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Ohne Frage Werders Gesichter der Saison: Trainer Florian Kohfeldt und Vereinslegende Claudio Pizarro haben für ganz besondere Momente gesorgt.

Süßes Geheimnis und bitterer Irrtum

Werders Saison von A wie Altmeister bis Z wie Zielsicher

Bremen – Das Saisonziel? Bewusst ambitioniert. Die Leistungen? Selten schwach, sondern meistens ansprechend, phasenweise sogar begeisternd – hinter Werder Bremen liegt eine emotionale Saison, die Lust auf mehr gemacht hat, die im Nachgang wie ein Versprechen auf eine erfolgreiche grün-weiße Zukunft wirkt.

Da gab es unter anderem die Rückkehr des Altmeisters, den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte, ein süßes Geheimnis und einen folgenschweren Irrtum. Was bei Werder im Spieljahr 2018/2019 alles los war, zeigt das große Saison-A-bis-Z.

A wie Altmeister: Vor der Saison kehrt er überraschend zu Werder zurück, dann schnappt er sich den Rekord als ältester Bundesliga-Torschütze – und am letzten Spieltag feiert das ganze Weserstadion seine Vertragsverlängerung. Auch im für einen Fußballer sehr stolzen Alter von 40 Jahren sorgt Claudio Pizarro für die ganz großen Momente.

B wie Brüder: Der eine schafft bei Werder endgültig den Sprung zum Bundesliga-Profi, der andere sogar den in den Dunstkreis der Nationalmannschaft: Hinter den Brüdern Johannes (20) und Maximilian Eggestein (22) liegt eine sehr erfolgreiche Saison. Entsprechend euphorisch reagieren die Fans im April auf die Nachricht, dass beide Eggesteins ihre Verträge verlängern.

C wie Chiemsee: Zum ersten Mal hält Werder im August ein Trainingslager in Grassau am Chiemsee ab und holt sich dort den Feinschliff für die Saison. Bitter: Der neue Ersatzkeeper Stefanos Kapino zieht sich einen Sehnenanriss im Oberschenkel zu und fällt ein halbes Jahr aus. Insgesamt gefällt es den Bremern in Grassau aber so gut, dass sie im Sommer wieder dort Station machen.

D wie Dritter Platz: Es ist Werders beste Platzierung während der Saison. Gleich zweimal – nach dem fünften und dem achten Spieltag – grüßt das Team von Rang drei. Das dokumentiert nicht nur den starken Saisonstart mit 17 Punkten aus acht Spielen, sondern ist ein früher Hinweis darauf, dass das ambitionierte Ziel (siehe Buchstabe E), das der Verein ausgegeben hat, nicht utopisch ist.

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Werder Bremen: Europa-Motivation und Handspiel-Diskussion

E wie Europa: Es ist das Wort, das sich durch Werders Saison zieht wie ein roter Faden, das bei den Fans Sehnsüchte nach großen Flutlichtabenden weckt – und das die Mannschaft vom ersten Spieltag an motiviert. Am Ende verpasst Werder das internationale Geschäft als Achter denkbar knapp.

F wie Fan-Vergehen: Zu insgesamt 109.000 Euro Strafgeld wird Werder wegen des unrühmlichen Verhaltens seiner Fans vom DFB verurteilt. Geahndet wird mit den Geldbußen das Abfackeln von Pyrotechnik, womit die Bremer Ultras bei den Spielen in Worms, Lübeck, Dortmund und Gelsenkirchen (jeweils DFB-Pokal) sowie in Nürnberg (Liga) negativ auffallen.

G wie Geburtstag: Den feiert Werder 2019 wie in jedem Jahr am 4. Februar – dieses Mal ist es allerdings ein besonderer: Der 1899 gegründete Verein wird 120 Jahre alt. Deswegen gibt es einen Festakt mit geladenen Gästen, ein großes Konzert in der „Alten Werft“ und ein Sondertrikot, das bei den Fans für mächtig Ärger sorgt. Die Jerseys sind auf 1899 Exemplare limitiert, was der Grund dafür ist, dass die meisten Anhänger leer ausgehen. Viele Fans, die ein Trikot ergattern können, bieten es später bei Ebay an – für ein vielfaches des ohnehin schon üppigen Originalpreises von 118,99 Euro.

H wie Handspiel: Hand oder nicht? Das ist die große Streitfrage der Saison, und auch Werder macht leidvolle Erfahrung mit dem Thema. Während des Spiels in Freiburg bekommt Niklas Moisander den Ball aus kurzer Distanz an den Arm geschossen, und der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt. Immer wieder kommt es vor, dass die Referees vergleichbare Szenen anders auslegen. „Es gibt keine klare Linie“, hadert Maxi Eggestein.

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I wie Irrtum: Am 24. April sind 78 Minuten gespielt, als es im DFB-Pokalhalbfinale zwischen Werder und Bayern München zu einer folgenschweren Fehlentscheidung kommt. Nach einem Zweikampf zwischen Theo Gebre Selassie und Kingsley Coman pfeift Schiedsrichter Daniel Siebert Elfmeter und besiegelt damit das Ausscheiden der Bremer, die nach einem 0:2 zurückgekommen waren. Hinterher gibt der DFB den Elfer-Irrtum öffentlich zu.

J wie Johannsson: Nach vier Jahren, in denen es der dauerverletzte Stürmer nur auf 30 Einsätze bringt, verlässt Aron Johannsson Werder am Ende der Saison und bekommt von Trainer Kohfeldt ein besonderes Abschiedsgeschenk. Am letzten Spieltag darf der 28-Jährige gegen Leipzig noch einmal für drei Minuten aufs Feld.

K wie Käpt’n Kruse: Er kommt mit Bäuchlein aus dem Urlaub, wird von Kohfeldt zum Kapitän ernannt, avanciert mit elf Toren und zehn Vorlagen zu Werders Topscorer – und entscheidet sich nach langem Abwarten dafür, das Angebot des Vereins zur Vertragsverlängerung nicht anzunehmen. Kurz: Auch in seiner letzten Saison bei Werder ist Max Kruse ein zuverlässiger Schlagzeilen-Lieferant.

L wie Laufwunder: Stolze 4057,1 Kilometer spulen die Werder-Profis während ihrer 34 Ligaspiele ab. Nur die Spieler aus Leverkusen (4132,2), Freiburg (4090,7) und Hoffenheim (4070,7) laufen noch mehr. In der Einzelwertung geht Platz eins aber nach Bremen: Maxi Eggestein ist zum zweiten Mal in Folge lauffreudigster Akteur - und hat mit 409,24 Kilometern einen neuen Bundesliga-Rekord seit Erfassung der Tracking-Daten im Jahr 2013/14 aufgestellt.

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Werder Bremen: Milchreis als süßes Geheimnis

M wie Milchreis: Es ist seit Jahren Werders süßes Geheimnis – doch kurz nach dem Saisonstart wird es gelüftet: Als letzte Mahlzeit vor den Spielen kommt für die Mannschaft Milchreis auf den Tisch. „Das ist eine alte Tradition“, sagt Kohfeldt.

N wie NWLZ: Eine sperrige Abkürzung, hinter der sich das noch viel sperrigere Wort Nachwuchsleistungszentrum verbirgt. Werders Talentschmiede in der Pauliner Marsch soll runderneuert werden. Im November stellt Präsident Hubertus Hess-Grunewald den Anwohnern am Osterdeich, die dem Projekt zustimmen müssen, die Pläne für die neuen Gebäude vor – und stößt auf Widerstand. Bis heute ist nicht klar, ob gebaut werden kann oder nicht.

O wie Offensive: Mit 58 Toren in 34 Spielen stellt Werder den achtbesten Angriff der Liga. Und auch die Torverteilung kann sich sehen lassen: 14 Spieler waren erfolgreich. Nur sechs Teams weisen noch mehr verschiedene Torschützen auf.

P wie Polizeikosten: Das Gerichtsurteil fällt Ende März – und es trifft Werder ins Mark: Die Beteiligung des Profi-Fußballs an Polizeikosten bei Risikospielen ist rechtmäßig. Das Land Bremen darf also weiterhin Rechnungen für Hochrisikospiele an die Deutsche Fußball Liga (DFL) schicken – und diese will die Kosten an Werder weiterreichen. Insgesamt belaufen sich die Forderungen Bremens an die DFL auf 2,3 Millionen Euro für sieben Partien seit 2015.

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Q wie Qualen: Eine schmerzhafte Saison ist es für Fin Bartels und Philipp Bargfrede. Ersterer feiert im März gegen Schalke sein Comeback nach einjähriger Auszeit wegen eines Achillessehnenrisses, nur um sich kurz darauf eine Muskelverletzung zuzuziehen und für den Rest der Saison auszufallen. Bargfrede bringt es immerhin auf 15 Einsätze, spielt nach dem 25. Spieltag aber gar nicht mehr und muss sich nach der Saison am Knie operieren lassen.

R wie Rekordtransfer: 13,5 Millionen Euro – mehr Geld hat Werder noch nie für einen Spieler investiert: Davy Klaassen wechselt vom FC Everton nach Bremen und hält seitdem diesen Rekord. Auf dem Platz zeigt der Niederländer, dass er sein Geld wert ist. Er bestreitet er 33 Bundesligaspiele, in denen er fünf Tore schießt und fünf Tore vorbereitet.

S wie Südafrika: Gut 9.000 Kilometer liegen zwischen Bremen und Johannesburg, was Werder im Januar nicht davon abhält, den Weg auf sich zu nehmen, um in der südafrikanischen Metropole sein Wintertrainingslager abzuhalten. Vor Ort gibt es auch viel Kultur: Werder besucht eine Township, feiert mit dem Deutschen Botschafter und geht in einem Tierpark auf Safari, was von Tierschützern kritisiert wird.

T wie Trainer des Jahres: Der wird auch 2019 vom DFB ausgezeichnet – und dieses Mal kommt er aus Bremen. Florian Kohfeldt hat die Branche innerhalb kürzester Zeit von sich überzeugt, was an seinem attraktiven Fußball, aber auch an seinem charismatischen Auftreten liegt. „Ich sehe den Preis als Auszeichnung für das gesamte Trainerteam“, sagt er.

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Werder Bremen: Große Auftritte von Josh Sargent und Milot Rashica

U wie US-Talent: Seinen großen Auftritt hat Josh Sargent am 14. Spieltag, als er im Heimspiel gegen Düsseldorf seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielt – und damit den Hype um seine Person so richtig anfacht. Gegen Leipzig gelingt dem 19-jährigen Stürmer ein weiteres Tor, gegen Ende der Saison kommt er aber nicht mehr zum Einsatz, weil ihm „die geistige Frische fehlt“ (Kohfeldt).

V wie Videobeweis: Macht er das Spiel gerechter, oder ist er am Ende doch verzichtbar? Die zentrale Frage zum Videobeweis lässt sich auch aus Werder-Sicht nicht klar beantworten. Mal profitieren die Bremer, mal fühlen sie sich benachteiligt. Nach der Saison macht Trainer Kohfeldt einen Vorschlag: „Ich würde ihn auf faktische Entscheidungen beschränken: Abseits oder nicht, Ball im Aus oder nicht, dazu die Torlinientechnologie.“

W wie Wirbelwind: Der ist bei Werder vornehmlich auf der linken Seite unterwegs und heißt: Milot Rashica. Mit neun Toren, fünf Vorlagen und vielen spektakulären Aktionen hat der Kosovare den Durchbruch in der Bundesliga geschafft.

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X wie Xbox: Dieser Punkt hätte auch unter „P wie Playstation“ stehen können, denn es geht um eSports. In Michael „Megabit“ Bittner und Mohammed „MoAuba“ Harkous schickt Werder erstmals zwei Konsolensportler (FIFA) ins Rennen. Gemeinsam gewinnen sie die Deutsche Meisterschaft. Bittner sichert sich im Finale gegen Harkous noch den Einzeltitel.

Y wie Yuya Osako: Auf den Japaner muss Werder zu Beginn der Rückrunde lange verzichten, weil er den Asien-Cup spielt und mit einer langwierigen Verletzung zurückkehrt. Zwischen Verein und japanischem Verband sorgt das für Irritationen. Osako bestreitet in seiner ersten Saison 21 Spiele für Werder (drei Tore, drei Assists).

Z wie Zielsicher: Statistisch gesehen ist Kevin Möhwald Werders genauester Schütze. Laut „ligainsider“ flogen zehn seiner 20 Schüsse auf das Tor, was eine Quote von 50 Prozent ergibt. Die Wertung wurde bereinigt, sodass Spieler mit nur einem erfolgreichen Torschuss nicht mit 100 Prozent Platz eins belegen können.

Ein großes Thema wirft derweil schon Schatten auf die neue Saison: Werder Bremen hat die Namensrechte am Weserstadion verkauft. Es ist ein Thema, das heiß diskutiert wird. Stadionsprecher Arnd Zeigler etwa sagt im Interview mit der DeichStube: „Der Verein ist größer als einzelne Sponsoren.“ Unter den Fans gibt es viele unterschiedliche Meinungen: viel Empörung, aber auch viel Verständnis. Das zeigen die Netzreaktionen zum Wohninvest Weserstadion.

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