Die Taktik von Florian Kohfeldt ging in der Partie des SV Werder Bremen gegen RB Leipzig nicht auf.
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Die Taktik von Florian Kohfeldt ging in der Partie des SV Werder Bremen gegen RB Leipzig nicht auf.

0:2-Pleite am 11. Bundesliga-Spieltag

Taktik-Analyse: Zu passiv, zu harmlos - Leipzig dominiert Werder

Leipzig - Niemand hatte erwartet, dass die Partie gegen Titelkandidat RB Leipzig einfach wird. Dass Werder Bremen aber über neunzig Minuten derart chancenlos blieb, schmerzt aus Bremer Sicht. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher analysiert, warum Bremen nur in der Anfangs- und der Schlussviertelstunde Leipzigs Dominanz brechen konnte.

Die Zutaten für eine Sensation waren eigentlich vorhanden. Werder Bremens Gegner RB Leipzig hatte unter der Woche ein schweres Champions-League-Spiel gegen Manchester United absolviert. Werder-Coach Florian Kohfeldt wollte sich dies zum Vorteil machen: Seine Bremer sollten den müden Gegner früh unter Druck setzen und mürbe spielen. Der Plan ging jedoch schief. Am Ende hatte Werder Bremen der Leipziger Dominanz wenig entgegenzusetzen.

Werder Bremen mit Fünferkette

Florian Kohfeldt vertraute erneut auf eine Formation mit einer Fünferkette in der Abwehr. Vor der Fünferkette verteidigte zunächst eine Doppelsechs aus Kevin Möhwald und Maximilian Eggestein. Leonardo Bittencourt begann als Rechtsaußen neben Joshua Sargent, nach einigen Minuten ließ er sich aber ebenfalls ins Mittelfeld fallen. Werder Bremen pendelte dadurch zwischen einer 5-2-3- und einer 5-3-2-Formation.

In den Anfangsminuten war Werder durchaus gewillt, Druck auszuüben auf den Gegner. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hatte seine Elf in einer 4-2-3-1-Formation aufgestellt. Auffällig war die Unwucht auf den Flügeln: Auf links hielt sich Außenverteidiger Marcel Halstenberg stark zurück. Auf rechts agierte Nordi Mukiele als klassischer Außenverteidiger.

Leipzig baute somit aus einer Dreierreihe auf: Halstenberg sowie die beiden Innenverteidiger verblieben hinten. Zunächst hatte Werder noch versucht, Zugriff zu erzeugen auf diese Dreierreihe. Sie gelangten dabei jedoch immer wieder im Mittelfeld in Unterzahl. Hier bot sich Amadou Haidara als einrückender Rechtsaußen an. Bittencourt musste sich in der Folge zurückziehen, um die Kontrolle über diese Zone zu behalten.

Die Grafik zeigt die Umformungen bei Leipziger Ballbesitz: Mukiele rückte vor und Haidara rückte vom rechten Flügel ein. Um im Mittelfeld nicht in Unterzahl zu geraten, musste Bittencourt sich zurückfallen lassen.

Das Mittelfeld von Werder Bremen verschiebt, agiert aber zu passiv

So konnte Leipzig nach einer etwas chaotischen Anfangsphase immer stärker Ball und Gegner laufen lassen. Ihre Dreierreihe im Aufbau war in Überzahl gegen Sargent und den ebenfalls vorne agierenden Romano Schmid. Über Halstenberg konnten sie das Pressing der Bremer aushebeln. Bremen zog sich zurück. Sie setzten darauf, im Zentrum kompakt zu stehen. Das Dreiermittelfeld stand eng vor der Fünferkette. Leipzig sollte aus dem Aufbau keine Pässe in das Zentrum spielen dürfen.

Leider leistete sich Werder Bremen in der Folge eine Schwäche, die sie bereits in einigen Partien dieser Saison plagte. Sie setzten ganz darauf, gegnerische Angriffe durch ein Verschieben zum Ball zu kontrollieren. Selten bis nie gingen sie dabei von Raum- auf Mannorientierung über. Einfach gesagt: Sie übten keinen Druck auf den Gegner aus. Das wurde immer dann zum Problem, wenn Leipzig das Spiel über die Flügel ins Zentrum tragen konnte.

Nicht optimal war vor allem das Verhalten der Innenverteidiger. Nur selten rückten diese aus der Abwehr heraus, um Gegenspieler zu verfolgen. So kam Dani Olmo mit der Zeit immer öfter zwischen den Linien an den Ball mit Blickrichtung Tor. Leipzig hatte somit zwei Optionen, vor das Tor zu gelangen: Entweder indem der frei stehende Halstenberg das Spiel verlagerte. Oder indem sie den ebenfalls freistehende Olmo zwischen den Linien fanden.

Kaum Veränderungen bei Werder Bremen nach der Pause

Auch defensiv traten die Leipziger dominant auf. Werder Bremen versuchte, das Spiel flach aus der eigenen Hälfte zu eröffnen. Wenn Bremen den Ball nach Außen spielte, schob Leipzig mit der gesamten Mannschaft hinterher. Sie ließen bewusst die gegenüberliegende Seite frei in dem Wissen, dass Bremen kaum Verlagerungen auf den ballfernen Außenverteidiger spielt. Leipzigs Kalkül ging auf: Sie pinnten Bremen auf einem Flügel fest und erzwangen den Fehlpass.

Da Leipzig nach der 2:0-Führung offensiv wenig Risiko einging, plätscherte die Partie lange Zeit vor sich hin. Kohfeldt wollte offensichtlich nicht zu früh auf eine offensivere Formation umstellen; er fürchtete (zurecht) Leipzigs Geschwindigkeit bei Kontern. Werder Bremen fehlte es aber an Kreativität in der Abwehrkette sowie an Tiefe im Angriffsdrittel, um Leipzigs Offensive ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Erst in der Schlussviertelstunde griff Bremen wieder früher an. Sie störten den Leipziger Drei-Mann-Aufbau nun mit drei Angreifern. Das hohe 3-4-3-Pressing provozierte tatsächlich einige Ballgewinne. Die anschließenden Konter spielte Werder jedoch nicht gut aus. Mehr als einige Halbchancen nach Standards konnte Werder nicht kreieren. So bleibt Kohfeldts Elf seit nunmehr acht Spielen sieglos. Die dritte Niederlage in Folge war dem individuell überlegenen Gegner geschuldet, aber auch der fehlenden Risikobereitschaft auf Bremer Seite. Leipzig hatte die Partie im Griff – und Werder Bremen bleibt vor allem offensiv einiges schuldig.

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