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Mit ihm ging es bei Werder Bremen wieder bergauf: Trainer Florian Kohfeldt.

Das Alphabet zur Spielzeit 2017/2018

Die Werder-Saison von A wie Algorfa bis Z wie Zukunft

Bremen - Zu Beginn holprig bis schlecht, danach verbessert und stabil und zwischendurch sogar richtig gut: Hinter Werder Bremen liegt (mal wieder) eine Saison, in der Spieler, Verantwortliche und Fans durch beinahe sämtliche fußballerischen Gefühlslagen geschickt wurden.

Ein Trainerwechsel, schwere Verletzungen, unfassbare Paraden, ein großer Abschied, die Rückkehr einer Legende und ein geknackter Uralt-Rekord – was bei Werder in der Spielzeit 2017/2018 alles los war, zeigt das große Saison-A-bis-Z.

A wie Algorfa: Geplant war das Trainingslager im spanischen Algorfa nicht, erst Neu-Trainer Florian Kohfeldt entschied kurzfristig, mit seiner Mannschaft im Januar für acht Tage in den Süden zu reisen. Direkt am Neujahrstag ging es los. Die Bremer Spieler erwartete an der Costa Blanca eine Woche intensiven Taktiktrainings, in der Kohfeldt ihnen die Grundlagen seiner Idee von Fußball vermittelte.

B wie Boykott: Ein Bild mit Seltenheitswert gab es in der Ostkurve am Abend des 12. März, denn dort, wo sonst die Ultras für Stimmung sorgen, stand dieses Mal – niemand. Aus Protest gegen die Ansetzung des Heimspiels gegen Köln (3:1) an einem Montagabend waren 500 Fans der Partie ferngeblieben.

C wie China: Das Reich der Mitte – im vergangenen Sommer war es in Bremen omnipräsent. Zunächst verpflichtete Werder Stürmer Yuning Zhang und gab kurz danach zwei chinesische Unternehmen als Sponsoren sowie ein weiteres als Kooperationspartner bekannt. Obwohl es zwischen all diesen Deals auffällige personelle Verknüpfen gibt (so ist etwa Yuning Zhangs Vater Quancheng Zhang der Geschäftsführer eines der sponsernden Unternehmen) hat Werder stets abgestritten, dass es sich bei der Verpflichtung des Stürmers um einen Marketing-Schachzug handelt.

D wie Derbysieg: Es lief die 86. Minute, als Aron Johannsson in den Strafraum flankte – und in Rick van Drongelen einen Abnehmer fand, den er gar nicht gesucht hatte. Der Verteidiger des HSV bugsierte den Ball über die eigene Torlinie und verhalf Werder damit zum 1:0-Derbysieg. Es war ein Spiel, das lange in Erinnerung bleiben dürfte. Zum einen, weil die HSV-Fans mit dem wiederholten Abbrennen von Pyrotechnik beinahe für einen Abbruch gesorgt hätten. Zum anderen weil ihr Verein am Ende der Saison abstieg. Heißt: Werder bliebt auf unabsehbare Zeit Derbysieger.

E wie EM-Check: Zehn Standorte wurden gesucht, 14 Bewerber hatten ihren Hut in den Ring geworfen – und das Weserstadion ging leer aus. Im September war klar: Bremen gehört nicht zu den zehn Spielorten für die deutsche Bewerbung um die EM 2024. Bitter: Unter allen Bewerbern landete das Weserstadion auf dem letzten Platz.

F wie Fehlstart: Ein Drittel der Saison war bereits gespielt, da hatte Werder noch immer keinen Sieg eingefahren – kein Wunder also, dass der Glaube an den Klassenerhalt Anfang November nicht gerade groß war. Mit fünf Punkten auf dem Konto war Werder Vorletzter. Nach dem Trainerwechsel von Alexander Nouri hin zu Florian Kohfeldt bekam das Team die Kurve, holte bis zur Winterpause zehn Punkte und stellte den Anschluss wieder her.

G wie Gewitter-Warnsystem: Auf vielen Golfplätzen ist es längst Standard, und auch bei Werder wird seit dem vergangenen Sommer gewarnt, wenn es in einem Umkreis von acht Kilometern blitzt. Ein Gewitter-Warnsystem, installiert auf dem Trainingsgelände in der Pauliner Marsch, soll Profis und Nachwuchsspieler durch ein akkustisches Signal rechtzeitig auf ein nahendes Unwetter aufmerksam machen.

Werder-Sportchef Frank Baumann (r.) machte Florian Kohfeldt zum Werder-Cheftrainer.

H wie Heimserie: Seit zwölf Bundesligaspielen hat Werder im Weserstadion nicht mehr verloren, Trainer Kohfeldt ist seit seiner Amtsübernahme zu Hause noch ungeschlagen. Damit hat er in seiner ersten Saison eine historische Bremer Bestmarke geknackt: Zuvor waren Sepp Piontek und Otto Rehhagel nach ihrem Amtsantritt in jeweils neun Partien ohne Heimpleite geblieben.

I wie Irritationen: Für die sorgte Sportchef Frank Baumann, als er bei der Vorstellung von Neu-Trainer Kohfeldt sagte, er sei bei der Suche auf „bessere Trainer“ gestoßen. Öffentlich wurde dieser Satz von vielen als Abwertung Kohfeldts gewertet, Kommentator Marcel Reif sagte: „Die Pressekonferenz von Frank Baumann war Realsatire. Er hat den Trainer degradiert, weil er eigentlich einen anderen Trainer haben wollte.“ Baumann reagierte cool auf die Kritik und bat darum, dass sich der eine oder andere seine Sätze „etwas reiflicher“ überlegen solle.

J wie Junuzovic: 198 Pflichtspiele, 22 Tore und 54 Vorlagen – Zlatko Junuzovic war in den vergangenen sechseinhalb Jahren ein prägender Spieler bei Werder. Nun führt ihn sein Weg zurück in die Heimat zu RB Salzburg – mit einer ganz besonderen Erinnerung im Kopf: Zu seinem letzten Heimspiel im Weserstadion lief Junuzovic mit Sohn Clemens auf dem Arm auf.

K wie Kohfeldt: Sein Debüt verlor er mit 1:2 in Frankfurt, aber schon in diesem Spiel entstand der Eindruck, dass bei Werder in Zukunft vieles besser werden würde. Kohfeldt lässt sein Team mutig agieren, redete den Spielern die Angst vor dem Ballverlust aus und versprach direkt bei seiner ersten Pressekonferenz den Klassenerhalt. Seine Beförderung vom „Chef auf Zeit“ zum „Chef auf Dauer“ folgte im Dezember, die Vertragsverlängerung bis 2021 am Ende der Saison.

L wie Laufwunder: Maximilian Eggestein lief während seiner 33 Saisonspiele stolze 383,3 Kilometer – mehr als jeder andere Bundesligaprofi! Aber nicht nur deshalb war die Saison für den 21-Jährigen eine besondere. Eggestein avancierte zum Stammspieler. Darüber hinaus ging für ihn und seine Familie ein Traum in Erfüllung: Im DFB-Pokalspiel gegen Würzburg (3:0) stand er Anfang August erstmals mit seinem jüngeren Bruder Johannes für die Bremer Profis auf dem Platz.

M wie Max-Kruse-Racing: Dass Max Kruse gerne pokert, ist bekannt, im Januar machte der Werder-Star dann mit einem zweiten extravaganten Hobby auf sich aufmerksam: Er gründete einen Rennstall. „Max Kruse Racing“ nimmt seit dieser Saison an der Serie „ADAC TCR Germany“ teil.

N wie Nouri: Nach dem zehnten Spieltag war endgültig Schluss für den Trainer, der mit Werder im Jahr zuvor noch eine spektakuläre Serie in der Rückrunde hingelegt hatte. Ein 0:3 zu Hause gegen den FC Augsburg besiegelte letztlich das Schicksal Alexander Nouris, der bisher noch keinen neuen Verein übernommen hat.

Jiri Pavlenka war der große Rückhalt bei Werder Bremen in der vergangene Saison.

O wie Oh weh: Am vierten Spieltag brach sich Max Kruse im Heimspiel gegen Schalke 04 (1:2) das Schlüsselbein, kehrte allerdings nach nur vier Spielen Pause zurück. Ganz so schnell ging es bei Fin Bartels nicht, der sich am 15. Spieltag in Dortmund (2:1) die Achillessehne riss und erst in der neuen Saison sein Comeback feiern wird.

P wie Pavlenka: Die Vorbehalte nach seiner Verpflichtung waren groß, die Begeisterung über seine Leistungen noch größer: Jiri Pavlenka ist bei Werder der Gewinner der Saison. Mal mit spektakulären Paraden, mal mit abgeklärtem Spiel war der Keeper ein Rückhalt.

Q wie Qualität: Die bewies Werder beim Verhindern von Gegentoren. Nur 40 Mal durften die Gegner jubeln. Das ist der beste Wert seit der Saison 2009/2010. Bei der Suche nach den Gründen für die Abwehrstärke landet man schnell bei Keeper Jiri Pavlenka, aber auch Niklas Moisander spielt eine zentrale Rolle. In seiner zweiten Saison bei Werder ist er in die Rolle des spielstarken Abwehrchefs hineingewachsen.

R wie Rettung: Am 32. Spieltag war es amtlich: Werder bleibt in der Bundesliga! Ausgerechnet ein 3:1-Erfolg des Hamburger SV beim VfL Wolfsburg beseitigte die letzten Restzweifel am Bremer Klassenerhalt.

S wie Streik-Profi: Zwei Tage hintereinander fehlte er unentschuldigt beim Training, nach dem 0:0 gegen Hertha BSC zog Werder im Januar die Konsequenzen und suspendierte Lamine Sane. Der Verteidiger hatte seinen Stammplatz verloren und wollte mit seinem Streik einen Winter-Wechsel erzwingen – mit Erfolg: Sane spielt nun für Orlando in den USA.

T wie Technischer Direktor: Erste Anzeichen gab es im Herbst, konkret wurde es auf der Mitgliederversammlung im November, als Sportchef Baumann den Namen öffentlich machte: Thomas Schaaf. Die Trainerlegende kehrt zur neuen Saison zu Werder zurück. Das ist seit Anfang Mai fix. Als Technischer Direktor soll Schaaf an einer einheitlichen Spielphilosophie aller Bremer Teams mitarbeiten.

U wie Ultras: Stimmungsvolle Choreografien, lautstarke Unterstützung, dafür standen die Bremer Ultras auch in dieser Saison – aber eben auch für so manche Schlagzeile, die mit Fußball nichts zu tun hat. So geriet eine Gruppe beim Auswärtsspiel in Berlin mit der Polizei aneinander. Vor dem Nordderby in Hamburg wurden 171 Fans, darunter viele Ultras, an der Anreise gehindert, was Kritik am Vorgehen der Polizei auslöste. Und nach dem Heimspiel gegen Mainz kam es im Viertel zu einer Auseinandersetzung zwischen Ultras und Personen, die der Hooliganszene zugeschrieben werden.

V wie Videobeweis: Die erste Bundesliga-Saison mit Videobeweis (kurz: VAR) war eine Testphase. Darauf hat Sportchef Frank Baumann, ein Befürworter der technischen Neuerung, mehrfach hingewiesen – und zwar immer dann, wenn der Videobeweis mal wieder in die Kritik geraten war. Auch Werder hat mit dem VAR so seine Erfahrungen gemacht. Zwei Tore (Fin Bartels gegen Stuttgart und Maximilian Eggestein gegen Hertha) wurden dem Team aberkannt.

Ishak Belfodil war zuletzt mit seiner Reservistenrolle bei Werder Bremen unzufrieden.

W wie Wandervogel: Die Liste war schon lang, und Werder ist als weiterer Eintrag hinzugekommen: Für insgesamt acht verschiedene Vereine hat Ishak Belfodil in den vergangenen sechs Jahren gespielt. Club Nummer neun wird ab Sommer 1899 Hoffenheim. Nachdem Werder den Stürmer aus Lüttich ausgeliehen hatte, sah es nach etwas Anlaufzeit so aus, als sollte Belfodil eine Zukunft in Bremen haben. Querelen mit seinem Berater sowie ein schlechter Umgang mit der gelegentlichen Reservistenrolle überschatteten aber gute sportliche Ansätze.

X wie x-Mal: Kein Bremer Spieler passt den Ball öfter als Abwehrchef Niklas Moisander. x-Mal unternimmt der Finne im Spielaufbau den Versuch, die Kugel zum Mitspieler zu bringen, in Summe kommen bei ihm 1473 Pässe zusammen. Auch Moisanders Quote kann sich sehen lassen: 83,3 Prozent seiner Zuspiele kamen an.

Y wie Yuning Zhang: Für die Bundesliga nicht gut genug, für die U23 ohne Spielerlaubnis – hinter Yuning Zhang liegt ein schwieriges Jahr. Gut möglich, dass das Leihgeschäft mit West Bromwich Albion im Sommer endet. Immerhin: Der 21-Jährige hat Werder einen Schritt näher an den chinesischen Fußballmarkt herangeführt.

Z wie Zukunft: Die Entwicklung der Mannschaft ist positiv, Trainer Kohfeldt hat einen Plan, und auch die ersten Personalien für die neue Saison sind schon geklärt. Kurz: Werders Zukunft verspricht einiges.

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