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Neuzugang Robert Skov von der TSG 1899 Hoffenheim schätzt Werder Bremen und hat die Entwicklung der Grün-Weißen in den vergangenen Jahren genau verfolgt. 

Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen Hoffenheim

Hoffenheim-Neuzugang Robert Skov im Interview: „Werder hat viel Qualität“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 2. Spieltag geht es um 1899 Hoffenheim.

Seit knapp einem Monat ist Flügelstürmer Robert Skov Bestandteil des Kaders der TSG 1899 Hoffenheim. 10 Millionen Euro ließen sich die Kraichgauer die Dienste des dänischen Nationalspielers, der vom FC Kopenhagen nach Sinsheim wechselte, kosten. Der 23-Jährige unterschrieb einen Fünfjahres-Vertrag. Die Beweggründe für seinen Wechsel in die Bundesliga, seine Meinung über den kommenden Gegner Werder Bremen und dessen Coach Florian Kohfeldt hat er nun im Gespräch mit der DeichStube verraten.

Niederlage zum Auftakt in Frankfurt. Steht Hoffenheim beim Heimspiel gegen Bremen schon unter Zugzwang?

Wir müssen einfach an unserem Plan festhalten und so weiterarbeiten wie bisher. Einige Dinge beim Frankfurt-Spiel waren nämlich bereits richtig gut. Wir hatten viel Ballbesitz, Kontrolle über das Spiel – das, wofür wir stehen wollen. Jetzt geht es darum, im letzten Drittel noch zwingender zu werden, noch mehr klare Chancen zu erspielen und natürlich zu treffen.

Wie haben Sie Ihr Debüt in der Bundesliga erlebt?

Ich habe immer davon geträumt, in der Bundesliga zu spielen. Es hat Spaß gemacht, vor so einer Atmosphäre in dieser tollen Liga aufzulaufen. Auf der anderen Seite war es dennoch enttäuschend, beim Debüt nichts mitzunehmen. Auch ich hatte eine gute Chance, gleich zu treffen – jetzt geht es darum, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Was ist der hauptsächliche Unterschied zwischen dem deutschen Profifußball und der Liga in Dänemark?

Die individuelle Qualität über die komplette Liga und die Geschwindigkeit in den Spielen ist hier schon noch mal höher als in Dänemark. Dazu ist die Atmosphäre in den Stadien gigantisch. Meine Eltern haben mich und meinen Bruder bereits früh mit zu Spielen in Deutschland genommen – dort konnte ich bereits erleben, wie die Deutschen den Fußball lieben. Seitdem war es mein Wusch, irgendwann in Deutschland zu spielen.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich für Hoffenheim entschieden haben?

Ich hatte eine super Zeit bei Kopenhagen und habe es genossen, in der dänischen Liga zu spielen. Aber ich bin sehr ehrgeizig und sehe nun hier in Hoffenheim die besten Möglichkeiten, um die nächsten Schritte in meiner Karriere zu gehen. Die Verantwortlichen des Klubs haben mir aufgezeigt, wie ich mich hier auf hohem Niveau weiter entwickeln kann - so wie schon viele talentierte Fußballer bei der TSG getan und es in Nationalteams geschafft haben. Außerdem ist Hoffenheim für seinen offensiven Fußball bekannt, was sich natürlich mit meinen Vorlieben als Offensivspieler deckt (grinst).

Haben Sie in Kopenhagen den Werdegang von Werder Bremen verfolgt?

Wie angedeutet habe ich die Bundesliga schon immer verfolgt und Bremen auch deswegen, da in Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson zwei Spieler von Kopenhagen zu Werder gewechselt waren. Das ist zu dieser Zeit natürlich ein Thema im Verein gewesen, weshalb man in der Folge schon mal genauer hingeschaut hat.

Wie schätzen Sie die Mannschaft ein?

Bremen hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr gesteigert und ist zuletzt nur knapp an der Europa-League-Qualifikation vorbei geschrammt. Dieses Jahr wollen sie es sicher schaffen. Trotz der etwas unglücklichen Auftakt-Niederlage gegen Düsseldorf hat Werder viel Qualität.

Werder-Coach Florian Kohfeldt gilt als einer der aufstrebenden Trainer in Deutschland. Was wissen Sie über ihn? Und welchen Eindruck haben Sie von ihm?

Ich kenne ihn nicht persönlich, aber weiß, dass er ein junger, ambitionierter Trainer ist, der einen offensiven Fußball spielen lässt – ähnlich wie wir in Hoffenheim. Daher gehe ich auch von einem attraktiven, temporeichen Spiel am Samstag aus und freue mich sehr auf mein erstes Heimspiel bei der TSG.

Wissenswertes vor dem Werder-Spiel gegen 1899 Hoffenheim: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch von Alexander Rosen

„Jetzt sind wir mal Neunter geworden, was nicht den gezeigten Leistungen entsprochen hat, aber hier rennt deswegen keiner wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Geschäftsstelle.“

Manager Alexander Rosen über die vergangene Saison der Hoffenheimer.

Der „alte Neue“ bei 1899 Hoffenheim

Die Schlagzeile passt. „Das Hau-Rück-Verfahren“, titelte der kicker in seiner Saison-Vorschau. Ein Begriff, der in zweierlei Hinsicht zu verstehen ist. Zurück holten sie einen Trainer, dem sie zutrauen, das schwere Erbe zu meistern, das Julian Nagelsmann hinterlässt. Alfred Schreuder heißt der Auserkorene. Ein Niederländer, 46 Jahre alt, ehedem von Huub Stevens als Assistent empfohlen. Erst als Co-Trainer in Arnheim, dann in gleicher Rolle sowie als Chefcoach bei Twente Enschede hatte er sich bewährt. Von Oktober 2015 bis Ende 2017 arbeitete er bei der TSG. Auch als zweiter Mann hinter Nagelsmann, mit dem ihn eine ähnlich lautende Fußballphilosophie verbindet. Als Zwischenspiel ist die kurze Spanne bei Ajax Amsterdam zu sehen: Schreuder verließ den Kraichgau, ging Erik ten Hag zur Hand und leistete so seinen Beitrag zum Ajax-Wunder in der vergangenen Saison. Nun ist er zurück. 

Auch weil er so ähnlich tickt wie der abgewanderte Startrainer Nagelsmann. „Hau-Rück“ statt Hau-Ruck steht aber für die Weiterentwicklung, die Schreuder anstrebt. An der Art und Weise, wie Hoffenheim Fußball interpretiert, werde sich nicht viel ändern, versichert der Comebacker. Doch er strebt an, „defensiver agieren zu lassen“, um erfolgreicher zu sein. Im letzten Jahr unter Nagelsmann war das schöne Spiel leider meist Selbstzweck, nicht gerade geprägt durch Effizienz. Schreuders Versprechen: „Wir haben eine starke Truppe und ich habe große Lust, eine neue Geschichte mit der TSG zu schreiben.“

Negativ-Rekord von 1899 Hoffenheim

Richtig zur Sache gingen die Hoffenheimer in der letzten Saison. Sie verübten exakt 471 Fouls, somit die meisten Regelwidrigkeiten in der Liga - und sie stellten damit einen Negativ-Rekord auf.

Rekordtorjäger bei 1899 Hoffenheim

50 Treffer stehen bisher auf seinem Konto. 50 Tore für die TSG. Damit ist Andrej Kramaric der Rekordtorjäger. Gefolgt von Sead Salihovic (46), Vedad Ibisevic (43) und Roberto Firmino (38). Dem früheren Werderaner Ishak Befodil gelangen bislang 16 Tore für seinen neuen Arbeitgeber.

Sebastian Rudy: Rückkehr in den Kraichgau

In der Ferne wurde er nicht glücklich: Sebastian Rudy, der Nationalspieler, setzte sich weder bei Bayern noch zuletzt bei Schalke 04 durch. Also gab es eine Rückkehr in den Kraichgau. Noch bis 2022 bei Königsblau unter Vertrag, ließ sich der 29-Jährige für ein Jahr ausleihen und kehrt zur TSG zurück. Leihgebühr: 850 000 Euro. „An alter Wirkungsstätte wieder zu alter Stärke zurückfinden“, dies strebt der Allrounder an, der in sieben Jahren und 195 Ligaspielen für Hoffenheim elf Tore und 29 Vorlagen beisteuerte. Die Rückkehr des Regisseurs gestaltete sich bisher recht erfolgreich.

Zurück an alter Wirkungsstätte: Sebastian Rudy ist nach erfolglosen Episoden beim FC Bayern München und dem FC Schalke 04 für ein Jahr an die TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen.

Über 100 Millionen Euro Transfererlöse bei der TSG Hoffenheim

Über 100 Millionen Euro kassierte Hoffenheim in diesem Sommer. Immense Einnahmen auf dem Transfermarkt. Zwei Spieler verließen die TSG in Richtung Leverkusen: Früh Kerem Demirbay, 32 Millionen Euro teuer, später Nadiem Amiri, der für 9 Millionen Euro ging. Am meisten brachte der Weggang von Joelinton nach England: Newcastle zahlte 44 Millionen Euro. Dazu stand frühzeitig der Abgang eines Nationalspielers fest. Nico Schulz (Ablöse: 22,5 Mio. Euro) schloss sich der Dortmunder Borussia an. 

Finanziell ein gutes Geschäft, sportlich herbe Verluste für den Verein, dessen Sportdirektor Alexander Rosen sagt: „Das Bild des Kaders erneuert sich. Wir sind wieder sehr zuversichtlich.“ Zum Glück konnte das erfolgreiche Sturmduo gehalten werden: Der Ex-Bremer Belfodil, im Kraichgau aufgeblüht, und Andre Kramaric brachten es im letzten Spieljahr gemeinsam auf 33 Tore. Vorzeitig bis 2023 verlängerte auch der umworbene Stefan Posch seinen Vertrag.

Neuzugänge und Hoffnungsträger bei 1899 Hoffenheim

Zwei Einkäufe sollen für das personelle Gleichgewicht sorgen. Viel wird von einem Dänen erwartet: Robert Skov vom FC Kopenhagen, der rund zehn Millionen Euro Ablöse kostete, soll Impulse in der Spitze setzen. Spieler des Jahres in Dänemark 2018, Top-Torschütze mit 29 Treffern, A-Nationalspieler mit einem Debüt in diesem Sommer, starker linker Fuß, Spezialist für Freistöße – Hoffenheim darf sich auf einen torgefährlichen Offensivspieler freuen. 

Für den Angriff ist zudem der vom Absteiger Hannover 96 geholte Ihlas Bebou (8,5 Mio) eingeplant. Beide spielten bereits in Frankfurt. Zudem ergänzen einige zurückgeholte Leihspieler das Aufgebot in der ersten Spielzeit nach Nagelsmann. Die prominentesten Heimkehrer: Kevin Akpoguma (von Hannover 96), Konstantinos Stafylidis (aus Augsburg), Steven Zuber (von VfB Stuttgart) und Vincenzo Grifo (aus Freiburg).

Rekordtransfer bei 1899 Hoffenheim

Bei der TSG stand er schon lange auf dem Zettel, nun ist der Transfer perfekt gemacht worden. Ein Rekordtransfer kurz vor dem Ligastart: Für sage und schreibe zwölf Millionen Euro verpflichteten die Hoffenheimer Diadie Samassekou, einen 23-jährigen Malier von RB Salzburg. „Ein guter defensiver Sechser, der auch mit dem Ball gut umgehen kann“, lobt der neue Cheftrainer Schreuder den neuen Mann. 

Der malische Nationalspieler hat nach Angaben des Clubs in den letzten drei Jahren rund 150 Spiele bestritten, und wurde auch in der Europa League eingesetzt. Beim Start war er sogleich am Ball: eingewechselt für Lukas Rupp, obwohl er kaum trainiert hat in der neuen Umgebung.

Rätsel um Andrej Kramaric

In der Vorbereitung fiel er lange aus: rätselhafte Knieprobleme bei Andrej Kramaric waren der Grund, weshalb sich der Stürmer zu seinem Vertrauensarzt in Kroatien zurückzog. Beim Saisonstart nicht einsatzfähig. Pech, dass auch Ishak Belfodil lange an einer Dehnung des Kreuzbandes laborierte und beim ersten Spiel nur als Einwechselspieler zur Verfügung stand. Zu Saisonbeginn droht der Offensive ein eher zäher Start.

Form von 1899 Hoffenheim

Nur 40 Sekunden dauerte es, bis es erstmals im Hoffenheimer Tor klingelte. Hintereggers früher Treffer bedeutete das Endresultat: 0:1 in Frankfurt. Niederlage für die TSG zum Start. Hoffenheim musste auf Hübner (muskuläre Probleme im Nacken und Schulterbereich) und den Ex-Bremer Florian Grillitsch (Wadenverletzung) verzichten. Unter dem neuen Trainer Alfred Schreuder muss sich die Elf erst noch finden. Auch im Pokal eine Woche zuvor lief nicht alles rund. 1899 musste lange zittern und siegte bei den Würzburger Kickers erst im Elfmeterschießen mit 5:4.

Bilanz von Werder Bremen gegen 1899 Hoffenheim

Insgesamt kassiert kassierte Werder Bremen bisher nur drei Niederlagen gegen Hoffenheim. Die Bilanz: 24 Spiele, 12 Siege, 9 Remis, 3 Niederlagen. Das spektakulärste Spiel fand am 27. September 2008 im Bremer Weserstadion statt: In einem spektakulären Spiel hieß es am Ende 5:4 für Werder. Zweimal traf Mesut Özil, je einmal waren Claudio Pizarro, Diego und Aaron Hunt erfolgreich. Namhafte Torschützen gab es in Demba Ba, Sejad Salihovic, Vedad Ibisevic und Marvin Compper auch beim Gegner.

Tipp: 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen

Geteiltes Leid. Beide Teams patzten beim Start. Auch bei den Hoffenheimern zeigten sich noch diverse Schwachstellen, die frühere Nagelsmann-Elf muss sich noch finden. Der Umbruch im Kraichgau scheint größer als der an der Weser. Doch auch bei Werder bereiten die gegen Düsseldorf offenbarten Defizite schon Kopfschmerzen. Dabei fällt mehr die Anfälligkeit vor dem eigenen Tor ins Gewicht als die Abschlussschwäche vor dem generischen Tor. Die Kohfeldt-Truppe muss sich steigern, sonst droht ein Fehlstart.

Mehr News zu Werder Bremen

Derweil haben die Grün-Weißen einen Wechsel abgewickelt: Beim Transfer von Robert Bauer nach Russland geht Werder Bremen leer aus. Glück im Unglück für Milot Rashica und Werder Bremen: Die Adduktorenverletzung erwies sich als nicht so dramatisch, wie zunächst befürchtet. Am Samstag steht das erste Auswärtsspiel der Saison in Sinsheim an. So seht Ihr die Partie von Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim live im TV. Ohne den verletzten Milot Rashica, dafür mit Niclas Füllkrug – das ist die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

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