann allein die Aufgabe des Überbringers der schlechten Nachricht. „Natürlich war das enttäuschend, aber deswegen bin ich nicht sauer auf Baumi“, sagt Philipp Bargfrede: „Ich weiß ja wie das Geschäft läuft. Es muss im Sinne von Werder Bremen entschieden werden. Allerdings sehe ich das bei mir natürlich etwas anders als der Verein. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich der Mannschaft noch helfen kann.“

Es geht ums Alter und bei Bargfrede vor allem um die Fitness. Werder will den Kader verjüngen, da kommt das Auslaufen des Vertrags mit einem 31-jährigen Mittelfeldspieler natürlich gerade recht. Außerdem ist der Sechser in seiner Karriere nicht gerade selten ausgefallen. Allein acht Knieoperationen musste Philipp Bargfrede bereits über sich ergehen lassen. Er kämpfte sich aber immer zurück. Wie auch in dieser Saison. Beim Re-Start der Bundesliga nach der Coronapause stand er gegen Leverkusen gleich in der Startelf und gehörte auch in den Partien danach zumindest zu den ersten 15,16 Spielern, kam mehrfach zum Einsatz. 

Werder Bremen: Aussortierter Philipp Bargfrede kann sich einen Wechsel ins Ausland vorstellen

Beim Schicksalsspiel in Mainz ließ ihn Kohfeldt dann trotz Personalnot überraschend draußen und begründete seine Entscheidung später mit den Worten: „,Bargi' ist momentan nicht in der Lage, mehr als 45 Minuten zu spielen.“ Eine Aussage die aufmerken ließ, schließlich war von körperlichen Problemen nichts bekannt gewesen. „Ich habe in dieser Zeit fast alle Einheiten mitgemacht. Ich war so fit, wie man in dieser besonderen Zeit fit sein konnte. Mir fehlte vielleicht etwas der Rhythmus, weil ich nicht regelmäßig gespielt habe“, erinnert sich Philipp Bargfrede und betont: „Ich bin absolut noch in der Lage, auf hohem Niveau zu spielen. Mir geht es körperlich sehr gut. Wenn das nicht so wäre, würde ich nicht weitermachen. Das muss ich mir nicht antun.“

Bargfrede verspürt noch große Lust, auf dem Platz zu stehen. „Ich habe schon in den Modus geschaltet: Was kommt jetzt? Man muss immer nach vorne schauen“, sagt der 31-Jährige. Das war auch sein Credo bei schweren Verletzungen. „So bin ich da immer gut rausgekommen.“ Aufgeben kam für ihn nie infrage. Deswegen hat er sich jetzt auch nicht zurückgelehnt, sondern arbeitet akribisch seinen Trainingsplan ab. „Nach all den Jahren weiß ich ja, was mein Körper braucht, um richtig fit zu sein.“ Klar, er hätte nichts dagegen ihn Norddeutschland zu bleiben. „Es war immer ein Privileg, als Fußball-Profi dort zu spielen, wo auch die Familie und die Freunde leben. Viele meiner Kollegen, gerade die aus dem Ausland, konnten fast nie Termine mit der Familie wahrnehmen, ich fast immer.“ Doch Philipp Bargfrede kann sich auch einen Wechsel ins Ausland vorstellen. „Warum nicht? Es muss einfach nur passen und ich das Gefühl haben, mich mit der Aufgabe voll identifizieren zu können.“

Werder Bremen-Profi Philipp Bargfrede: „Ich dachte, ich beende hier meine Karriere“

So wie er es bei Werder Bremen getan hat und immer noch macht. Gefragt danach, was er am meisten vermissen wird, antwortet der Spieler mit der fast schon legendären Rückennummer 44: „Dieser Moment, wenn du im Weserstadion auf dem Platz stehst und die Fans spüren, dass wir sie brauchen. Dann wird es plötzlich ganz laut. Das hat mich immer unglaublich gepusht.“ Deswegen schmerzt es ihn auch, „dass ich mich in der Coronazeit wegen der Spiele ohne Zuschauer nicht richtig verabschieden kann“. Vielleicht wird das irgendwann nachgeholt. Seine Rückkehr ist dank eines Anschlussvertrags mit der Ausbildung zum Trainer oder Manager schon gesichert.

Das ist die Zukunft, in der Gegenwart will Philipp Bargfrede noch als Spieler zeigen, was er drauf hat und was er mal bei Werder Bremen gelernt hat. Zwei Trainer möchte er da unbedingt noch nennen: Mirko Votava, der ihn in der Jugend betreute, und Thomas Schaaf, der ihn in die Bundesliga brachte. „Beiden bin ich sehr, sehr dankbar“, sagt Bargfrede über die beiden Werder-Legenden, die erst als Spieler und dann als Trainer so wichtig für den Club waren. „Bargi“ kann einen ähnlichen Weg gehen, muss dafür nun aber wohl erstmal einen Umweg über einen anderen Club nehmen. „Damit hatte ich eigentlich nicht mehr gerechnet. Ich dachte, ich beende hier meine Karriere“, gesteht Bargfrede: „Aber jetzt habe ich schon richtig Lust darauf, etwas Neues zu erleben.“ (kni)

Zur letzten Meldung vom 3. August 2020:

Das traurige Ende der 44: Werder Bremen sortiert Philipp Bargfrede aus – Urgestein jetzt auf Clubsuche

Für Spieler wie ihn wurde der Begriff Urgestein geschaffen, wenngleich Philipp Bargfrede das nicht gerne hören wird. Das klingt so unbeweglich – und der 31-Jährige will sich noch einige Jahre als Fußball-Profi bewegen. Nur beim SV Werder Bremen darf er das künftig nicht mehr.

Der Verein hat Philipp Bargfrede nach 205 Bundesliga-Einsätzen in Grün-Weiß aussortiert, gibt ihm keinen neuen Vertrag mehr. Damit endet eine Ära. Die Rückennummer 44 ist Vergangenheit beim SV Werder Bremen. Denn unter normalen Umständen darf sie nicht mehr vergeben werden, weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Nummern über 40 eigentlich untersagt. Ein schwacher Trost für Bargfrede und seine Fans.

„Wenn ich an die zurückliegende Zeit denke, kann ich nur sagen, dass es mich mit Stolz und großer Dankbarkeit erfüllt, eine so lange Zeit bei diesem einmaligen Verein erleben und mit prägen zu dürfen“, schreibt Philipp Bargfrede in einem offenen Brief, der auf der Internetseite des Clubs veröffentlicht wurde. 2004 war Bargfrede als Jugendspieler vom TuS Heeslingen an die Weser gewechselt, 2009 feierte er sein Bundesliga-Debüt. Ohne seine zahlreichen Verletzungen wäre er wahrscheinlich Nationalspieler geworden, 

Werder Bremen: Die „Institution“ Philipp Bargfrede muss gehen

Philipp Bargfrede galt als einer der besten Sechser der Liga. Bei Werder Bremen war er als Staubsauger vor der Abwehr unangefochtener Stammspieler, wenn nicht mal gerade ein Knie operiert oder die Achillessehne geschont werden musste. Unglaubliche acht Knieoperationen stehen in seiner Krankenakte, doch jedes mal kehrte er aufs Spielfeld zurück. Ein echtes Stehaufmännchen, ein sympathisches und ziemlich bodenständiges dazu. Immer freundlich, aber auf dem Platz knallhart.

„Philipp war hier eine Art Institution. Das war menschlich keine leichte Entscheidung“, berichtete Sportchef Frank Baumann. Dass er sie auch noch telefonisch überbringen musste, schmeckte dem Ex-Profi überhaupt nicht: „Es ging nicht anders, weil er nicht in Bremen war, aber sofort informiert werden wollte. Wir haben die Entscheidung so getroffen, um unsere Mannschaft zu verjüngen und um eine entwicklungsfähige Mannschaft aufzubauen.“ Quasi als Ersatz wurde bereits der 25-jährige Patrick Erras vom 1. FC Nürnberg verpflichtet.

Werder Bremen: Fest steht, dass Philipp Bargfrede nach seinem Karriereende zurückkehren wird

Auch die Fitness spielte im Fall Philipp Bargfrede eine Rolle. In der Rückrunde merkte Trainer Florian Kohfeldt mal an, dass Bargfrede eigentlich nur noch eine Stunde lang einsatzfähig sei. Der Begriff „individuelle Belastungssteuerung“ wurde bei Werder Bremen wahrscheinlich auch wegen Bargfrede erfunden, um damit zu beschreiben, warum ein Spieler nicht draußen mit den Kollegen, sondern in den Katakomben des Weserstadions trainiert. Vergangene Saison traf das gefühlt auf fast jeden zweiten Werder-Profi mit Claudio Pizarro ganz vorneweg zu.

Der Peruaner hat mit 41 Jahren seine Karriere beendet. Für den zehn Jahre jüngeren Bargfrede ist das kein Thema. „Jetzt freue ich mich auf das, was vor mir liegt und auf die neuen Herausforderungen. Ich fühle mich fit, und möchte meine Karriere als Spieler weiter fortsetzen.“ Wo das sein wird, erwähnt Philipp Bargfrede nicht. Klar ist aber: Wenn seine Karriere eines Tages vorbei ist, wird er zu Werder Bremen zurückkehren. Das ist längst abgemachte Sache. Im Verein wird er – genau wie Clemens Fritz – ein Traineeprogramm absolvieren. „Dann werde ich mich freuen, ein neues Werder-Kapitel aufzuschlagen.“ (kni/dco)

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