Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im DeichStube-Interview über einen möglichen Investor, seine angestrebte Wiederwahl und Kritiker!
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Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im DeichStube-Interview über einen möglichen Investor, seine angestrebte Wiederwahl und Kritiker.

Werder-Präsident im Interview

„Ich bin ein starker Präsident“: Hubertus Hess-Grunewald über seine angestrebte Wiederwahl beim SV Werder und lautstarke Kritiker

Bremen – Seit 2014 ist Hubertus Hess-Grunewald bereits in Doppelfunktion für den SV Werder Bremen tätig - als Präsident des Vereins sowie als Geschäftsführer der ausgegliederten Kapitalgesellschaft. Das wird sich künftig ändern. Während der Mitgliederversammlung stellt sich der 62-Jährige am Sonntag zur Wiederwahl als Präsident, wird nach einer geplanten Satzungsänderung aber aus der Geschäftsführung ausscheiden und den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen. Im Interview mit der DeichStube erklärt Hubertus Hess-Grunewald, wie er mit Kritikern umgeht und warum das Tischtuch zu seinem Vorgänger Klaus-Dieter Fischer zerschnitten ist. Außerdem spricht der Jurist über das stockende Großprojekt Leistungszentrum sowie den geplanten Einstieg eines Investors beim SV Werder Bremen.

Hubertus Hess-Grunewald, die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen findet am Sonntag erstmals im edlen Konzerthaus „Die Glocke“ statt, wann spielt denn Ihr Club in der Bundesliga wieder die erste Geige?

(lacht) Was für eine Frage! Dass wir als Aufsteiger mit dem Ziel Klassenerhalt nach 15 Spieltagen auf Platz neun stehen, klingt für mich schon nach erster Geige. Wir können mit der sportlichen Entwicklung zufrieden sein. Aber es ist immer eine Momentaufnahme, das Geschäft ist gnadenlos. Das wissen wir spätestens seit 2021, als wir nach 24 Spieltagen mit 30 Punkten dachten, wir seien schon durch und alles ganz anders kam.

Das kann grundsätzlich auch bei Abstimmungen passieren. Bei Ihrer ersten Wahl zum Werder-Präsidenten gab es vor acht Jahren allerdings keine Gegenstimme und nur zwei Enthaltungen. Was erwarten Sie am Sonntag für ein Ergebnis?

Ich würde mich über eine breite Zustimmung freuen, rechne aber auch mit Gegenstimmen. Es findet gewiss nicht jeder gut, wie klar ich mich an der einen oder anderen Stelle positioniert habe.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald: „In den Gremien des Vereins spüre ich einen sehr großen Rückhalt“

Spüren Sie Gegenwind?

In den Gremien des Vereins nicht, da habe ich einen sehr großen Rückhalt. Aber die Debatte zur nun geplanten Satzungsänderung hat gezeigt, dass es Menschen gibt, die mich nicht mehr so gerne auf meiner Position sehen. Die haben sich auch Gehör verschafft.

Wen meinen Sie damit?

Es gab ja die Initiative „Kein weiter so“ mit der klaren Positionierung, Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald müssen weg. Da gab es prominente Unterstützer.

Sie meinen Willi Lemke und Jörg Wontorra.

Genau, beide haben das exponiert vertreten. Damit muss man leben, was aber nicht immer ganz einfach ist. Denn mit vielen dieser Personen habe ich lange sehr gut zusammengearbeitet, dazu zählt auch Klaus-Dieter Fischer.

Ihr Vorgänger . . .

Ohne seine Unterstützung wäre ich nie Präsident geworden. Da habe ich immer noch eine persönliche Dankbarkeit. Danach sind wir leider nicht mehr miteinander klargekommen. Auslöser war, dass ihm das Präsidium das von ihm reklamierte Recht, lebenslang an Präsidiumssitzungen teilnehmen zu dürfen, verwehrt hat. Danach hat er sich öffentlich mehrfach sehr, sehr kritisch über mich geäußert. Das führte dazu, dass er nicht mehr in der Geschäftsführer-Loge sitzt.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald über Verhältnis zu Klaus-Dieter Fischer: „Er will keine Versöhnung“

Ist dieses Verhältnis nicht mehr zu kitten?

Ich würde nie nie sagen, aber ich kenne Klaus-Dieter sehr lange, er ist sehr konsequent in seinem Handeln. Er sieht das Tischtuch zu uns als zerschnitten an und will keine Versöhnung.

Wie war es mit Willi Lemke?

Wir haben damals im Aufsichtsrat sehr eng und gut zusammengearbeitet und zum Beispiel die Verträge mit Klaus Allofs ausgehandelt. Willi hat mir zu Beginn meiner Präsidentschaft sehr geholfen, war ein Ratgeber, ein guter Freund. Doch 2020 sind wir aufgrund unterschiedlicher Meinungen zur damaligen Trainerfrage auseinandergekommen, weil wir anders gehandelt haben, als er gefordert hat. Ab da waren Willi und ich nicht mehr einer Meinung – leider.

Gibt es auch da keine Chance auf Versöhnung?

Ich schätze Willi nach wie vor, er hat viel für Werder getan. Aber auch diese Konfliktsituation ist nicht von mir ausgegangen.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunwald über Kritiker: „Bin keiner, der von oben mit der Peitsche knallt“

Kritiker werfen Ihnen gerne vor, Sie seien ein schwacher Präsident, der sich nicht durchsetzen kann.

Das ist eine Frage der Sichtweise. Im Sinne einer modernen, kooperativen Führung bin ich ein starker Präsident, weil ich Dinge zulasse und andere Meinungen höre, weil ich souverän genug bin, Führungskräften Raum zur Entfaltung zu geben. Ich bin keiner, der von oben mit der Peitsche knallt, das ist nicht mein Stil. Der Verein hat sich in meiner Präsidentschaft sehr positiv entwickelt.

Inwiefern?

Wir haben die Mitgliederzahl von 35.000 auf 42.000 gesteigert. Der eingetragene Verein steht wirtschaftlich sehr gut da. Die Abteilungen funktionieren. Wir haben unsere Rolle als Gesellschafter der Kapitalgesellschaft noch mal akzentuiert. Meine Bilanz ist also gut.

Das Nachwuchsleistungszentrum ist aber immer noch marode, dabei haben Sie vor acht Jahren eine Runderneuerung als großes Ziel genannt.

Wir haben hier eine Sondersituation mit Anwohnerrechten und Hochwasserschutz. Dazu kamen die Corona-Pandemie und der Abstieg. Trotzdem haben wir jetzt das Moderationsverfahren. Natürlich kommen morgen noch nicht die Bagger. Aber ich halte einen großen Konsens aller Beteiligten und eine Lösung in der Pauliner Marsch weiterhin für möglich.

Wer soll das eigentlich bezahlen?

Ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand wird es nicht gehen, wenn weiterhin gilt: Werder gehört nach Bremen. Natürlich müssen auch wir einen Eigenanteil leisten.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald über einen Investor: „Wollen einen strategischen Partner“

Dazu passt das Dauerthema Investor. Ihr künftiger Aufsichtsratskollege Harm Ohlmeyer ist da sehr umtriebig, will den Verein spätestens im Frühjahr entsprechend vorbereitet wissen. Interessenten soll es geben. Wie wahrscheinlich ist ein Abschluss?

Das kann man in Prozenten schwer beschreiben. Es gab in all den Jahren immer wieder Gespräche, vor etwa drei Jahren sogar ein konkretes Angebot, das wir abgelehnt haben, weil es nicht zu uns passte. Wenn wir darüber nachdenken, sehen wir keinen Investor, der nur an die Rendite denkt, sondern einen strategischen Partner, der mit uns gemeinsam einen Weg geht. Dieses Geld könnte dabei helfen, uns in die Lage zu versetzen, das Unternehmen zu modernisieren, in die Infrastruktur zu investieren und auch in den Kader.

Wer würde den Verkauf von Anteilen entscheiden?

Das Präsidium des e.V., das ist der Eigentümer. Bei einer Beteiligung über 50 Prozent müsste allerdings laut Satzung die Mitgliederversammlung entscheiden – mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit.

Sie haben Ihre Rechtsanwaltskanzlei aufgegeben, um hauptamtlich als Werder-Geschäftsführer arbeiten zu können. Diesen lukrativen Job verlieren Sie nun und behalten nur das Ehrenamt des Präsidenten, dazu kommt der Vorsitz im Aufsichtsrat. Wie rechnet sich das für Sie?

Ich gebe in der Tat meinen gut dotierten Geschäftsführerposten auf und werde in jedem Fall erhebliche Einkommenseinbußen haben. Dazu bin ich aber auch bereit. Nicht, weil ich vermögend bin, sondern, weil ich glaube, dass es in der Struktur für Werder der bessere Weg ist und diesem Verein hilft, sich zukunftsfähiger aufzustellen. Und zu mir: Mit Listenplatz neun werde ich als SPD-Kandidat sehr wahrscheinlich im Frühjahr in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Das ist zwar nur ein Teilzeit-Parlament, garantiert aber auch Einkünfte. Und die Gremien bei Werder überlegen, wie sie meine künftige Tätigkeit als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender vergüten. Für diese Themen soll ein Vergütungsausschuss eingerichtet werden, der auch extern beraten wird. Ich muss dann akzeptieren, was für meine Arbeit als angemessen angesehen wird. Die Summe wird sicher nicht an mein Gehalt als Geschäftsführer heranreichen, aber das ist okay so.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald: „Wenn ich gewählt werde, möchte ich die vollen vier Jahre machen“

Satzungsgemäß gibt es bei der Wahl keinen Gegenkandidaten, der Wahlausschuss hat nur Sie vorgeschlagen. Es heißt, dass sich keine Interessenten gemeldet hätten. Was bedeutet das für einen so großen Verein wie Werder?

Na ja, es hat sich in den vergangenen Jahren eben niemand so profiliert, dass er nun ein echter Gegenpol zu mir wäre und eine breite Unterstützung sicher hätte. Es hat tatsächlich keiner seinen Hut in den Ring geworfen. Einige spielen vielleicht auf Zeit, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. 

Vielleicht wäre es anders und demokratischer, wenn man direkt zur Wahl stehen würde.

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob eine echte Wahl, also mit einer Auswahl, demokratischer wäre. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass Clubs, die sich dieser harten Auseinandersetzung stellen, oft eine Spaltung erleben. Ich denke da an den Hamburger SV oder Hertha BSC. Es bleibt immer ein großes Lager der Unterlegenen zurück. Das wieder zu einen, ist gar nicht so einfach. Deswegen haben wir vor 20 Jahren bei der Erstellung der Satzung entschieden, dass wir ein von den Mitgliedern gewähltes Gremium vorschalten. Das machen Vereine wie der SC Freiburg ähnlich.

Sie haben Ihr Alter angesprochen. Ihr Vorgänger Klaus-Dieter Fischer hat mit 74 Jahren aufgehört, Sie sind jetzt 62 – wie lange wollen Sie Werder-Präsident sein?

Wenn ich gewählt werde, möchte ich die vollen vier Jahre machen. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich erreiche dann das gesetzliche Rentenalter und muss ganz ehrlich sagen: Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen. Wir führen quasi eine Ehe zu dritt, in der Werder Bremen den Rhythmus vorgibt, was Termine angeht. Auch wenn man privat etwas unternimmt, ist man immer in seiner Werder-Rolle. Ich weiß nicht, ob ich das mit Mitte 60 noch haben möchte. (kni)

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