Die Fans des VfB Stuttgart zündeten im Gästeblock des Wohninvest Weserstadions massiv Pyrotechnik - und gefährdeten damit viele Fans des SV Werder Bremen!
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Die Fans des VfB Stuttgart zündeten im Gästeblock des Wohninvest Weserstadions massiv Pyrotechnik - und gefährdeten damit viele Fans des SV Werder Bremen!

Gäste-Fans mit Pyrotechnik

Pyros von oben: Nach Werders Heimspiel gegen Stuttgart bekommt die Debatte über den Gästeblock im Weserstadion wieder Schwung

Bremen – Die Vorfreude auf Werder Bremens erstes Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga war groß bei Rainer Molde – sollte aber noch vor dem Anstoß einen herben Dämpfer erfahren. Der Grund: Das Verhalten der Stuttgarter Fans im Gästeblock, der sich direkt über Moldes Plätzen auf der Westtribüne befindet.

„Kurz vor Spielbeginn brannten ca. 20 Vermummte ungestört ihre Pyros ab. Die Besucher des Unterranges begaben sich zu ihrem Schutz teilweise weiter nach unten, darunter auch ein weinendes kleines Mädchen rechts von mir, das von seiner Mutter mit schützenden Armen abgeschirmt wurde“, schreibt Molde in einer E-Mail an die Redaktion. Durch die bengalischen Feuer seien „diverse Löcher“ in das Sicherheitsnetz vor dem Gästeblock gebrannt worden, sodass es alleine die Entscheidung „der Chaoten“ gewesen sei, die Fackeln in den Unterrang des Wohninvest Weserstadions zu werfen oder nicht, „denn ein Ordnungsdienst, der sie daran hätte hindern können, war nicht zu sehen“. Und weiter schildert der Fan des SV Werder Bremen: „Bei den Toren der Stuttgarter überstiegen deren Anhänger zuhauf mit einem Bein die Mauerbegrenzung. Ob die Fangzäune darauf ausgelegt sind, etwaige herabfallende Körper aufzuhalten, weiß ich nicht.“

Werder Bremen-Fan Rainer Molde erzürnt über Verhalten der Anhänger des VfB Stuttgart im Gästeblock des Wohninvest Weserstadions

Werder Bremen sei als Veranstalter der Spiele jedenfalls „für die Sicherung der körperlichen Unversehrtheit“ der Fans in der Pflicht. Und sicher hat sich Rainer Molde – ebenso wie etliche andere Fans im Unterrang der Westtribüne – bei Werders Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Samstag nicht gefühlt. Sein Appell, adressiert an Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald, lautet deshalb: „Bereits für das kommende Heimspiel ist dringend zu empfehlen, den Gästerang nach unten zu verlegen.“

Es ist eine Diskussion, die bereits seit Jahren unter den Fans des SV Werder Bremen und auch im Verein selbst geführt wird – vor allem nach Spielen gegen Clubs, deren Anhänger sich nicht immer alle vorbildlich verhalten haben. Die Entscheidung, den Gästeblock komplett in den Oberrang zu verlagern, wurde von der damaligen Geschäftsführung und den Verantwortlichen der Bremer Weser-Stadion GmbH während des letzten großen Umbaus des Stadions in den Jahren 2009 und 2010 getroffen. Davor stand den auswärtigen Fans eine Art Tortenstück aus Ober- und Unterrang zur Verfügung. Einfach (und vor allem schnell) wieder verändern lässt sich der aktuelle Gästeblock nicht, wie Werders Mediendirektor Christoph Pieper auf Nachfrage der DeichStube erklärt. Auf der Agenda habe der Bundesligist das Thema aber nach wie vor.

Werder Bremen: Gästeblock im Wohninvest Weserstadion lässt nicht einfach und schnell verändern

„Die Thematik, den Gästeblock gegebenenfalls umzubauen bzw. in den Unterrang zu verlegen, läuft bereits seit einigen Jahren. Hierbei werden sowohl Optimierungspotenziale bei einer Umbauvariante des Oberrangs besprochen, als auch die grundsätzliche Umlagerung der Gästefans diskutiert“, teilt Pieper mit – und erklärt: „Eine Variante wäre zum Beispiel, Gästefans im Ober- und Unterrang mit Steh- und Sitzplatzbereich unterzubringen“, so der Mediendirektor von Werder Bremen.

Allein könne der Verein entsprechende Entscheidungen aber nicht treffen, „da hier die Bremer Weser-Stadion GmbH und auch die Stadt Bremen sowie die Sicherheitsbehörden beteiligt sind“. Darüber hinaus gibt es durchaus Gründe, die aus Sicht der Verantwortlichen gegen einen Gästeblock im Unterrang sprechen. „Neben baulichen Aspekten und Sicherheitsfragen sind natürlich auch wirtschaftliche Faktoren im Prozess zur Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. Wäre der Gästebereich im Unterrang angesiedelt, müsste gegebenenfalls über eine höhere Umzäunung nachgedacht werden, was zum einen Kosten nach sich zieht, aber auch Einfluss auf andere Stadionbesucher:innen hat, da sich die Sichtlinien zum Teil deutlich verändern würden“, erklärt Pieper, ehe der Mediendirektor von Werder Bremen versichert: „Die Diskussionen zum Thema werden unter den beteiligten Parteien weiter intensiv geführt.“

Werder Bremens Mediendirektor Christoph Pieper: „Die Diskussionen zum Thema Gästeblock werden weiter intensiv geführt“

Die Wahrnehmung des Fans Rainer Molde, der Ordnungsdienst habe während des Spiels gegen den VfB Stuttgart nicht angemessen eingegriffen, als es kurz vor dem Anstoß im Gästeblock zur großen Zündelei kam, teilt Pieper indes nicht. „Am Samstag haben die Verantwortlichen bereits früh erkannt, dass vor dem Anpfiff im Gästeblock mit dem Abbrennen von Pyrotechnik zu rechnen ist“, sagt der Mediendirektor von Werder Bremen. Frühzeitig seien Feuerwehr, Polizei und Ordnungsdienst informiert worden. „Das Sicherheitskonzept sieht klare Maßnahmen vor, die beim Abbrennen von Pyrotechnik im Gästebereich angewendet werden. Neben wiederholten Stadiondurchsagen wird frühzeitig damit begonnen, eine Teilräumung von vorgesehenen Sitzreihen unterhalb des Gäste-Stehbereichs anzuordnen und durchzuführen. Das ist auch beim Spiel gegen Stuttgart erfolgt.“

Sein nächstes Heimspiel bestreitet Werder Bremen am 28. August gegen Europapokalsieger Eintracht Frankfurt, dessen Fans allgemein als besonders reiselustig und heißblütig gelten. Gut möglich, dass die Gästeblock-Diskussion danach wieder Thema wird. Fest steht schon jetzt: Rainer Molde wird sich vor Ort selbst ein Bild machen. „Ich habe gegen Frankfurt wieder denselben Platz und würde mir gerne einfach nur das Spiel anschauen“, schreibt er. (dco) Schon gelesen? 8500 Fans in Dortmund dabei - und laut Werder Bremen ist keine Polizeiaktion zu befürchten!

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