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Sportdirektor Markus Krösche von RB Leipzig freut sich auf die Begegnung mit seinem Ex-Club Werder Bremen.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen RB Leipzig

RB-Manager Markus Krösche im Interview: „Habe mit Tim Borowski zusammengelebt“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 5. Spieltag geht es um RB Leipzig.

Der gebürtige Hannoveraner Markus Krösche wechselte 1996 als 15-Jähriger zum SV Werder Bremen. Von 1999 bis 2001 spielte er für die Bremer U23. Für den SC Paderborn absolvierte er 354 Spiele als Profi. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn arbeitete der heute 39-Jährige als Co-Trainer bei Bayer Leverkusen und Manager in Paderborn. Seit Saisonbeginn ist er bei RB Leipzig als Sportdirektor und Nachfolger von Ralf Rangnick engagiert.

Wie sehen Sie als Ex-Bremer die aktuelle Werder-Elf, Markus Krösche?

Eine sehr gute Mannschaft mit einem guten Trainerteam um Florian Kohfeldt. Eine Mannschaft, die diesen Namen verdient. Werder ist als Team stark und somit für jeden Kontrahenten enorm gefährlich.

Kennen Sie Florian Kohfeldt persönlich?

Nein, doch ich habe seine Arbeit schon verfolgt und sehe ihn recht positiv. Befreundet bin ich mit seinem Assistenten Tim Borowski. Wir haben zusammen im Werder-Internat gelebt und halten immer noch Kontakt.

Haben Sie in Ihrer Karriere schon mal eine solche Verletztenmisere erlebt, wie sie Werder momentan durchmachen muss?

Ich kann mich nicht erinnern. Es ist schon ein außergewöhnliches Pech. Für den Trainer ist diese Situation ganz gewiss nicht optimal. Doch die Bremer haben zuletzt bei Union Berlin gezeigt, dass sie sich darauf einstellen können. 

RB ist Spitzenreiter und glänzte in der Champions League in Lissabon. Haben Sie mit diesem Superstart gerechnet?

Gerechnet nicht unbedingt, weil beim Saisonbeginn wie immer eine gewisse Unsicherheit herrscht. Ein neuer Trainer, der seine Inhalte erst vermitteln muss. Insofern ist es bislang perfekt gelaufen. Doch wir haben schon gewisse Ansprüche an uns: Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben und dass wir in der Lage sind, jeden Gegner zu schlagen.

Ist RB Leipzig neben dem BVB der große Herausforderer für den FC Bayern?

Es gibt auch noch andere Vereine, die zu beachten sind – wie Leverkusen oder Gladbach. Unser Saisonziel ist erneut, sich für die Champions League zu qualifizieren.

Wissenswertes vor dem Werder-Spiel gegen RB Leipzig: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch von Leipzig-Neuzugang Ethan Ampadu

„Am Sonntag wollte ich in Leipzig shoppen gehen, da habe ich gemerkt, dass gar kein Geschäft auf hat.“

Ethan Ampadu, Leihgabe vom FC Chelsea, über seinen Kulturschock

Statistik von Werder Bremen gegen RB Leipzig

Im Weserstadion ist Werder gegen RB Leipzig noch ungeschlagen. Drei Spiele gab es, zweimal siegte Bremen, einmal endete das Kräftemessen unentschieden. Die letzte Partie fand am 18. Mai 2019 statt: Werder siegte mit 2:1 dank eines späten Treffers von Claudio Pizarro. Zuvor hatten Rashica und Mukiele getroffen. In Leipzig konnte Werder allerdings noch nie in Leipzig gewinnen. Schlimmer noch: die Grün-Weißen haben dort noch keinen Punkt geholt, verloren alle drei Auswärtsspiele.

Werder Bremen gegen RB Leipzig: Milos Veljkovic war in allen Aufeinandertreffen dabei

Milos Veljkovic war in allen sechs Aufeinandertreffen mit Leipzig dabei, ist also der Spieler mit der größten RB-Erfahrung. Auch Maxi Eggestein und Niklas Moisander haben regelmäßig gegen die Sachsen gespielt, je fünf Einsätze. Auf der Gegenseite: Diego Demme, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen bestritten je fünf Spiele gegen Werder.

Der riesige Stab von RB Leipzig

Als er vorgestellt wurde, staunte Markus Krösche nicht schlecht über die neue Dimension. Dass ein gewaltiger Unterschied zwischen Paderborn und Leipzig bestehe, habe er gewusst. Doch die Größe des Mitarbeiterstabs, den er nun zu beaufsichtigen hat, hat den neuen Sportdirektor doch überrascht. RB sei in jeder Hinsicht gigantisch, auch was das Personal betreffe. Die Mannschaft hinter der Mannschaft ist so groß wie das Team selbst. Beinahe 30 Spezialisten bilden diese Belegschaft, darunter drei Athletiktrainer, zwei Reha-Trainer sowie ein Leistungsdiagnostiker, ein Sportpsychologie und drei Videoanalysten. So opulent ist kaum ein Bundesligist aufgestellt.

Hannes Wolf ist der nächste Fang aus der Salzburger Filiale von RB Leipzig

Im Sommer 2019 gab es erneut einen Transfer innerhalb des „Red-Bull-Konzerns“, einen Wechsel von Salzburg nach Leipzig. Zu einem frühen Zeitpunkt machten die Sachsen den Kauf des österreichischen Junioren-Nationalspielers Hannes Wolf perfekt. Zwölf Millionen Euro ließen sich die Leipziger die Dienste des U21-Nationalspielers kosten. Pech für  Wolf und RB: Bei der U21-EM zog sich das Talent einen Knöchelbruch zu. In der Hinserie wird Wolf wohl nicht mehr zum Einsatz kommen.

Teurer Rückkehrer aus England: Ademola Lookman verstärkt RB Leipzig

Der teuerste Einkauf kommt aus England: Für eine Sockelablöse von 18 Millionen Euro, die sich durch Boni auf 22 Millionen Euro steigern kann, holte RB Leipzig den 21-jährigen Flügelstürmer Ademola Lookman vom FC Everton. Lookman spielte schon in der Rückrunde 2017/18 auf Leihbasis bei den Sachsen und überzeugte. Vor einem Jahr wollte ihn Rangnick bereits fest verpflichten, doch Everton rief eine wahnsinnig hohe Summe auf. Nun klappte es.

Sommer-Neuzugänge von RB Leipzig 

Von Paris St. Germain wechselte Mittelfeldspieler Christopher Nkunku (21) für 13 Millionen Euro nach Leipzig. Für den Brasilianer Luan Candido (18, Defensivspieler) überwiesen die Leipziger acht Millionen an Palmeiras Sao Paulo. Viel versprechen sich die Macher von einem Leihspieler aus London: Ethan Ampadu, 18 Jahre jung, ein gepriesenes Abwehrtalent vom FC Chelsea, das auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. Der Hochbegabte, der auf der Insel schon mit dem Brasilianer David Luiz verglichen wird, weil zumindest seine Haarpracht eine gewisse Ähnlichkeit aufweist, wird für ein Jahr ausgeliehen. Der letzte Einkauf des Sommers war Keeper Philipp Tschauner. Er kam vom Bundesliga-Absteiger Hannover 96 und wurde als dritter Torwart verpflichtet.

RB Leipzig gewinnt Tauziehen um Timo Werner - vorerst

Ein Ultimatum haben sie ihm offiziell nicht gestellt. Doch auf eine zügige Entscheidung drängten sie schon. Timo Werner sollte rechtzeitig kundtun, was er vorhat. Ob er das Angebot zur Verlängerung des 2020 auslaufenden Vertrags annimmt, ob er in diesem Sommer zu wechseln gedenke oder ob er beabsichtige, im nächsten Sommer ablösefrei zu gehen. Vor dem Anpfiff des ersten Heimspiels gegen Frankfurt gab es die Entscheidung: Werner verlängerte seinen Kontrakt bis 2023, verbunden mit einer kräftigen Gehaltsaufstockung. 

Im neuen Vertrag soll eine Ausstiegsklausel vereinbart sein, die auf mindestens 30 Millionen Euro taxiert ist. Der Nationalstürmer war wochenlang mit Bayern München in Verbindung gebracht worden, ein ablösefreier Wechsel 2020 zum Branchenprimus stand im Raum. „Doch es gibt zahlreiche Interessenten“, hatte Vorstandschef Oliver Mintzlaff betont, „auch internationale Topvereine.“ Der Boss ist froh, dass das leidige Thema vorerst vom Tisch ist. Sie hätten immer ihre Wertschätzung für den Stürmer deutlich gemacht, sagte Mintzlaff. Es heißt, die Werner-Seite sei enttäuscht gewesen, keine Signale von den Bayern erhalten zu haben. Timo Werner gelangen in 97 Bundesliga-Spielen stolze 55 Tore sowie 26 Assists.

Werder Bremen: Premieren-Sieg für Gegner RB Leipzig in der Champions League

Leipzig hatte noch nie gewonnen in der Champions League, Julian Nagelsmann ebenso. Gemeinsam gelang es ihnen nun: 2:1 bei Benfica Lissabon, ein traumhafter Start in die internationale Spielzeit. Der zuletzt auf europäischem Parkett in der Nationalelf enttäuschende Timo Werner glänzte mit einem Doppelpack.

RB Leipzig im Form-Check 

Die Vorbereitung verlief schleppend. RB kassierte viele Gegentore in den Testspielen, was die Frage nach der Stabilität in der Defensive aufkommen ließ: 1:4 gegen FC Zürich, 1:3 gegen Aston Villa, schließlich der erste Sieg beim 3:2 gegen Galatasaray Istanbul. Und doch war der Start in die Pflichtspiele souverän. Dem 3:2 im DFB-Pokal in Osnabrück folgte ein fulminanter Liga-Start der Sachsen: Nach vier Spielen liegt RB ungeschlagen auf Platz 1. 

Der Tabellenführer gewann zunächst das Prestigeduell bei Union Berlin überzeugend mit 4:0. Es folgten ein 2:1 gegen Frankfurt im ersten Heimspiel sowie ein beachtenswertes 3:1 in Mönchengladbach. Zum ersten großen Showdown kam es am letzten Wochenende. Beim Spitzenspiel gegen den FC Bayern dominierten zwar lange die Münchner, doch sie konnten ihre Überlegenheit bis auf einen Treffer von Torjäger Lewandowski nicht nutzen. Und so kam Leipzig dank eines von Forsberg verwandelten Foulelfmeter (Hernandez an Poulsen) zu einem 1:1.

Anekdote

Sie ähneln sich in der Tat. Als ich Julian Nagelsmann vor einiger Zeit im Weserstadion erlebt habe, musste ich unweigerlich an Ralf Rangnick denken, den jungen Rangnick, der damals in Ulm wie ein Revoluzzer rüberkam. An den berühmt-berüchtigten Auftritt an der Taktiktafel im Sportstudio, jener Jugendsünde des späteren Erfolgstrainers, sei erinnert. Nagelsmann tickt genauso. Von sich überzeugt, vollgestopft mit einer übergroßen Portion Selbstbewusstsein, die zuweilen die Grenze zur Arroganz überschreitet, tritt er auf. Obwohl noch nicht so lange im Geschäft und jung an Jahren, gibt sich der Bayer mitunter wie der Erfinder des modernen Spiels. Nagelsmann also auf den Spuren des Leipziger Übervaters namens Rangnick, so dachte ich damals bei der ersten Berührung mit dem Newcomer aus Hoffenheim. Dass er bei RB mal die Nachfolge Rangnicks antreten werde, stand da noch nicht fest. 

Trainer Julian Nagelsmann und RB Leipzig haben nach einem hervorragenden Saisonstart gut lachen.

Rangnick ist gereift mit den Jahren, Nagelsmann steht dieser Prozess noch bevor. Förderlich ist dabei, dass „Mister Leipzig“ nun einen Jobwechsel vorgenommen hat und die übergeordnete Leitungsfunktion im Mutterkonzern des Mateschitz-Imperiums bekleidet. Rangnicks Erbe fällt somit für Nagelsmann, den Primus der neuen Trainergeneration, wesentlich komfortabler aus. Was im übrigen auch für den zweiten Neuling im Führungsduo gilt: Markus Krösche hat Platz genommen auf dem Sessel in der Führungsetage, seit einem Jahrzehnt für den Trainer-Manager Rangnick reserviert. Auch für den Macher aus dem betulichen Paderborn fällt der Schatten des langjährigen Machers somit kleiner aus. Es heißt in Ostwestfalen, wäre Rangnick in Sachsen der Entscheider geblieben, wäre Krösche nicht als dessen rechte Hand gekommen. Ein Job als Helfer für den großen Meister, wie der nun in Schalke aufgerückte Jochen Schneider ihn inne hatte, stand nie zur Debatte.

Mehr News zu Werder Bremen

Nächster Rückschlag für Werder Bremen: Yuya Osako verletzte sich im Geheim-Training am Mittwoch schwer am Oberschenkel. Philipp Bargfrede spricht im DeichStube-Interview exklusiv über sein bevorstehendes Comeback bei Werder Bremen, die Verletzung von Yuya Osako und seine Pläne nach dem Karriereende. Am Samstag gastiert der Tabellenführer bei Werder Bremen, trotzdem würde Florian Kohfeldt einen Sieg gegen RB Leipzig nicht als Sensation bezeichnen. Im DeichStube-Interview hat Hubertus Hess-Grunewald, Präsident von Werder Bremen, Clemens Tönnies für seine rassistischen Äußerungen gerüffelt und Stellung bezogen.

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