Richard Ackerschott, der erste Ehrenspielführer in der Geschichte des SV Werder Bremen, trug einen einprägsamen Spitznamen: Sense. (Bild anklicken zum Aufklappen)
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Richard Ackerschott, der erste Ehrenspielführer in der Geschichte des SV Werder Bremen, trug einen einprägsamen Spitznamen: Sense. (Bild anklicken zum Aufklappen)

Eine Spurensuche zur Werder-Legende

Zum 100. Geburtstag von Werders erstem Ehrenspielführer Richard Ackerschott: Sie nannten ihn Sense

Bremen – Zunächst einmal ist da natürlich der Name, und was für ein Name das ist! Müsste man sich für einen Roman den eines beinharten Verteidigers ausdenken – viel treffender könnte es kaum werden als: Ackerschott, Richard Ackerschott. Die pure Kompromisslosigkeit, fußballerische Rustikalität, ausgedrückt in elf Buchstaben. Die einst aber offenbar nicht ausreichten, um die Spielweise dieses Mannes zu beschreiben. Deswegen haben sie ihn „Sense“ genannt. Am 10. Dezember 2021, wäre Richard Ackerschott, der erste Ehrenspielführer in der Geschichte des SV Werder Bremen, 100 Jahre alt geworden. Eine Spurensuche.

Es ist November 2021. Die graue Weser und der noch grauere Himmel draußen vor dem Fenster wetteifern darum, wer trostloser wirkt, als sich Harald Klingebiel im Café Ambiente einen Cappuccino bestellt. Seit 1987 schon arbeitet er die Geschichte des SV Werder Bremen akribisch auf, zeichnet die großen Linien nach und beschäftigt sich mit den bedeutenden Persönlichkeiten rund um den Verein. Wer also, bitteschön, sollte mehr über Richard Ackerschott erzählen können als dieser Klingebiel? Und zu erzählen muss es doch einiges geben! Über Ackerschott, den Abwehrspieler, den Flaksoldaten und Kneipier und, natürlich, den Ehrenspielführer. Es sind einige wenige Schlagworte, die bis heute mit der „Sense“ in Verbindung gebracht werden. Insgesamt ist es knapp 20 Jahre nach Ackerschotts Tod am 21. März 2002 aber ein ziemliches Puzzle, Informationen über diesen Mann zusammenzutragen. „Als die Werder-Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße 1944 einen Bombentreffer abbekommen hat, sind viele Unterlagen verloren gegangen“, erklärt Klingebiel – womit die Zeitreise, Schluck Cappuccino, im Café Ambiente auch schon begonnen hat.

Werder Bremen um Richard Ackerschott erlebt 1942 das bis dahin erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte

Geboren am 10. Dezember 1921 in Wuppertal, gestorben 81 Jahre später in Bremen, wo Richard Ackerschott auf dem Waller Friedhof begraben liegt. „Nachdem er 1942 nach Bremen gekommen war, hat er die Stadt nie mehr verlassen“, erklärt Klingebiel. Dass es den damals 21-jährigen Fußballer vom SSV Wuppertal überhaupt gen Norden verschlug, lag ausschließlich am Zweiten Weltkrieg. Als Flaksoldat wurde Ackerschott zur Luftwaffe nach Bremen versetzt. Lange dauerte es danach nicht, ehe sich Werder um die Dienste des großen Talents bemühte. Nach einem kurzen Gastspiel in der sogenannten „Grashopper-Mannschaft“ des Vereins, einer Art Hobby- und Freizeittruppe, rückte Ackerschott auf Bestreben von Werders Liga-Obmann Albert „Abbi“ Drewes in die erste Mannschaft auf, für die er bis 1958 aktiv war.

Etwa 300 Spiele hat er in diesem Zeitraum für Werder Bremen bestritten, spätere Altliga-Einsätze dazugezählt sollen es insgesamt unglaubliche 832 gewesen sein. Mehr hat niemand. Ackerschotts größter Triumph: Kaum in Bremen angekommen, wurde er 1942 mit Werder Niedersachsenmeister vor Eintracht Braunschweig. In der Deutschen Meisterschaft kam die Mannschaft später unter die letzten Acht, im Tschammer-Pokal, dem Vorgänger-Wettbewerb des heutigen DFB-Pokals, bis ins Halbfinale, was bis dato das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte markierte – und das mitten im Krieg. „(...) den Eindruck eines unter Kriegsbedingungen zusammengewürfelten Provisoriums machte sie (die Mannschaft, d. Red.) jedenfalls überhaupt nicht“, schreiben Klingebiel und Hans-Joachim Wallenhorst in der 1988 erschienenen Chronik „90 Jahre SV Werder“.

Werder Bremen: Richard Ackerschott wird erster Ehrenspielführer und hilft als Trainer aus

Ein Jahr vor dem Ende seiner Laufbahn in der ersten Mannschaft wurde Richard Ackerschott, Mitgliedsnummer „140 ACK00100“, 1957 zum ersten Ehrenspielführer ernannt. Der Chefetage des Vereins hatte „Sense“ stets nahe gestanden – und zwar buchstäblich. Nach dem Bombeneinschlag in die Geschäftsstelle war diese an den Peterswerder 6 umgezogen, ins Obergeschoss jenes Gebäudes, das bis heute die Werder-Kult-Kneipe „Taubenschlag“ beherbergt. Im Untergeschoss befand sich schon damals die Vereinskneipe, in der der gelernte Elektromeister Ackerschott fleißig mithalf. „Die Wege zur Geschäftsführung waren für ihn also kurz“, sagt Klingebiel. Und die Bande zum Verein entsprechend eng geknüpft, wozu auch Ackerschotts Heirat mit der Tochter eines Werder-Funktionärs beigetragen haben dürfte. „Er war Werder durch und durch“, hält Klingebiel fest.

Im Laufe der Jahre arbeitete Richard Ackerschott unter anderem als Jugendtrainer und Schiedsrichter-Betreuer für Werder Bremen weiter. Verbrieft sind zudem einige Aushilfseinsätze als Trainer. So vertrat Ackerschott den verhinderten Fritz Langner in der Saison 1968/1969 in vier Spielen an der Außenlinie. Zwei Saisons später erlebte er von dort aus dann eines der denkwürdigsten Duelle der Bundesliga-Geschichte. 3. April 1971: Ackerschott springt am 27. Spieltag für den erkrankten Robert „Zapf“ Gebhardt ein und hat beste Sicht auf den Pfostenbruch vom Bökelberg. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. (dco) Verfolgt das Zweitliga-Spiel des SV Werder Bremen gegen Jahn Regensburg im Live-Ticker der DeichStube! Lest auch: Deutliches Signal! Werder-Aufsichtsratsboss Marco Fuchs setzt weiter auf Sportchef Frank Baumann! Und: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Jahn Regensburg aussehen!

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