Birte Brüggemann kümmert sich seit mehr als 15 Jahren um den Frauenfußball beim SV Werder Bremen.
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Birte Brüggemann kümmert sich seit mehr als 15 Jahren um den Frauenfußball beim SV Werder Bremen.

Werder-Frauen vor großem Freiburg-Spiel

Der weite Weg ins Weserstadion: Die Werder-Frauen starten durch!

Bremen – Birte Brüggemann kennt sie alle, die Blicke, die Sprüche, die Widerstände. Als sie damals in der Mitte der 1980er-Jahre mit dem Fußballspielen begann, da war dies den Frauen gerade etwas mehr als ein Jahrzehnt wieder offiziell erlaubt worden. Fortan war sie eine Exotin auf Schulhöfen und Bolzplätzen, im Abitur benötigte sie gar eine Sondergenehmigung, um einfach nur kicken zu dürfen. Das hat geprägt. Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich die einstige Bundesligaspielerin nun beim SV Werder Bremen um den Frauenfußball, formte die Abteilung mit ein paar Mitstreitern zu dem, was sie heute ist. Das ging nicht immer konfliktfrei, aber dafür nicht selten steil nach oben. Den vorläufigen Höhepunkt gibt es jetzt am kommenden Samstag, wenn Werders Erstligateam nicht auf dem gewohnten Platz 11, sondern im großen Wohninvest Weserstadion aufläuft. Doch der Weg dorthin war weit – und er ist noch lange nicht beendet.

„Die Grundfrage ist ja immer, in welchen Bereichen wir uns – auch nachhaltig – verbessern können und wollen“, sagt Brüggemann im Gespräch mit der DeichStube. „Meine Aufgabe als Führungskraft ist es ja auch, immer wieder auf gewisse Missstände hinzuweisen und ein gewisses Wachstum zu fordern, denn sonst entwickeln wir uns nicht weiter.“ Dieses unbändige Engagement wird gleichermaßen geschätzt wie gefürchtet, vielleicht zum Teil auch verhöhnt. Doch die 51-Jährige ist sich nicht zu schade, auch mal anzuecken, den Ruf der ewig Unzufriedenen verpasst zu bekommen. Werder Bremens jüngste Neustrukturierung und nicht zuletzt der Rückenwind durch die Frauen-Europameisterschaft im vergangenen Sommer haben dafür gesorgt, dass Birte Brüggemann nicht mehr die einzige Stimme ist, die durch den stillen Wald schallt. „Mittlerweile habe ich im Verein mehr Mitstreiter, die das Thema vorantreiben, wodurch ich mich auch mal zurücknehmen kann“, erklärt sie. „Dadurch wird die Diskussion insgesamt inhaltlicher, weil wir mit mehreren Leuten über verschiedene Themen sprechen. Das macht es mir einfacher. Und nur dadurch kommt man nun schneller voran.“

Werder Bremens Birte Brüggemann: „Personell sind wir im Vergleich zur Liga überschaubar besetzt“

Zentrales Element dieser Feinjustierung ist Frank Baumann. Werder Bremens Sportchef ist seit mehr als sechs Jahren für die Bundesliga-Profis des Clubs zuständig, kümmert sich um Transfers und sonstige Belange des Teams. Seit September verantwortet der 47-Jährige auch den Frauenbereich, arbeitet vor allem erst einmal an strukturellen Dingen, die optimiert werden müssen. „Ich tausche mich derzeit intensiv mit Frank aus und er gibt mir einen tiefen Einblick in seinen bisherigen Bereich, aus dem wir einiges übernehmen können“, sagt Birte Brüggemann. „Zudem ist Frank natürlich eine Persönlichkeit, was öffentlich noch einmal für eine sehr positive Aufmerksamkeit sorgt.“

Der Wunsch nach Veränderungen ist groß. Das fängt bei der sehnsüchtig erwarteten Klärung der LZ-Debatte an und geht hin zur Anzahl der Angestellten. „Personell sind wir im Vergleich zu der Liga überschaubar besetzt. Unsere gesamte Abteilung besteht aus vier Hauptamtlichen plus zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, die uns zwar unterstützen, aber eigentlich in anderen Geschäftsbereichen eingeordnet sind“, rechnet Birte Brüggemann vor. „Großzügig würde ich jetzt also sagen, dass wir zu sechst sind. Andere Vereine haben diese oder noch eine höhere Anzahl allein für ihre erste Frauen-Mannschaft. Das ist für uns auf Dauer mit unserem Qualitätsanspruch nicht zu schaffen.“ Bei Themen wie diesen soll es nun auch mit der Hilfe von Frank Baumann gelingen, Synergien beim SV Werder Bremen zu nutzen, Brücken zu schlagen, Hürden zu überwinden. Wo bisher parallel gearbeitet wurde, soll nun gebündelt agiert werden.

Frauen-Bundesliga: Werder Bremen trifft gegen den SC Freiburg erstmals im Weserstadion an

Damit der Frauenfußball der Bremer künftig noch heller strahlt. 2006 entschied sich Werder Bremen dazu, die Abteilung im Grunde aus dem Nichts fortan zu etablieren. Birte Brüggemann war in all der Zeit dabei. „Gekündigt habe ich innerlich schon zig Male. Den Stress, den der Beruf mit sich bringt, darf man nicht unterschätzen. Das kann unter Umständen an die Gesundheit gehen“, mahnt sie. Und blieb dennoch. „Er gibt aber auch unheimlich viel positive Energie, wenn es vorangeht.“ So sah Brüggemann, wie eine Erfolgsgeschichte entstand. Es folgte Aufstieg um Aufstieg, irgendwann ging es bis in die Bundesliga. Nicht konstant, aber immerhin. „Ich wünsche mir einfach mal eine Saison in ruhigem Fahrwasser, aber am Ende gab es bislang immer Druck“, sagt die gebürtige Bremerin. „Entweder müssen wir aufsteigen oder sollen möglichst nicht absteigen.“

Auch aktuell wird wieder gekämpft. Gute Leistungen gab es zwar, trotzdem hängt Werder Bremen nach sieben Spieltagen mit nur zwei Zählern im Tabellenkeller fest. Eine schwierige Ausgangslage also vor dem großen Spektakel gegen den fünfplatzierten SC Freiburg. „Ausgerechnet dieses Jahr stehen wir nicht so gut da, das tut schon weh“, gibt Brüggemann zu. „Gerade weil jetzt dieser Rückenwind da ist.“ Soll heißen: Rund um die Abteilung tut sich viel, dank des guten Abschneidens der deutschen Nationalmannschaft steht der Frauenfußball wieder im öffentlichen Fokus, die neu geregelte Vergabe von Fernsehgeldern und sonstige Partnerschaften sorgen für einen kräftigen monetären Zuschuss. „Es gibt nächstes Jahr durch den neuen TV-Vertrag mit hoher Wahrscheinlichkeit größere finanzielle Möglichkeiten“, meint Birte Brüggemann und betont: „Deshalb ist es so wichtig, in dieser Liga drin zu bleiben.“

Werder Bremens Birte Brüggemann: „Bei der aktuellen Zuschauerzahl werden wir wahrscheinlich nichts zuzahlen müssen“

Ein Sieg gegen die Elf aus dem Breisgau wäre da eine große Hilfe. Doch der Grat zwischen Genuss und Druck ist für die Bremerinnen schmal. „Bisher ist die Mannschaft insbesondere dann, wenn es Rückenwind gab, sehr stark aufgetreten. Deshalb ist unsere Hoffnung, dass sie auch dieses Mal von den Fans getragen und positiv gestärkt wird – selbst wenn mal etwas nicht gelingt“, erklärt Birte Brüggemann. Damit es am Ende tatsächlich das große Fest vor mehr als 15.000 Zuschauern wird, das sich alle wünschen. „Wir werden sehr viele Familien im Stadion haben, bei denen Eltern das erste Mal mit ihrem Kind kommen, nicht so viel bezahlen müssen und trotzdem ein echtes Stadionerlebnis haben werden“, freut sich die Abteilungsleiterin des SV Werder Bremen. „Auch viele Mädchenfußballmannschaften werden da sein, die dortigen Spielerinnen können jetzt einfach mal ihre Vorbilder sehen.“

Dieser Event-Charakter ist enorm wichtig. Werder Bremen braucht ihn, um die Aufmerksamkeit in Bremen weiter auf den Frauenfußball zu lenken. Sonst könnte der Wunsch nach Nachhaltigkeit ein frommer bleiben. „Bei der aktuellen Zuschauerzahl werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest nicht zuzahlen müssen“, sagt Brüggemann mit Blick auf den großen Tag im Wohninvest Weserstadion. Werder braucht dafür, so ist zu hören, wohl 15.000 Fans in der Arena. Wie der Verein am Mittwoch mitteilte, ist diese Marke an Tickets bereits übertroffen worden. Es ist der nächste kleine Schritt eines langen Weges. Doch wer wüsste besser als Birte Brüggemann, dass man auch mit kleinen Schritten weit kommen kann. „Wir brauchen Geduld, das wissen wir alle. Da kommt jetzt nicht Frank Baumann, schnipst einmal mit den Fingern und alles funktioniert.“ (mbü)

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