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Philipp Bargfrede oder Nuri Sahin? Das ist bei Werder Bremen die Frage.

Luxusproblem beim Werder-Coach

Sahin oder Bargfrede? Kohfeldt bei Werder Bremen vor „kniffliger“ Entscheidung

Es ist ein wiederkehrendes Rechenspiel. Seit Jahren schon wird es in Bremen regelmäßig angewandt. Weil es so prägnant ist, mit nackten Zahlen ausdrückt, was sonst ein abstraktes Gefühl geblieben wäre: Mit Philipp Bargfrede ist der SV Werder Bremen besser als ohne.

Das ließ sich zwar im Testspiel gegen den FC St. Pauli am Freitagabend nicht ablesen, doch die Gründe für die 0:1-Pleite lagen gewiss nicht bei Bargfrede. „Defensiv fand ich ihn sehr gut. Er hat gut antizipiert, hat gut Bälle abgefangen“, lobt Trainer Florian Kohfeldt den Einsatz des 30-Jährigen. 64 Minuten hatte Bargfrede als Chef einer Fünferkette um Ordnung in der Defensive des SV Werder Bremen gekämpft, dann waren die Kräfte am Ende. Dennoch war das Spiel auf seinem Weg zurück zu alter Stärke eine wichtige Station gewesen. Denn nun lässt sich sagen: Bargfrede ist wieder richtig da! 

Nach seiner Knie-OP im Mai ist er nahezu uneingeschränkt einsatzfähig, die Fitness reicht für mehr als eine Stunde, in einer Woche im Spiel gegen Hertha BSC vielleicht auch schon für 90 Minuten. Was das für Werder bedeutet, wäre noch vor einiger Zeit gar keine Frage gewesen. Bargfrede wäre sicher ein Teil der Startelf. Doch die Verhältnisse haben sich geändert. Sicher ist nichts mehr. Auch nicht für Philipp Bargfrede.

Werder Bremen: Nicht mehr abhängig von Philipp Bargfrede

Wann immer der Mittelfeldabräumer in der Vergangenheit wegen einer Verletzung länger ausfiel, kamen die Statistiker, rechneten aus, wie viele Punkte die Bremer mit „Bargi“ auf dem Platz geholt hatten. Und wie viele ohne ihn. Das Ergebnis: Durchschnittlich waren es stets mehr, wenn Bargfrede über den Platz pflügte, als wenn er angeschlagen auf der Tribüne saß. Folgender Satz, ausgesprochen von Trainer Florian Kohfeldt im Januar 2019, wirkte da fast zwangsläufig: „Philipp Bargfrede eins zu eins zu ersetzen, ist sehr, sehr schwierig.“

Und dennoch: Die alte Faustregel „Wenn Bargfrede fit ist, spielt er“ – sie hat bei Werder Bremen inzwischen ihre Gültigkeit verloren. „Diesen Automatismus, dass wir dermaßen abhängig von Philipp sind, wie wir es eine Zeit lang mal waren, gibt es nicht mehr“, sagt Kohfeldt, der in seiner Trainerkarriere zwar „noch nie an Bargi vorbeigekommen“ ist und ihn nach wie vor für einen „unfassbar guten“ Bundesligaspieler hält, ihm aber keine Garantien mehr aussprechen mag. Was wiederum an Nuri Sahin liegt: „Bargi hatte noch nie einen so starken Konkurrenten.“

Werder Bremen: Nuri Sahin in dieser Saison immer in der Startelf

Sahin stand – mit Ausnahme des Leipzig-Spiels, für das er gesperrt war – in dieser Saison immer in Werders Startelf. Und hat als Sechser oder zentraler Mann in der Dreierkette durchgängig ordentliche bis sehr gute Leistungen abgeliefert. „Nuri hat in den ersten Wochen eine brutale Bedeutung für die Mannschaft gehabt“, betont Kohfeldt – und stellt direkt klar: „Die wird er auch weiterhin haben. Ich werde an seinem Status nicht rütteln.“ Logischer Schluss: Bargfrede auf die Bank? Ganz so einfach und absolut sieht Kohfeldt die Sache jedoch nicht.

„Es kann sein, dass er sich sofort wieder festspielt und uneingeschränkter Stammspieler ist. Es kann aber auch sein, dass es ein bisschen dauert oder dass wir es von Spiel zu Spiel entscheiden“, erklärt der Coach und lässt sich mit dieser Aussage alle Optionen offen. Kohfeldt steht plötzlich vor dem Luxusproblem, zwei starke Sechser in seinem Kader zu haben, die ihm taktisch jeweils andere Möglichkeiten bieten.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt steht vor „superschweren Entscheidungen“

„Wenn wir aus einer tieferen Position das Spiel gestalten müssen und wollen, ist Nuri der richtige Mann. Wenn der Sechser im Grunde unser Spielmacher ist. Er ist immer in der Lage, den tödlichen Pass zu spielen, und verteidigt zudem gut auf engem Raum“, sagt Kohfeldt. Und über Bargfrede: „Bargi ist sehr gut darin, den Ball in die Zwischenräume zu spielen. Und er geht im Mittelfeld weite Wege.“

Kohfeldt weiß, dass in den kommenden Wochen viele „superschwere Entscheidungen“ auf ihn zukommen werden. Zwar denkt der Coach auch über eine Lösung mit Sahin und Bargfrede gemeinsam auf dem Platz nach, was in der Theorie auch gut klingt, in der Praxis aber eher die Ausnahme bleiben dürfte: „Eine Dreierkette mit Nuri in der Mitte und Bargi davor würde ihre Stärken vereinen. Es wird spannend, es wird knifflig.“ (dco/csa)

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