Es war viel los in der vergangenen Saison beim SV Werder Bremen - den Saison-Rückblick gibt‘s im „A bis Z“.
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Es war viel los in der vergangenen Saison beim SV Werder Bremen - den Saison-Rückblick gibt‘s im „A bis Z“.

Bundesliga-Saison 2019/2020

Eine Bierdose, zwei Quertreiber, viele Verletzungen: Die Werder-Saison im „A bis Z“

Bremen – Was hat Werder Bremen – neben dem Abstiegskampf als alles beherrschendes Thema – nicht noch nebenbei erleben müssen in der vergangenen Saison!

Teile der Fan-Szene zetteln eine Fehde mit dem neuen Stadionsponsor Wohninvest an, der ewige Claudio Pizarro lacht über ein unangemessenes Bierdosenfoto und zwei Club-Legenden schießen scharf gegen Trainer Florian Kohfeldt. Das alles steckt im „A bis Z“ der Saison des SV Werder Bremen - Teil zwei. Ach ja, und jährlich grüßt natürlich auch der Yuya...

N wie Nachbarschaftsduell: Für die Region ist es ein Traumlos: Erste Runde im DFB-Pokal, SV Atlas Delmenhorst gegen Werder Bremen im Weserstadion – Fußballherz, was willst du mehr? Sportlich ist das Duell der Nachbarn am Ende wie erwartet eine klare Sache, Werder gewinnt im August mit 6:1. Für den SV Atlas ist die Partie jedoch der Startschuss in eine Fabel-Saison, die mit dem Aufstieg in die Regionalliga endet.

O wie Offenheit: In dieser Deutlichkeit ist er der Erste in der Branche: Im Frühjahr rechnet Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry öffentlich vor, wie sehr sein Verein wirtschaftlich von der Corona-Pandemie getroffen wird, was ihm viel Lob einbringt. Von 45 Millionen Euro Verlust geht Filbry aus, am Ende sind es „nur“ 30 Millionen Euro für die Saisons 19/20 und 20/21. Um diese Herausforderung meistern zu können, hat Werder einen KfW-Kredit beantragt.

Werder Bremen: Claudio Pizarro beendet seine Karriere

P wie Pizarro: Nach einer so langen und erfolgreichen Karriere hätte ihm wohl jeder Fußballfan einen anderen Abschied gewünscht, doch Claudio Pizarro bleibt nach 490 Bundesligaspielen nur der Abgang durch die Hintertür, weil Corona nichts anderes zulässt. In seiner allerletzten Saison glücken Werders Rekordtorschütze (109 Tore), der inzwischen 41 Jahre alt ist, weder Treffer noch Vorlage. Sei’s drum. Nach der Rettung in Heidenheim lassen ihn die Mitspieler hochleben.

Q wie Quertreiber: Als es in der Rückrunde so richtig schlecht um Werder steht, passiert etwas, was sonst eher nicht zum Bremer Miteinander gehört: Ehemalige Spieler werden zu Chefanklägern. Sowohl Rune Bratseth als auch Dieter Burdenski fordern öffentlich einen Kohfeldt-Rauswurf. Bratseth rudert später zurück. Mit Burdenski spricht sich Sportchef Baumann aus.

R wie ruhende Bälle: 21 Gegentore nach Standardsituationen kassiert Werder während der Saison, mehr als jedes andere Team in der Liga. Es ist ein Problem, das sie in Bremen – trotz eigens verpflichtetem Standard-Co-Trainer Ilia Gruev – nie in den Griff bekommen.

Werder Bremen: Große Verletzungs-Misere - 22 Spieler fallen aus

S wie Sturmwarnung: Weil in Salzburg ein heftiger Sturm angekündigt ist (der letztlich gar nicht kommt), gibt es in Bremen Turbulenzen. Das Europa-League-Spiel zwischen RB Salzburg und Eintracht Frankfurt muss Ende Februar einen Tag nach hinten verlegt werden, weshalb wiederum das Frankfurter Gastspiel in Bremen entfällt, was bei Werder für Unverständnis sorgt. Nachgeholt wird die Partie nach der Corona-Pause. Die Bremer verlieren mit 0:3.

T wie Traumtore: Viele gibt es davon nicht von Werder zu bestaunen, doch wenn, dann ist immer ein- und derselbe Mann dafür verantwortlich: Leonardo Bittencourt. Im Pokal gegen Dortmund sowie in der Liga gegen Schalke zeigt er, wie schön Toreschießen aussehen kann.

U wie Urlaubsfoto: Das Meer türkisfarben, der Oberkörper frei, und die grün-goldene Bierdose in der Hand – mit einem Urlaubsfoto von sich selbst sorgt Claudio Pizarro für einen Mini-Aufreger in der Winterpause. Die Frage dazu: Sieht so eine dem sportlichen Ernst der Lage angepasste Freizeitgestaltung aus? Pizarros Antwort: „Ich habe darüber nur gelacht.“

V wie Verletzungen: In aller Kürze, tat ja schließlich schon genug weh: 22 Profis fehlen Werder während der Saison verletzungsbedingt. Kevin Möhwald, Niclas Füllkrug und Ömer Toprak verpassen die Spielzeit nahezu komplett. Die Schuld für die Misere (wenn auch nicht für jeden Einzelfall) sieht Trainer Kohfeldt hinterher bei sich und einer fehlerhaften Gestaltung der Saisonvorbereitung.

Werder Bremen verkauft Stadionnamen: Fan-Proteste gegen Wohninvest

W wie Wohninvest: Werder Bremen verkauft die Namensrechte am Weserstadion, das seit Sommer 2019 „Wohninvest Weserstadion“ heißt. In der Fanszene stößt das auf Unmut, der unter anderen in einem Protestmarsch und während der Spiele durch das Abhängen der Wohninvest-Loge mit einem dunklen Banner Ausdruck findet.

X wie x-Mal: Bohren sich die Stollen von Davy Klaassen in den Rasen, denn mehr als die 385,5 Kilometer des Niederländers läuft in der Saison nur ein Profi: Joshua Kimmich vom FC Bayern (397,9).

Y wie Yuya Osako: Zugegeben, seit Sambou Yatabare Werder 2017 verlassen hat und auch Yuning Zhang seit 2018 nicht mehr da ist, geht der Eintrag unter „Y“ schon zum zweiten Mal in Folge an Yuya Osako – aber finden Sie mal ein passendes Wort! Immerhin trifft es sich doch ganz gut, dass der Japaner nach der Corona-Pause einer der besten Bremer war.

Z wie Zukunft: Sie soll besser werden, das ist Werders Ziel. Ob es gelingt, kann freilich nur sie selbst zeigen. (dco)

Die Saison des SV Werder Bremen im „A bis Z“.

Zum ersten Teil:

Viel Angst, ein Landgasthof und neue Freunde: Die Saison von Werder Bremen im „A bis Z“ - Teil 1

Bremen – Sie wollten ganz hoch hinaus und wären beinahe ganz tief abgestürzt. Nach Europa sollte es für Werder Bremen in der Saison 2019/2020 gehen – angekommen ist die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt stattdessen in Heidenheim. Relegation, Rettung in wirklich allerletzter Sekunde – gerade nochmal gut gegangen.

Was aber nichts daran ändert, das es ein sportlich desaströses Jahr für den Verein war. Auch abseits des Platzes sah sich Werder mit großen Herausforderungen konfrontiert – und trotzdem gab es sie ebenso, die schönen Geschichten in Grün-Weiß. Daran, was bei Werder Bremen in der Serie 2019/20 so alles los war, erinnert das große Saison-A-bis-Z der DeichStube. Heute Teil 1 bis „M“:

A wie Abstiegsangst: Für möglich hält es im Sommer 2019 niemand, doch dieses Wort prägt die Saison der Bremer. An 15 von 34 Spieltagen steht Werder auf dem vorletzten Tabellenplatz. Schlusslicht ist das Team zwar nie, doch weiter rauf als auf Rang zehn (4. und 5. Spieltag) geht es auch nicht. Bei Werder erkennen sie die Gefahr viel zu spät. Noch im November, nach der 1:2-Heimpleite gegen Schalke 04, sagt Davy Klaassen: „Ich finde, wir sind zu stark für den Abstiegskampf.“ Nun ja.

B wie Beförderung: 2017 das Karriereende, ein Jahr später der Einstieg ins Traineeprogramm – und 2019 die Beförderung zum Chef der Scouting-Abteilung: Clemens Fritz legt bei Werder einen steilen Aufstieg hin. Als Kader-Planer Tim Steidten im Sommer 2019 nach Leverkusen wechselt, übernimmt Fritz dessen Job. Aktuell spricht vieles dafür, dass dem 39-Jährigen schon bald die nächste berufliche Veränderung winkt: Er gilt als heißester Kandidat auf den Posten eines Managers, der die Interaktionen und Schnittstellen aller relevanten Bereiche im Profi-Bereich managen soll. Ein Name für diese Funktion muss allerdings erst noch gefunden werden. Teammanager ginge, aber einen solchen hat Werder in Tim Barten bereits.

Werder Bremen: Corona legt die Bundesliga lahm

C wie Corona: 66 Tage Zwangspause, mitten in der Saison: Die Coronavirus-Pandemie stoppt die Bundesliga im März bei voller Fahrt. Erst Mitte Mai kann die Serie fortgesetzt werden. Dazwischen liegen Wochen mit Training im „Home Office“ und vielen Fragezeichen: Wann geht’s weiter? Geht’s überhaupt weiter? Und wie verkraftet Werder die wegbrechenden Einnahmen? Finanziell wird der Verein noch lange daran zu knabbern haben, sportlich hilft Corona allerdings. Sportchef Frank Baumann: „Nach der Coronapause war es wie ein Neustart, um mental da unten rauszukommen.“

D wie Dienstältester: Mehr Werder geht nun wirklich nicht: Genau 50 Jahre lang (Vereinsrekord!) ist Karl-Heinz „Kalli“ Kamp hauptamtlich für die Grün-Weißen tätig, als er sich im Sommer 2020 in den Ruhestand verabschiedet. Während der aktiven Laufbahn nimmermüder Arbeiter, später dann ewiger Co-Trainer wird er in Erinnerung bleiben.

E wie Europa: Nur für die, die es tatsächlich vergessen haben sollten: Auch im vergangenen Jahr stand in unserem kleinen Saison-Lexikon unter „E“ das Wort „Europa“. Ein kleiner Auszug: „Am Ende verpasst Werder das internationale Geschäft als Achter denkbar knapp.“ Daraus wiederum erwachsen die Hoffnungen, die in der abgelaufenen Saison... ach, Sie wissen schon.

F wie Fan-Freundschaft: Der Heimsieg von Union Berlin gegen Düsseldorf am letzten Spieltag, danach kistenweise Dankeschön-Bier aus Bremen in die Hauptstadt, weil Werder es so tatsächlich noch in die Relegation schafft – das sind die Zutaten für eine besondere Beziehung zwischen den beiden Vereinen, deren Fans auch künftig befreundet durch die Liga laufen dürften.

Werder Bremen: Christian Groß schafft es mit 30 Jahren in den Profi-Kader

G wie Groß: Und plötzlich ist er da, spielt – und geht auch nicht mehr weg. U23-Kapitän Christian Groß schafft es im zarten Alter von 30 Jahren tatsächlich noch zum Bundesligaprofi. Weil die Personalnot in der Defensive beispiellos groß ist, beruft Trainer Florian Kohfeldt den gebürtigen Bremer in den Profikader. Am Ende bringt es Groß auf 14 Einsätze in der Liga. Auch für die neue Saison ist er fest eingeplant. Großartig.

H wie Heidenheim: Zwei Spiele, kein Sieg – und am Ende doch der Gewinner: Werders Relegationsauftritte gegen den Zweitligisten waren nichts für schwache Nerven. „Haben wir doch souverän gelöst“, scherzt Sportchef Baumann im Anschluss an das 2:2 im Rückspiel, das nach dem 0:0 aus Bremen zum Klassenerhalt reicht.

I wie Imageschaden: Es ist eine Aktion, die in Sachen Außenwirkung mächtig in die Hose geht. Mit der Bitte an die Dauerkartenbesitzer, zu „Kurvenhelden“ zu werden, sprich auf die Rückerstattung von Ticketkosten zu verzichten, um den Verein dadurch finanziell zu entlasten, macht sich Werder keine Freunde. Zumal der Club im Mai fast zeitgleich mitteilt, dass die Mannschaft für ihr Quarantänetrainingslager im Fünf-Sterne-Haus Parkhotel absteigt. Unglücklich.

J wie Jahresanfang: Den verbringt Werder im Süden, genauer: auf der Urlaubsinsel Mallorca, wo Trainer Kohfeldt seine Mannschaft fit für die Rückrunde machen will. Viel trainieren kann er mit seinem arg ausgedünnten Kader aber nicht. In sieben Tagen bringen die Bremer gerade einmal acht Einheiten über die Bühne.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt fällt tief

K wie Kohfeldt: Vom Trainer des Jahres zum Fast-Absteiger – Florian Kohfeldt bekommt in der Saison 19/20 schmerzhaft zu spüren, was Fallhöhe bedeutet. In der Öffentlichkeit ist der 37-Jährige ob der sportlichen Talfahrt seiner Mannschaft plötzlich ganz und gar nicht mehr unumstritten, im Verein dafür aber nach wie vor. Werder glaubt fest an Kohfeldt, der die versprochene Rettung schafft und weitermacht.

L wie Landgasthof: Es geschieht im September auf der B6, irgendwo auf der Strecke von Bremen nach Havelse: Werders U23 stoppt mit dem Mannschaftsbus und setzt Stürmer Luc Ihorst an einem Landgasthof aus, weil er eben nicht am Abend gegen den TSV Havelse, dafür aber kurzfristig am kommenden Tag – Achtung! – in der Bundesliga gegen RB Leipzig zum Einsatz kommen soll! Profi-Betreuer Tim Barten fährt den 19-Jährigen zurück nach Bremen, wo Ihorst tags darauf als Joker ein kurioses Bundesliga-Debüt feiert.

M wie Metallkoffer: Das gute Stück steht inzwischen im „Wuseum“, und da gehört es auch hin, schließlich repräsentiert es eine noch nie dagewesene Werder-Saison wie kein anderer Gegenstand. Während der Geisterspiele sorgt die Bremer Bank mit Schlägen auf den Metallkoffer für Krach in den leeren Stadien – was bei den Gegnern für Naserümpfen sorgt, letztlich aber auch zur Rettung beigeträgt. (dco)

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