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Rudi Völler (Mitte) wird am Ostermontag 60 Jahre alt. Thomas Wolter (l.) und Thomas Schaaf (r.) erinnern sich gerne an ihre gemeinsame Zeit beim SV Werder Bremen.

„Tante Käthe“ wird 60!

„Er konnte hier tun und lassen, was er wollte“: Werder-Legenden feiern Ex-Teamkollegen Rudi Völler

Bremen – Von Thorsten Jung. Am Ostermontag feiert Rudi Völler seinen 60. Geburtstag. Fünf Jahre seines Lebens verbrachte der Torjäger bei Werder Bremen und hat dabei Spuren hinterlassen. Thomas Schaaf und Thomas Wolter gratulieren dem ehemaligen Mitspieler und berichten von einer der auffälligsten Figuren in der Werder-Geschichte.

Über Rudi Völler, das Schlitzohr, den streitbaren Geist und Fan-Liebling. „Als er zu Werder Bremen gekommen ist, war er bei der Bundeswehr in Schwanewede“, erinnert sich Thomas Schaaf an eine der ersten Begegnungen mit Rudi Völler: Schaaf war im Auto unterwegs. 

„Auf der Autobahn stand ein R5 Turbo von Renault und daneben Rudi. Er hatte eine Panne. Da hab ich mir gedacht, da hältst du mal eben an, da steht einer von deinen Kollegen“, erzählt Thomas Schaaf in seiner typisch ruhigen Art. „Da kannten wir uns noch gar nicht so richtig. Das war echt der Hammer, das war ganz zu Beginn seiner Zeit“, muss er schmunzeln.

Rudi Völler entwickelte sich im Weserstadion schnell zum Publikumsliebling. Die Bremer liebten ihn. „Er war hier der Volksheld. Wie die Menschen mit ihm umgegangen sind, war unglaublich. Rudi konnte hier tun und lassen, was er wollte“, imponiert es Thomas Wolter noch heute. Der Grund ist für ihn eindeutig: „Weil er immer geliefert hat!“ Und Thomas Schaaf ergänzt: „Er war der Star hier – ganz klar. Deshalb wurde viel an ihm festgemacht. In dieser Rolle hat er sich zurechtgefunden, hat sich nie versteckt.“

Thomas Wolter über Schlitzohr Rudi Völler: „Bei Laufeinheiten im Bürgerpark kannte er jede Abkürzung“

Und er hat sich nie verbiegen lassen, beziehungsweise selbst verbogen. „Egal ob Schuhputzer oder Vorstand: Er ist mit allen gleich umgegangen. Für ihn war der Mensch im Vordergrund“, sagt Schaaf. Und Thomas Wolter erzählt: „Ich kam 1984 dazu, da war ich 20 Jahre alt. Er hat mich ganz normal behandelt, wie alle anderen auch“, erzählt er, schiebt aber schnell mit einem Lachen nach: „Aber auch genauso angemacht. Wenn die Flanke scheiße kam, hab ich das schon gehört. Dann kam die zweite Flanke auch scheiße, weil ich zittrige Knie hatte.“ Das weiß auch Schaaf noch: „Dann ist Rudi weggegangen und hat vor sich hingebrabbelt, wenn er sauer war. Im nächsten Moment war er aber auch wieder voll da.“

Rudi Völler schoss insgesamt 97 Bundesliga-Tore im Dress des SV Werder Bremen.

Thomas Schaaf war nach seiner Spielerkarriere 14 Jahre lang Trainer in Bremen und später auch bei Eintracht Frankfurt. In dieser Zeit hat er wenige Spieler wie Rudi Völler gesehen: „Er war ein Schlitzohr, mit allen Wassern gewaschen.“ Thomas Wolter erinnert sich gut an Laufeinheiten unter Trainer Otto Rehhagel: „Rudi kannte alle Abkürzungen im Bürgerpark, wo wir laufen gegangen sind.“

Werder Bremen-Star Rudi Völler zu Coach Otto Rehhagel: „Trainer, Sie wollen immer recht haben“

Der 56-Jährige hat Rudi Völler aber auch als einen „total emotionalen“ Menschen kennengelernt. „Man wusste genau, wann man ihn besser mal fünf Minuten nicht anspricht“, beschreibt er den torgefährlichsten Bremer Stürmer der 80er. „Richtig, wenn man genau wusste, jetzt muss er mal Luft ablassen, blieb man lieber weg“, ergänzt Thomas Schaaf und nennt ein Beispiel: „Rudi war immer total unzufrieden, wenn er eine Situation nicht bewegen konnte. Wenn die Meinung festgesetzt war, ist er im emotionalen Sinn total ausgerastet. Er ist nicht ausfallend geworden, sondern hat einfach Emotionen pur rausgehauen. 'Ich bin unzufrieden, das finde ich scheiße' – in diesem Stil. Das war schon echt spannend!“

ZwischenCoach Otto Rehhagel und Superstar Rudi Völler konnte es da schon einmal verbal zur Sache gehen. Wolter: „Deswegen habe ich damals nach dem TV-Interview mit Waldemar Hartmann nach dem Island-Spiel so gelacht. Weil er mit Otto früher auch manchmal so anfing. Rudi war sein Ziehsohn. In der Mannschaftssitzung haben die beiden dann angefangen zu diskutieren und sich da richtig reingesteigert. Wie der Rudi damals eben so war: ‚Trainer, Sie wollen immer recht haben, Sie wollen immer recht haben.' Das war so sein geflügelter Satz.“

Thomas Schaaf: „Egal, wann man Rudi Völler trifft - du hast immer das Gefühl, als wäre man gestern auseinandergegangen“

Schaaf konnte mit Völlers kleinen Ausrastern immer gut leben. „Auf der anderen Seite war er eben auch ein totaler Kumpel. So wie er manchmal im positiven Sinn einen Gegenspieler rausgekegelt hat, wie schlitzohrig er da war, war er auf der anderen Seite immer für den Kumpel da.“ Auch deswegen schätzt der heutige technische Direktor des SV Werder jedes Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Teamkollegen. „Wenn wir uns begegnen, ist da immer ein herzlicher Austausch. Bei ihm kommt das immer ehrlich rüber.“ Es gebe im Leben wenige Leute, über die man sagen könne: „Egal wann man sie trifft, hast du das Gefühl, du bist gestern erst auseinandergegangen. Egal wie lange das her ist. Bei Rudi ist das so.“

Laut Thomas Wolter ist Rudi Völler aus den drei gemeinsamen Werder-Jahren besonders eine Szene in Erinnerung geblieben. „Auf Willi Lemkes 70. Geburtstag kam er auch wieder direkt damit auf mich zu: 'Wenn ich dich sehe, muss ich schon wieder lachen. Ich sehe dich jetzt noch den Einwurf machen, du fällst um, und weg bist du.'“ 

Werder Bremen: Rudi Völler muss bei Thomas Wolter nur an eine Szene denken

Thomas Wolter muss grinsen, als er aufklärt: „Ich war gerade neu bei Werder. Wir waren im Trainingslager in Timmendorf. Ich hatte mir vorher die Schulter ausgekugelt, aber es war wieder alles in Ordnung. Als ich einen Einwurf machen wollte, habe ich mir die Schulter wieder ausgekugelt und bin zu Boden gefallen. Keiner wusste, was los war.“ Und das sei „leider das, was bei Rudi von mir hängen geblieben ist. Keine einzige Flanke, kein Torschuss“, flachst der heutige Sportlichen Leiter des Bremer Leistungszentrums.

Aber was soll erst Völler sagen? Von seinen fünf Jahren ist vor allem geblieben, dass er mit Werder nie Meister geworden ist. Aber in der Saison, nach der er für 7,5 Millionen Mark zum AS Rom gewechselt war, gelang es prompt. „Da wussten wir, an wem es gelegen hat'“, sagt Thomas Schaaf lachend.

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