Nicht aus den Augen lassen: Marcel Halstenberg von RB Leipzig warnt vor dem SV Werder Bremen.
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Nicht aus den Augen lassen: Marcel Halstenberg von RB Leipzig warnt vor dem SV Werder Bremen.

RB-Verteidiger im DeichStube-Interview

Wundertüte Werder! Leipzig-Profi Halstenberg hat Respekt vor einem „gefährlichen Kontrahenten“

Leipzig – Eigentlich ist er ein norddeutscher Jung‘! Marcel Halstenberg stammt aus Laatzen im Großraum Hannover, seit mehr als fünf Jahren spielt er aber schon bei RB Leipzig, ist mit dem Club von der 2. Liga bis in die Champions League durchgestartet – und Nationalspieler ist der 29 Jahre alte Linksverteidiger auch noch geworden. Mit der DeichStube spricht Halstenberg über das bevorstehende Spiel gegen Werder Bremen, über den ehemaligen Teamkollegen Davie Selke, über Leipziger Stärken und Schwächen sowie über das 3:2 gegen Manchester United, mit dem die „Bullen“ zum zweiten Mal in Folge das Achtelfinale der Königsklasse erreicht haben.

Haben Sie sich von dem Krimi gegen Manchester United schon erholt, Marcel Halstenberg?

In der Champions League waren unsere beiden letzten Spielen schon recht spannend für die Zuschauer. Am Ende sind wir alle froh, das Achtelfinale der Champions League erreicht zu haben. Jetzt geht’s weiter und wir freuen uns drauf, egal wer kommt.

Hinweis: Werder Bremen gegen RB Leipzig gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Sie sind am Dienstag in der Schlussphase eingewechselt worden. Sind Sie nach den Problemen am Hüftbeuger wieder fit?

Ich bin auf einem guten Weg. Ich spüre keine Schmerzen mehr und bin wieder voll einsatzfähig.

Also sind Sie bereit für die Partie gegen Werder Bremen?

Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Doch das muss und wird der Trainer entscheiden. Bei der hohen Belastung zuletzt haben wir viel rotiert.

Warum gestaltet RB Leipzig neuerdings die Spiele so dramatisch und nervenaufreibend?

Gegen ManUnited sind wir souverän gestartet, haben schnell 2:0 geführt und hatten genügend Chancen, erneut zu treffen und so die Entscheidung zu erzwingen. Wir haben insgesamt vielleicht in manchen Situationen ein bisschen zu nachlässig agiert, sind durch den Anschlusstreffer, wie immer er zustande kam, dann noch mal in Gefahr geraten. Denn auch Manchester hat eine gewisse Qualität und nutzt jede Schwäche aus.

Vor Werder Bremen gegen RB Leipzig: Marcel Halstenberg warnt im DeichStube-Interview vor Werder!

Ihr Zwischenfazit: Wie sind Sie mit der bisherigen Saison zufrieden?

Sehr zufrieden, weil wir bisher alle Ziele erreicht haben. Wir sind in der Champions League weiter, in der Bundesliga im Spitzenfeld und im Pokal noch dabei, mit der Hoffnung, auch dort zu überwintern. Im neuen Jahr wollen wir dann in allen drei Wettbewerben weiter angreifen. Wir sind alle hungrig.

Ihr Trainer hat dem Team einen gelungenen Reifeprozess bescheinigt. Haben sich die Bullen immens weiterentwickelt?

Ich glaube schon, dass wir reifer geworden sind und uns nach und nach weiterentwickeln konnten. Wir haben Spieler dazu bekommen, die eine enorme Qualität haben. Bestes Beispiel: Angelino. Er bringt eine wahnsinnige Klasse mit, ist aktuell unser bester Scorer. Zudem sind die meisten Leistungsträger geblieben. Wir kennen uns schon lange, das Zusammenspiel funktioniert einfach. Und wir besitzen einen sehr breiten Kader, haben immer die Möglichkeit, von der Bank aus nachzulegen, können so Rückschläge besser auffangen.

Julian Nagelsmann lobte die Elf auch, weil sie sich in dieser Spielzeit auch gegen vermeintlich schwächere Gegner keine Blöße gibt. Also hat der Außenseiter Werder am Wochenende keine Chance?

Wir wollen natürlich gewinnen, um oben in der Tabelle dran zu bleiben. Es ist dabei egal, wie der Gegner heißt. Das soll keineswegs heißen, dass wir die Bremer unterschätzen. Ich betrachte Werder als einen gefährlichen Kontrahenten, der immer für Überraschungen gut sein kann. Ich erinnere nur an das 1:1 in München.

Bremens Coach Florian Kohfeldt hat zu Wochenbeginn seine Überlegungen in taktischer Hinsicht offengelegt. Er vermutet, dass Kollege Nagelsmann eher mit einer defensiven Strategie ins Spiel geht und auf Konter setzt, weil die Bremer Schwächen bekannt sind, ein Spiel zu gestalten. Liegt er richtig?

Es ist bei uns immer so, dass der Kontrahent analysiert wird und danach die Strategie ausgerichtet wird. Julian Nagelsmann wird uns gewiss optimal vorbereiten und einstellen. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Es heißt, unter Nagelsmann sei im Vergleich zum Vorgänger Ralf Rangnick eine Weiterentwicklung zu registrieren. Das absolute Pressing und die durch Umschalten geprägte Kontertaktik sei bereichert worden durch Ballbesitzfußball. Ist diese Beobachtung richtig?

Julian Nagelsmann fordert von uns viel, legt einen besonderen Fokus auf das Spiel mit dem Ball. Das zahlt sich aus. So können wir auch mal kurzfristig Pausen einlegen, um Kräfte zu schonen. Außerdem sind wir in der Lage, in gewissen Phasen den Gegner zu locken, um dann die Räume effektiv zu bespielen, die freigemacht werden. Wir möchten einen variablen, attraktiven Fußball spielen.

Nagelsmann kennen Sie aus der Nähe, Kohfeldt nur aus der Ferne. Wie fällt Ihr Vergleich der beiden Repräsentanten der jungen Trainergeneration aus?

Herr Kohfeldt erscheint mir als ein sehr emotionaler Trainer – wie unser Coach. Er ist ein Trainer, der immer dabei ist, der sehr auffällig an der Seitenlinie auftritt, der intensiv coacht. Wie er im Training arbeitet und im Alltag ist, kann ich nicht beurteilen.

Werder Bremen: Leipzigs Marcel Halstenberg drückt Ex-Kollege Davie Selke die Daumen

Mit einem Werder-Spieler haben Sie in Leipzig zusammengespielt. Davie Selke ist inzwischen über die Station Hertha BSC Berlin nach Bremen zurückgekehrt, wo es bisher für ihn noch nicht so gut lief. Kann er zum Werder-Retter werden?

Davie ist ein sehr angenehmer und lustiger Mensch, zudem ist er ein Stürmer, der alle Voraussetzungen mitbringt. Er besitzt eine gute Statur und eine immense Stärke im Kopfballspiel. Außerdem weiß er, wo das Tor steht. Wenn er die richtigen Bälle bekommt, wird er treffen. Ich traue ihm deshalb zu, dass er zu alter Stärke findet und wieder seine Tore macht. Nur bitte nicht gegen uns.

Thema Gegentore: In den letzten drei Spielen hat Leipzig acht Stück kassiert, fast eine Quote, wie sie Werder, die Schießbude der Liga in der letzten Saison, aufzuweisen hatte. Ein bisschen viel für eine Spitzenmannschaft?

Zuletzt haben wir defensiv definitiv einige Male nicht so gestanden, wie wir es uns vorstellen. Doch diese Zahlen spiegeln nicht die ganze Wahrheit wider, denn wir haben in den letzten drei Spielen gegen Mannschaften wie Basaksehir, Bayern München und Manchester United gespielt. In der Bundesliga ist unser Wert besser: nur neun Gegentreffer nach zehn Spielen, die wenigsten in der Liga gemeinsam mit Leverkusen.

Zu Ihrer Karriere: Sie sind in der Nähe von Hannover aufgewachsen, haben es dann über Umwege in die 1. Liga geschafft. Warum sind Sie damals zur Dortmunder Reserve in der Regionalliga gewechselt, obwohl Sie Angebote aus dem Profibereich hatten?

Es schien mir der richtige Weg. Und es war für mich der richtige Schritt. Beim BVB II lief es bestens, ich konnte bei den Profis unter Jürgen Klopp im Double-Jahr trainieren und mich weiterbilden. Dann kam das Engagement bei St. Pauli in der 2. Liga und anschließend der Wechsel nach Leipzig, wobei Ralf Rangnick eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Ein Wechsel zu Werder Bremen stand nie zur Debatte?

Nein, es gab nie Kontakte.

Wie verfolgen Sie als Nationalspieler die jüngsten Diskussionen um die Nationalmannschaft?

Marcel Halstenberg: Wechsel zu Werder Bremen war nie ein Thema

Ich war beim 0:6 in Spanien nicht dabei, weil ich verletzt war. Ein ärgerliches Spiel, doch sowas kann vorkommen. Siehe unsere 0:5-Schlappe in Manchester. Aber wie wir am Dienstag gesehen haben, kann man sich davon auch erholen und es wiedergutmachen. Dazu wird es auch mit der Nationalmannschaft noch genug Chancen geben.

Sind Sie zuversichtlich für die EM?

Ja, schon. Ich glaube, dass wir ein erfolgreiches Turnier spielen können. Ich möchte auf jeden Fall dabei sein, bis dahin verletzungsfrei bleiben und in Form sein.

Ihre Meinung zum Profifußball in Zeiten der Corona-Pandemie! Eine extreme Belastung für die Spieler?

Ich will nicht klagen. Wir Profis sind weniger betroffen als andere Arbeitnehmer. Wir können weiterhin unserem Beruf nachgehen. Natürlich ist es mitunter schwierig. Wegen des vollen Terminkalenders leidet das Familienleben schon etwas. Wie in der letzten Woche, als wir erst in Istanbul waren und dann von dort sofort nach München geflogen sind.

Deutschland diskutiert, die Politik strebt einen Lockdown zu Weihnachten an? Die richtige Maßnahme?

In Sachsen wird es am Montag schon Realität. Es geht anscheinend nicht anders, weil die Zahlen bisher nicht besser werden. Doch gemeinsam stehen wir das durch.

(Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen RB Leipzig live im TV und im Live-Stream.)

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