Leiten Aufsichtsratsboss Marco Bode (Mitte) und Sportchef Frank Baumann (r.) auch in der Zweiten Liga die sportlichen Geschicke des SV Werder Bremen?
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Leiten Aufsichtsratsboss Marco Bode (Mitte) und Sportchef Frank Baumann (r.) auch in der Zweiten Liga die sportlichen Geschicke des SV Werder Bremen?

Darf Sportchef Baumann bei Werder bleiben?

Klarer Auftrag, unklare Zukunft: Der Aufsichtsrat von Werder Bremen hat in der Personalie Frank Baumann noch immer nicht entschieden

Bremen – Nach dem ersten Abstieg des SV Werder Bremen seit 41 Jahren kreist vor allem eine Frage über dem Weserstadion: Darf Sportchef Frank Baumann weitermachen? Die Antwort kann nur der Aufsichtsrat geben – und war eigentlich für Pfingstmontag erwartet worden. Doch nach Informationen der DeichStube gibt es noch keine endgültige Entscheidung des Kontrollgremiums über die Zukunft von Baumann, sondern bislang nur den klaren Auftrag, die Räder am Laufen zu halten: Der Sportchef soll so schnell wie möglich einen neuen Trainer verpflichten und sich um die dringend notwendigen Transfers kümmern.

Erst Mitte der Woche, möglicherweise auch ein paar Tage später, will der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen per Abstimmung für Klarheit sorgen. Die Mehrheit der sechs Mitglieder des Gremiums soll für einen Verbleib von Frank Baumann sein. Dessen Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2022.

„Meine Überzeugung gegenüber Frank ist nach wie vor vorhanden. Ich halte es aber für wichtig, trotzdem mit der nötigen Besonnenheit und nicht aus der Emotion heraus eine Entscheidung zu treffen. Wir im Aufsichtsrat werden das aber schnellstmöglich tun“, hatte Aufsichtsratschef Marco Bode am Sonntag gesagt. Der Abstieg hat die Beteiligten hart getroffen, die Enttäuschung ist riesengroß. Und natürlich sind Bode und Co. auch die Proteste nach dem Spiel nicht entgangen. „Vorstand raus“ und „Baumann raus“ hatten rund 500 Fans skandiert. Dabei versuchten sie, ins Stadion einzudringen, konnten aber von der Polizei gestoppt werden. Und bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage auf deichstube.de sprachen sich bis Montagabend rund 85 Prozent der Teilnehmer für eine Werder-Zukunft ohne Sportchef Frank Baumann aus.

Darf Sportchef Frank Baumann weitermachen? Werder Bremen hat sich mit Nachfolge-Kandidaten beschäftigt

Darüber will zwar auch der Aufsichtsrat noch mal mit etwas Abstand zum Abstieg diskutieren, aber die Antwort steht aus zwei Gründen eigentlich schon fest. Erstens: Weil die Zweite Liga wesentlich früher als die Bundesliga startet – schon am 23. Juli -, ist der Zeitdruck enorm. Werder Bremen braucht nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch eine neue Mannschaft, denn parallel sollen die besten Spieler verkauft werden, um die Finanzen in Ordnung zu bringen.

Da muss der Verein handlungsfähig sein. Ein Wechsel des Sportchefs könnte in dieser Hinsicht durchaus riskant sein – vor allem, wenn kein Nachfolger sofort bereitsteht. Mit personellen Alternativen zu Frank Baumann wurde sich zwar beschäftigt, aber bislang keine Lösung gefunden. Kandidaten wie Markus Krösche (jetzt Eintracht Frankfurt) oder Rouven Schröder (jetzt Schalke 04) sind schon wieder vom Markt. Damit wären wir bei Punkt zwei: Der Aufsichtsrat steht im Herbst - vermutlich im September - zur Wahl und möchte so kurz davor keine langfristige Entscheidung treffen. Denn ein neuer Sportchef würde mindestens einen Zwei-, eher einen Drei-Jahres-Vertrag einfordern.

Werder Bremen: Keine Trennung von Frank Baumann? „Ich bin der Richtige für Werder“

Es wird also sehr wahrscheinlich mit Baumann weitergehen, wenngleich der am Sonntag im Sport1-Doppelpass ausdrücklich betonte: „Ich bin keiner, der an seinem Posten klebt. Wenn der Aufsichtsrat zu der Entscheidung kommt, dass wir eine Veränderung brauchen, dann werden wir im Sinne des Vereins zu einer sehr guten Lösung finden.“ Doch zur Trennung wird es nach Lage der Dinge nicht kommen. Baumann setzt seine Arbeit einfach fort, spricht mit Trainer-Kandidaten und Spieler-Beratern. „Ich habe klare Ideen, wie wir uns aus der Lage befreien können. Ich bin überzeugt, dass ich der Richtige bin für Werder“, hatte Baumann zuvor ungewohnt forsch Werbung in eigener Sache gemacht. 

Auch seine Geschäftsführer-Kollegen Klaus Flibry und Hubertus Hess-Grunewald müssen keine persönlichen Konsequenzen befürchten. Auf Filbry, der noch einen Vertrag bis 2024 besitzt, will der Aufsichtsrat gerade jetzt nicht verzichten. Der Mann für die Finanzen hat gerade erst die überlebenswichtige Werder-Anleihe auf den Weg gebracht. 20 Millionen Euro will der Club damit einsammeln. Da wäre es ein fatales Zeichen, wenn nun der Vorsitzende der Geschäftsführung seinen Hut nehmen müsste.

Werder Bremen: Keine personellen Konsequenzen trotz Abstieg? Nur Florian Kohfeldt musste gehen

„Es ist der klare Wunsch des Aufsichtsrates, dass wir die Aufgaben in den kommenden Wochen in der aktuellen Konstellation angehen“, hob Filbry am Sonntag im NDR-Sportclub hervor – noch vor dem endgültigen Votum des Kontrollgremiums. Bei Hess-Grunewald spielt das ohnehin keine Rolle. Als Vereinspräsident nimmt er eine Sonderrolle ein und kann eigentlich nur von den Mitgliedern aus dem Amt gedrängt werden – und seine Wiederwahl steht erst 2022 auf der Tagesordnung.

Wenn schon niemand gehen muss, bliebe aber noch eine andere Möglichkeit: der freiwillige Rückzug. Doch da ist von allen Seiten stets der Hinweis zu hören, dass sich niemand aus der Verantwortung stehlen will – schon gar nicht nach dem GAU, dem Abstieg in die Zweite Liga. Den hatte Werder Bremen vor einem Jahr gerade noch so in der Relegation verhindern können. Damals blieben alle Verantwortlichen im Amt. Nun musste sich zumindest der Trainer verabschieden. Florian Kohfeldt wurde ein Spiel vor Saisonende entlassen. Dessen Nachfolger soll Frank Baumann noch in dieser Woche präsentieren. (kni) Auch interessant: Umworbener Felix Agu - Bundesliga-Topclubs buhlen um Außenverteidiger des SV Werder! Schon gelesen? Klaus Filbry kritisiert Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt!

Weiter zur letzten Meldung vom 23. Mai 2021:

Marco Bode ist weiter von Frank Baumann überzeugt, Werder Bremen hält wohl am Sportchef fest

Bremen – Geht es bei Werder Bremen mit Sportchef Frank Baumann weiter oder nicht? Auf diese Frage konnte Marco Bode, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, am Tag nach dem Abstieg noch keine verbindliche Antwort geben. Was allerdings vor allem formelle Gründe haben dürfte. Es stehen noch die abschließende Beratung und vor allem Beschlussfassung im Aufsichtsrat aus. An Bodes grundsätzlich positiver Haltung zu Baumann hat der seit Samstag feststehende Abstieg jedoch offenbar nichts geändert.

Nachdem Marco Bode am Sonntagmittag in der Sendung „Sky90“ noch einen kleinen Bogen um die Personalie Frank Baumann gemacht und um Geduld gebeten hatte („Wir brauchen jetzt einen Moment, um die Dinge einzuordnen. Es ist heute noch nicht der Zeitpunkt, Entscheidungen zu treffen“), fasste die DeichStube bei dem 51-Jährigen nach. Steckt hinter der Warteschleife vielleicht doch eine Abkehr von dem bei vielen Fans höchst umstrittenen Sportchef des SV Werder Bremen? Bodes Antwort liest sich wie ein Nein: „Meine Überzeugung gegenüber Frank ist nach wie vor vorhanden. Ich halte es aber für wichtig, trotzdem mit der nötigen Besonnenheit und nicht aus der Emotion heraus eine Entscheidung zu treffen. Wir im Aufsichtsrat werden das aber schnellstmöglich tun.“ Schnellstmöglich – das heißt vielleicht noch an den Pfingstfeiertagen.

Werder Bremen abgestiegen: Darf Sportchef Frank Baumann bleiben?

Mit der Entscheidung wird sich dann auch zeigen, wie sehr sich der Werder-Aufsichtsrat von der Fan-Wut, die sich am Samstagabend gezeigt hatte, beeindrucken lässt. Nachdem der Abstieg perfekt war, hatte eine aufgebrachte Gruppe vor dem Stadion lautstark „Baumann raus“ und „Vorstand raus“ skandiert. Dass dies nun tatsächlich personelle Konsequenzen in der Geschäftsführung zur Folge hat, ist zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht sonderlich wahrscheinlich.

Frank Baumann selbst hatte unmittelbar nach der 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach erklärt, dass er nicht hinwerfen werde. „Wir brauchen einen neuen Trainer und einen großen Wandel im Kader. Wir brauchen dabei schnelle Entscheidungen. Ich bin bereit, diese Planungen, die wir schon zweigleisig gefahren haben, auch weiter umzusetzen“, sagte er und verband die eigene, unbestreitbare Verantwortung für den Abstieg eben nicht mit einer Flucht aus dem Amt. Auch, weil er glauben darf, dass der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen an ihm festhalten wird. Baumann am Samstag: „Ich habe keine Anzeichen dafür, dass das Vertrauen nicht mehr da ist oder mir entzogen wird.“

Am Sonntag machte der Ex-Nationalspieler dann als zugeschalteter Talk-Gast im Sport1-„Doppelpass“ gezielt Werbung für sich. „Wir müssen uns natürlich die Fragen stellen, welche Fehler gemacht wurden und was jetzt der richtige Schritt ist für den Verein. Ich habe klare Ideen, wie wir uns aus der Lage befreien können. Ich bin überzeugt, dass ich der Richtige bin für Werder Bremen“, meinte Frank Baumann. Die Entscheidung liegt beim Aufsichtsrat. Baumann gibt sich insgesamt unerschrocken, was das Ergebnis betrifft. „Ich bin keiner, der an seinem Posten klebt. Wenn der Aufsichtsrat zu der Entscheidung kommt, dass wir eine Veränderung brauchen, dann werden wir im Sinne des Vereins zu einer sehr guten Lösung finden“, erklärte er.

Werder Bremen: Marco Bode und Hubertus Hess-Grunewald schützen Manager Frank Baumann

Weiter mit dem Sportchef – auf dieses Votum hatte am Samstagabend Hubertus Hess-Grunewald als Vereinspräsident und Geschäftsführer hingearbeitet. Eine Entlassung des 45-jährigen Baumann würde „nüchtern betrachtet im Moment überhaupt nicht helfen“, hatte Hess-Grunewald bei „buten und binnen“ argumentiert: „In zwei Monaten startet die Zweite Liga. Da müssen wir aufgestellt sein, sowohl in sportlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht.“ Eine Aussage, die einschloss, dass auch Klaus Filbry als Geschäftsführer Finanzen, keine persönlichen Konsequenzen zu fürchten habe. Hess-Grunewald wird vom Verein in die Geschäftsführung entsandt, untersteht damit seinen Posten betreffend nicht dem Aufsichtsrat. Und eine Demission aus freien Stücken ist auch für ihn nicht vorstellbar: „Ich schmeiße nicht hin.“

Also: Abstieg ohne Aufräumen? Dass das zu langen, emotionalen Diskussionen rund um den Verein führen wird, ist klar. Die Fans des SV Werder Bremen sind nach dem ersten Abstieg seit 41 Jahren wütend, sie wollen neue Köpfe an der Spitze des Clubs. Vorerst ist aber nur ein neuer Trainer zu erwarten. Den will Baumann bereits in den kommenden Tagen, bis Ende Mai, Anfang Juni präsentieren. Vorausgesetzt der Aufsichtsrat gibt ihm den Auftrag dafür. (csa)

Wie sieht Werder Bremen in der 2. Bundesliga aus? Alle Werder Transfer News gibt es hier!

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