In zwei Wochen startet Coach Markus Anfang (li.) mit Werder Bremen in die neue Saison. Doch für Sportchef Frank Baumann gibt es bis dahin in Sachen Transfers noch einiges auf dem Zettel.
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In zwei Wochen startet Coach Markus Anfang (li.) mit Werder Bremen in die neue Saison. Doch für Sportchef Frank Baumann gibt es bis dahin in Sachen Transfers noch einiges auf dem Zettel.

Werder-Bestandsaufnahme

Personal, Probleme, Positionsspiele - zwei Wochen vor dem Start ist der SV Werder Bremen längst noch nicht startklar

Bremen – Nur noch zwei Wochen, dann geht es los in Liga zwei. Bundesliga-Absteiger Werder Bremen startet am 24. Juli gegen Hannover 96 in die neue Saison und in die Mission Wiederaufstieg. Doch auch nach dem Trainingslager im Zillertal ist die Mannschaft vor allem eins: unfertig.

In allen Teambereichen gibt es personelle Fragezeichen – an der einen Stelle werden noch Spieler gehen, an anderer Stelle noch welche gebraucht und vielleicht auch geholt. Es gibt echte Lichtblicke wie die Jugend-Power im Sturm, und Problemzonen wie rechts in der Viererkette. Aber es gibt auch einen – gemessen an den Spielen von Werder Bremen im Zillertal gegen ZSKA Sofia (1:0) und Zenit St. Petersburg (2:2) – erstaunlich positiven allgemeinen Leistungsstand. „Die Abläufe gegen den Ball sind gut, das können wir umsetzen. Wir sind die Zweikämpfe hart angegangen und können sagen, dass wir abgerufen haben, was wir in der 2. Liga brauchen werden“, lobte Cheftrainer Markus Anfang, schränkte aber auch ein, dass gegen Hannover schon wieder alles anders sein kann: „Ich kann nicht mal sagen, wie dann der Kader aussehen wird.“ Das Team sei eben in jeder Hinsicht „in einem Prozess der Entwicklung“. Und ist dabei bislang in den jeweiligen Bereichen hinsichtlich Personal und Struktur unterschiedlich weit gekommen. Ein Streifzug durch die Mannschaftsteile:

Das Tor von Werder Bremen

Obwohl er in der laufenden Vorbereitung noch nicht eine Minute spielen konnte, hat sich Jiri Pavlenka doch ganz klar in die Pole Position gebracht. Mittels Worten. Sein Berater verriet, dass der Tscheche wohl bei Werder Bremen bleiben wird. Und dann bliebe er auch die Nummer eins im Bremer Tor. Wer in diesem Fall sein Stellvertreter wird, ist nach Informationen der DeichStube bereits geklärt. Aber nicht, weil sich Trainer Markus Anfang auf Michael Zetterer oder Stefanos Kapino festgelegt hätte, sondern weil die Initiative vom Spieler selbst ausgeht. Kapino würde sich nach zweieinhalb Jahren auf der Bremer Bank und einem Abstecher zum SV Sandhausen nicht erneut hinter Pavlenka anstellen. Hieße: Wechsel und Nummer-zwei-Status für Zetterer.

Die Innenverteidiger bei Werder Bremen

Personell hat sich in diesem Bereich bislang am meisten getan. Die Verpflichtungen von Anthony Jung (ablösefrei von Bröndby Kopenhagen) und Lars Lukas Mai (ausgeliehen von Bayern München) stärken die Innenverteidigung und geben Werder Bremen den Spielraum, noch einen oder sogar zwei zentrale Abwehrspieler (zur Auswahl: Toprak, Veljkovic, Friedl) abzugeben. Aktuell gibt es jedoch das Problem, dass sich noch kein Duo herauskristallisiert hat, das zum Saisonauftakt erste Wahl sein wird. Jung verpasste krank die Spiele im Trainingslager, Mai ist erst seit etwas mehr als einer Woche bei der Mannschaft, Friedl genießt noch EM-Sonderurlaub. Kurzfristig könnte es auf die Kombination Toprak/Jung hinauslaufen, langfristig hängt alles davon ab, wer noch verkauft wird. In der Innenverteidigung gilt jedoch am meisten, was Coach Anfang nach acht Tagen im Zillertal als Erkenntnis mit nach Bremen nahm: „Jeder hat gefühlt, dass wir Abgänge adäquat ersetzen können.“

Die Außenverteidiger bei Werder Bremen

Bei den Außenverteidigern ist das aber mehr ein Versprechen als schon ein Fakt. Speziell rechts ist die Auswahl dünn. Das Personal dort bilden der eigentlich im Mittelfeld beheimatete Manuel Mbom und Simon Straudi. Letzterer wird aber nicht bleiben, sondern von Werder Bremen abgegeben. Also besetzt vorerst nur Mbom, der Ungelernte, die Position, die neun Jahre lang Theo Gebre Selassie gehört hatte. Allenfalls Felix Agu gibt der Kader als Alternative her. Der 21-Jährige hat zwar die Begabung, sowohl links als auch rechts zu spielen, die Begabung, sich zweiteilen zu können, besitzt er jedoch nicht. Gebraucht werden wird er vor allem auf links, wo Noch-Urlauber Ludwig Augustinsson seinen Platz in diesem Sommer sicher freimachen wird. Nach ordentlichen EM-Auftritten mit Schweden gilt er mehr denn je als Top-Verkaufskandidat. Agu wird ihn beerben. Baumann verschiebt den Ex-Osnabrücker in Gedanken trotzdem gerne mal auf die andere Seite. „Felix‘ Flexibilität hilft uns“, sagt er.

Kyu-hyun Park hat sich im Zillertal zwar etwas weiter in den Fokus gearbeitet, ist aber noch nicht in der ersten Reihe angekommen und muss sich sowieso erst noch ans Profi-Niveau gewöhnen. Baumann zählt zu den Alternativen für die linke Seite auch Anthony Jung – ihm käme entgegen, dass die Außenverteidiger in Anfangs System weit einrücken: „Tony kennt diese Position aus Kopenhagen, kann sie sehr gut spielen.“

Dennoch: Weil Jung mit 29 Jahren im Portfolio möglicher Außenverteidiger die einzige erfahrene Kraft ist, Agu, Mbom (beide 21) und Park (20) dagegen noch reifen müssen, benötigt Werder Bremen noch einen gestandenen Mann. Oder wie Baumann es sagt: „Wir müssen auf einen Augustinsson-Verkauf vorbereitet sein.“

Das defensive Mittelfeld von Werder Bremen

Eine Baustelle, die im Zillertal so gut wie still stand. Maximilian Eggestein spielte dort, doch er verkörpert nicht mehr die Werder-Zukunft, wird gemeinsamen Absichten folgend in den kommenden Wochen verkauft. Neuzugang Nicolai Rapp, der für die Sechs vorgesehen ist, verpasste wegen muskulärer Probleme das halbe Trainingslager inklusive beider Testspiele. Weshalb Christian Groß und Ilia Gruev ihre Visitenkarte auf der Position abgeben durften. In der Warteschleife hängt weiter der Transfer des Norwegers Fredrik Aursnes von Molde FK.

Das offensive Mittelfeld von Werder Bremen

In Markus Anfangs System gibt es die zwei Hybridpositionen des „Acht-Zehners“ – also kein klarer Achter auf den Halbpositionen, kein klarer Zehner im Zentrum, sondern von beidem etwas. Kevin Möhwald, Yuya Osako, Romano Schmid spielen dort. Außerdem Niklas Schmidt, der im Trainingslager Pluspunkte gesammelt hat. Auch Leonardo Bittencourt und Nick Woltemade kommen – offensiv gedacht – für diese Planstellen in Frage. Klare Rollenverteilungen gibt es zwei Wochen vor dem ersten Ernstfall auch hier nicht, eher die Erwartung, dass Werder Bremen noch einen Spieler aus dem Kreis der „Acht-Zehner“ abgeben wird. Osako und Bittencourt gehören vor allem aus wirtschaftlichen Gründen zu den Anwärtern. Wobei Bittencourt offenbar trotz eines angeblichen Angebots von Benfica Lissabon kein gesteigertes Fernweh erkennen lässt.

Der Angriff des SV Werder Bremen

Hier bekommt Werder Bremen eine echte Frischzellenkur verpasst. Eren Dinkci und Abdenego Nankishi (beide 19) haben sich im Trainingslager aufgedrängt, sind echte Kandidaten für die Außenbahnen, die Coach Anfang in seinem 4-3-3 konsequent besetzt. Sie stehen in Konkurrenz zum gleichaltrigen Woltemade und zu Bittencourt, dem mit 27 Jahren schon Altvorderen, der die Rolle als Linksaußen bereits aus seiner Zeit beim 1. FC Köln kennt. Gegen Zenit St. Petersburg deutete Bittencourt seinen Wert auf dieser Position an.

Die Aufmerksamkeit gilt aber der Jugend. Für Nankishi und Dinkci waren die Tage in Österreich die erste Vorbereitung mit dem Profi-Team – und sie haben ihre Chance genutzt. Über Newcomer Nankishi, der aus der eigenen U23 aufgestiegen ist, sagt Trainer Anfang: „Aktuell macht er das sehr gut. Er bringt auf dem Flügel wahnsinnig viel Geschwindigkeit mit. Man sieht aber auch, dass er noch ein junger Spieler ist, dem die Klarheit in den Aktionen nach vorne fehlt.“ Bei Dinkci legt sich Baumann fest, dass er in der 2. Liga „sehr regelmäßig zu Einsätzen“ kommen wird. Aber nicht an Spieltag eins, dann fehlt er noch rot-gesperrt. Kebba Badjie, ebenfalls neu bei den Profis, enttäuschte bislang ebenfalls nicht. Für den 21-Jährigen hat Werder Bremen jedoch einen anderen Fahrplan im Kopf als für Dinkci und Nankishi. Baumann: „Es gibt die klare Tendenz eines Verleihs, wenn sich etwas Passendes für ihn findet.“ Interessenten hätten sich bereits gemeldet.

Nun von den Flügeln zu den Zentrumsstürmern, zwischen denen Johannes Eggestein so etwas wie eine Verbindung ist – weil er das eine spielen möchte, das andere spielen soll, aber am Ende wohl nichts von beidem spielen wird. Denn Werder Bremen möchte ihn – das ist die Interpretation aller Aussagen der vergangenen Woche – abgeben. Weshalb der Fokus auf der Mittelstürmer-Position auf Niclas Füllkrug verharrt, der - sofern er gesund und verletzungsfrei bleibt - eine feste Größe im Team darstellt. Josh Sargent ist theoretisch der Mitbewerber, wird praktisch aber nicht lange von Nutzen sein. Wie Augustinsson und die beiden Eggesteins soll er noch zu Geld gemacht werden. (csa)

Das Werder Bremen-Testspiel gegen den FC Oberneuland gibt es hier im DeichStube-Liveticker!

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