Romano Schmid freut sich riesig über sein erstes Tor für Werder Bremen.
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Romano Schmid freut sich riesig über sein erstes Tor für Werder Bremen.

Werder-Profi Romano Schmid hat endlich getroffen

Der Geiz als Reiz: Warum Romano Schmid für sein erstes Tor den Werder-Mitspielern keinen ausgibt

Bremen – Lange geizte Romano Schmid beim SV Werder Bremen mit Toren – und nun will er den Kollegen nicht mal einen ausgeben, obwohl er endlich getroffen hat. Doch mit diesem Geiz setzt der 21-Jährige nur einen besonderen Reiz: „Ich habe ihnen gesagt, jetzt noch nicht. Denn erst mal schauen wir, dass wir die Saison so erfolgreich wie möglich gestalten, und dann lasse ich mir etwas einfallen.“ Will da etwa jemand die Aufstiegsparty schmeißen?

Wenn Romano Schmid so erfolgreich weiterspielt, könnte das mit der Rückkehr in die Bundesliga tatsächlich klappen. Aber so weit will der Österreicher nach seinem ersten Tor im 42. Pflichtspiel für den SV Werder Bremen nicht denken. „In unserer Situation müssen wir von Spiel zu Spiel schauen. Wenn wir punkten, dann rücken wir nach vorne“, sagt er in bester Fußballer-Manier. Immerhin gesteht er, dass der nächsten Werder-Partie am Freitagabend beim Tabellendritten Jahn Regensburg (18.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) schon eine besondere Bedeutung zukommt: „Wir sehen die Chance, an die oberen Vier heranzukommen – und die wollen wir auch ergreifen.“

Werder Bremen-Profi Romano Schmid über beendete Torflaute: „Es wurde echt Zeit, endlich zu treffen“

Schmid selbst dürfte dabei noch etwas befreiter auftreten. „Gerade auf meiner Position ist es nach 42 Spielen natürlich ein richtig gutes Gefühl, gezeigt zu haben, dass ich es auch hier kann. In der Nationalmannschaft treffe ich ja eigentlich immer“, sagt Schmid. Dass er in Bremen schon als ein „Mr. Harmlos“ galt, hat ihn durchaus getroffen. „Ich bin ein sensibler Mensch. Es ist nicht einfach, wenn man nicht trifft, wenn dann von außen viel kommt, die Mitspieler dich ein bisschen ärgern. Klar, das gehört dazu. Es ist auch witzig, ich mache ja selbst gerne Spaß.“ Doch irgendwann würden diese Frotzeleien dann schon nerven. Deshalb habe er sich auch gegenüber den Kollegen gewehrt. „Ich wusste, dass ich es kann, das habe ich ihnen auch gesagt“, erinnert sich Romano Schmid und stellt erleichtert fest: „Es wurde echt Zeit, endlich zu treffen.“ Denn die Torlosigkeit hatte sogar dazu geführt, „dass ich lange versucht habe, den Ball ins Tor zu tragen“. Erst in den vergangenen Wochen habe er verstärkt den Abschluss aus der Distanz gesucht – auf Wunsch des Trainers.

Gemeint ist Markus Anfang, der inzwischen im Zuge der Impfpass-Affäre zurückgetreten ist. Zu ihm pflegte Schmid ganz offenbar ein spezielles Verhältnis. „Ich habe viel gespielt, dafür bin ich dankbar“, sagt der Offensivmann einerseits, lässt andererseits aber auch diesen Zusatz folgen: „Auch wenn es nicht immer meine Position war.“ Auf der Außenbahn und dabei speziell als linker Außenverteidiger in einer Fünferkette habe er sich überhaupt nicht wohlgefühlt: „Jeder hat gesehen, dass das nicht meine Position ist.“

Romano Schmid freut sich über neue Rolle unter Ole Werner: „Das ist meine beste Position“

Umso glücklicher war Schmid, dass er unter dem neuen Coach Ole Werner gegen Aue gleich im Zentrum ran durfte. „Das ist meine beste Position, finde ich.“ Wobei er nicht den klassischen Zehner, also den Spielmacher geben durfte. Den gibt es im aktuellen System von Werner auch gar nicht. Schmid musste sich als Achter beweisen – und machte das sehr ordentlich. Er ist da weniger Stratege, sondern mit seiner wuseligen Art und seinen Dribblings eher einer, der immer wieder für Unordnung in den gegnerischen Reihen sorgt.

So hatte sich das Sportchef Frank Baumann auch gewünscht, als er Schmid im Januar 2019 von RB Salzburg loseiste – für eine Ablösesumme von immerhin einer Million Euro. Zur besseren Weiterentwicklung wurde das Talent sofort an den Wolfsberger AC ausgeliehen. Und in seiner österreichischen Heimat spielte Romano Schmid stark auf. Im Sommer 2020 kam er mit viel Selbstbewusstsein zurück zum SV Werder Bremen, konnte sich dort unter Florian Kohfeldt aber nicht durchsetzen. Ziemlich gefrustet setzte der 21-Jährige nach dem Abstieg zum Neustart an – und dabei auch auf Coach Anfang.

Werder Bremen: Romano Schmid hat sein erstes Tor nicht groß gefeiert - „Bin gleich schlafen gegangen“

Der Plan ging auf. Romano Schmid kam in allen 16 Ligaspielen zum Einsatz, stand dabei zwölf Mal in der Startelf. Nur der Ertrag war für einen Offensivmann etwas dürftig. Nach drei Assists in den ersten sechs Partien folgte lange Zeit gar nichts. Nun gelang ihm endlich das erste Tor für die Grün-Weißen – ein schöner Schlenzer in den Winkel, wie er es im Training immer wieder geübt hatte. Dass er nun sogar darauf angesprochen wird, möglicherweise in die österreichische Nationalmannschaft aufzurücken und im März in den WM-Playoffs gegen Wales zu spielen, bezeichnet er als „absurd“. Begründung: „Ich glaube, ich habe schon genug gute Spiele in dieser Saison gemacht, wo ich nicht getroffen habe. Ich bin U21-Nationalspieler – und wenn es so bleibt, dann ist es so.“ Heißt also: Schmid fühlt sich längst stark genug für höhere Aufgaben.

Bei aller Sensibilität ist da eben auch viel Selbstbewusstsein, wie es ein Profi braucht. Doch der junge Schmid wirkt clever genug, dass nicht zu sehr zur Schau zu tragen. Immer wieder betont er die Bedeutung der Mannschaft. Und seine Torpremiere bei Werder Bremen habe der 1,68 Meter kleine Angreifer auch nicht groß gefeiert: „Ich bin nach Hause zu meiner Freundin und zu meinem Sohn und dann gleich mal schlafen gegangen.“ Die fette Party soll eben erst nach der Saison steigen . . . (kni) Lest auch: Impfpass-Affäre! Werder Bremen muss nichts mehr für Markus Anfang zahlen - auch nicht an Darmstadt! Schon gelesen? So könnt Ihr Werder Bremen gegen Jahn Regensburg live im TV und im Live-Stream gucken!

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