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Florian Kohfeldt hat den Rekord von König Otto Rehhagel eingestellt.

Ein Vergleich der „Serientäter“

Rehhagel und Kohfeldt: Rekord mit Schwachstelle

Bremen - Von Karsten Tenbrink. Eine Serie fand am vergangenen Wochenende ein jähes Ende, eine andere hält aber nach wie vor an: Während das unglückliche 1:2 in Stuttgart die erste Werder-Niederlage in dieser Saison bedeutete, kann Trainer Florian Kohfeldt seinen Startrekord von bislang 15 ungeschlagenen Heimspielen in Folge weiter ausbauen.

Gegner am Freitagabend ist der VfL Wolfsburg. Bekanntlich überflügelte der junge Coach mit dem Sieg gegen Hertha BSC am vorletzten Spieltag die bisherige Bestmarke von Otto Rehhagel. Wie das bei Statistiken aber meistens so ist: Ein genauerer Blick auf Zahlen und Zusammenhänge lohnt sich. Denn wirklich getoppt hat Kohfeldt die Leistung der Bremer Trainer-Legende eigentlich (noch) nicht.

Ein Rückblick auf das Jahr 1981: Otto Rehhagel ist Trainer des SV Werder Bremen, seine Erfolgsgeschichte im Ligabetrieb startet im April mit einem Sieg gegen Alemannia Aachen. Die Serie hält an bis zum Dezember, als die Grün-Weißen ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart holen. In 14 Ligaspielen bleibt Rehhagel mit dem SV Werder ungeschlagen, holt dabei ‒ wenn man die erst 1995 eingeführte Drei-Punkte-Regel zugrunde legt ‒ stattliche 34 Zähler mit seinem Team.

König Otto rettet Werder vor dem Abstieg

Zum Vergleich: Florian Kohfeldts Serie hält seit dem Sieg gegen Hannover im November 2017, in nunmehr 15 Heimspielen blieb er ungeschlagen, holte dabei aber „nur“ 29 Punkte. Zu viele Unentschieden waren dabei in den vergangenen zehn Monaten, nicht zuletzt das gegen die Nürnberger am dritten Spieltag, das sich durch den späten Treffer der Gäste wie eine Niederlage anfühlte.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Rehhagels Startbilanz gewissermaßen von den einstigen Werder-Verantwortlichen unterbrochen wurde. Bereits im Jahr 1976 wurde er nämlich als „Feuerwehrmann“ geholt, um den SVW vor dem drohenden Abstieg zu bewahren, bevor im Sommer mit Hans Tilkowski ein neuer Trainer übernehmen sollte. Dabei hatte Rehhagel Erfolg: In allen sechs Heimspielen blieb er mit Werder ungeschlagen und sammelte dabei die nötigen Punkte für den Klassenerhalt.

Darüber hinaus war König Otto bei seiner zweiten Amtszeit nicht nur in 14 Liga-Spielen zu Hause sehr erfolgreich, sondern auch in drei Intertoto-Cup-Partien (unter anderem gegen Zürich und Malmö) sowie zwei DFB-Pokal-Spielen (gegen Kaiserslautern und Bayreuth). Damit ergeben sich genau genommen sogar 19 ungeschlagene Heimspiele am Stück ‒ einmal ganz abgesehen von der besagten ersten Serie fünf Jahre zuvor.

Andererseits: Ottos „offizielle“ Erfolgsgeschichte begann 1981 noch in der der 2. Bundesliga Nord. In der höchsten deutschen Spielklasse wären es nur neun ungeschlagene Heimspiele gewesen. Und was kann außerdem Florian Kohfeldt dafür, dass bislang nur ein Heimspiel außerhalb des Ligabetriebs (der Sieg im DFB-Pokal gegen Freiburg im Dezember 2017) in seine Amtszeit fällt?

So recht vergleichbar sind die Zahlen am Ende also nicht. Was unterm Strich bleibt sind zwei sehr erfolgreiche Trainer ‒ der eine hat bereits Werder-Geschichte geschrieben, dem anderen darf man es in Zukunft durchaus zutrauen. Und spinnt man die Parallelen zwischen König Otto und Prinz Florian noch ein bisschen weiter, macht das schon jetzt Mut für das übernächste Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Die Werkself gehörte bei den Startrekorden beider Trainer nämlich zu den Teams, gegen die sie ungeschlagen blieben ‒ übrigens neben Dortmund, Köln, Stuttgart und vor allem einem gewissen Hamburger Sport-Verein.

Doppelte Party für Kohfeldt?

Und selbst dem Heimspiel gegen den FC Bayern am 1. Dezember könnte Werder ganz gelassen entgegenblicken. Schließlich verlor man unter Otto Rehhagel in 14 Jahren keine einzige Bundesliga-Partie zu Hause gegen die Münchner und Florian Kohfeldt hatte dazu bislang noch gar keine Gelegenheit. Allerdings hieße das konsequenter Weise wohl auch, dass sich die Werder-Fans in Sachen große Erfolge noch etwas gedulden müssen: Selbst der große Rehhagel holte seinen ersten Titel mit Werder erst 1988, also sieben Jahre nach seinem Amtsantritt.

Aber eins nach dem anderen. Nun hat der SVW bei seinem ersten Freitagsspiel in dieser Saison erst einmal den VfL Wolfsburg vor der Brust. Kohfeldt wünscht sich wohl nichts sehnlicher, als dass seine Mannschaft diese Flutlichtpartie attraktiv und erfolgreich gestaltet. Dann hätte er gleich doppelten Grund zu feiern, schließlich hat er an diesem Freitag auch noch Geburtstag.

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