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Ishak Belfodil hat sich bei Werder gut entwickelt – aber auch gut genug, damit aus dem Leihgeschäft eine dauerhafte Anstellung wird?

Noch fünf Chancen für einen neuen Vertrag

Ein Rastplatz für Wandervogel Belfodil?

Bremen - Noch fünf Spiele – Endspurt in der Bundesliga. Die einen kämpfen um den Klassenerhalt, die anderen um das europäische Geschäft.

Und Werder Bremen kämpft darum, im Niemandsland der Tabelle nicht die Motivation zu verlieren. Das Team steht jenseits von Gut und Böse – was aber nicht bedeutet, dass zwangsläufig die Luft raus sein muss. Denn Werder hat in Thomas Delaney, Ludwig Augustinsson und Milos Veljkovic Spieler in den eigenen Reihen, die wegen der anstehenden WM die Spannung hochhalten müssen. Und es gibt Spieler, die sich für ihre eigene Zukunft ins Zeug legen müssen. Ishak Belfodil ist einer von ihnen.

Er kann es sich am wenigsten von allen Bremer Profis leisten, jetzt in den Kriechgang zu schalten. Es sei denn, ihm sollte nichts daran liegen, über die ausklingende Saison hinaus bei Werder Bremen zu bleiben. Als von Standard Lüttich ausgeliehener Spieler befindet er sich gewissermaßen bis zum letzten Spiel in der Probezeit, muss sich empfehlen. In jeder Partie. Und schaut man sich die bisherige Vita des 26-Jährigen an, dann sollte man glauben, dass ihm diese Chance sehr wichtig ist.

Belfodil ist nicht über jeden Zweifel erhaben

Bevor er zu Werder kam, war Belfodil so etwas wie die Kugel im großen Fußball-Flipper. Hierhin, dorthin und dann doch wieder ganz woanders – so kamen seit 2009 zehn Transfers zusammen, an denen acht Clubs beteiligt waren. Sesshaft? Den Begriff kennt Belfodil nicht, kann er gar nicht kennen. Denn die bislang 27 Einsätze für Werder sind schon die drittmeisten, die er im Profi-Bereich je für einen Verein absolviert hat. Nur für Parma Calcio (57 Spiele auf zwei Etappen verteilt) sowie Standard Lüttich (40 Partien) spielte er häufiger. Ob er diese „Rekorde“ bei Werder angreifen kann, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Sportchef Frank Baumann hat bereits mehrfach signalisiert, dass er bei Belfodil keine zeitnahe Entscheidung treffen wird. Bei einer Weiterverpflichtung des Offensivspielers würde eine Ablösesumme von acht Millionen Euro fällig – das jedenfalls galt bei Abschluss des Leihvertrages im vergangenen August, kann aber jederzeit nachverhandelt werden. Zuerst muss Werder sich aber entscheiden, ob Belfodil der Spieler ist, den sich der Club wünscht. Der Algerier hat nach schwierigem Start in Bremen tolle Ansätze gezeigt, es lässt sich aber nicht behaupten, dass er über jeden Zweifel erhaben ist. Seine Quote ist dafür insgesamt zu dürftig.

Vier Tore hat er in der Liga erzielt, zwei im DFB-Pokal. Im Schnitt trifft Belfodil alle 235 Minuten ins gegnerische Tor. Das ist nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht. Irgendwo dazwischen eben. Eine Torvorlage plus 16 Torschussvorlagen in 24 Liga-Spielen sind ebenfalls nicht die Zahlen, die das Geld locker sitzen lassen.

Allerdings: Der Trend spricht für Belfodil, den kraftvollen Angreifer. In den letzten drei Partien spielte er nicht nur jeweils von Anfang an, sondern erzielte auch drei seiner bislang vier Bundesliga-Tore. Dabei erwies er sich auch als flexibler Stürmer, der mal mit Tempo über die rechte Außenbahn kam oder mal in der Mitte seinen wuchtigen Körper in die Bälle warf.

Kohfeldt mag Belfodil, weil er anders ist als der Rest des Teams

Dass er dabei oft zu ungestüm vorgeht, bringt ihm einen Spitzenplatz in einer eher unschönen Statistik ein: 61 Foulspiele gehen auf sein Konto – kein anderer Spieler in der Bundesliga foult im Verhältnis zur Spielzeit so oft wie der Bremer. Die wenigsten Attacken sind dabei böse, viele eher ungeschickt. Eine Vielzahl an körperlichen Duellen gehört bei Belfodil zudem zu seinem Spiel – er geht pro 90 Minuten 20 Mal in den Kampf Mann gegen Mann. Zum Vergleich: Max Kruse nur acht Mal.

Trainer Florian Kohfeldt mag Belfodil, weil er eben anders ist als der Rest der Belegschaft. Groß, stark, mutig, dazu schnell, dribbelstark – der Coach schenkt dem algerischen Nationalspieler wegen dieser Qualitäten viel Vertrauen. Jetzt ist es an Belfodil, in den letzten fünf Spielen der Saison noch an der persönlichen Erfolgsbilanz zu schrauben, damit Werder gar nicht anders kann, als ihn von Standard Lüttich zu kaufen. Für Belfodil wäre das ein ziemlich neues Gefühl. Bei keiner seiner letzten acht Stationen war er länger als ein Jahr geblieben. Bremen könnte nun zum Rastplatz werden für den Wandervogel.

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