Zwei Jahre verbrachte er bei Werder Bremen, seit 2016 ist Rouven Schröder Sportdirektor bei Schalke 04.
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Zwei Jahre verbrachte er bei Werder Bremen, seit 2016 ist Rouven Schröder Sportdirektor bei Schalke 04.

Interview der DeichStube

S04-Sportdirektor Schröder im Interview vor dem Duell gegen Werder: „Auf Schalke ist es schwerer als damals in Bremen“

Gelsenkirchen - Bei Werder Bremen habe er zwei tolle Jahre erlebt, erinnert sich Rouven Schröder, der Sportdirektor des FC Schalke 04. Gute Kontakte pflegt er weiterhin an die Weser, berichtet der 46-Jährige im Interview mit der Deichstube vor dem Zweitliga-Schlager am Samstag (Anmerkung der Redaktion: Das Gespräch wurde vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Werder-Trainer Markus Anfang und dessen Rücktritt geführt).

„Natürlich drücke ich Werder Bremen die Daumen, dass es mit dem Wiederaufstieg klappt“, sagt Rouven Schröder, „doch am Samstag möchte ich mit meinem Club dort gewinnen.“ Der frühere Werder-Manager – von 2014 bis 2016 in Bremen der zweite Mann hinter Sport-Geschäftsführer Thomas Eichin - beschreibt die Lage in Gelsenkirchen nach der Mini-Krise mit drei Niederlagen in Folge, spricht über den im Sommer erfolgten Neuaufbau mit insgesamt 42 Transferbewegungen und schildert die Situation um den zuletzt erfolglosen Rekordtorjäger und Königstransfer Simon Terodde. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er wieder trifft - am besten schon in Bremen.“

(Verfolgt das Zweitliga-Duell zwischen dem SV Werder Bremen und Schalke 04 im Liveticker der DeichStube!)

Hat Schalke zuletzt bei den Niederlagen gegen Darmstadt 98, den 1. FC Heidenheim und im DFB-Pokal bei 1860 München drei richtig gebrauchte Tage in Folge erwischt, Rouven Schröder?

Ich weiß nicht, ob es so genannt werden muss. Doch es ist nun mal so, dass wir ehrgeizig und ambitioniert sind. Wir Schalker wollen gewinnen, jedes Spiel am liebsten. Das ist uns in Heidenheim und gegen Darmstadt sowie bei 1860 München nicht gelungen. Insofern sind wir enttäuscht, haben uns kräftig geärgert. Wir wissen natürlich um unseren Anteil an diesen Niederlagen und haben dies sorgfältig aufgearbeitet.

Es ist eine Mini-Krise. Sind Sie daher geschockt?

Nein, ich bin weiterhin positiv gestimmt. Weil ich denke, dass wir aus diesen Partien die richtigen Schlüsse ziehen werden und schnell wieder in die richtige Spur kommen. Und wir dürfen nicht außer Acht lassen, wie die Mannschaft davor aufgetreten ist und begeistert hat. Zuvor haben wir in sieben Meisterschaftsspielen sechs Siege verbucht.

War die Länderspielpause jetzt eine willkommene Gelegenheit, dass die Elf durchschnauft und sich neu orientieren kann? Oder hätten Sie lieber sofort wieder gespielt, um schnell die negativen Erlebnisse und Ergebnisse vergessen machen zu lassen?

Schwer zu beantworten, weil es ein zweischneidiges Schwert ist. In der Pause konnten alle herunterfahren und in Ruhe die Dinge ansprechen, die es zu verbessern gilt. Andererseits könnte es auch ein Vorteil sein, sich sofort wieder zu stellen und die Dinge mit einem guten Spiel zurück ins Positive zu wenden. Ich bin eher ein Freund davon, so an die Sache heranzugehen. Doch ich glaube, wir haben die spielfreien zwei Wochen gut genutzt, um die notwendigen Änderungen vorzunehmen. Ich bin optimistisch, dass die Mannschaft in Bremen ganz anders auftritt als zuletzt.

Schalke-Manager Rouven Schröder: „Ich habe bei Werder Bremen zwei wunderschöne Jahre erlebt“

Im Weserstadion feiern Sie ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Club. Mit welchen Gefühlen kehren Sie an die Weser zurück?

Ich habe dort zwei wunderschöne Jahre verlebt. Ich stehe immer noch in Verbindung zu den Verantwortlichen. Regelmäßiger Kontakt besteht zu Frank Baumann, mit dem ich damals bei Werder in der Direktion Sport zusammengearbeitet habe. Wir tauschen uns regelmäßig aus. Ich freue mich also auf die Rückkehr. Und natürlich drücke ich Werder die Daumen, dass es kurz-bis mittelfristig mit dem Wiederaufstieg klappt. Denn Werder gehört wie auch Schalke in die 1. Liga. Doch trotz dieser emotionalen Ebene ist klar: Am Samstag sind wir Konkurrenten. Ich wünsche Bremen alles erdenklich Gute, doch am Samstag möchte ich mit meinem Club Schalke dort gewinnen.

Wenn Sie Ihre Zeit im Norden mit der aktuellen Aufgabe im Westen vergleichen: Ist der Job in Schalke schwerer?

Ich denke schon, weil in Bremen damals ganz andere Möglichkeiten vorhanden waren. Eine bessere wirtschaftliche Grundlage dank der 1. Liga. So konnten wir zum Beispiel die Verpflichtungen von Jannik Vestergaard und Anthony Ujah tätigen. Auf Schalke kommt indes vieles zusammen: Abstieg, dazu Corona, weniger Einnahmen, dadurch die Pflicht, drastische Einsparungen vorzunehmen. Es musste ein Totalumbruch erfolgen. Es war mein Auftrag, den ich gemeinsam mit dem Vorstand und meinem Team angegangen bin. Im Sommer hatten wir über 40 Transferbewegungen. Es steht also eine komplett neue Elf auf dem Feld.

Als Sportdirektor und Kaderplaner haben Sie in dieser Hinsicht federführend agiert. Ihre Personalpolitik wird gelobt, ihre Marktkenntnis und ihr Blick für Talente werden gerühmt. Spürnase oder Adlerauge? Welche Beschreibung gefällt Ihnen besser?

Generell gilt, dass ohne ein gut abgestimmtes Team nichts funktioniert. Hier habe ich eine solche Gruppe von Fachleuten vorgefunden, die harmoniert. Ich habe mich bemüht, den bestmöglichen Job zu machen und einen ausgewogenen Kader zusammenzustellen. Ob dies geglückt ist, sollen Außenstehende bewerten.

Ist Simon Terodde der Königstransfer?

Vorweg muss ich betonen: Dieser Transfer ist erfolgt, bevor ich offiziell im Amt war. Sportvorstand Peter Knäbel war dafür in erster Linie verantwortlich. Simon Terodde ist ein toller Transfer, nicht nur weil seine Verpflichtung zu jenem Zeitpunkt ein wichtiges Signal in Richtung Fans gewesen ist. Es war das Zeichen, dass es auf Schalke weitergeht.

Was zeichnet den Rekordtorjäger der 2. Liga aus?

Die sportlichen Fähigkeiten sprechen für sich. Zudem ist Simon bodenständig, er ein toller Sportler, liefert immer ehrliche Arbeit ab und tut alles für Mannschaft und Club.

Zuletzt beklagte er eine Flaute, hat nicht mehr getroffen, seit er seinen 153. Treffer markiert und somit mit dem früheren Hannoveraner Dieter Schatzschneider gleichgezogen hat. Macht Ihnen das Sorge?

Überhaupt nicht. Selbst bei herausragenden Stürmern kann es passieren, dass ein paar Spiele kein Treffer gelingt. Simon stemmt sich dagegen und kämpft weiter, wie es seine Art ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er wieder trifft. Am besten schon in Bremen - ich wünsche es ihm und unserer Mannschaft.

Von Terodde ist bekannt, dass er nur relativ kurz auf seinen bisherigen Stationen war. Sein Vertrag läuft nur ein Jahr, es soll eine Optionsklausel existieren. Bleibt er länger in Gelsenkirchen?

Ich bin guter Dinge, dass wir länger zusammenarbeiten werden. Er fühlt sich bei uns wohl. Über vertragliche Angelegenheiten reden wir nicht öffentlich, doch wir haben gewisse Vorkehrungen getroffen.

Rouven Schröder: Für Werder Bremen sind die Maßnahmen auf dem Transfermarkt durch den Abstieg eingeschränkt

Mit-Absteiger Werder Bremen hat bisher noch nicht die Kurve in der Unterklassigkeit bekommen. Was macht es so schwer als Absteiger in der 2. Liga?

Ein Abstieg ist immer ein Einschnitt. Erschwerend kommt noch der Faktor hinzu, dass auch die Bremer bei allen Entscheidungen auf die finanzielle Lage Rücksicht nehmen müssen, die Maßnahmen auf dem Transfermarkt also eingeschränkt sind. Das beeinflusst die Neuorientierung und läuft besonders in der 2. Liga meist nicht ganz reibungslos ab.

Was ist so gefährlich in dieser Spielklasse?

Es bestätigt sich seit Jahren, dass diese Klasse durch eine maximale Ausgeglichenheit gekennzeichnet ist. Es ist nicht vorauszusehen, was Woche für Woche passiert. Alle Spiele sind sehr eng. Überraschungen sind an der Tagesordnung. Favoriten erwischen Phasen, in denen es nicht so läuft.

Der Hamburger SV ist dreimal gescheitert, Werder Bremen hat schon geschwächelt, Schalke ist auf Platz 5 noch der beste der ruhmreichen Traditionsclubs. Es bleibt die Grundsatzfrage: Warum tun sich vor allem die Favoriten so schwer?

Für die anderen sind die Partien gegen diese Mannschaften immer der absolute Höhepunkt in der Saison - gerade auch auswärts vor meist vollem Haus. Es ist für diese Teams ein Zusatzspiel, sie können befreit aufspielen, es ist vom Kopf her ganz einfach, weil es nichts zu verlieren gibt. Die favorisierten Mannschaften müssen sich darauf einstellen, müssen dagegen angehen, sie müssen sich beweisen. Wer dies schafft, setzt sich durch.

Thema Impfen: In der Politik wird diskutiert, ob es eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen und möglicherweise auch für den bezahlten Fußball geben soll. Was halten Sie davon?

Es wäre wünschenswert, wenn sich alle Profis impfen ließen. Ich bin geimpft, auf Schalke haben wir eine gute Quote, deutlich über 90 Prozent. Wir als Club appellieren an Mitarbeiter und Fans, sich impfen zu lassen.

(Lest dazu: Rückzug vor dem Rauswurf: Anfang stolpert bei Werder über sich selbst)

Sie kennen den Spruch der Schalker Legende Rudi Assauer: „Entweder schafft Schalke mich oder ich schaffe Schalke!“ Was wird aus Rouven Schröder?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich widme aktuell meine ganze Energie meiner Arbeit, gehe diesen Job mit Inbrunst an. Ich lebe immer im Hier und Jetzt.

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